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rbb-Holzapfels „Kinderklassik“ für Erwachsene

(silvie) So süß, so flott, so engagiert wie der rbb-Youngster Stephan Holzapfel am Sonntagmorgen seine „Klassik für Kinder“ serviert, ist wahrlich beispielhaft. Bürgerlichen Eltern, deren am Radio hängenden Kids „Klassik“ serviert wird, wird’s sicher gefallen, dass sie sich noch eine Stunde bis 9 Uhr früh gemütlich in den Federn räkeln können, bevor die dank Stephan H. „klassisch“ unterhaltenen Kinder ihr Frühstück einfordern. Als musizierende Grundschullehrerin leistete ich  mir eine Art Studie unter elterlichen Freundinnen und Freunden: Wie nützlich ist die rbb-Sendung für die programmierte Zielgruppe der Kinder?
Von „süßer, ganz lieber Moderator“ bis „haarscharf an der Zielgruppe vorbei“ lauteten einige der Kommentare. Tenor: Gute Idee, allerdings nur für elitehaft vorgebildete Jung-Musici mit nicht kinderechtem Interesse für Oper und Konzert. Das, was kindliches Musizieren ausmacht, nämlich das Singen und Mitsingen, findet so gut wie überhaupt nicht statt. Für Herbert, meinen Schwager, ist es – nicht nur aus pädagogischen Gründen – richtiggehend sündhaft, beim Nachwuchs die Freude am Singen nicht zu wecken und zu fördern. Ich schließe mich dieser Meinung an, möchte jedoch sein „sündhaft“ durch „fahrlässig“ übersetzen. Gerade die „Klassik für Kinder“ sollte sich dem grundsätzlichen RBB-Gebot, Singen, Lied- und Chorgesang in den Programmen zu vermeiden, nicht beugen. Wer als Kind und Jugendliche(r) selber Freude am Gesang empfindet, wird später mal Oper und Konzert eher genießen als jemand, der/die als Kind servierte Erwachsenen-„Klassik-(angeblich)-für-Kinder“ samt Rigoletto und Nabucco vorgesetzt bekommt (wie am heutigen 2. Juni ’13). Vorschlag an den Blasmusiker Holzapfel: Geh doch mal in den Musikunterricht einer Grundschule und hör dir an, wie’s dort zugeht. Vielleicht werden danach deine ehrenhaft moderierten Sendungen bald auch  i n h a l t l i c h  kindgerecht!

 

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Liebe rbb-Macher, sendet öfter Lieder!

(reg) Ausgerechnet im rbb-Sender Inforadio erlaubt Frau Wiegand dem Sänger Thomas Quasthoff ein ehrenhaftes Plädoyer für den Liedgesang, wiewohl der aktuelle Anlass für das Interview der vom engagierten Künstler und Hochschullehrer Quasthoff initiierte Liedgesangs-Wettbewerb war. Ich hoffe, dass die Programmacher des rbb-Klassikradio mitgehört haben und sich – entgegen der grundfalschen Sendermeinung, Lieder seien nicht gefragt – endlich mal dem Sologesang mehr Platz im Programm einzuräumen. Gedudel und orchestrale Schnäppchen-Bandwürmer gibt’s ohnehin genug in diesem Land. Das abschreckendste Beispiel: der Privatsender „Klassikradio“, der es sogar unterlässt, einzelne Darbietungen anzusagen.

Ich komme jetzt nicht mit dem Bildungsauftrag des öffentlichen Rundfunks, sondern mit  mangelnder Herzensbildung in einem Minderheitensender wie dem rbb-Kulturradio, der trotz guter personeller Bestückung  programmgestaltend so gut wie nur nach dem Prinzip 08/15 bzw. berlinisch „Det ham wa imma so jemacht!“ agiert. Im Kleinen fängt’s an: Egal, mit welchem Thema sich der mittägliche „Hörerstreit“ befasst-, zur Pausenfüllung bis zu den 13 Uhr-Nachrichten wird meist irgend etwas, meist Barockes, eingetreut. Am Morgen ab sieben erklingt, nicht nur wenn die Frau Bürger mit ihrer bedächtigen Lehrerinnenstimme moderiert oder ihre Kollegin Kupferberg praktisch zum Wiedereinschlafen animiert, vornehmlich Barock oder eine romantischen Ohrwurm. Wie wunderbar wäre da ein Kunstlied aus dem reichhaltigen Repertoire von Schubert bis Eisler. Zum Frühstück ein von hellen Sängerknabensopranen gesungener Strauß-Walzer, und das Müsli schmeckt doppelt so gut. Ab 16 Uhr eignen sich Loewe-Balladen ebenso wie eine mozärtliche Bravourarie zur Entspannung, von der blauen Stunde gar nicht zu reden.
Genug der Wünsche. Das immer noch sehr kleine Stammpublikum des „Kulturradio vom rbb“ wird Vokales garantiert zu schätzen wissen.

