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Nix Neues aus der „vernaderten“ Provinz Österreich!

(hp) Lisa Nimmervoll befragt in der Wiener Tageszeitung „Standard“, dem Leuchtturm der österreichischen Tageszeitungslandschaft, den an der Nordseeküste geborenen Kulturwissenschaftler Wolfgang-Funk, Jahrgang 1952, zur politischen Kultur in dessen Wahlheimat Austria und lässt ihr Interview mit „Der Homo austriacus vernadert gern“ betiteln. Das Wort „Vernadern“ , das ich als Steirer nicht kenne, finde ich für die Zeit nach 1945 unzutreffend. Denn der homo austr. ist kein Verpetzer, kein Verräter, kein Intrigant, sondern ein nach wie vor ängstlicher Provinzler – also Angehöriger einer Rasse, die demokratisches Denken und Tun nicht mit der Muttermilch verabreicht, sondern aufoktruiert bekam und so etwas wie „Altera pars audiator“ nicht einmal in der Schule gelernt hat, geschweige im Elternhaus. Abgesehen von einigen wenigen bürgerlichen Youngstern, die gegenüber althergebrachtem Denken Anfang der 1960er Jahre aufmüpfig wurden, gab es in der österreichischen Nachkriegsgeschichte nie eine Auslüftung der Gehirne seiner Inhabitanten. Auch unter Bruno Kreisky, der nur in Sachen Außenwirkung ein beachtlich großes Fenster in die Welt öffnen konnte, blieben die ehemaligen Herrgottswinkel, in denen seither Fernsehgeräte und Stereoanlagen standen, erhalten. Provinz blieb Provinz, und wem’s nicht passte, der ging ins Ausland. Nur wenn er dort zu Ruhm und Aufsehen kam, führte ihn das Heimweh zurück ins Land der Berge und Dome.

Nicht das „Vernadern“, sondern das Bedürfnis, nirgendwo anzuecken und sich ja nicht festzulegen, war und ist das Grundbedürfnis des Österreichers bis heute in allen Hierarchien des Alpenlandes – „gesundes“ Misstrauen gegenüber allem  Fremden inklusive. Das beweist unser Autor mehrfach in seinem Büchel „Leobner Geplärr“ an Beispielen aus seiner Zeit als Lehrer und Regionaljournalist in der Obersteiermark. Seit 35 Jahren lebt er glücklich im größten Fundamt der Welt, in dem sich die Verlorenen selber abgeben (Berlin) und erfreut sich einer Fülle von Freiheiten, die in der Provinz Österreich für den Normalbürger bis heute unerreichbar wären.

ab Okt. 2014 im Handel und direkt ab Verlag www.kalwang-eis.de

ab Okt. 2014 im Handel und direkt ab Verlag  – siehe: www.kalwang-eis.de

 

 

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Vorwarnung: 3sat tut wieder was für eine solide Halbbildung!

(hp) Alles sei eine Frage der Beleuchtung, soll Theodor Fontane einmal geschrieben haben. Recht hatte er. Das staatliche Bildungsfernsehen „3sat“ wird am kommenden Montag ab 20.15 Uhr eine Dokumentation über den angeblichen „Untergang Österreichs“ ausstrahlen, womit, wie es im Programmheft heißt, der „Anschluss“ an das Deutsche Reich im März 1938 gemeint ist. Was da kommen wird, ist abzusehen, auch, wie die Tendenz der Doku sein wird:
Nach der Rezeptur, die speziell vom ZDF mit ihrem Historienpapst Guido Knopp noch immer gepflegt wird, lässt diese Art medien- und quotensüffiger Geschichtsdarstellung („Hitlers Schäferhund“) gezielt weg, was ein „Warum“ bzw. „Wie es dazu kommen konnte“ erklären würde. So sicherlich auch am Montag auf 3sat.

