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Bald auch kroatische Kastraten im Konzertsaal?

(hg) Sie will spätstens bei der möglichen Stichwahl im Jänner zur Präsidentin Kroatiens gewählt werden: Kolinda Grabar Kitarovic, Präsidentschaftskandidatin der nationalkonservativen Partei HDZ, setzt sich für eine drastische Bestrafung von Pädophilen in Kroatien ein – Kastration inklusive. Als Präsidentin will sie dann eine öffentliche Debatte zu dem Thema starten, die zu einer Gesetzesänderung führen soll. Die chemische Kastration von Sexualstraftätern ist in einigen EU-Staaten Praxis.

Das ist wahrlich ein Schlager. Den armen Schweinen, die unter der dem üblen Drang leiden, soll körperliche – menschenrechtswidrige – Amputatuion ihres schadhaften Gefühlshaushalts angetan werden, was beim Wahlvolk garantiert gut ankommen dürfte, darüber hinaus wohl auch bei der Arzneimittelindustrie:

Haben Sie, geschätzter Leser, gewusst, dass gleichzeitig mit der Beforschung der ersten Antibabypille ANOVLAR (1960/61) die Hormonforscher Wiechert und Neumann von Schering (heute Bayer) ein Hormon fanden, das nicht die erwünschte Wirkung erzielte, sondern den männlichen Geschlechtstrieb stark verminderte. Als ANDROCUR (nomen est omen) wurde es u.a. an freiwilligen, inhaftierten  Triebtätern erfolgreich erprobt. Sogar der damalige Justizminister Vogel bat den Vorstand der Schering AG, die Forschung an diesem Produkt, das damals nicht in die Palette der von Schering (Hormonmutter Europas) passte, auf keinen Fall einzustellen. Vogels Experten versprachen sich Erleichterungen im Strafvollzug. Ob das ANDROCUR (oder wie das von Urologen freudig gegen schwere Prostataleiden  verschriebene Arzneimittel heute heißen mag) auch bei Pädophilen wirksam ist, muss wohl erst bewiesen werden, sehr geehrte Frau Kolinda Grabar Kitarovic! Haben Sie auf Ihre Idee schon ein Patent angemeldet? Außer in Polen wird die chemische Kastration heute noch nicht innerhalb der EU praktiziert…

P.S. Das besagte Anti-Hormon aus dem Scheringschen Labor wird auch heute noch bei jenen Frauen angewendet, die unter Hirsutismus (übermäßige Körperbehaarung) leiden!

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Wenn sich die Kirche dumm stellt…

(hp) Gemeint ist die katholische, dies vorab. Denn M. Luther, der Reformator, empfahl „der Woche zwier schadet weder dir noch mir“. Der Spruch ward getan zu einer Zeit, als es zur Verhinderung einer Befruchtung noch keine Kondome und noch keine Pille gab, sondern nur den Coitus interruptus. Das ist länger her als das Verbot durch die katholische Obrigkeit, die sich mit dem 1961 entwickelten Kontrazeptivum nicht abfinden wollte und – gegen jede biologische Wahrheit – die Nicht-Befruchtung als schwere Sünde anprangerte. Nicht mehr ganz junge KatholikInnen erinnern sich an die katholische Verordnung, angstfreie Lust außerhalb der Ehe nicht zuzulassen. Die Pille hatte bekanntlich nicht den Zweck, eine Leibesfrucht, also Lebendiges, abzutöten, sondern gar keinen Nachwuchs zustande kommen zu lassen.
Wie sich Jahre nach dem Ableben des damaligen Papstes (als „Pillen-Paula“ verschrien) herausstellte, wusste man im Vatikan und seiner Hauptfiliale Köln am Rhein sehr genau Bescheid über die biologisch-pharmakologische Wirkung der sog. Antibabypille. Der einzige Kirchenfürst, der im Alter von 88 Jahren das Kirchenvolk darüber aufklärte, dass diese Pillen-Wirkung vom Vatikan bewusst „missverstanden“ wurde, war der hoch geachtete frühere Kardinal Franz König (Wien). Einem Redakteur der Kirchenzeitung der Diözese Gurk (Kärnten) sagte er, ziemlich ungeschminkt, die Wahrheit über die „römische“ Manipulation.