 

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Quoten: Eine muslimische fehlt bislang…

(ugan) Als Mohammedaner gehört unser Ugan Hüsni zwar nicht zum „auserwählten“ Volk, er würde aber ebenso wie die jüdischen Hörer des RBB-Kulturradio samstags (Schabbes o. Sabbat) am Yowm ul-Jumuah, also freitags (am Tag der Zusammenkunft) bedient, das heißt: bespielt werden vom genannten Radiosender. Es muß ja nicht unbedingt quotiert sein, meint Ugan: Das eine oder andere Feature aus unserer Welt, die gerade in der Berliner Bevölkerung größer ist als die jüdische, täte ganz gut – freitags vor dem für Männer verpflichtenden Gebet, oder danach. Da hat der RBB noch einen Nachholbedarf. Bei den Quoten für Jüdisches im Sonnabendprogramm und darüber hinaus ist der Sender ja ausgesprochen vorbildlich.

Von einer gesetzlichen Frauenquote hält unser Ugan wenig. Nicht etwa deshalb, weil er Frauen nicht schätzt. Aber: „Sobald Frauen in höhere Hierarchien aufsteigen, sei es durch Talent und Ehrgeiz oder durch Protektion, entwickeln sie sich genau so wie ihre männlichen Kollegen; und wenn’s um Härte geht, sind sie genau so scharf und brutal wie diese!“ Ugan hat eine Chefin, die er sehr schätzt. Sowas sei jedoch nicht die Regel, meint er. Außerdem sei sie in der Firma in einer Position, in der sie (noch) fraulich, also menschlich sei könne. Ohne Gier nach Karriere.Ugans Freund Mahmut sei von einer Personalchefin, der er nicht sympathisch war, zugunsten eines deutschen Gebäudereinigers gekündigt worden. Obwohl es keine Beschwerden oder gar Abmahnungen gab. Sowas schmerzt und verdirbt die Stimmung…

Also, geschätzte RBB-Prgrammmacher: Freitags etwas „Stoff“ aus der Welt der Türken und Araber. Es gibt ja nicht nur Kopftuchweiber, die nutzlos zu Hause sitzen und sich von Musiccassetten und TV-Vertrottelungsfilmchden ernähren, während sich ihre Männer und Geschwister dem Freitagsgebet widmen!

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Karl May und seine Neider: unappetitlich und armselig!

(hp) Da hat einer eine unbändige Phantasie, kann schreiben, Millionen Leser faszinieren, hat vielerlei, auch existentielle Schwierigkeiten überwunden, in seiner spießigen Heimat Hindernisse auf Indianerpfaden bewältigt und einen Doktortitel vor seinen Namen gesetzt. Solch ein Scharlatan, dieser Karl May, dieser Trickser. Offensichtlich muss auch der unbedeutendste Besserwisser aus der Feuilletonistenbranche an Wert und Würde dieses Erfolgsautors kratzen, um mitzuspielen im Dissonanzensumpf der posthumen Neider.

Bei SPIEGEL online lese ich heute eine „kritische“ Würdigung der Person Karl May, die eine gewisse Karin Seethaler verfasst hat: eine Entlarvung, fein recherchiert und als Report maskiert. Kein Wort über Karl Mays Bücher und ihre Wirkung auf Generationen begeisterter Leser. Ich vermute, dass Frau Seethaler keine Ahnung von diesem phänomenalen Werk hat und sich keine Gedanken über die Erzählerkraft Karl Mays gemacht hat. Ob sie je Faszination gespürt hat…

Gestern lud sogar der sonst so gut wie calvinistisch programmierte Sender rbb-Kulturradio zu einem Hörerstreit über „Winnetou und sein Image“. Sofort wurden Besserwisserinnen und -wisser, die sich über die persönlichen Missetaten der Person Karl May ausließen, bis ein gütiger Moderator die Sozialkiste öffnete und das s.g. Publikum wissen ließ, dass May aus armseligen Verhältnissen einer mehrkindrigen Weberfamilie stammte usf.

