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Halensee: Gibt es auch dumme Taucher?

(hp) Man mag’s nicht glauben: Da liest jemand das Buch „Es liegt noch Gold im Halensee„. Das ist zwar nicht verwerflich, obwohl es sich um eine nicht gerade katholische, weil schwule und durchaus pikante Romanbiografie handelt. Es ist nicht außergewöhnlich, dass der Romanheld Carl N. (82-jährig) im Jahr 2008 in einem Anfall von Demenz fünf Halbkilo-Goldbarren nachts in den Berliner Halensee schleudert. Und durchaus verständlich finden wir, dass es unter den Lesern des Buches (s. amazon.de)  „Schatztaucher“ dazu verleitet, die Goldbarren aus dem nur 10 Meter tiefen Gewässer zu bergen. Ein Sporttaucher aus Hamburg hat’s wieder mal versucht, wobei die Bezeichnung „Sporttaucher“ fraglich erscheint. Warum, fragen Sie?

Auf die Ausstattung kommt es an...

Auf die Ausstattung kommt es an…

Der Halensee ist zwar nicht extra tief, aber stark verschlammt. Deshalb musste in den 1990er Jahren sogar eine eigene Kläranlage gebaut werden. Wegen des trüben Wassers ist der Boden (sandiger Grund) des kleinen Sees ohne Beleuchtung und andere Hilfsmittel nur sehr schwer zu ergründen. Das spezifische Gewicht von Gold ist sehr hoch, sodass die Barren vermutlich tief im Bodenschlick stecken. „Ohne einen speziellen Metalldetektor geht gar nichts“, sagte uns der Buchautor Gerd Joachim nach eingehender Recherche. Und: Da es sich um reines, also 999er Gold handelt, ist das Auffinden nicht schwieriger als z.B. bei legierten metallischen Gegenständen. Vernünftige Sporttaucher würden sich also – zumindest hoffen wir dies! – ausreichend informieren, mit Taucheranzug, Sauerstoff, Lampen usw. ausstatten und nicht ohne Assistenz ans Werk gehen.

Liebe Taucher, seid gewarnt! Macht es bitte nicht so wie der Tauchtölpel aus Hamburg, der wegen der Kälte des Wassers zwar einen polizeigenormten Anzug mit allem Schnickschnack trug, jedoch kein Suchgerät zur Hand hatte und enttäuscht wieder von dannen zog. – Unser steirisch-argentinisch-neuberlinerischer Romanheld Carl, den der Buchautor übrigens anno 2010 sterben und im interessanten Alten St. Matthäi-Friedhof (Großgörschenstraße) bestatten ließ,  dürfte mit diesen Zeilen nicht einverstanden sein – deshalb Schluss und jenen Tauchern, die verantwortungsvoll und intelligent auf  Schatzsuche gehen wollen, viel Taucherglück! –khp.

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Der Eiergreifer – ein vergessener Nebenberuf

(hp) So weit ist es schon gekommen. Der Begriff ist sogar bei Wikipedia nur im Bedeutungszusammenhang mit den Hoden anzutreffen. Dabei handelte es sich beim Eier greifen um eine ehrenhafte Tätigkeit, die in der vorösterlichen Zeit Hauptsaison hatte. Worum ging’s?

Bevor uns die Massentierhaltung/Abteilung Huhn Geflügelfleisch und Hühnereier als Billigware bescherte, war die Hühnerhaltung auch in kleinen Haushalten – nicht nur auf dem Land – an der Tagesordnung. Nicht nur auf dem Bauernhof,

Ein alter Osterbrauch...

Noch nicht vergessen: alter Osterbrauch...

sondern beispielsweise auch in Bergmannsfamilien. Im Ruhrgebiet hat heute noch die Taubenzucht Tradition. Diese begabten Tiere, von bösartigen Städtern und Venedigbesuchern gern als Ratten mit Flügeln bezeichnet und von Georg Kreisler selig sogar mit Vergiftung bedroht, gelten, falls weissgefiedrig, als Friedens- und Heiliger-Geist-Symbol. Zurück vom ebenerdigen Federvieh:

Brave Legehühner pflegen extra zur Ei-Ablage ein verstecktes Plätzchen in- oder  außerhalb ihres Stammplatzes im Stall das Freien aufzusuchen und dort ihr wunderbares Geschäft zu vollbringen. Da liegt dann ein frisch gelegtes, hühnerwarmes Frühstücksei in großer Gefahr: Es muß ja nicht gerade ein Fuchs oder ein pfiffiges Raubtier als der Familie Marder sein, der das Ei  zerrbricht und den Inhalt ausschlürft.