Als unser Autor Gert Wlasich 1994 den Wiener Kardinal in einem Umweltschutz-Magazin der Firma Schering (die 1961 die erste europäische Pille auf den Markt brachte) zitierte und die Zeitung extra nicht nur der Weltgesundheitsorganisation, sondern auch der Erzdiözese Köln zuschickte, kam aus Köln keine Reaktion, während die Genfer WHO um 60 weitere Exemplare bat.

Der aktuelle Vorfall, unter dem in Köln eine vergewaltigte Frau zu leiden hatte, beweist, dass die Kirche ihre veraltete Strategie nach wie vor beibehalten hat und nur unter dem Druck der Medien zur Wahrheit gezwungen werden konnte, wonach die richtige „Pille danach“ nicht Leben abtöte, sondern gar nicht entstehen lasse. Eigentlich ein hoffnungsvoller Fortschritt, meinen Sie nicht? – Bei Galilei hat es mehrere Jahrhunderte länger gedauert, bis die katholische Obrigkeit die Wahrheit zugeben musste…

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„Hitler war nicht gedopt!“

(hp)Für einen Autor ist es sicherlich ein Kompliment, wenn er immer wieder auf Details in einem seiner älteren Bücher angesprochen wird. Es kann aber auch, wenn es um Gegenwartsbezüge geht, lästig werden. Beispiel Doping. Weil gerade die Olympischen Spiele laufen. Was Gerd Joachim in seinem Roman „Es liegt noch Gold im Halensee“ aufdeckt, hat mit Olympia nichts zu tun, sondern mit dem „Wunder von Bern“ und dem Testosteron-Doping der deutschen Stürmer, die vom deutschen Fußballarzt Dr. Loogen vor dem entscheidenden Spiel verbotenerweise mit einer intramuskulären Dosis des nagelneuen Schering-Medikament  „versorgt“ wurden, während sich die ungarischen Gegner mit Pervitin begnügen mussten (heute noch Bestandteil des so genannten Crystal). Nach der jüngsten Lesung, bei der G. Joachim in einer Buchhandlung in Berlin-Mitte  aus seinem „Halensee“ vortrug und auf Wunsch mehrerer Zuhörer auch auf das Sachbuch „Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus“ (Autor: G.J.Wlasich) zu sprechen kam , gestattete sich eine junge Dame einen aggressiv geäusserten Vorwurf: „Dass nachweislich auch Adolf Hitler gedopt war, haben Sie wohlweislich verschwiegen!“

Nach kurzer Aufregung im engen Lokal stellte Wlasich nüchtern fest: „Es stimmt, dass Hitler auch ein Schering-Hormon gespritzt worden ist, wie Sie in den Memoiren seines Leibarztes Morell nachlesen können. Das war aber nicht das  aggressionsfördernde, die Manneskraft fördernde Testosteron, sondern – was die Wirkung betrifft – das ‚Gegenhormon‘ Estrogen mit dem Medikamentennamen Progynon, das die damalige Schering AG für die Behandlung von Monatsbeschwerden herausgebracht hat. Hitlers Leibarzt hat es, sogar mit einigem Anfangserfolg, seinem prominenten Patienten gegen die ‚Schüttelkrankheit‘ [Morbus Parkinson] gespritzt – intramuskulär.“

 

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Sex-Sucht: Justizminister bat um mehr Pharma-Forschung

(hp) Der Mesner aus Bayern, der sich mehrfach an jungen Ministranten vergriff und nun 4 Jahre weggesperrt wird, ist sicher  kein pädophiler Einzelfall. Auch jene Männer, die – altersunabhängig – (straflos) sexsüchtig sind und dank Viagra & Co. mit Langzeit-Aktivitäten bis ins Greisenalter rechnen, obwohl viele von ihnen unter ihrer Sucht leiden (Beweis: Selbsthilfegruppen), hoffen auf eine Lösung ihrer Probleme. Da könnte einiges geschehen. Es muß ja nicht eine Neuauflage der Bayerischen Staatsregierung sein, die von dem Jahr 1900 veranlasste, dass Kampfeinheiten ihrer Armee vor einem Einsatz Kokain in den Pfefferminztee geschüttet wurde und in Friedenszeiten Brom. Damit’s fromm bleibt unter den Wolldecken der Truppe.

7 Jahrzehnte später erlebten die Berliner Hormonforscher bei Schering eine Überraschung, als die Hauspost geleert war:

Justizminister Dr. Vogel persönlich an den Schering-Vorstand...