Die Fakten:
Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg war das alte Österreich zerbrochen. Der seit 1918 und nach 1945 existierende Blinddarm „Österreich“, zwischen Boden- und Neusiedlersee gelegen, wurde von den österreichischen Politikern der 1. Republik als wirtschaftlich nicht überlebensfähig betrachtet. Deshalb nannte man dieses Restland der Monarchie aufgrund der Muttersprache der Bewohner Deutschösterreich und legte in einstimmigem Regierungsbeschluss den Anschluss an das Deutsche Reich fest. Dieser vorgesehene  Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich (Weimarer Republik) wurde von den alliierten Siegermächten 1919 im Staatsvertrag von Saint-Germain-en-Laye ausgeschlossen, indem in Art. 88 ein förmliches Unabhängigkeitsgebot für Österreich bestimmt wurde. In Österreich und Deutschland wurde der Artikel als Anschlussverbot bezeichnet. Gemäß dem Vertrag wurde erzwungenermaßen auch der Staatsname „Republik Österreich“ festgelegt.
Diese wirtschaftlich nicht lebensfähige Republik erlebte, weit drastischer als die benachbarte „Weimarer Republik“, zwei problematische Jahrzehnte. Nach dem Bürgerkrieg vom Februar 1934, wo die klerikal verseuchte Regierung unter Kanzler Dollfuss sogar die Beseitigung standhaft streikender Arbeiter durch Vergasung erwog (lange vertuscht!), folgte eine faschistische, also eine Ständediktatur nach italienischem Muster. Dollfuss und sein Nachfolger, der Tiroler Halbadelige Schuschnigg, versuchten erfolglos, den verständlichen Wunsch der Mehrheit der Österreicher zu unterdrücken, endlich dem prosperierenden Deutschen Reich beizutreten, damit die gewaltige Arbeitslosigkeit und vor allem die Zweiteilung der österreichischen Gesellschaft beendet würde. Die Sehnsucht nach einer Zukunft war so gewaltig, dass sich speziell in den westlichen Bundesländern bis zu 98 Prozent der Bevölkerung für einen Anschluss aussprachen.

Die lächerlichen Annäherungsversuche an Mussolini, der sich als Schutzheiliger eines selbständigen Österreich gab, verärgerten nicht nur Adolf Hitler und den in Mauterndorf (Salzburg) aufgewachsenen Hermann Göring, so dass es, als man in Berlin die Zeit als reif empfand, zum widerstandslosen Einmarsch der Deutschen Wehrmacht und zur von allen möglichen Leuten lächerlich gemachten jubelnden Menge auf dem Wiener Heldenplatz kam.  Das war, bitte, lang vor der Zeit des Holocaust.

In der 3sat-Doku werden Zeitzeugen auftreten. Bin gespannt, welche Zeugen das sein werden. Die Großspekulanten und Witschaftsbarone, die sich in der Dollfuss- und Schuschnigg-Zeit besonders wohl fühlten, sind heute alle tot.

 

 

 

 

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Bravo, liebe Austro-Pfarrer, weiter so!

(hp) Von der großartigen Pfarrer-Initiative zu hören, tut gut. Nicht nur, weil selten Schönes und Bereicherndes aus dem Alpenland über die Grenzen tritt, sondern weil Ihr ein großartiges Beispiel dafür gebt, was starker Wille und Beharrlichkeit vermögen. Mir hat weniger der Traditionalist im Petersdom begeistert, der im Stil eines lateinamerikanischen Diktators etwas von „Ungehorsam“ murmelte, sondern der Sprecher Eurer Gruppierung, Pfarrer Schüller. Kompliment, Hochwürden, für dieses hoffnungsvolle Statement aus der Provinz! Kompliment vor allem für die Unbeugsamkeit der Initiative, keinen verschämten „g’horsamsten Diener“ vor Benedikt und Schönborn zu machen, sondern beständig zu bleiben in der Erkennung der Chancen und Risiken einer Modernisierung der katholischen Kirche.