Es gab glücklicherweise Medien, die sich dem Phänomen des phantasiebegabten Autors anders näherten – ohne mit dem Zeigefinger selbstgefällig auf den Menschen Karl May zu zeigen.

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Bravo, Holzapfel!

(Jutta) Wieder mal rbb: Im Berlin-brandenburgischen Rundfunk mag es, je nach Ressorts in unterschiedlicher Zusammensetzung, etliche zweibeinige Friedhofsgärtnereien und Mostbirnen geben, darunter verhinderte Lehrer, nicht examinierte Rabbinerinnen und dergleichen -, mit dem Klassik-für-Kinder-Moderator Stephan Holzapfel und seiner Redaktion bin ich zunehmend zufrieden. Da ist Unterhaltung, Bildung und vor allem ansteckende Begeisterung im Spiel – pädagogisch wohlsortiert und ausgewogen portioniert. Jüngstes Beispiel: die Sendung mit dem „Flohwalzer“ am heutigen  Neujahrstag. Abgesehen von der faszinierenden Aufdeckung der Tatsache, dass der allgemein bekannte Flohwalzer rhythmisch ein Marsch ist, war da noch eine Atmosphäre im Spiel, die einem das Aufwachen leicht machte. Machen Sie weiter so, Herr Holzapfel. An die eine oder andere Ihrer hübschen Formulierungen werden sich die heute keimenden  Bildungsbürger von morgen noch gern erinnern.

P.S. Ob die rhetorischen Darbietungen des rbb-Kulturradio-Moderators Marek Kalina, die stets mit pädagogischem Sendungsbewusstsein an das Hörervolk herangetragen werden als wäre er auf der Flucht, Routine oder echtes Engagement ist, sei hier nicht das Thema. Es ergibt sich nur die Pflicht auf folgenden Hinweis des Verlages:  Der sympathische schwule „Marek“ aus Gerd Joachims Romanbiografie „Es liegt noch Gold im Halensee“ ist nicht jener Marek vom rbb Kulturradio und mit ihm auch nicht verwandt oder verschwägert, sondern knapp doppelt so alt wie Kalina und Rentier in seinem von Carl kreditlos gestifteten Eigenheim an der Ostsee. Dies zur Klärung einer Frage, die anlässlich einer Autorenlesung am „Unschuldigen-Kinder-Tag“ (28.12.2011) in Charlottenburg von einer begeisterten Kulturradio-Hörerin gestellt wurde.

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Diese Journaille: Jetzt reicht’s aber!

(hp) Was für ein Journalismus ist das heutzutage?! – Die Nachrichten des „rbb“ – die Kleinbuchstaben sind kein Tipp-faux-pas – bringen am Silvestertag um 12.00 Uhr die sensationelle Meldung: In Sydney wurde das neue Jahr begrüßt. Danach die Hinweise auf die dem breiten Volk noch nicht angediente Rede der Bundeskanzlerin, wonach 2012 ein schwieriges Jahr, Rückschläge nicht ausgeschlossen, bringen werde. Sensationell. Wie auch die Nachricht um 18.00 Uhr, dass wegen der Mitternachtsparty – „sicher die größte der Welt“ – S- und U-Bahnen stärker frequentiert würden als in anderen Nächten. Wie wertvoll, derlei Informationen. Man glaubt es nicht. Halten die Damen und Herren Journalisten ihr Hörervolk für blöd? Fehlt nur noch der Hinweis darauf, dass die Erde keine Scheibe sei, sondern eine Kugel, die sich noch dazu dreht.

Erfreulicherweise keine Silvester-Häme gegen den Bundespräsidenten, der sich wie jeder Normalibürger um einen möglichst zinsarmen Kredit bemühte und darüber nicht gerne sprach. Im Gegensatz zu meinem Nachbarn, der damit prahlt, wie er Gläubiger und Finanzamt und üble Verwandte reinzulegen pflegt. Doch zurück zu den Journalisten. Das Folgende, liebe Damen und Herren Presse-Anwälte, gilt natürlich nicht für  alle Journalisten: Kennen Sie die anerkannte, juristisch einwandfreie Praxis vierle Journalisten im Verkehr mit Nicht-Journalisten?