Justizminister Dr. Vogel schrieb im Mai 1975 persönlich an den Schering-Vorstand…

In diesem Brief aus Bonn bat der Minister, ein Forschungsprojekt, das die Schering AG eigentlich einstellen wollte, nicht beenden zu wollen. Es ging um ein Gestagen, das ursprünglich als Antibabypille der zweiten Generation geplant, allerdings wegen unerwünschter Nebenwirkungen (bei der Frau) als nicht verantwortbar zu den Akten gelegt worden war. Der Wirkstoff (CPA) hatte allerdings bei Männern, die unter krankhaft gesteigertem Sexualtrieb litten, eine auffallend starke triebdämpfende Wirkung. Dies erwies sich bei den ausschließlich freiwilligen Versuchspersonen aus deutschen Männerhaftanstalten,  die an einer Vorstudie teilnahmen und für die Wirkung dankbar waren. Anläßlich einer Konferenz der Länderjustizminister erfuhr auch Bundesminister davon, der daraufhin den Schering-Vorstand offiziell um die Weiterführung der Forschung am Wirkstoff CPA ersuchte. Man war 1975 aus vielerlei Gründen skeptisch in der Geschäftsleitung und ließ die Beforschung nur auf kleiner Flamme weiter laufen. Als Ergebnis blieb die wissenschaftliche Erkenntnis, dass der Wirkstoff  in geringer Dosis gegen den Hirsutismus bei Frauen, worunter man krankhafte Vermännlichungserscheinungen wie z.B. übermäßigen Haarwuchs versteht, nützlich sei. Beim Mann hilft CPA gegen hormonal bedingte Erkrankungen der Prostata (Androcur). Als Therapeutikum für Triebtäter kam es nicht zur Zulassung.  Damit war der damalige Justizminister Vogel  sicher nicht zufrieden. Aber zu einem staatlichen Forschungsprojekt, das Knowhow der Scheringschen Hormonforschung für die Entwicklung eines anderen hormonalen Wirkstoffs nutzend, kam es meines Wissens nicht. Was aber nicht heißt, dass man heute, 25 Jahre nach der unerfüllten Hoffnung von ehedem, nicht ein ähnlich gelagertes Projekt in Angriff nehmen könmnte. Immerhin gibt es heute völlig neue Methoden, die Gentechnik und weitere Chancen, um mit einem innovativen Arzneimittel „Sexualdeviationen“ (Vogel s.o.) erfolgreich zu behandeln. Bis dahin wird es weiterhin Fußfesseln, Verzweiflungssuizide Betroffener und regionale Bürgerinitiativen geben. Siehe dazu den vorigen BLOG („Kastration“) auf dieser Website.

 

 

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Kleiner Nachtrag zu „Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus“

Von den vielen wohltuenden Reaktionen auf unser erfolgreiches Buch Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus von Gert J. Wlasich wird der Autor zu gegebener Zeit manche Anregung in eine (eventuelle) erweiterte Neuauflage übernehmen, die auch die unmittelbare Nachkriegszeit berücksichtigen wird. Aktuell geht es um einen Beitrag des Lesers Johann Stadler aus München, der sich „seit vielen Jahren mit den oberschlesischen Steinkohlerevieren“ beschäftigt. Stadler bezieht sich auf Wlasichs Darstellung „Jüdische Firmen unter Zwang: Schering kauft Scherk“ (Seite 88 f.) und bestätigt die Einstellung des Schering-Chefs Hans Berckemeyer und des Vorstandsdirektors der Schering-Kahlbaum AG, Weltzien. Stadler:

Schon vor der Reichstagswahl 1920 verlangte der damalige (Schering-)Aufsichtsratsvorsitzer Hans Berckemeyer in einem nüchternen Brief an Gustav Stresemann (Deutsche Volkspartei) eine klare Distanzierung von antisemitischen Zielen.

Herrn Stadlers Beitrag, für den der Verlag herzlich dankt, illustriert allerdings keine grundsätzlich „judenfreundliche“ Einstellung des Schering-Managers Berckemeyer, die sich auf das liberale Klima innerhalb des Unternehmens ausgewirkt hätte, sondern wohl ausschließlich den Gedanken des Bankiers Berckemeyer, vornehmlich begüterte jüdische Wähler würden der Partei von Nutzen sein. Stadler ist allerdings im Recht, wenn er sich auf Berckemeyers positiv zu bewertende Sturheit beruft, seinen jüdischen Kollegen im Aufsichtsrat, Hans Bie, trotz der Drohung der NSDAP, Schering als „jüdisches Unternehmen“ zu enteignen, an der Unternehmenspitze zu belassen (Seite 90 f.).