Der rührige Hühnerhalter tut also gut daran,  den Freiraum für freilaufendes Geflügel zu begrenzen, damit ihm die Eier seiner Legehühner nicht verloren gehen. Dort, wo dies nicht möglich ist, ist der Eiergreifer gefragt. Was der mit den Hühnern macht? – Er geht in aller Herrgottsfrüh in den Stall,  möglichst vor dem Hahnenschrei, nimmt sich eine Henne nach der anderen von der Stange und legt dem jeweiligen Tier seine Hand an den Unterbauch und drückt ein wenig nach. Sensible Eiergreifer spüren sofort, ob sie dabei auf etwas Hartes drücken, unsensible müssen dieses feeling erst lernen. Hennen mit leicht verhärtetem Bauch werden – wie ungerecht ist doch diese Welt! – in den extra abgegrenzten Legebereich gesperrt. Der sensible Eiergreifer wirft noch eine Handvoll frisches Heu daneben oder direkt auf das Huhn, damit die Atmosphäre der Eigeburt für die kurzfristige Hühnermama möglichst angenehm wird.

Der Besitzer/die Besitzerin der Hühner, der/die zu dieser Zeit noch schlafen dürfte, kann nach seinem Frühstück in aller Ruhe die frische „Ernte“ einfahren und, falls sensibel, der Legehenne dankend über den Kopf streicheln, bevor das Tier zu den anderen auf den Hof laufen darf. Und weshalb erzähle ich dies hier?

Nach Gerd Joachims Lesung aus seinem Roman „Es liegt noch Gold im Halensee“ (6. März im Berliner Café Berio) sprach ein älterer Herr den Autor an und warf ihm vor, er habe in seinem Buch den steirischen Eiergreifer Franz vergessen, der aus reiner Freundschaft mit der geilen Geli (Seite 35 im Buch), die in Wirklichkeit Angela Schrittwieser hieß, die frühmorgendliche Dienstleistung abnahm. Bei einem Sherry schlossen der Beschwerdeführer und der Autor Frieden. Joachim versprach, den Eiergreifer Franz in einer seiner nächsten Geschichten über das Leben in der Steiermark einfühlsam zu würdigen.

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Herzliche Gratulation, Professor Bracher, zum 90.!

(hp) Als „Thukydides vom Rhein“ würdigt die heutige FAZ den deutschen Historiker Karl Dietrich Bracher zu Recht. Wer den Namen Thukydides noch nie gehört haben sollte: Der Mann war einer der bedeutendsten antiken Geschichtsschreiber und nicht wie sein Namensvetter ein Militär. Die Darstellung des Peloponnesischen Krieges durch den Historiker zählt bis heute zu den großartigsten Zeitdokumenten. T. lebte im 5. vorchristlichen Jahrhundert, als es in Hellas drauf und drunter ging, insbesondere voller Spannungen zwischen der Seemacht Athen und der Landmacht Sparta.

Professor Bracher, der nicht nur vor fünf Jahrzehnten (z.B. SPIEGEL-Affäre) ein gefragter Meinungskonkurrent innerhalb seiner Kollegenschaft war, zeichnet sich durch viele hervorragende Eigenschaften aus, auf die hier nicht eingegangen werden muß. Ich bin nur einigen seiner Darstellungen und Analysen dankbar, die ich für mein Buch „Es liegt noch Gold im Halensee“ nutzen konnte, um etwa in der politisch heiklen Angelegenheit „Willy Brandt vermasselt 1959 ein vertrauliches Gespräch mit Nikita Chruschtschow“ (Halensee-Buchseite 162 f.), worunter der Österreicher Bruno Kreisky, späterer Bundeskanzler, laut seiner eigenen Darstellung jahrelang litt, richtig zu liegen. Immerhin hätte es, behaupte ich – zwischen zwei Stühlen als nicht Betroffener – nicht zum 1961er Bau der Berliner Mauer kommen müssen… – Doch dies ist nicht das Thema dieses Blogs. Nur noch als Rat für Leser, die an exzellenter deutscher Zeithistorie interessiert sind: Lesen Sie nach bei Bracher und vergessen Sie nicht seine Analysen zum Beispiel in den „Vierteljahresheften für Zeitgeschichte“. Sie können nur gewinnen.

Titelseite "Es liegt noch Gold im Halensee"

Es liegt noch Gold im Halensee

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Nostradam‘ in Kalwang und Mautern?