1.) Journalistenrabatt

Wie Sie beim Googeln unter diesem Stichwort erfahren, gibt es diesen Rabatt nur zusammen mit dem Journalistenausweis, den der Journalistenverband auf Antrag ausstellt. Wer nun glaubt, Journalisten erhielten einen saftigen Preisnachlass nur für Sachwerte und Gegenstände, die mit den beruflichen Erfordernissen etwa von Schreibern und Redakteuren, Pressefotografen usw. – also z.B. Fotoapparat, PC oder Laptop, Bleistifte oder Handys oder Fahrräder oder Personenwagen – zu tun haben, täuscht sich. Es wulfft weitaus stärker.

2.) Reisen und Unterhaltung

Früher, als man zweifelhafte und zweischneidige Dinge noch nicht so scharf witterte als heute, als Begriffe wie „Begünstigung“ und „Korruption“ noch im Fremdwörterbuch nachzuschlagen waren, türmten sich in manchen Zeitungsredaktionsräumen, insbesondere in der Reise-, Motor- und Sportredaktion, die Geschenkpakete für die Verfasser – selbstverständlich objektiver – Berichte und Rezensionen. Der Sportclub N.N. wünscht „Frohes Fest und ein gesundes Neues Jahr“, das Reiseunternehmen O.O. freut sich auf weitere gute Zusammenarbeit („Gutschein anbei“) und die Autofirma P.P. ließ es bei TV-Kleingeräten „für unterwegs“ bewenden. Logischerweise lautete der Billett-Text „Gute Fahrt im neuen Jahr“ oder was immer.

Heute laufen solcherlei Sympathiekundgebungen viel subtiler. Gratisurlaubs-Schecks laufen selten in die Redaktion, denn ein sich gerecht fühlender Ressortchef könnte etwas Wertvolles unter seinen Getreuen verlosen, und es wäre durchaus möglich, dass einen Flussschifffahrt an einen Hochgebirgswanderer geht und ein Almhotel-Bon an einen Freund schöner Küstenstriche. Was bleibt also?

Lasst Herrn Wulff endlich in Ruhe!     

Der Bundestagspräsident, der es den „entlarvend“ tätigen Journalisten gestern ins Stammbuch schrieb, hat Recht. Da kann ich mir die Sprüche vom „Glashaus“ und vom „Banken im Auge“ und was es da sonst noch gibt, ersparen und wünsche korruptionsfrei ein gutes neues Jahr.

P.S.
Als Radio-Freak bin ich gespannt auf die Null-Uhr-Meldungen. Vom rbb erwarte ich die Meldung, dass es nun auch begonnen hat, das neue Jahr!

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Preußenjahr 2012: Lesen Sie Haffner!

Glaubt man den Verlagsankündigungen, wird 2012 ein Preußenjahr. Denn 300 Jahre nach der Geburt des Großen Friedrich II wird es sich kein einschlägiger Autor entgehen lassen, seinen Senf auf das preußische Tableau zu streichen. Man darf gespannt sein, was aus der Ikone Fridericus Rex gemacht werden wird.

Als gebürtiger Süddeutscher werde ich mich in dieser Angelegenheit vernünftigerweise zurückhalten. Die Herrscherfiguren der Wittelsbacher sind mir für meine laufende Arbeit weitaus näher als die Interpretationsversuche von Kollegen, von denen einige es nicht verkraften, dass der Journalist Sebastian Haffner vor Jahrzehnten mit seinen Darstellungen bereits weit ausgeholt hat in Sachen Preußen, Herrscher und Kanzler (Bismarck) bis hin zu Preußen-Identität und Mentalität. Am brisantesten schien mir und scheint mir bis heute der rote Faden von Friedrich II über Bismarck bis Hitler – weniger personenbezogen, sondern was Denke, Disziplin, Diplomatie und räuberische Politik angeht.