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Die Villa Schering in Heringsdorf – ein Relikt der Schering AG?

(hp) Wie in Berlin allseits bekannt ist, zeugt seit der Übernahme des Pharmaunternehmens  Schering durch die Bayer AG kein öffentlicher Schriftzug mehr von der Berliner Traditionsfirma. Da fällt es auf, dass es im Ostsee-Kurort Heringsdorf eine „Villa Schering“ gibt, die heute zu den beliebtesten Ferienquartieren der Insel Usedom zählt. Lisa Kohls Frage, ob es sich da um ein noch nicht in „Villa Bayer“ oder – werbungsintensiver – „Bayer-Villa Per aspera ad astra“, volkstümlich „Villa Aspirin“ umbenanntes Ferienhaus für ausgebrannte Bayer-Führungskräfte handele, kann unser Firmenhistoriker Gert Wlasich leicht beantworten:

Die prächtige Villa gehörte früher einmal zu Schering, aber nicht zur Muttergesellschaft (AG), sondern war Privatbesitz des Gründersohnes Richard, der von seinem Vater Ernst Schering die Grüne Apotheke geerbt und sie zu einem lokalen Berliner Vertriebsunternehmen ausgebaut hatte. Dass Richard Schering als Minderheitsaktionär an der 1937 entstandenen Schering AG zum Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft gehörte, sei hier der Vollständigkeit halber erwähnt. Die Villa, seit dem Ende der DDR Familienbesitz der Erben Richard Scherings, wurde vor Jahren an privat verkauft und vom neuen Besitzer als Ferienhotel ausgebaut. Den Traditionsnamen behielt dieser für sein elegantes Etablissement, was ihn ehrt.

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Beharrliche Desinformationen über Schering

Das Internet zeichnet sich ja nicht in erster Linie durch ein phänomenales Gedächtnis aus, sondern durch Beharrlichkeit. So können sich Falschdarstellungen irgend welcher Fakten jahrelang halten, ohne von korrigierender Hand auf die Waage  gelegt und bewertet zu werden. Der Hinweis von Gustav Schultz, die ehemaligen „Schering-kritischen Aktionäre“ (SchAN) würden sich – unter aktualisiertem Namen, da Schering heute ja nicht mehr Schering ist, sondern ein Teil der Bayer AG – immer noch als Rächer der Enterbten aufspielen und sich in der Kunst der straffreien Beschuldigung üben, stimmt.

Es geht hier eigentlich nur um die SchAN-eigene Interpretation der „kritischen Aktionäre“, die Aktivitäten der Schering AG während der NS-Zeit betreffend. Man geht wie folgt vor: Man nehme längst widerlegte alte Gerüchte und drehe daraus eine Verdächtigungspeitsche, mit dem man um sich schlagen und schnalzen kann. Frei nach Nestroy: „Es ist zwar Chimäre, aber uns unterhalt’s!“ SchAN betreibt diese Praxis übrigens nicht nur in Sachen Unternehmensgeschichte: Firmenhistoriker Gert Wlasich, Autor unseres Sachbuches über Schering in der NS-Zeit, hat einschlägige Erfahrungen mit der verzerrten Darstellung der Umweltschutz-Aktivitäten des Unternehmens gemacht: Obwohl den SchAN-Leuten aktuelle Emissions- und andere Daten vorgelegt wurden, publizierten die „kritischen Aktionäre“ absichtlich alte, den damaligen Umweltbestimmungen entsprechende Zahlen und Daten. Die Absicht, der Firma ans Bein zu pinkeln, hatte Vorrang vor der Wahrheit. Man mag darüber denken, wie man will. Im Internet bleiben die unberechtigten, weil falschen Fakten erhalten. Denn das Netz ist beharrlich. Auch bei falschen Inhalten. (hp)

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War der NS-Verbrecher Dr. Renno ein Schering-Mitarbeiter?

