Tag Archives: Rösler

Rösler – primitiv oder nur falsch beraten?

(silv) Fällt Ihnen, Wirtschaftsminister Rösler, nichts mehr ein vor Ihrer fraglichen Wiederwahl als Kabinettsinsasse unter dem schützenden Federkleid der Kanzlergluckenmama? Über Herrn Steinmeier herzufallen, weil er als Kanzleramtsminister eines NATO-Mitglieds nach dem grausigen Attentat in den Vereinigten Staaten (2001) den US-Diensten ermöglichte, auf unsere, also  die inländischen Geheimdienste und deren Erkenntnisse zuzugreifen – zeitlich über ein Jahrzehnt entfernt vom aktuellen NSA-Skandal (der vielleicht gar nicht so skandalös ist wie viele behaupten), ist nicht nur primiv und unintellent, sondern zeugt auch vom Charakter der FDP-Führung und deren Beratern, denen vor den Bundestagswahlen nichts Gescheiteres einfällt als einen vergleichsweise glaubhaften Ex-Minister anzupinkeln. Hetzereien gegen die SPD und deren Kandidaten sollten Sie lieber der LINKE überlassen!

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Brauchen wir die tägliche Dosis Pseudo-Skandal?

(hp) Nun ist der hessische FDP-Chef und Integrationminister Hahn dran. Dass er offen über das nicht-europäische Erscheinungsbild des stets zu schnell sprechenden Vizekanzlers und Wirtschaftsministers Dr. Rösler sprach und dessen „nicht-deutsche“ Optik als hemmend für den Erfolg der Liberalen erklärte, wird von den professionellen Alles-und-Jedes-Anprangern prompt als Rassismus gewertet. Welche Trottelei! – Jeder, der mit Hirn gesegnet ist, weiß sehr gut, dass alles und jedes, was hierzulande nicht Gewohnheit und Mainstream ist, ein Fremdeln verursacht, aber keinen Rassismus.
Theodor Fontane schrieb einmal, alles sei eine Frage der „Beleuchtung“. War FDP-Hahns Bemerkung – anders „beleuchtet“ – nicht eher eine geschickt formulierte Bestandsaufnahme der Denkungsart der Deutschen? – Hat Hahn nicht die Gesellschaft und ihre grundsätzlich ausgrenzende Mentalität aufs Korn genommen, sie im Spiegel betrachtet?
Schauen Sie mal genauer in Ihre Tageszeitung. Es könnte sein, dass auch Ihr Leib-Blatt immer größére Aufmerksamkeit auf Pseudo-Skandale und Pseudo-Entlarvungen richtet, Primitivmeldungen aus schleimigen Quellen zu Pseudo-Reportagen aufbläht und wirklich wesentliche Nachrichten von Presseagenturen übernimmt, weil dies viel bequemer und – für die Verlagseigner – billiger ist, da man damit weniger teure Redakteure braucht..!?
Mit Fontane darf man’s so sehen: Man kann heute, sogar in langjährig seriösen Medien, teure journalistische Arbeit zugunsten großer Fotos aller Genres, insbesondere nackter Weiber, nichtssagender Sportlerporträts usw. einsparen, weil der/die LeserIn gar nicht bemerkt, wie schlecht er/sie bedient wird…

Fürs Glas zuviel? Nimm Alcovit!

Für Dirndl-Trägerinnen gilt übrigens: Busen heben! Das weiß jedes alpenländische Kind von klein auf – 100-%ig unsexistisch!

 

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Aarons private Tagesthemen v.29.Nov.

