Tag Archives: Steiermark

Zeitgeschichte regional: Ehrlich bleibt beschwerlich

(wil) Da wagt es unser ältester Autor, in seinen Erinnerungen „Leobner Geplärr“ heute noch lebende Personen zu nennen, die als Lokalpolitiker in der Hoch-Zeit des Proporzes nicht gerade gut funktionierten (um es dezent auszudrücken). Einen Rechtsanwalt will eine erboste Tochter  auf unseren Kleinverlag hetzen. Dabei hat Autor, Gert Wlasich, nur aus seinen  Reportagen zitiert, die er als steirischer Journalist vor 1979 ohne jedes anwaltliche Nachspiel verfasst hat. – Töchterliche Eitelkeit oder späte Vaterliebe in den heutigen Zeiten der political correctness, von der in den 1960er/70er Jahren noch nicht die Rede war?

Der Anwalt soll sich melden. Wie haben auch einen. Bleibt uns bis dato nur, das altjüdische Sprichwort „Ehrlich ist beschwerlich!“ gut leserlich an unsere Notiztafel zu heften, bis der Anwalt klingelt…

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*) In der Steiermark gibt es viele Täler ohne Buchhandlungen, da die Eingeborenendichte wunderbarerweise sehr gering ist.

 

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Stolpersteine: Alleinanspruch für ermordete Juden? Graz will’s anders!

Berliner "Stolpersteine"

Berliner „Stolpersteine“

(silv) Zwei schwule Paare aus Graz zu Besuch in Berlin. Ich treffe sie im neuen Kaffeehaus BUNA in der Eisenacherstraße. Als steirischer Landsmann suche und finde ich das Gespräch mit den Vieren. Der Dialekt war’s, nicht meine Aufdringlichkeit als alter Zeitungsschreiber, der die Leute zum Reden brachte. Wir kommen, weil sich Erich aus Graz-Andritz nach dem Spaziergang durch die Nollendorfstraße, wo Isherwood Anfang der 1930er Jahre Untermieter war und mit einer Gedenktafel an der Hausfassade (Nr. 17) geehrt wurde,  auf die Frage, ob es in Berlin nur ermordete Juden gegeben habe. Und keine Homos, keine Politischen, keine Zigeuner, keine Mormonen, keine Behinderten. Manfred aus Graz-Wetzelsdorf belehrt von der Seite, seine Kaffeetasse aufs Holzbankerl stellend: „Die Zigeuner waren und sind fahrendes Volk, mein Lieber, deshalb hatten sie keine Wohnadresse und heute auch keine Stolpersteine im Straßenpflaster…“

Robby outet sich als steirischer Schwulen-Aktivist („Obwohl ich ein Landei aus Köflach bin!“) und erzählt mir, dass nun auch in Graz von einem gewissen Künstler – „Demnrig heißt der Mann, der in ganz Europa seine Messingwürfel einpflastert!“ – bestimmte Gehwege verziert werden sollen, um eine ewige Mahnung und Erinnerung an die von den Nazis umgebrachten Juden in den Boden zu rammen. Im Gegensatz zu Berlin werde in Graz aber ein „jüdischer Alleinanspruch“ heftig kritisiert. Wahrscheinlich aber erfolglos, weil in der „Stadt der Volkserhebung“ (NS-Titel für die steirische Hauptstadt) kaum mehr Daten und Unterlagen über die „warmen Brüder“ (Ronny) existierten. Die habe man ganz einfach weggeworfen, was die Grünen-Gemeinderätin Daniela Grabe veranlasst habe, mit den (lesbischen) „Rosalia Pantherinnen“ ein eigenes Rechercheprojekt zu starten.
Wie ich das finde: TOLL. Wenn schon die Berliner Schwulen geschlafen haben, dann wenigstens frischer Wind aus der Steiermark.

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Nostradam‘ in Kalwang und Mautern?