Dass sich, was jeder Depp weiß, Innovationen nie aus der Masse heraus entwickeln, sondern die Frucht engagierter Minderheiten sind -, ein solches Denken in Rom und (konservativer) Umgebung zu erwarten, wäre Unfug. Vermehrt, liebe Pfarrer-Ini, Eure Minderheitenposition, internationalisiert die Themen. Vielleicht dauert es in Rom nicht mehr 500 Jahre bis zur Erkenntnis, wie sich Erde und Sonne zueinander verhalten. Habt Geduld. Ich hoffe jedenfalls, aus dem Himmel oder (wenn’s sein muss) aus der Hölle, wo es vermutlich die digitale Kronenzeitung oder Bild geben wird, anno 2815 von der Installierung der ersten Pfarrerin lesen zu können. Amen.

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Der korrupte Balkan beginnt östlich von Passau…

(hp) Kenner des jüngeren Österreich wussten es schon immer: Kundige Kundler und Leidtragende der Schwarz-Rot-Koalitionen vor Kreisky hofften, leider vergeblich, auf den Tod des St. Proporz und damit auf eine Annäherung an eine Art von Demokratisierung. Was Jahre danach der FPÖ-Jörg-Haider (selig) zu Beginn seiner Politkarriere versprach, erfüllte sich nicht. Nach wie vor gab es, um ein einziges Beispiel des nicht abtötbaren Proporzes zu nennen, „rote“ Schulleitungen und „schwarzes“ Lehrerpersonal (und umgekehrt), und wenn ein „roter Lehrer“, vielleicht sogar kommunalpolitisch engagiert, einen „schwarzen“ Chef hatte, sah dieser rot, wenn der politisch „rote“ Untertan Dinge tat oder forcierte, die dem ÖVP-zugeordneten  Schulleiter nicht passten (und umgekehrt).

In der Verstaatlichten Industrie war es nicht anders. So und so viele SPD-Sessel und so und so viele ÖVP-Sitze wurden vergeben, weil sie den Parteien eben „zustanden“. Die Zustände änderten sich im Zuge der Privatisierung von Firmen, an denen der Staat Anteile besaß oder – siehe  ORF – zu besitzen glaubt(e), nur scheinbar.

Dies alles darf als operettenhafte Historie eines Staates mit operettenhafter Politik  abgebucht werden, glaubt der Laie und irrt. Denn was jetzt an Schmodder in- und außerhalb der österreichischen Telekom entlarvt wurde und wird, lässt einem die Haare, falls vorhanden, zu Berge stehen. Korruption in allen möglichen und unmöglichen Dimensionen, trivial oder raffiniert, es gibt viele Varianten.

Ob die Österreicher von den Deutschen gelernt haben, wie es die Deutschen von den Amerikanern lernten? – Wie immer: Schämt euch, Ihr, östlich von Passau..!

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Wieder mal die FPÖ – mit oder ohne Schmiss, und stets gestrig

(Jutta/Wien) Na, das war doch wieder mal ein Ereignis in Wien: Weil der traditionelle „Ball der Burschenschaften“ in der Hofburg just am Holocaust-Gedenktag stattfand, erregte das Ganze europaweit die Gemüter. Den ewig Gestrigen, denen ohnehin alles ziemlich egal ist, was andere – die „Alten Herren“ mit oder ohne Schmiss ausgenommen – von ihnen erwarten, ist jegliche Fremdbestimmung seit je egal.  Ein übermäßiges Selbstbewusstsein, das meist schon im (mehrheitlich begüterten)  Elternhaus Traditionsverpflichtung ist und später in einer der studentischen Verbindungen (auch der katholischen!) betoniert wird, macht den Reiz der Burschenschaftler aus, nicht nur bei den Weibern.

