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ZDF-Advent: Erbärmlich säkular!

(mb) Das ZDF, als Volkserzieher und -bildner gegründet, weil Politiker der rechten Reichshälfte mit dem angeblich zu linkslastigen Programm der ARD Schwierigkeiten hatten, geriert sich mit seinen Programmen schon seit längerem als Staatsfunk der Regierung und der Wirtschaft. Das geht so weit – und Quoten-Satire wie die „heute show“, zunehmend klamaukig, gehört dazu* -, dass auch die Sekularisierung im (noch) christlich geprägten Deutschland auf die Spitze getrieben wird. Tagesaktuell: Anstatt eines Adventkonzerts gab es eine stargespickte Gala (aus der Frauenkirche Dresden), und nach der nichtssagenden „heute“-Sendung plaudert der australischstämmige Historiker Christopher Clark („Die Schlafwandler“, denen wir den 1. Weltkrieg verdanken), über die „deutsche“ Frühgeschichte. Danach der übliche Herz-Schmerz-Kitsch für die fernsehsüchtige Bevölkerung, der ARD-„Tatorte“ zu brutal sind.

Als Moslem dachte ich bisher, Advent sei hierzulande die Zeit der Vorbereitung auf die Geburt des Erlösers der sündigen Welt, eine Zeit der Besinnung, der Erwartung und der wunderbaren A-capella-Lieder, die allesamt in Moll beginnen, nicht ohne im Mittelteil der Strophen eine Passage in Dur aufzuweisen. Stattdessen kommerzialisierte Darbietungen wie in den Fahrstühlen und in den Klosetten großer Kaufhäuser, damit die derart berieselte Kundschaft  die Ladenkassen füllt.

Zum Infotainment (s. Clarks Deutschland-Sendung) nur noch eine Anmerkung: Hätten die ZDF-Konsumenten die Fernbedienung missbracht, wenn sie von einem türkischen Geschichtsplauderer unterhalten worden wären?

*) Bin gespannt, wann die einzig verbliebene treffliche Satire-Sendung  „Neues aus der Anstalt“, die das Kompliment „Satire“ noch verdient, auf Klamauk getrimmt werden wird…

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Welke, nicht primiv und unintellent werden!

(hp) Die leichten bis mittelschweren Abnutzungserscheinungen Deiner „heute show“ sind verzeihlich. In Deinem Team arbeiten sicher einige exzellente Leute, offensichtlich aber auch ein paar unreife Nussknacker, die zwischen Spott, Spöttelei und Beleidigung nicht unterscheiden können oder wollen. Als dem Fußball nicht verfallener Fan Deiner Show habe ich mich über die Lächerlichmachung des alten Herrn Scholl-Latour geärgert. Solltest Du, Welke, in hohem Alter Deine Begabung des Schnellquasselns verlieren und zum schlecht artikulierenden Brabbler werden, wirst Du mich verstehen: Scholl-Latour ist nach wie vor der Einzige, der die Situation in den arabischen Ländern authentisch wiedergibt. Er hat es – im Gegensatz zu anderen alten Politpredigern des journalistischen Gewerbes – wirklich nicht verdient, auf die Schippe genommen zu werden. Sag das Deinen Spaßlieferanten, Welke. Niveau halten, bitte!

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Adventliches Rezept gegen die Altersvertrottelung

Geht es Ihnen, die Sie sich nicht mehr zu den Jungen zählen, auch so? – Lässt auch Ihr Gedächtnis nach? Nach und nach, oft unbemerkt? – Ich habe mich während eines Adventliedervortrags meiner Enkelinnen dabei ertappt, beim Memorieren zweiter und dritter Strophen anstelle des Textes, der mir als absolut sicher vor dem Vergessen schien, ein Wissensloch gefühlt zu haben. Geneigt, die Infantilsilben „La la“ zu verwenden, während die Schwiegertochter ihre Kinder perfekt begleitete, begann ich zu grübeln: Ich möchte nicht der Altersvertrottelung anheim fallen…

Auf dem Nachhauseweg fiel mir der „Erlkönig“ ein, den ich memorierte. Nun ja, kein Problem. Als ich mir dann bescheidenerweise Heinrich Heines „Mir träumt‘, ich bin der liebe Gott“ vornahm und an der Stelle, wo der Engel Gabriel den Freund Eugen aufstöbern sollte („Such ihn nicht im Collegium, such ihn bei Mamsell Maier“), scheiterte, weil mich ein roter BMW bespritzte – offenbar von einem bildungsfernen Rüpel gelenkt -, wusste ich nicht mehr weiter. Halleluja, was macht man da? Heiliger Thomas, hilf! – Er half:

Zum Frühstück verzichte ich neuerdings auf FAZ und Handelsblatt, sondern lese – memorierend – ein langes oder zwei kurze Gedichte. Ein bekanntes Poem muss immer dabei sein, sagte ich mir. Des Gehirnauffrischens wegen. Tut mir gut. Ihnen, lieber Leser jenseits der 66, sicherlich auch. Die Zeitungen gehen mir übrigens gar nicht ab: Es steht doch heute das Gegenteil von dem serviert, was gestern erörtert wurde. Seit ich die „heute show“ entdeckt habe, kann ich auf manch anderes Medium verzichten. Nicht jedoch auf Schiller, Heine, Fried & Co. Frohen Advent! Und vergessen Sie angesichts des Jingle-Bell-Terrors nicht, dass wir Fastenzeit haben bis zum Heiligen Abend. Und sogar der ist bis Mittag Fastenzeit. Mit und in Lyrik das Fasten zu überlisten, kann nicht Sünde sein.

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„Ich hab mein‘ Doc in Heidelberg verloren…“

Der volkstümelnde deutsche Liederschatz kann ab heute bereichert werden. Der Promotionsausschuss der Uni Heidelberg hat nämlich vermelden lassen, dass der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin, der 1,84 m großen ehemaligen Europa-Abgeordneten, den Doktortitel aberkannt wurde. 120 Plagiate auf 80 Seiten ihrer Dissertation seien etwas zu viel. Vom Thema der Doktorarbeit lässt sich nur sagen, dass eine genaue Eigenrecherche überhaupt kein Problem gewesen wäre. Es geht da um etwas längst Vergangenes, um die Geschichte der „Münzunion„, die sich für jeden Studi im Grundstudium als Hausarbeit geeignet hätte. Also wenig Epochemachendes, nichts, was Fantasie oder gar Schöpferkraft bräuchte.

Genug der Vorwürfe an die fesche Frau. Ihre äußerst häufigen Abwesenheiten von EU-Sitzungen – die nicht als gehässig verschrieene FAZ schrieb von 60 Prozent! – müssten eigentlich dafür genutzt worden sein, um im Büro oder dank iPhone und Leihbüchern auch im Flieger zu recherchieren und sich auch die Autoren der Originale zu notieren. Frau Koch-Mehrin, laut einer früheren Erklärung im Mädchenalter für den Beruf der Großwildjägerin begeistert, wilderte nicht in Kenia oder einem anderen Entwicklungsland, sondern zu Hause. Das Wildern war immer schon bei Strafe verboten. Nun hat es die Dame anderswie getroffen, was bei richtigen Wilderern oft mit dem Todesschuss durch einen aufrechten Jäger oder Förster endete. Das beweisen die vielen „Marterln“ in bayerischen und österreichischen Wäldern, die an das eine oder andere Wildererdrama erinnern und Touristen zum Fotoapparat greifen lassen.

Ab heute darf ein unblutiges Wildern bzw. Plagiieren beginnen. Nicht nur professionelle Kabarettisten und halbseidige Comedians können das volkstümliche Lied von Fred Raymond „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren“ (1925) umformulieren und das kardiologische Wort durch einen akademischen Begriff ersetzen. Ob wir einen solchen Vortrag schon heute Abend in Oliver Welkes „heute show“ hören und sehen werden? Oder übt er, was ich erhoffe, schon an einem schärferen Geschütz?

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Die „German Desease“ expandiert

Um den zu niedrigen Blutdruck, der laut britischer Arroganz diesen Namen trägt, weil nur die Deutschen das Phänomen als Krankheit empfinden, geht es hier nicht. In Zeiten wie diesen breitet sich die „Deutsche Krankheit“ weit über die medizinische Sphäre aus. Die Angst um unseren Wohlstand wächst von Tag zu Tag. Therapeutische Sprüche wie der heutige von Hans-Werner Sinn, IfO-Institut München, der deutschen Wirtschaft gehe es „vergleichsweise gut“, werden eher als kurzfristige Beruhigungspille verstanden. Immerhin verunsicherten uns die Medien wochenlang damit, dass die deutsche Wirtschaft im 4. Quartal nur mehr um ein halbes Prozent „wachsen“ werde. Gerade heute, frei nach Sinn, heißt es wieder, der Geschäftsklima-Index sei im Steigen begriffen. Da soll noch einer seine Angst vor der Sintflut verlieren…

Zurzeit befinden wir uns im ständigen Wechselbad, jedoch nicht nach Pfarrer Kneipp. Denn wir werden nicht gesünder und optimistischer, sondern immer verunsicherter. Es soll Leute geben, die sich vor der Routine der „heute“-Sendungen fürchten und auf die „heute show“ und ihren Schnellschuss-Moderator Oliver Welke hoffen. Womit ein weiterer Aspekt der „Deutschen Krankheit“ angesprochen sei: das permanente Gefühl der Unsicherheit. Nirgendwo sonst auf der Welt ängstigt man sich über alles und jedes, was theoretisch oder praktisch schädlich sein könnte. Kaum ein Nahrungsmittel, vor dem nicht gewarnt würde, es könnte eine Allergie auslösen oder in Kombination mit einem anderen Nahrungsmittel oder zur falschen Tageszeit und so weiter. Kaum ein Aroma, das nicht irgend etwas Unerwünschtes mit sich bringen könnte, kaum ein Kunststoff, der nicht irgend ein Gift enthielte…