(hp) Entenbrüstl in Orangensauce mit Kartoffelknödeln: Silvia kocht recht gut, noch unverdorben von Küchengöttern wie Lafer und Konsorten. Nach unseren beiden Studis sowie Helen, unserer Konvertitin, kam noch Ronny, der  Haussoziologe. Weshalb es bei ihr immer so gut schmecke, fragte Helen. Silvia, frei nach Tante Jolesch: „Ich servier‘ absichtlich immer ein bissel zu wenig.“ Den Spruch hatte sie bei F. Torberg gelesen, den hier kaum jemand kennt. Doch zur Sache, ihr Lieben. Wir wollen unseren wöchentlichen Gastro-Jour fixe in einer Art Protokoll festhalten. Politisches ist erst ab dem Dessert erlaubt. Strenge Hausordnung, gut so.

Ranking
Die EU will die Ranking-Agenturen an die Kandare nehmen, weil deren nicht immer ausgerwogene Aussagen den Markt ungünstig beeinflussen. Kam im Radio (logo: rbb Info). Aaron: Rankings begannen mal als sinnvolles Sado-Maso-Instrument für Aktionäre und andere Investoren, die sich rasch z.B. über die Qualität von

Ranker A.Rose

Ranker A.Rose

Unternehmen informieren  wollten. In den Wochen, als die zweisprachigen Straßentafeln (Englisch und Jiddisch) rund um die Wall Street durch solche mit lediglich englischer Beschriftung ausgetauscht wurden, also im Jahre Schnee, eröffneten Börsenleute in New York erste Agenturen. Wer gerankt werden wollte, musste sich einkaufen und Ranker in seine Firma lassen. Nur gefinkelte Prüfer wie Jonathan Weinfieber ließen sich von den Finanzchefs der Firmen nicht einlullen, sondern gaben ihren Anlegern, meist Kriegsgewinnern, die für die Auskünfte viel Geld hinlegen mußten, relativ ehrliche Berichte. So begann es. – Wie alles im ungezügelten Kapitalismus entwickelte sich das Ranking zu einem unverzichtbar gewordenen Dienstleistungsmonster mit so gewaltigem Einfluss, dass nicht nur Firmen, sondern ganze Staaten vor den Großen Drei zittern müssen, da sie sich – für sehr gutes Honorar – als gut zahlrende Kunden höchstselbst diesen Wallstreetdrachen ausgeliefert haben…

Churchill und Rösler
Ersterer fand bekanntlich nur jene Statistiken glaubhaft, die er selbst (mit-)gefälscht habe, heißt es. Herr Rösler und sein General  scheinen in dieser Hinsicht mit dem großen Briten verwandt zu sein. Der von der hiesigen Regierung in Auftrag gegebene Armutsbericht ist zwar nicht nur Statistik, da sie textlich bereits mehrfach geschönt wurde, bevor das 500-Seiten-opus nach der Bearbeitung im Sozialministerium im Wirtschaftsressort optimiert werden konnte, damit der Glorienschein über der erfolgreichsten Regierung der Frau Dr. A. Merkel noch leuchtender erscheine. Nach Röslers Handanlegung ist es nicht mehr drastisch mit der Auseinandertrift zwischen sehr reich und sehr arm im Lande. Fein, möchte man rufen. Freut euch, sächsische 3-Euro- 90-Friseusen: Es ist gar nicht so, wie es uns Opposition  und Sozialvereine immer vorjammern. Wählt wieder Merkel & Co., dann bleibt ihr in guten Händen. Euren Kolleginnen in Bangladesh geht’s viel schlechter! (wird fortgesetzt).

 

 

 

 

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Onassis lacht, Zeus gratuliert und Samaras wird umarmt

(hp) Welche eine Heuchelei: Söder södert, Rösler meckert, Brüderle schimpft („Kuhhandel“), Frau Merkel reist ins Armenhaus Moldawien, Samaras wiederholt das griechische Märchen von der „garantierten Rückzahlung“, und der brave deutsche Michel bleibt sediert. Nur im Olymp, dem Sitz der griechischen Götter, ist wie immer Party angesagt. Obergott und Ehebrecher (mehrfach) Zeus, der seinerzeit, als Stier verkleidet, die asiatische Königstochter Europa nach Kreta entführte und diese gebirgige Insel zum Mutterboden des Kontinents Europa machte, plaudert mit Onassis über die guten alten Zeiten, als sich seinesgleichen jeder Besteuerung widersetzte und bis heute nicht widersetzen muss. Zeus gratuliert zu dieser feudalen Beharrlichkeit. Niemand weiß, ob sie sich auch Sorgen über die Zukunft Griechenlands machen.