Kleine Länder wie Österreich haben in Sachen Verbindungen eine bunte Palette anzubieten und, weil dort alles noch ein bissl veraltet ist, in der breiten Bevölkerung Anspruch auf Hochachtung. Früher mal gab es aufrechte Sozis und Kommunisten, die Corpsstudenten gewalttätig ihrer Käppis entledigten. Heute, im Zeitalter der Wurschtigkeit, gibt’s das nicht mehr. Niemand interessiert sich heute wirklich dafür, aus welcher Studentenverbindung – schlagend oder nicht schlagend –   der eine oder andere Industriemanager oder Chefredakteur hervorgegangen ist. Besonders perfide gerät eine Nachforschung in  katholischen Kreisen. Denn in keiner katholischen Burschenschaft werden Mensuren ausgetragen, Fechtkämpfe Freund gegen Freund auf einem Paukboden. Katholische Burschenschaften brauchen auch keine Paukärzte, die den verletzten Kämpfern die Wangenwunde (Schmiss) säubern.

Früher gab es sogar Schmissträger, die nie verletzt wurden, sondern sich einen Schnitt in die Wange schneiden ließen und die Wundheilung durch allerlei Praktiken verzögerten. Je edler der Schmiss, desto edler der Mann.

Nicht nur solche „Herrschaften“ bevölkerten den gestrigen Ball der Burschenschaften in der Hofburg. Dank der Aktivitäten des vielkritisierten FPÖ-Chefs Heinz Christian Strache, der von seinem unangenehmen Image fast so gut lebt wie seinerzeit Jörg Haider, wurde die walzertanzende konservative Kaderschmiede auch politisch aufgepumpt. Wie viele bundesdeutsche NPD-ler und Sympathisanten in der Hofburg ihr Tanzbein zu schmissigen Klängen schwangen, ist nicht bekannt. Sollte Ihr Chef von der Wiener Ballkultur schwärmen, fragen Sie ihn am besten gleich, aus welcher Burschenschaft er stammt. Fragen Sie aber nur dann, wenn Sie sich unglücklich machen wollen!

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„Die Kaffeehausjuden sind damals emigriert…“

(hp) Jetzt ist er nicht mehr, der Leopold Hawelka in seinem weltberühmten Café in der Wiener Dorotheengasse, unauffällig zwischen Graben und Michaelertor im ersten Bezirk gelegen und Inbegriff der gehobenen Wiener Kaffeehauskultur. Herr Hawelka, der 100 Jahre alt wurde, sagte mir während meines Interviewversuchs, als er auf meinem Marmortischchen das Buch „Tante Jolesch“ von Friedrich Torberg liegen sah, beiläufig: „Wissen S‘, wie das Café aufg’sperrt hat, damals, da sind die ‚Kaffeehausjuden‘ entweder emigriert oder verhaftet gewesen, damals.“ Als wäre ihm dieser Begriff peinlich gewesen, ging der alte Herr ins Hinterzimmer und bald darauf, es war schon mittlerer Abend, wurden die sensationellen Buchteln aufgetragen.

Die Buchteln (der Wiener sagt „Wuchteln“) sind für das Café Hawelka das, was die Sachertorte für das Café Sacher ist. Nur leichter, g’schmackiger und – zumindest seinerzeit – preisgünstiger als die deftige Sachertorte – egal ob die von Demel oder vom legendären Haus Sacher. An den Wänden des Cafés hängen Bilder heutiger Berühmtheiten und Plakate. Alles Kultur. Alles für das Stammpublikum der Intelligenzler. Das Hawelka war eigentlich nicht mein Ziel. Ich wollte dort Platz und einen Großen Braunen mit Apfelstrudel nehmen, wo einstens meine Lieblingsautoren Anton Kuh, Peter Altenberg, Friedrich Torberg und andere jüdische Schriftsteller, die dieser in seiner wunderbaren Anekdotensammlung „Tante Jolesch“ dem Vergessenwerden entrissen hat.

Die meisten Kaffeehäuser, in denen die von Herrn Hawelka so genannten Kaffeehausjuden saßen, diskutierten, Texte verfassten und für einen gespendeten Imbiss dankbar waren, wenn ihre eigene Geldbörse leer war, gibt es heute nicht mehr: Das Café Central ist mir nach seinem Umbau etwas entfremdet, das Café Museum und die Traditionshäuser in der näheren Umgebung haben zwar noch etwas Besonderes, etwa (zum Teil noch) die Bilderbuch-Oberkellner („Herr Ober!“ – „Komme gleich, mein Herr!“)), die den Gast sowohl vor der Bestellung als auch vor dem Abkassieren ein Jota zu lange warten lassen. Doch vom alten Charme, den Friedrich Torberg aufs Liebenswürdigste schildert, ist wenig geblieben.

