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Doping: Lächerliche Recherchen bei Fußballern der 70er Jahre

(gg) Geht es um Aufklärung oder geht es darum, längst nicht mehr aktiven „Sportärzten“ und Trainern eine reinzuhauen? – Die retrospektive Untersuchung von Doping-Fällen in Südwestdeutschland, die Jahrzehnte alt sind, finde ich lächerlich. Wer dopt(e) nicht, sollte gefragt werden, wer nutzte nicht Aufbaumittel, Muskel- und Sehnenstärker, die in Fülle angeboten, weiterempfohlen und gekauft werden?

Viel interessanter wäre für mich, wenn man endlich einmal den Doping-Skandal aus jener Zeit („Wunder von Bern“, 1954), als der Fußballsport zumindest kommerziell noch unschuldig war, publizieren würde. Weshalb wird nach wie vor nicht dargestellt, dass die ungarische Nationalmannschaft für ihre Stürmer nur das traiditionsreiche Aufputschmittel PERVITIN anwendeten, während sich der Mannschaftsarzt der Deutschen, Dr. Loogen, erfolgreich um kostenlose Ärztemuster des im Herbst desselben Jahr (1954) von der Schering AG herausgebrachte „TESTOSTERON in öliger Lösung“ bemühte. Dieses Präparat wurde, neben einem Vitamincoctail, den Stürmern der der deutschen Mannschaft in den Gluteus maximus (großer Arschmuskel) gespritzt, damit sie stark genug würden für die muskelstärkeren ungarischen Gegner. Dieses „Wunder“-Doping hat zwar Patina angelegt, dürfte jedoch weit mehr Interesse bei den skandalgeilen Info-Konsumenten wecken als die südwestdeutschen „Ereignisse“.

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West-Doping seit 1945: Heuchelei und Korrektur unsauberer Legenden

(hp) Peinlich, die aktuellen Entlarvungslüste in Sachen Doping. Nach den Verdächtigungen, nur in der DDR sei routinemäßig staatlich gefördertes Sportler-Doping betrieben worden, ist jetzt die Bundesrepublik dran. Als wär’s etwas Sensationelles, wird  in der Süddeutschen Zeitung, in der ZEIT und sonst wo nach Unterlagen gehechelt, die nun in einem 800-Seiten-Report der Berliner Humboldt-Uni zusammengetragen und analysiert worden sind. Es liegt sicher nicht nur am jugendlichen Alter mancher Journalisten und an solider Halbbildung etlicher Redakteure, sondern vornehmlich an der Staatsräson, das Thema Doping, sofern es nicht irgend welche verrückten Pedaltreter oder ex-kommunistische Balkanweiber betrifft, möglichst unter der Decke zu halten. Das geht gut, solange nicht an Legenden gekratzt wird.