H.-P. Eis, Berlin. – Das steirische Liesingtal mag als vergleichsweise langweilig gelten. Zu Unrecht, wie kundige Kundler behaupten. Einer der Kundigen mag der Fredl P. sein. Heute knapp 70 und seit langem Lübecker, will er dort Spuren des Nostradam‘ von Ranten gefunden haben und alten Gerüchten nachgehen, um die 3 Kilogramm schwere Gold-Prämie gewinnen, die in unserem Verlagsprodukt „Es liegt noch Gold im Halensee“ ausgelobt wurde. Nun liest er Gerd Joachims Buch noch einmal durch…

Mit dieser Milliarde begann es...

Fredl, in dessen katholischem Taufschein „Ferdinand“ steht, will keck sein, außerdem der Erste. Einen Kurzbesuch in Berlin nutzte er vorgestern, um ohne Voranmeldung in unserem Verlagsbüro „Grüß Gott!“ zu sagen.  Enttäuscht darüber, dass wir ihm Gerd, den Autor des „Halensee“-Buches, nicht bieten konnten (weil dieser wieder mal am Mittelmeer faulenzt), trotzdem wird der Mann recht gesprächig: Dank PC konnten wir seine Heimat, das Liesingtal, die bequemste Verbindung zwischen dem steirischen Mur- und dem Ennstal, rasch lokalisieren und dank google die Landschaft zwischen dem Markt Mautern und dem kleineren Ort Kalwang lokalisieren.

Fredl erzählte von einem schon verstorbenen Oberschulrat Hofer (?), der nicht nur wegen seiner rötlichen Haare, sondern auch als Geschichtenerzähler bekannt gewesen sein soll. Fredl: „Später ist er dann meistens nur mehr grantig  gewesen, der Volksschuldirektor Hofer.“ Er habe als jüngerer Lehrer jedenfalls nicht nur vom „Lindwurm zu Kalwang“ erzählt und von der „erlösten Jungfrau“, sondern auch vom Mönch Nostradam‘ (so nennt sich der in Joachims „Halensee“-Buch kurz skizzierte Mönch, der nach dem Hinauswurf aus dem Kloster St. Lambrecht [wg. Sodomie] ständig auf der Flucht war). Dieser Nostradam‘ soll, wie Fredl beinahe druckreif referiert, auch nach Mautern und Kalwang gekommen sein und bei der damaligen Herrschaft Ehrnau Unterschlupf gefunden haben. Weil er dort wegen der hygienischen Zustände die Krätze bekam und einen entstellenden Hautausschlag dazu,  galt er als Aussätziger und wurde ins nahegelegene Kupferbergwerk verbannt, wo er auf Siechende und Sterbende traf, die sich im „Goldloch“ von Mautern vor der Dorfbevölkerung verstecken mussten und auf ihren Tod warteten.

Den Nostradam‘ von Ranten (Ort bei Murau, damals wie heute ein Bauerndorf) soll das Schicksal seiner Leidensgenossen derart ergriffen haben, dass er das damals wie heute düstere Ehrnauer Anwesen verfluchte und  ihm eine traurige Zukunft als Siechen- und Sterbehaus prophezeit habe. Man glaubt es nicht: Die Prophezeihung erfüllte sich. Das Schloss Ehrnau wurde tatsächlich Siechenhaus – vor seiner Umwidmung samt Umbau sogar eine öffentliche Einrichtung des Landes Steiermark.

Vom Schulrat Hofer selig habe er dies alles erfahren, wiederholte Fredl überzeugend. Und wie zur Bestätigung legte er uns den oben abgebildeten  Geldschein aus der reichsdeutschen Inflationszeit  auf den Tisch. Er werde auf seinem nächsten Heimaturlaub in der Steiermark Pfarr- und Gemeindbücher durchstöbern und sicher fündig werden.

Uns blieb nur noch übrig, ihm ein unversehrtes Exemplar „Es liegt noch Gold im Halensee“ zu schenken. Mag ja sein, dass er – im Gegensatz zum übrigen verschlafenen Steirervolk westlich des Liesingtales – etwas Originales über den Nostradam‘ findet und die drei Kilo-Goldbarren gewinnt. Die sollen heute weit über hunderttausend Euro wert sein.