Dazu der Hang, vor dem sogar Franz Kafka, der Düstere, warnte, es könnte eher etwas Unangenehmes passieren als etwas Angenehmes. Daraus rekrutiert hierzulande, zumindest nördlich der Alpen, eine Ängstlichkeit etwa vor Behörden, vor Aufsichts- und anderen Personen und Ämtern, die eigentlich für uns da sind und nicht wir für sie.

Haben Sie schon einmal beobachtet, wie Südländer in ihrer Heimat mit Autoritäten umgehen? – Verglichen mit hiesigen Provinzbewohnern, die vor jedem „Ehrengast“ buckeln, auch wenn es nur ein Landrat oder ein Abgeordneter ist, geht es anderswo – und nicht nur nördlich des Mittelmeeres – lockerer zu als bei uns. Angstfrei. Und ohne Bückling.

Wir sollten uns emanzipieren. Und Emotion sowie Aggression in zivilisiertem Maß auch nach außen pflegen, anstatt sie zu Hause zu praktizieren: muffelig, ängstlich, ungemütlich, bis hin zur Depression. Nehmen wir uns ein Beispiel an Kindern, möglichst an pubertierenden, die dabei sind, anerzogene Fesseln zu sprengen und gelegentlich auch „Leckt mich doch alle!“ rufen – zumindest so lange, bis auch sie eingequetscht werden in unsere autoritätshörige Gesellschaft.

Locker, bitte. Werden Sie lockerer. Aber nicht nach dem Motto „Hinter uns die Sintflut!“, wie es die Politiker tun. Schließlich noch das Amen für jene Wohlhabenden, die Tag und Nacht um ihre Euros  zittern: „Ihre Angst vor dem plötzlichen Hungertod ist unbegründet!“

 

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Oliver Welke – Nothelfer und Hofnarr des ZDF!

Kennen Sie Oliver Welke, den flotten Sportjournalisten, der zurzeit und hoffentlich bis zu seinem Burn-out zum wahrlich Besten gehört, was die deutsche Kabarettistenszene aufzubieten hat. Was die betulich-staatstragenden „heute“-Sendungen des ZDF und die gleichartigen ARD-Magazine nicht können oder dürfen, bringt Welke in seiner „heute show“, der freitäglichen Perle des Programms, auf den Punkt. Jüngst lieferte er sein Meisterstück.

Halten wir fest: Die Sitzredakteure der Sender, die Agenturschnipsler, -nachbeter und Ersatz-Regierungssprecher hinter Telepromptern sind samt ihren Chefredakteuren offenbar immer weniger in der Lage oder willens, Dinge beim Namen zu nennen oder Erklärungsbedürftiges knapp  und prompt zu erklären. Jüngstes Hilfsmittel, und dies nicht nur bei komplizierteren Themen wie Schuldenkrise, Eurobonds usw.: Der Zuschauer wird auf die Webseiten der Sendungen verwiesen: „Auf heute.de finden Sie..!“ Weil ja jede(r) zu Hause einen gerade eingeschalteten PC stehen hat.

Welkes „heute show“ verweist nicht, sondern bringt. Prompt, kurz, witzig. Aber nicht nur, dass er bringt, sondern wie er’s bringt, ist schlicht großartig. Da steckt Grips dahinter und eine Schnellsprechbegabung der köstlichen Art. Gab es im „heute Journal“ am Freitag lahme, bereits bekannte, abgegriffene Statements und Verlautbarungen zum Thema Verfassungsschutz-„Pannen“, so knallten Welke, „Hassknecht“ und Kollegen Fakten und Schlussfolgerungen wenige Minuten später unzensuriert ins Fernsehvolk. Glücklicherweise wurde auf den herumstotternden Pullundermann verzichtet, ebenso auf die Statistik-Tussi, sondern schoss das Pulver direkt gegen die Glotze. Wunderbar!

Welke & Team verdienen höchste Anerkennung. Und weiterhin Narrenfreiheit. Wenn auch nur als Feigenblatt im staatstragenden ZDF. Hoffentlich gibt es keinen zweiten Roland Koch in Lauerstellung, der oder die seine oder ihre Kettensäge ölt. Dass der thüringischen Ministerpräsidentin ein Rhetorik-Training wirklich gut täte, wusste man schon lange vor ihrem blamablen Auftritt in den „Tagesthemen“, an dem sich  Scharfzüngler Welke so trefflich vergriffen hat.

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