Wer sich den beruflichen Lebenslauf von A. Samaras anschaut, erfährt, was dieser Herr bisher gemacht hat. Aufgefallen ist er nur als Neokonservativer, der nach dem Zerfall Jugoslawiens in der Mazedonien-Frage – durch die Europabrille betrachtet – auf denkwürdige Weise auffällig geworden ist. Er war Wirtschafts- und Kulturminister und sonst noch was. Ein Vielfaltpolitiker und Stehaufmännchen, einer der unter Europas Stockkonservativen geschätzter Partner des sonnigen Armenhauses, nur in Schussweite vom langjährigen Feind namens Türkei  gelegen und im Dauerstreit in Sachen Korsika. Dass die strategische Lage Griechenlands enorme Rüstungskäufe erforderte, machte das unwichtige Land mit seiner politischen Oberschicht wichtig und beliebt. Nicht nur bei Touristen, die der Sonne und der längst versunkenen Kultur wegen gern Ferien machten, speziell auf den Inseln. Den Touristen, zu denen auch ich gehörte, war es ziemlich egal, dass es keine Einkaufs- und Verzehrquittungen gab. Man hatte, aufgrund der Sympathie erregenden Mentalität der Griechen, kein Bedürfnis, sich für soziale Angelegenheiten zu interessieren. In Saloniki sagte man mir einmal, dass auch Arbeitslose eine Eigentumswohnung besäßen und dass der Grieche in allen Lebenslagen wüsste, wie man klar kommt. Dumm sei nur, dass man sehr oft ganz schöne Summen unter dem Tisch nachschieben müsse, etwa dann, wenn es um ärztliche Leistungen ging.

Damals war noch Drachmen-Zeit. Und man schwärmte für die großartige Melina Mercouri und überall waren die Melodien von Mikis Theodorakis zu hören. Dann kam der Sirtaki auf, man legte sich – auch bei uns – die Arme auf die Schultern der Tanznachbarn und wieder zu Hause salbte Udo Jürgens mit seinem Hit „Griechischer Wein“ die Seelen der Heimgekehrten.

Nach der Fälschung der staatlichen Finanzdaten durch die Regierung stand der Aufnahme in die Euro-Zone nichts entgegen. Bis zur sogenannten Finanzkrise (2008), die nicht nur eine Banken-, sondern eine Staatsverschuldungskrise war und immer noch ist. Griechische Politiker, auch der frühere übergewichtige Finanzminister, wurden weiter hofiert – bis es zwangsweise zum Show down kam. Die Millionäre hatten ihr Geld, für das sie kaum bzw. keine Steuern zahlen mussten, längst in der Schweiz und anderswo deponiert. Die Verursacher der griechischen Staatspleite, Samaras inklusive, werden aber weiter hofiert. Ich wüsste nicht, dass der Luxemburgische Lordsiegelbewahrer Junckers mit seinem Kollegern Samaras verwandt ist. Wie sich die beiden Männer in den letzten Tagen öffentlich umarmten, erinnert leider nicht an die plakatgerechten Bruderküsse, die Sowjetpolitiker mit anderen Regierenden austauschten, sondern an eine Art von Abmachung, das schlecht regierte Land nicht fallen zu lassen. Da haben Samaras‘ Pilgerfahrten nach Berlin und Paris nur mehr Symbolcharakter. Wie’s der griechischen Bevölkerung geht, ist nicht von Bedeutung. Und Polizei ist ja genügend vorhanden, um eventuelle Ausschreitungen der Geknechteten glatt zu bügeln. Ach ja, gut gerüstetes griechisches Militär gibt’s ja auch noch für den Fall der Fälle…

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ad Vizekanzler Rösler: Wir brauchen mehr von der Sorte!