Wunder von Berlin, 1954: In seiner Romanbiografie „Es liegt noch Gold im Halensee“ beschreibt unser Autor Gerd Joachim,  dass zumindest die Stürmer der Deutschen Nationalmannschaft nicht nur Fruchtsaft tranken, sondern mit einem Testosteron-Medikament der Firma Schering AG, das 1954 auf den rezeptpflichtigen Arzneimittelmarkt kam, gespritzt wurden („T. in öliger Lösung„). Die gegnerischen Ungarn hatten „nur“ Pervitin (das schon Adolf H. konsumierte). An der Nebenwirkung des Testosteron – Leberzirrhose bei Überdosisierung –   starben bald zwei deutsche Spitzenfußballer. Keiner der Männer war Alkoholiker, das nur ganz nebenbei bemerkt. Das Schering-Medikament war, wie der damalige Chef der zuständigen Med.-Wiss. Abteilung der Schering AG unseren Autor in einem versiegelten Brief („10 Jahre nach meinem Tode zu öffnen!“) wissen ließ, vom deutschen Mannschaftsarzt Dr. Loogen mehrmals als Arzneimittelmuster angefordert worden. Dieser Arzt hatte die „Muster“ erhalten und sie „hinter dem Tresen“ (der Schweizer Kellner) im Mannschaftshotel Belvedere in Spiez verabreicht. Die entsprechenden Nachforschungen wurden, bevor die Jubel-Legende „Wunder von Bern“ ausbrach, auf Eis gelegt. Man legte sich damals auf die von Adi Dassler  entwickelten Fußballschuhe mit den neuartigen Schraubstoppeln unter der Sohle fest und gab sich zufrieden. In Bern erfuhr unser Autor, das Thema Testo-Doping solle – in Absprache mit den bundesdeutschen Behörden – erst nach dem Tod des letzten Aktiven von 1954 „bearbeitet“ werden. Mag sein, dass diese „Bearbeitung“ nun im Bericht der Humoldt-Uni aufscheint.
Sonstiges: Es gab in den „alten Zeiten“ immer schon den Arzneimittel-Missbrauch zum Zweck, sportlerische Leistungen zu steigern. In der jüngeren Zeit, spätestens seit der Bodybuilding-Mode vor und mit dem Grazer Arnold Schwarzenegger, wurde der nicht medizinisch gerechtfertigte Konsum von Anabolika ein regelrechter Breitensport im Amateur-Doping. Das von Forschern des Hormonspezialisten Schering entwickelte und wie alle Medikamente der Firma verschreibungspflichtige  Primobolan, vornehmlich zur Stärkung stark geschwächter Menschen gedacht, wurde als Muskeldoping verwendet, bis sich makabre Nebenwirkungen entwickelten, vor denen im Beipackzettel unmissverständlich gewarnt wurde. Bald liefen innovative Anabolika-Zubereitungen dem guten alten Primobolan den Rang ab. Auf der Straße begegnete man nicht mehr so vielen kurzschwänzig und pickelig gewordenen Muskelprotzen (wird fortgesetzt).

 

 

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P.S. zur ZDF-History: „Hitlers Gestank aus dem Maul!“ (Paul Hörbiger)

(gjw) Die beliebte alte Frage, ob Adolf Hitler während seiner „Regentschaft“ geistig gesund, geisteskrank, nicht bei Sinnen oder gar gedopt war, wurde am ersten Frühlingstag 2013 von ZDF-info wiedergekäut und im Schlussbild von einem kundigen Kundler der wissenschaftlichen Art eindeutig mit „Nein!“ beantwortet. Was ich ebenso eindeutig bezweifeln möchte. Als ich für mein Buch „Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus“ (2012 im Verlag Kalwang & Eis erschienen) meine Aufzeichnungen über die Aussagen von Zeitzeugen (oral history) durchforstete, stieß ich u.a. auf Prof. Hans-Herloff Inhoffens Aussage, sein seinerzeitiger Chef und Leiter der Schering-Forschung,  Prof. Walter Schoeller, habe ihm und seinem Kollegen Dr. Hohlweg untersagt, mit Hitlers Leibarzt Morell (Hauptperson in der ZDF-Doku) Kontakt zu halten und über jeden Wunsch der medizinischen „Spione“ Morells (zit.) sofort zu berichten.
Der unbeugsame Nazi-Gegner Schoeller, der 1944 vorzeitig das Handtuch warf und sich aus seinem Berliner Hauptlaboratorium nach Konstanz am See zurückzog,  habe dem Schering-Forschungsleiter laut Inhoffen auf einem Abendempfang stolz eine ganze Liste von Wirkstoffen und Fertigmedikamenten für seinen Patienten Hitler gezeigt und das Scheringsche PROGYNON (1928), ein Östrogenpräparat gegen Menstruationsbeschwerden, besonders gelobt, weil es gegen die „Schüttellähmung“ Hitlers (heute: Morbus Parkinson genannt) gut wirke. Schoeller habe dem Leibarzt erklärt, mit einer Überdosis dieses und anderer Hormonpräparate, insbesondere des reinen Testosteron (Scherings PROVIRON), könne man jemanden auch umbringen.
Die Nebenwirkungen vieler Präparate waren damals nur selten präzise erforscht. Erst einige Fußballer der deutschen Nationalmannschaft („Wunder von Bern„, 1954), die nach Testo-Injektionen an schwerer Lungenzirrhose erkrankten, wobei einer der Spieler bald daran sterben musste, machten ihre bitteren Erfahrungen am eigenen Leib. Doch zurück zu Hitler:

Wenn jemand wie Hitler Jahre hindurch bis zu 28 verschiedene Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel  konsumiert, kann er wohl nicht gesund sein. Wie unverdächtig ist doch des lang verstorbenen Wiener (Burg-) Filmschauspielers Paul Hörbiger, Schwager der Paula Wessely, in seinen Memoiren geschilderte Beobachtung, der Führer habe widerlich aus dem Maul gestunken. Anlass für diese Festellung Hörbigers war ein Empfang von UFA-Schauspielern in der Reichskanzlei.

P.S. Das oben erwähnte Sachbuch über die Schering AG in der Nazizeit ist nicht nur im Buchhandel für 19,80 €, sondern – weitaus preisgünstiger – auch als E-book erhältlich (google, amazon u.a.).

Auch Hitler und Gregor Straßer sind nicht ausgespart...

Auch Hitler und Gregor Straßer bleiben nicht ausgespart…

 

 

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Digitale Bücher

Es ist uns eine besondere Freude mitteilen zu dürfen, dass unser Buch „Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus“ jetzt auch als eBook vorliegt, und zwar in den beiden verbreiteten Formaten Mobipocket (für KindleⓇ) und EPUB (für die meisten anderen Lesegeräte).

Im Laufe der nächsten Wochen werden  Sie das Buch bei führenden Händlern für elektronische Bücher im In- und Ausland finden. Ein Bezug direkt über den Verlag ist – anders als bei der Print-Ausgabe – leider nicht möglich.

 

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„Gregor Straßer war bei Schering doch nur eine Null!“

(hp) Bei Autorenlesungen ist es meistens ruhig bis feierlich, es sei den, ein schreibender Witzbold verwöhnt sein Publikum mit Scherzen. Als unser Autor G. Wlasich vorgestern nahe dem Berliner Moritzplatz (neben dem Aufbau-Verlag) über den „Oral history“-Abschnitt seines Buches „Die Schering AG in  der Zeit des Nationalsozialismus“ referierte, gebärdete sich ein Gast in  der zweiten Reihe auffällig, bevor er mit seiner Kritik herausplatzte: Wlasich habe viel zu viel Platz für den Abschnitt über den nur kurzfristig bei Schering untergebrachten „Obernazi Gregor Straßer“ vergeudet und „meinen Vater nicht einmal mit einer Zeile erwähnt.“ Einige Sekunden Stille im Saal, weil der Zwischenrufer seinen Namens nicht nennen wollte. Schließlich ermunterte Herrn J. Schwanitz die entstandene Unruhe samt Wlasich-Bitte um Namensnennung, seine Kritik auszubreiten.

Sein Vater sei 1944 von der Gestapo vor der Schering-Einfahrt Fennstraße 12 im Berliner Wedding „vom Fleck weg“ verhaftet worden, weil er es zugelassen habe, dass italienische Zwangsarbeiter am Sonnabend auf dem Bürgersteig ein Mandolinen-Konzert für Frauen aus der Nachbarschaft gaben. Schwanitz senior sei inhaftiert geblieben, bis ein Schering-Direktor (vermutlich Dr. R. Clerc) interveniert habe. Dazu muß man wissen, dass die zivilen italienischen Gastarbeiter nach dem „Verrat“ der italienischen Armee (1943, s. Badoglio) im Deutschen Reich automatisch zu Zwangsarbeitern degradiert wurden und daher nicht mehr die Rechte hatten, die sie vor der Absetzung Mussolinis genossen.