(hp) Wieder eine Buchpräsentation Gert Wlasichs, in der eine „delikate“ Frage aufgeworfen wurde – vorwurfsvoll und aggressiv, weil der Autor in seinem Buch, das kürzlich in unserem Verlag erschienen ist, einen Nazi-Verbrecher angeblich unterschlagen habe. Meinte zumindest ein junger Zuhörer. Es ging um einen gewissen Dr. Georg Renno, der 1948 von der Schering AG angestellt worden sei. Dies stimmt; Folgendes ist aber zu ergänzen:

Die Person

Georg Renno, während der Nazizeit einer der brutalsten „Vergasungsärzte“ im Schloss Hartheim/Oberösterreich, hatte sich nach Kriegsende unerkannt nach Süddeutschland abgesetzt. Dort agierte er als unauffälliger Mann unter dem Namen Dr. Georg Reinig zeitweise als Assistenzarzt. 1948 las er in einer Anzeige, dass die kriegszerstörte Schering AG ihren pharmazeutischen Außendienst wieder aufbauen werde. So bewarb sich Renno mit perfekt gefälschten Dokumenten bei der Berliner Schering AG als Pharma-Außendienstmitarbeiter für Rheinland-Pfalz und wurde als solcher eingestellt. Allerdings nicht von der Zentralen Schering-Personalabteilung in Berlin, sondern von der zuständigen Geschäftsstelle in Westdeutschland.

Chronologie der Zusammenarbeit

  • 1. August 1948: Anstellung des Dr. Renno als Außendienstmitarbeiter der Schering AG in Rheinland-Pfalz mit gefälschter Approbations- und Promotionsurkunde auf den Decknamen Reinig. Die Fälschung der Promotions- und der Approbations-Urkunde wurde bei Schering offensichtlich nicht erkannt. Laut eigener Aussage hatte „Dr. Reinig“ die Aufgabe, den Wiederaufbau des ärztlichen Außendienstes im Bundesland Rheinland-Pfalz durchzuführen.
  • 1954 wird er als Dr. Renno erkannt. Im August erklärt er gegenüber Schering, dass er seinen Namen geändert habe, weil nach 1945 ehemalige NS-Angehörige verhaftet werden sollten und er einer Verhaftung entgehen wollte. Über inhaltliche Beschuldigungen findet sich nichts in der Personalakte.
  • August 1954: Schering wird darüber informiert, dass er die Änderung seines Decknamens Reinig auf Renno beantragt habe. Die Änderung auf den richtigen Namen Ronnos erfolgte 1955 ohne Hinweis auf die Biografie des Mannes.
  • 25. Oktober 1961: Renno wird in seiner Wohnung verhaftet, aber bald aus der Untersuchungshaft entlassen (angeblich wegen der Folgen einer unausgeheilten Tuberkulose aus der Kriegszeit).
  • 18. Dezember 1961: Wegen der Inhaftierung Rennos stellt die Schering-Geschäftsstelle den Arbeitsvertrag vorschriftsgemäß auf „ruhend“.
  • Januar 1963: Schering ist bereit, Renno wieder arbeiten zu lassen, falls durch die Ärztekammer Rheinland-Pfalz bescheinigt wird, dass keine „einschränkenden Maßnahmen“ verhängt worden sind.
  • 7. Januar 1963: Die Ärztekammer bescheinigt, dass keine „einschränkenden Maßnahmen gegen die Ausübung des ärztlichen Berufes“ vorliegen.
  • 1. Februar 1963: Renno nimmt seine Arbeit für Schering wieder auf.
  • 1. Februar 1965: Richterliche Einvernahme Rennos aufgrund regionaler Zeitungsartikel. Renno ist geständig, in der NS-Zeit schuldig geworden zu sein.
  • 7. November 1967: Die Anklageschrift liegt vor. Schering wird darüber nicht informiert.
  • 20. August 1969: Prozessbeginn. Beurlaubung Rennos durch Schering. Renno bemüht sich um die vorzeitige Pensionierung.
  • 1. Oktober 1969: Ab diesem Zeitpunkt ist Renno Rentner.
  • 11. März 1970: Am 52. Verhandlungstag erscheint Dr. Renno nicht vor Gericht (angebliche Erkrankung des Blinddarms).
  • 25. März 1970: Vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen Renno.
  • 19. Dezember 1975: Endgültige Einstellung des Verfahrens „aus gesundheitlichen Gründen“. Ärztliche Gutachten hatten von einer Verhandlungsunfähigkeit Rennos gesprochen.
  • 1989: Renno wird von einem österreichischen Reporterteam bei der Gartenarbeit vor seinem Hause in Rheinland-Pfalz fotografiert.
  • 4. Oktober 1997: Renno stirbt in Neustadt an der Weinstraße. Es wird keine Hinterbliebenenrente gezahlt.