Das „Leergeld“, das er uns hinterließ, haben wir inzwischen zu den Akten gelegt…

Alternative Titelseite "Es liegt noch Gold im Halensee"

Mit neuem Umschlag: unser "Halensee" Buch

 

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Barbaren tragen heute Krawatte

Dank TV sind uns heutige Barbaren (Fremde) nicht mehr so fremd wie ehedem. Auch die grausamsten Despoten verstecken sich in unauffälliger 08/15-Kleidung.

Als es immer öfter nicht auf den ersten und zweiten Blick identifizierbare Ausländer gab, die sich erfrechten, die katholische Steiermark zu durchqueren oder in einem der vielen Klöster zu nächtigen, kamen talentierte Mönche im bergigen Osten des Landes auf die Idee, die Fremden nach Optik, Herkunft und Eigenschaften in einer „Völkertafel“ grafisch aufzulisten. Könnte auch ein Auftrag von oben gewesen sein. Das hier teilweise abgebildete Gemälde auf Holz entstand um 1723 in der Regierungszeit des im europäischen Sinne aufgeschlossenen Kaisers Karl VI. (Vater der ungarischen Königin Maria Theresia, die ihrem langweiligen Gatten Franz die Regierungsgeschäfte aus der Hand nahm, nachdem sie mit dem preussischen Schlesien-Räuber Friedrich II. zwangsweise Frieden geschlossen hatte).

Diese Völkertafel zeigt nicht nur die prächtigen Kleider ausländischer Männer. Auch ihre „völkischen“ Eigenschaften sind vermerkt, woraus der status quo der damaligen Sicht der Dinge aus der steirischen Brille fixiert ist. Nicht nur lustig, sondern auch recht zweifelhaft, ist folgender Nebeneffekt:

Vorurteile gegenüber dem Fremden sind niedergeschrieben. Die Deutschen lieben das Saufen, die Spanier sind hochmütig, die Russen und vor allem die Polen sind faul. Am schlechtesten kommen die Türken weg. Das hat gute Gründe, war das Land doch mehrmals aufs brutalste von Türkeneinfällen betroffen, und so manche Gräuel wie das Zerstückeln lebendiger Säuglinge auf dem Kirchenaltären sowie das Abheizen ganzer Dörfer war in den Gehirnen der Menschen in der damaligen Zeit fest eingebrannt. Heute gibt es in Grundschulbüchern nur mehr „Legenden“ im Sinne der political correctness jüngeren Datums.

So bemerkenswert das historische Bild (im Wiener Volkskundemuseum deponiert) für uns Heutige aus rein geschichtlicher Perspektive sein mag: Gelegentlich wünschte ich mir, insbesondere auch Politiker des Inlandes in ihrer Heimattracht zu sehen – nicht nur CSU-Bayern, die sich – auch nur ganz selten – mit einem Janker oder einem Tücherl statt Krawatte outen. Die andern schauen uniformiert aus und sind nur durch ihre Rede identifizierbar. Der schläfrig-holsteinische Politiker sollte sich nach meiner Meinung anders kleiden als sein hessischer Fraktionskollege. Von einem Thüringer erwarte ich eine andere Optik als von einem Mecklenburger. Nur dem Berliner gestehe ich eine gewisse Schlampigkeit in der Auswahl seiner Garderobe zu, sogar einen glänzenden Hosenboden und ungeputzte Schuhe.

Barbaren gibt’s bei uns gottlob nicht mehr. Das beruhigt. Der heutige Muskowiter (Russe) ist nicht grundsätzlich „boshaft“, der Italiener nicht mehr „hinterhältig“ und nicht alle Polen sind „bäurisch“. Keinen einzigen meiner schwedischen Bekannten möchte ich als „grausam“ bezeichnen. Aber wenn wieder einmal ein syrischer Staatschef auftaucht, wünschte ich mir eine Aktualisierung der „Völkertafel“ ohne Krawattenmänner mit weißem Hemd. Das Tragen weißer Westen ist ja schon lange aus der Mode gekommen…

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