Wlasich entschuldigte sich mit dem Hinweis, dass er bei den Recherchen für sein Sachbuch nur auf schriftliche, möglichst beglaubigte Zeitzeugen-Aussagen zurückgegriffen habe, um die Seriosität der Darstellungen nicht zu gefährden. Der Vater von Schwanitz sei Anfang der 1950er Jahre gestorben und habe bei Schering leider nichts Schriftliches hinterlassen, wohl aber in der Familie und bei einem Verein. Der mittlerweile betagte Sohn will unserem Verlag Aufzeichnungen nachreichen, damit dieses Thema in einer Neuauflage berücksichtigt werden könnten.

Wie ein damals bereits pensionierter Optiker aus der Reinickendorfer Straße 1988 in einem Zeitzeugen-Meeting im Scheringianum erzählte, habe das Schering-Management „nicht erst seit Stalingrad gewisse Vorschriften der Nazi-Behörden ignoriert“. An die von Herrn Schwanitz in Erinnerung gerufenen sog. Mandolinenkonzerte der Italiener denke er, so Otto Reinke, der mittlerweile verstorbene Optiker, gern zurück: Es sollen nur traurige, von Heimweh strotzende Linder und Arien gewesen sein, die mitten im Krieg auf der Fennstraße erklangen und von den Frauen aus der gegenüber liegenden Häuserzeile geliebt worden seien. Die Spontankonzerte hätten aber nach der Bombardierung des Wedding im Herbst 1943 aufgehört.

Mit dem Hinweis, der bis Ende 1933 innerhalb der NSDAP mächtige Gregor Straßer sei nach seiner Abhalfterung durch Hitler bis zur Erschießung am 30. Juni 1934 („Röhm-Putsch“) als Frühstücksdirektor bei Schering „nur eine Null“ gewesen, hat Schwanitz übrigens Recht – dies nur der Vollständigkeit halber für jene Leser, die sich in der NSDAP-Geschichte nicht genau auskennen bzw. Wlasichs Buch nicht gelesen haben.

 

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Doktorarbeiten: Ich fordere eine Entlarvungsquote!

(hp) Nun  ist die Bildungsministerin, Frau Dr. Annette Schavan, dran. Ihre von der Uni Düsseldorf angenommene Dissertation über ein bildungswissenschaftliches Thema soll einige Schlampereien enthalten. Ach, wie dramatisch, ja tragisch! Wer war der Doktorvater (eine Doktormutter gab es damals wohl noch nicht im quotenfreien Düsseldorfer Uni-Leben)? Wie gierig wird sich die Enthüllungspresse reinhängen in die Entlarvungsstory?

Ich schlage angesichts der Tatsache, dass es Leute mit sehr, sehr viel Freizeit gibt, vor, eine Männer- und Frauenquote einzuführen, damit die Reihe der Entlarvten nicht einseitig wird. Noch wichtiger scheint mir mein Vorschlag an die Entlarver, sich nicht nur mit echten und sogenannten Geisteswissenschaftlern zu befassen, sondern auch einen verschärften Blick in Doktorarbeiten naturwissenschaftlichen Inhalts zu werfen. Es muss ja nicht gleich eine (für Laien sicherlich schwer verständliche) Physik-Diss. sein. Des weiteren fordere ich einen Leserbriefkasten, in den jedermann einen Wunschkandidaten einwerfen darf. Meine beiden Erstvorschläge: Dr. Faust (verwurstet von Goethe aus zahlreichen alten Faust-Versionen aus drei Jahrhunderten) und – den Mann gab’s wirklich – Dr. Martin Luther, was zum Luther-Jubiläum passen würde.

In eigener Sache: Unser Verlagsprodukt „Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus – Beiträge zur Unternehmenskultur in den Berliner Werken (Autor: Gert J. Wlasich) ist eigentlich auch eine Doktorarbeit und dies nicht nur wegen der 377 Quellenangaben/Fußnoten. Allerdings legte Wlasich keinen Wert auf einen Doktortitel. Was ihn heute hoffentlich nicht reut. Ein „Dr.“ auf seinem Grabstein würde sich sicher gut machen, denkt die Redaktion. Oder möchte er sich gar anonym beerdigen lassen, wenn es so weit ist?

 

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