Bleibt nur noch die Feststellung, dass laut Auskunft des Verbandes der Chemischen Industrie (Frankfurt/Main) eine Reihe ehemaliger „Nazis mit Geschichte“ auf ähnliche Weise in Firmen der Branchen Chemie und Pharma untertauchen konnten. Die Vermutung drängt sich auf, Dr. Renno habe in- und außerhalb der Ärztekammer Gesinnungsgenossen aus brauner Zeit gefunden, die ihm 1963 den „Persilschein“ ausstellten, der Schering zur Fortsetzung der Zusammenarbeit brachte.

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2012: Ernst Schering, der Grüne Preuße – Eine Ankündigung

Nach dem Erfolg unseres aktuellen Sachbuchs „Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus“ und den erfreulichen Reaktionen auf die dokumentarische Darstellung hat sich unser Autor Gert J. Wlasich dazu bereit erklärt, im Preußenjahr 2012 seine Arbeit „Gründer Ernst Schering, der Grüne Preuße“ abzuschließen und zu veröffentlichen.

Die Lebensgeschichte des Prenzlauer Gastwirtkindes, der es vom  Armenhaus-Apotheker zum Gründer eines weltweit erfolgreichen Pharma-Unternehmens brachte, obwohl schon im zweiten Jahr ihres Bestehens seine Chemischen Fabrik auf Actien an einem seidenen Faden hing (Börsenkrach), soll in Bild und Text präsentiert werden. Rund zwanzig Jahre sammelte Gert Wlasich Quellen und Anschauungsmaterialien, bevor er sich ans Werk machte.

Ernst Schering, 1855

Allein die Suche nach einer Abbildung des jungen Ernst Schering war schwierig. Wegen der Totaldemontage des Stammwerkes der Schering AG an der Berliner Müllerstraße zum Kriegsende 1945 existierte jahrzehntelang überhaupt kein Archiv. Ausgerechnet auf einem Flohmarkt am Arconaplatz, der zwei Steinwürfe jenseits der Berliner Mauer lag (und bis 1990 also DDR-Territorium war), bot ein chilenischer Wollmützenhändler vergilbte Bilder an – darunter dieses. Es zeigt den 31-jährigen Schering, der 1855 auf der Pariser Weltausstellung für die hohe Qualität  seiner fotografischen Chemikalien die erste international anerkannte Auszeichnung erhielt.

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Er lebt, der Schering-Geist!

Adventfreude mal anders: Da hat unser Autor Gert Wlasich, langjähriger Chef des Schering-Firmenmuseums, im Jahr 1986 einmal eine Grundschulklasse in sein „Scheringianum“ eingeladen und ihr einige der klassischen Alchemie nachempfundene Spektakel vorgeführt. Die Kinder rochen an getrockneten Kräutern und am Kampfer,  dem wichtigsten Produkt der Chemischen Fabrik auf Actien, wie sich Schering bis in die 1920er-Jahre nannte. Florian, eines der damaligen Kinder auf Besuch im „Scheringianum“, schickte unserem Verlag jetzt dieses Erinnerungsfoto an die „Führung“ durch die frühe Geschichte der Chemie. Einziger Zusatz, handschriftlich: „Hoffentlich bleibt das Schering-Museum auch unter der neuen Mutter (Bayer AG) erhalten. Es wär‘ es wert…“

Kinder im Scheringianum (1988)

Kinder einer Berliner Grundschule im Scheringianum (1988) am historischen Destillierofen. - Wer ist Florian?

Ist es nur eine freundliche Geste eines Herrn aus Berlin-Steglitz oder hat da eine heute wohl ältere, vielleicht schon pensionierte Mitarbeiterin ihren Sohn animiert? – Wie auch immer: Die Verbundenheit heutiger und früherer Schering-Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen, als „Schering-Geist“ bezeichnet, lebt. Gert Wlasich, der am 1. Februar 2012 im Weddinger prime time theater sein Buch vorstellen wird, wird sich über das Foto freuen. Danke nach Steglitz!

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