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Wie braun ist Kärnten – oder gar „entartet“?

„Wissen S‘, Herr Tourist, bei uns is‘ seit dem Ersten Krieg ganz viel ganz anders als anderswo. Wir haben gekämpft, wie die andern mit dem Kämpfen schon aufg’hört ham. Aber der Kärntner-Anzug war schon vorher braun mit grüner Leist’n. Die Steirer mit dem graugrünen Trachtenanzug hab’n nit ‚kämpft um ihre Untersteiermark, die der Wilson in Amerika mit ’n Rotstift wegamputiert hat…“

Welch ein Presse-Wirbel, den die Wortwahl der Villacher Polizei jüngst auslöste. „Entartet“ nannte man eine Äußerung eines politischen Gegners der FPK und wurde, wie seinerzeit der Kärntner Volkstribun und Landesvater Jörg Haider selig,  dafür heftig kritisiert. Die Freiheitlichen haben sich in der Haider-Ära auf raffinierte Weise der Kärntner Seele bemächtigt. Unter den Sozialdemokraten, die Kärnten jahrzehntelang regierten, wurde vieles kurz gehalten, was traditionsbedingt war. Diese Tradition geht auf den „Kärntner Abwehrkampf“ zurück. Dieser opferreiche Kampf galt dem Ziel, das südlichste Bundesland nicht durch den US-Präsidenten Wilson willkürlich teilen zu lassen und den Süden des kleinen Landes dem damaligen Südslawischen Königreich zuzuschanzen – eine Demütigung für die „deutschnationale“ Bevölkerung nördlich des schönen Wörthersees.

Die Volksabstimmung am 10. Oktober 1920

Auch wenn eine komprimierte Darstellung des Abwehrkampfes gegen eine Teilung Kärntens nur in Ansätzen richtig sein kann, sei hier kurz erklärt: Die von Wilson & Co. beschlossene Teilung Kärntens in ein amputiertes österreichisches und ein dem neuen Staat Südslawien (unter König Peter I.) einzuverleibendes slowenisches Gebiet, das nur zum Teil von muttersprachlichen Kärntner Slowenen besiedelt war und ist, wollten die Menschen nicht hinnehmen. Unabhängig davon, dass der Erste Weltkrieg schreckliche Opfer und wirtschaftliche Schwächungen mit sich gebracht hatte, riefen engagierte „Deutschkärntner“, die laut ihrer Muttersprache so zu nennen sind, zum Abwehrkampf gegen südslawische Partisanen und Guerillas auf, die von jugoslawischer Seite nicht nur aus Slowenen, sondern auch aus anderen Volkszugehörigen des Balkans (Serben, Kroaten, Bosniern usw.) bestanden.
Auf österreichischer Seite kämpften auch reichsdeutsche Studenten, Deutschnationale und andere Nicht-Kärntner. Es floss viel Blut damals. Die deutschsprachigen Kärntner ließen sich durch nichts entmutigen und erreichten schließlich die sog. Volksabstimmung vom 10.10.1920. Deren Ergebnis: Nachdem ihnen versprochen wurde, sie seien vom österreichischen Militärdienst befreit, stimmten die Kärntner Slowenen (im Drautal und südlich davon bis zu den Karnischen Alpen und den Karawanken wohnhaft) stimmten mehrheitlich für den Verbleib bei Österreich. Es versteht sich, dass dieses blutig errungene Ergebnis das Nationalgefühl der Kärntner ausserordentlich förderte. Bis heute, und morgen sicherlich auch noch. Dazu bedarf es nicht mehr feierlicher Umzüge und Demonstrationen am 10. Oktober wie noch vor 20, 30 Jahren, als noch Abwehrkämpfer von damals, darunter eine roße Zahl von Invaliden, mit Kling und Klang durch die Hauptstadt Klagenfurt zogen und begeistert beklatscht wurden.