(hp) Da haben wir endlich  einen schnuckelig aussehenden Vizekanzler, an dessen piepsige Schnellreden wir uns gewöhnen mussten, und schon wieder fallen die unterspickten, sportiv ausschauenden Kollegen über ihn her und drängen ihn im nichts sagenden Chor des gemischten Kabinetts anklagend in die Ecke. Trittin trat etwas stärker zu. Und die heuchlerische Journaille hat wieder einen wenn auch kurzlebigen Sommerskandal. Dies alles vor den Londoner Kommerzspielen, hinter denen sich Kleinpolitiker unbeobachterweise wieder so manches Stückchen leisten werden. Und warum die Kritik an Rösler? Er sagte doch nur das, was alle wissen: die Politiker, die Journalisten, sofern sie bei der Vergabe der Intelligenz und  Ehrlichkeit nicht ganz weit hinten in der Reihe standen, und weiteres heuchlerisches Personal aller Windrichtungen.

Vorzeige-Experten wie der Herr Sinn (IFO-Institut) oder der Herr Bofinger, auf seine Weise auch der Ex-Bundesbanker Sarrazin, haben ihre Diagnosen – Beispiel Griechenland nebst Nachbarstaaten – schon seit langem aufgetischt. Aber offensichtlich lassen sich die Nicht-Bankiers Merkel, Schäuble u. a. in ihrer Europa-Mission dank ihrer eigenen Finanzberater nicht davon abbringen, ihrer bisherigen Linie treu zu bleiben: Europa muss zusammen bleiben, auch wenn gar nichts dafür spricht, eine vereinigte Großnation zu erhoffen. Die USA als Großnation entstanden nach Vertreibung der Ureinwohner aus Europa-Flüchtlingen und Emigranten, die alle dasselbe wollten: Freiheit, Unabhängigkeit, Frieden und Erfolg. Nach blutigen Auseinandersetzungen bildeten sie ihre Großmacht.

So etwas kann in Europa nicht passieren:  Alexis Sorbas aus Saloniki möchte der bleiben, der er ist, und Jimmy aus London, der sogar den Joe aus Edinburgh nicht leiden kann, hat ebenso wenig Lust, sich nicht von einem Landsmann regieren zu lassen. Ich schätze, dass sich ein Pariser Bankier nur ungern von einem litauischen Kollegen beaufsichtigen lassen will. Deutschland kann sich bekanntlich, nachdem das Deutsche Reich 1940 schon ein Mal eine Zwangsvereinigung Europas zuwege brachte – England war damals ebenso out of interest  wie heute -, einen Zweitversuch nicht leisten. Also bleibt es dabei, dass das Weiterwursteln der Spitzenpolitiker der europäischen Staaten anhalten wird nach dem Motto „Hinter uns die Sintflut!“.

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FDP: Unerträglich, deshalb Maulkorb für Rösler & Brüderle!

(jutta) Mir bleibt die Spucke weg. Da versucht die durch Blödsprüche verluderte FDP in Karlsruhe krampfhaft die Wiederbelebung. Ein trockener Rösler referiert wie ein aufgedrehter Gymnasiast. Mit dem NRW-Hoffnungsträger, der berechtigterweise begeisterten Applaus erntete, erscheint endlich mehr Licht am Horizont. Aber dann ein Mann namens Brüderle, der gleich einmal die Regierungspartner  unflätig beschimpft und dann das Eigenschuldbekenntnis liefert, der FDP sei der Zuwachs an Arbeitsplätzen zu verdanken in diesem Land.