F., erster Diener seines Staates

Friedrich II., erster Diener seines Staates

Sehr interessieren wird mich, wie jüdische Autoren jüngerer Denkungsart Friedrich beurteilen werden. Denn dass das immer wieder zitierte „Jeder nach seiner Façon“ eindeutig abgegriffen und für die breite Bevölkerung reine Theorie geblieben ist, wissen wir zur Genüge. Insbesondere der Antisemitismus, der im Preußen Friedrichs Staatsraison war, wurde bislang noch nie seriös austariert:

Dass sich der Herrscher weigerte, den großen Moses Mendelssohn in die Akademie aufzunehmen, angeblich nur deshalb, weil Mendelssohn Jude war, reicht mir nicht aus. Die Historiker, die sich mit der katholischen Antisemitin Maria Theresia beschäftigten, waren hinsichtlich der österreichisch-ungarischen Landesmutter weniger zurückhaltend. Bekannt ist, dass sie zwar von Juden Geld lieh und wegen der kriegerischen Spitzbübereien Friedrich des II. oft genug Geld leihen musste, nach Vertragsabschluss mit den jeweiligen jüdischen Kreditgebern ihr Händchen allerdings nur hinter einer dunklen Wolldecke reichte, um den Geldverleiher ja nicht sehen zu müssen. Bekannt ist auch, dass sie als Königin von Ungarn und Böhmen von Juden bewohnte Kaffs abfackeln ließ, aus Wut über die widerspenstigen dortigen Juden, die keine Kriegssteuer zahlen wollten.

Von Friedrich II ist in der causa Abfackeln eigentlich nur bekannt, dass er „katholische Dörfer“ an der Oder abbrennen ließ, was sogar sein Marschall, der alte Dessauer, in seinen Memoiren als verbrecherische Untat des Herrschers geißelte. Ansonsten gibt es wenig über die „dunkle“ Seite des Preußenherrschers, dem – von seinen Frechheiten (Diebstahl Schlesiens u.a.m.) abgesehen – natürlich viel Huld und viel Ehr‘ gebühren.

Der SPIEGEL nahm sich des bevorstehenden Preußen-Jubiläums bereits in einer ausgewogenen Titelstory an.

Haffner - immer empfehlenswert!

Haffner - immer empfehlenswert!

Andere Publikationen werden folgen. Man darf gespannt sein. Für Unbeleckte, deren Zahl von Tag zu Tag wächst: Sebastian Haffner ist immer ein Gewinn, auch wenn er nicht immer schmecken mag! H.-P.Eis

P.S. Das rbb Kulturradio, feinsinniger Förderer des Absatzes feinsinniger CDs, hat für die laufende Woche ein neues Produkt als „CD der Woche“ gekürt: Flötenkonzerte des Kompositeurs Friedrich II. und komponierender Verwandtschaft…

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Erzogenere Kinder gebären?

Im rbb, dem Regionalsender für Berlin und Brandenburg, gibt es – live – eine Barometer-Sendung im „Kulturradio“: den so benannten „Hörerstreit“ zur Mittagszeit. Es sind, allein schon wegen des Sendetermins, vornehmlich pensionierte Hörer, die sich beteiligen. Heute ging’s ums Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln, wie es in Hamburg an der Elbe kürzlich klaglos eingeführt wurde. Ob es die Berliner Verkehrsbetriebe den Hamburgern nachmachen sollten, lautete die heutige Frage. Ich war gerade beim Kochen.

Ein gutes Dutzend Menschen kam zu Wort. Alles Mögliche hatte laut Hörerschaft Schuld an der Verschlampung vornehmlich der männlichen Menschheit, auf offener Straße und in öffentlichen Verkehrsmitteln mit offener Bierflasche zu verkehren und gelegentlich einen Schluck zu tun, mit oder ohne Rülpser. Die Wirtschaft sei es, der Staat tue nichts. Ein Verbot, an unter 18-jährige Alkohol zu verkaufen, sei nicht kontrollierbar. Die Schule müsste mehr tun usw. Endlich: Die letzte der teilnehmenden Hörerstreiterinnen, eine alte Dame, brachte es auf den Punkt, während ich meine thailändische Soße kostete. Das Elternhaus, so die Hörein, versage. Heute stärker als gestern und morgen stärker als heute.

Recht hat die Frau. Der Frauenfeind Johann W. Goethe brachte es schon zu seiner Zeit auf den Punkt: „Die Mütter würden erzogenere Kinder gebären, wenn sie selber erzogener wären.“ Mütter sind mit „Eltern“ auszutauschen, finde ich. Alles in allem stimmt’s, dass Verluderungen in der Gesellschaft in gewissen, an Zahl zunehmenden Elternhäusern und solchen, die sich fälschlicherweise so nennen, ausgehen. Fiele mir nur noch ein aktueller Nach-Goethe-Spruch ein: „Früher lehrten die Mütter ihre Töchter das Kochen; heute lehren sie die Väter das Saufen!“ Nun ja, Prosit! -H.-P.Eis

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