Heute, im angeblich vereinten Europa, wird eher die Zusammengehörigkeit zwischen den Kärntnern und den Slowenen gefördert. Ausrutscher wie den „Ortstafelstreit„, inszeniert von größtenteils selbst ernannten Interessensvertretern, sollten das friedliche Bild dieses landschaftlich so schönen Landes nicht trüben. Die Menschen sind gegenüber Touristen freundlich und liebenswert, ihre Heimatverbundenheit äußert sich – weit über die österreichischen Grenzen hinaus – in einem wunderbaren Liedgut, das von beherzten Menschen gepflegt wird. Begriffe, die seit der Nazizeit in Verruf gekommen sind, haben in Kärnten nicht die Bedeutung, die ihnen – etwa in der „rechten“ Szene Deutschlands – zu Recht beigemessen werden. Und wenn sich der frühere Landeshauptmann Haider mehrfach vergriffen hat, sollte dies als populistische Episode in die Landesgeschichte eingehen. Auch der richtigerweise scharf beanstandete Begriff „entartet“ eines aktuellen Kärntner Politikers gehört in diese vergessenswerte Kategorie. – H.-P. Eis

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Nachdenkenswertes zum Freiherrn

Der Herr zu Guttenberg macht wieder von sich reden. Er tat es bisher über seine Schreibe und so jetzt wieder. Es ist diesmal aber nichts Plagiiertes drin, denn man hat das Schreiben gleich offiziell einem Anderen überlassen. Die einheimischen Schreiber haben wieder ein Thema, an dem sie sich abarbeiten können. In Tages-, Wochen- und anderen Zeitungen. Die Satiriker frohlocken. Die Warner warnen. Die Nachdenker denken nach. Die Kabarettisten klauben ihre Scherze und Spitzen aus der Kiste. Und von überall wird der Hauch der Schande durch das Land verstäubt. Nur: Die Gut- und Besserwisser, die Aufrechten und Plauderer, die Hofnarren und Speichellecker der Medien, haben die Rechnung ohne ihn gemacht und ohne Meinung der Meinungsmacher.

In Wien, der schönen Stadt vieler Schleimer, gab es unter den Grünen, als diese noch in ihrer Jammerphase steckten, das Wort: „In der österreichischen Politik ist man nur dann erfolgreich, wenn man schon einmal mit dem Gericht zu tun hatte.“ Unsere gelegentliche Korrespondentin Jutta, geb. im steirischen Kalwang, heute in Perchtoldsdorf bei Wien sesshaft geworden, meint: „Ihr werdet euch wundern. Politiker sind, wenn sie über einen breiten Rücken verfügen, nicht von ihrer Karriereleiter zu blasen, wenn sie schon einmal auf einer Sprosse gestanden haben. Noch dazu, wenn sie nichts wirklich Schändliches angestellt haben.“ Guttenberg hat nicht bei der „Pflicht“ eines Politikers versagt, sondern bei der „Kür“ eines Privatmannes. Es ist kein Sexskandal mit Minderjährigen bekannt, in den der Freiherr verwickelt gewesen wäre. Und eine ohnehin zurückgegebene Doktorarbeit, in der sich viel Fremdes eingeschlichen hat, kann heutzutage, wo man ganz andere Sorgen hat, keine Rolle spielen bei der Beurteilung eines Machers, dem man zutraut, so manchen verfahrenen Karren aus dem Dreck zu ziehen. Guttenberg hat doch keine 50 Euro aus der Kasse eines Sportvereins oder einer Freiwilligen Feuerwehr geklaut. (Denn das wär‘ gar nicht gut!)