Der Mann, der zu den stärksten Bremsern eines Mindestlohnes gehört kann, zählt und sich nur dann Schlagzeilen verdient, wenn er wieder mal wie im Suff vom Rednerpult lallt, ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und sitzt (oder saß) im ZDF-Fernsehrat.Ein Mann, der zu den schärfsten Gegnern eines gesetzlichen Mindestlohns gehört, der offenbar kein bißchen soziale Verantwortung trägt und immer nur die halbe Wahrheit sagt, obwohl er heute im Bund nicht mehr vor den Arbeitgebern kuschen muß wie in seiner kurzen Zeit als Wirtschaftsminister. Wo lebt dieser Mann? Ist er mit Leiharbeitsfirmen verschwägert? Hat er je ein Jobcenter besucht? Ist er je in einer „Arche“ gewesen, um hautnah und praktisch mitzukriegen, wie es den vielen Hunderttausenden geht, die statistisch zwar nicht mehr „arbeitslos“, dafür aber lohngedumpt bezahlt werden und aufstocken müssen, um einigermaßen über die Runden zu kommen? Hat dieser Brüderle vergessen, dass auch die FDP der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet ist? –

Weit weniger gefährlich ist Rösler. Den kann man in der FDP mittlerweile ignorieren. Ein lieber Gatte  und Papa mag er sein, aber kein Politiker für die obersten Ränge (sondern für die Kanzlerin ein bequemer Schatten) .

Ob Rösler mit derben Witzchen dem wahlkämpfenden Parteikollegen nützt, möchte ich bezweifeln. Bei seinem Auftritt in Mainz beendete Lindner Röslers rhetorische Anbiederungen beim Publikum angeblich mit der klaren Rhetorik-Ohrfeige: „Mätzchen machen wir nicht. Gags überlassen wir anderen. Schon im Stil wollen wir uns (von Berlin) unterscheiden“. Richtig, Lindner! Wenn sich schon die alten Herren der vorigen Generation nicht ins heutige FDP-Getriebe einmischen -, Sie können das. Heben Sie – gerade in NRW – Ihre Sozialkompetenz hervor, erfinden Sie zukunftsfähige Konzepte in Sachen Familie und untermauern Sie Ihren Grundsatz vom „aufstiegsorientierten Sozialstaat“ durch gute Vorschläge, die einer modernen FDP würdig sind und beim zweifelnden Wahlvolk ankommen. Es wäre nämlich schade, wenn Ihre FDP – die Betonung liegt auf Ihre! – nicht in den Düsseldorfer Landtag  einziehen könnte.  Enttäuschen Sie mich nicht!

 

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Verwirrung schützt vor Wahrheit

Hannelore („Loki“) Schmidt, des Altkanzlers  langjährige Ehefrau, wurde in einem ihrer letzten Interviews nach den wichtigsten Büchern ihres Lebens gefragt. Als zweites nannte sie Gustave Le Bons „Psychologie der Massen“, erschienen 1895. Meine Freundin, nicht halb so alt wie Loki Schmidt zum Zeitpunkt dieses Interviews, nickte lächelnd und zog dieses Buch (Kröner Verlag) aus ihrem Regal und betrachtete mein überraschtes Gesicht. Ich gestehe, Le Bon bis damals nur überflogen zu haben. Abseits der überbordend gewordenen Debatte über Staatsverschuldung, die selbst verschuldete Abhängigkeit der Politik und der Realwirtschaft von den Banken und die ersten Protestaktionen in den europäischen Großstädten fällt mir der französische Soziologe wieder ein. Nicht so wehleidig und kompliziert wie nach ihm Oswald Spengler („Der Untergang des Abendlandes“), sondern deftig referierend hat der Soziologe Le Bon die Leute und ihre Eigenschaften beschrieben und daraus seine Schlüsse gezogen – zu seiner Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts. Aber gültig. Heute und morgen. Damit komme ich zum Thema:

Wer über die Banken, die Wirtschaft, die Politik und ihre Vertreter redet,  macht sich’s zu bequem. Er missachtet, dass es Menschen sind, die in Banken, in der Wirtschaft, in der Politik agieren, dass es immer Abhängige sind, abhängig wovon auch immer. Leute, die für etwas stehen, die einen Standpunkt haben oder so tun, als hätten sie einen. In der Überzahl sind es Personen, die in ihrer jeweiligen Hierarchie weit oder ganz oben stehen und von dort aus entscheiden, was zu tun und was zu lassen sei. Leute, die ihre Claque stets zu vergrößern suchen, die ihre Untertanen im Geiste horten und ständig vermehren. Leute, die sich die Halbbildung ihrer Fans zunutze machen, mit ihrer Fangemeinde prahlen und damit nicht nur ihre Wichtigkeit, sondern auch die Richtigkeit ihrer meinungsmachenden Aussagen zu beweisen versuchen. Je geschickter sie agieren, als desto glaubhafter gilt ihr Wort für die Masse, auch wenn  sich – zwischendurch oder am Ende – herausstellt, dass sie diese in die Irre geführt haben.

Über die Kunst, das bestmögliche Verhältnis von Überzeugung, Einbildung, Lüge und Wahrheit zu finden, sei hier nicht geschrieben. Wir können es ja täglich in Gazetten und im Fernsehen miterleben. Auch die Jongleure der Meinungsbildung, die das Frühstücksfernsehen gern in Provinzhochschulbüros  aufstöbert und präsentiert, sind nur in seltenen Fällen fähig und willens,  Analysen abzuliefern. Nicht einmal das journalistische A-B-C-Prinzip für den Konfliktfall wird beachtet. Danach sagt A, der B sei schuld und der B sagt, der A sei schuld. Nun käme es auf einen C an, der die „Schuld“ relativiert und sie nach seinem Wissen und Gusto auf A und B verteilt und zwar möglichst objektiv. – So läuft es leider nicht. Es läuft nicht einmal nach dem journalistischen Grundsatz „Vertritt (als C) beide Standpunkte mit Nachdruck, aber lege dich auf keinen fest!“ So bleibt das Verschwommene auch nach soundso vielen  Kommentaren und Interviews verschwommen. Und auch der moderne Bürger weiß über 100 Jahre nach Le Bon nicht mehr als er gestern wußte: die Banker, die Politiker usw.

Der seriösen Presse bleibt in den letzten Tagen nichts anderes übrig als die Vielfalt der Meinungen von Experten und solchen, die ihre Expertise aus mehr oder weniger erarbeiteter Prominenz ableiten, in Form von Kommentaren wiederzugeben. Am sympathischen macht es das „Handelsblatt“, das jeweils auf der letzten Seite eine Art „Wort zum Sonntag“ abdruckt. Nobelpreisträger der ökonomischen Branche waren schon dran, zwischendurch moralisierende Wirtschaftswissenschaftler, Philosophen, (leider sehr wenige) Unternehmer und – zu meinem heutigen Erstaunen –  unser junger deutscher Wirtschaftsminister Rösler in der heutigen Ausgabe. Und was fordert er? „Mehr Eigenverantwortung!“ lautet seine vierspaltige Stellungnahme. Nun ja. Vielleicht eine Art Hoffnung, da Herr Rösler noch zu kurz in diesem Amt ist und vermutlich noch nicht derart verstrickt in das „System“ wie seine älteren Kollegen.

Ein Stückchen Gustave Le Bon bin ich dem werten Leser schuldig geblieben. Ich denke, in der Folge 2 unseres Verlagstagebuches wird das Versäumte nachgeholt.

Zu Le Bons Zeiten hieß es im Zusammenhang mit nicht enden wollenden Diskussionen: „Wer hier die Wahrheit sagt, muss ein schnelles Pferd haben.“ – Heute mangelt es zwar nicht an schnellen Pferden, offensichtlich aber an der Wahrheit…

 

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