„Schauen Sie mal“, fragt Jutta, „wie viele Hitler-Bücher heute noch geschrieben werden. Glauben Sie wirklich, dass da nicht auf Teufel-komm-raus plagiiert wird?“ Außerdem: Schon Goethe hat abgeschrieben und hat es, wie beispielsweise Thomas Mann, auch zugegeben. Das waren ja auch anspruchsvolle Werke, während zu Guttenbergs „Doktorarbeit“ vom Thema her verzichtbar und für die Menschenheit ohnehin nutzlos war. Letztlich erscheint das Doktorarbeitsthema heutzutage nicht dümmer, als wenn sich eine zweitklassige Filmschauspielerin falsch kleidet oder ein Mann eine unpassende Krawatte trägt oder die ehemalige amerikanische Außenministern im Fast-Minirock in der arabischen Welt mit nackten Oberschenkeln zeigt.

Es bleibt beim Verhalten des Freiherrn, nachdem er ertappt wurde. Na gut: Er wollte seine Lügen dahingehend interpretiert wissen, dass ihm sein Amt, ja, seine Mission so wichtig war, dass er „die Übersicht verloren hatte“. All das wird ihm verziehen werden, meint Jutta. Das sei ihr Bauchgefühl. Lothar, unser Verlagsdiener: „Nachdenkenswert!“

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Ösi-Frauen kritisieren Bundeshymne

Mag sein, dass den österreichischen Frauen langweilig ist, seit sie nicht mehr so viel arbeiten müssen wie seinerzeit. Oder werden sie nur übermütig? Sogar der Hamburger SPIEGEL widmet sich den Forderungen gewisser Österreicherinnen, die sich im Text ihrer Bundeshymne wiederfinden wollen.

Die Formulierung „Heimat bist du großer Söhne“ sei einseitig, sagen sie. Es fehle das weibliche Element – das der „Töchter“. Kommt der  Frauenwunsch nach Verewigung – das wäre verständlich – aus der Frustration, die in Österreich wegen der Schweinereien vieler männlicher, zum Teil immer noch amtierender Politiker latent geworden ist, so dass sich sogar brav gebliebene Tiroler Bergbauerntöchter an die großen Frauen der austrianischen Geschichte erinnern?

In einem Regionalblatt plädiert eine Kitzbühlerin für die Textänderung, da „wir mit Bertha von Suttner immerhin die erste Friedensnobelpreisträgerin der Welt“ haben. Von der ungarisch-böhmischen Königin Maria Theresia, die Kaiserin genannt wird und den Saustall der Habsburger Monarchie kräftig aufgemischt hat, ist im Leserinnenbrief nicht die Rede. Warum gerade die Frau von Suttner?

Unsere Tiroler Tochter weiß offenbar nicht, wie Bertha, zeitweise Intimfreundin des Waffenindustriellen Alfred Nobel, zum Nobelpreis gekommen ist. Dies auszuführen, würde hier zu weit führen. Man kann’s nachlesen. Mich wundert nur, dass die österreichischen Kultusministerin den Textänderungswunsch nicht mit dem Totschlag-Argument abbuttert, dass der Hymnentext immerhin nicht von einem männlichen Autor, sondern von Paula v. Preradovic  gedichtet wurde, im Schnellverfahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Immerhin gehörte die Melodie der alten Haydn-Hymne „Gott erhalte, Gott beschütze…“ längst den Deutschen, weshalb sich  die alpenländischen Kultur-Entscheider aus Not dafür entschieden, der zwar schönen, aber etwas langatmigen Mozart-Melodie eine Frauen-Kreation zu unterlegen. W. A. Mozart hat die heutige Staatsmelodie seinerzeit mit dem Text „Brüder, reicht die Hand zum Bunde!“ für die Freimaurer, deren Mitglied er war, komponiert.

Bleibt mein Wunsch, die Ösi-Emanzen mögen ihre kreative Potenz durch exzellente Apfelstrudel und Marillenknödel (bitte mit echtem Erdäpfelteig!) unter Beweis stellen und die Finger vom Text ihrer Landeshymne lassen. H.-P. Eis

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