H.-P. Eis, Berlin. – Das steirische Liesingtal mag als vergleichsweise langweilig gelten. Zu Unrecht, wie kundige Kundler behaupten. Einer der Kundigen mag der Fredl P. sein. Heute knapp 70 und seit langem Lübecker, will er dort Spuren des Nostradam‘ von Ranten gefunden haben und alten Gerüchten nachgehen, um die 3 Kilogramm schwere Gold-Prämie gewinnen, die in unserem Verlagsprodukt „Es liegt noch Gold im Halensee“ ausgelobt wurde. Nun liest er Gerd Joachims Buch noch einmal durch…

Mit dieser Milliarde begann es...

Fredl, in dessen katholischem Taufschein „Ferdinand“ steht, will keck sein, außerdem der Erste. Einen Kurzbesuch in Berlin nutzte er vorgestern, um ohne Voranmeldung in unserem Verlagsbüro „Grüß Gott!“ zu sagen.  Enttäuscht darüber, dass wir ihm Gerd, den Autor des „Halensee“-Buches, nicht bieten konnten (weil dieser wieder mal am Mittelmeer faulenzt), trotzdem wird der Mann recht gesprächig: Dank PC konnten wir seine Heimat, das Liesingtal, die bequemste Verbindung zwischen dem steirischen Mur- und dem Ennstal, rasch lokalisieren und dank google die Landschaft zwischen dem Markt Mautern und dem kleineren Ort Kalwang lokalisieren.

Fredl erzählte von einem schon verstorbenen Oberschulrat Hofer (?), der nicht nur wegen seiner rötlichen Haare, sondern auch als Geschichtenerzähler bekannt gewesen sein soll. Fredl: „Später ist er dann meistens nur mehr grantig  gewesen, der Volksschuldirektor Hofer.“ Er habe als jüngerer Lehrer jedenfalls nicht nur vom „Lindwurm zu Kalwang“ erzählt und von der „erlösten Jungfrau“, sondern auch vom Mönch Nostradam‘ (so nennt sich der in Joachims „Halensee“-Buch kurz skizzierte Mönch, der nach dem Hinauswurf aus dem Kloster St. Lambrecht [wg. Sodomie] ständig auf der Flucht war). Dieser Nostradam‘ soll, wie Fredl beinahe druckreif referiert, auch nach Mautern und Kalwang gekommen sein und bei der damaligen Herrschaft Ehrnau Unterschlupf gefunden haben. Weil er dort wegen der hygienischen Zustände die Krätze bekam und einen entstellenden Hautausschlag dazu,  galt er als Aussätziger und wurde ins nahegelegene Kupferbergwerk verbannt, wo er auf Siechende und Sterbende traf, die sich im „Goldloch“ von Mautern vor der Dorfbevölkerung verstecken mussten und auf ihren Tod warteten.

Den Nostradam‘ von Ranten (Ort bei Murau, damals wie heute ein Bauerndorf) soll das Schicksal seiner Leidensgenossen derart ergriffen haben, dass er das damals wie heute düstere Ehrnauer Anwesen verfluchte und  ihm eine traurige Zukunft als Siechen- und Sterbehaus prophezeit habe. Man glaubt es nicht: Die Prophezeihung erfüllte sich. Das Schloss Ehrnau wurde tatsächlich Siechenhaus – vor seiner Umwidmung samt Umbau sogar eine öffentliche Einrichtung des Landes Steiermark.

Vom Schulrat Hofer selig habe er dies alles erfahren, wiederholte Fredl überzeugend. Und wie zur Bestätigung legte er uns den oben abgebildeten  Geldschein aus der reichsdeutschen Inflationszeit  auf den Tisch. Er werde auf seinem nächsten Heimaturlaub in der Steiermark Pfarr- und Gemeindbücher durchstöbern und sicher fündig werden.

Uns blieb nur noch übrig, ihm ein unversehrtes Exemplar „Es liegt noch Gold im Halensee“ zu schenken. Mag ja sein, dass er – im Gegensatz zum übrigen verschlafenen Steirervolk westlich des Liesingtales – etwas Originales über den Nostradam‘ findet und die drei Kilo-Goldbarren gewinnt. Die sollen heute weit über hunderttausend Euro wert sein.

Das „Leergeld“, das er uns hinterließ, haben wir inzwischen zu den Akten gelegt…

Alternative Titelseite "Es liegt noch Gold im Halensee"

Mit neuem Umschlag: unser "Halensee" Buch

 

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Fundamentalisten wollen Schwulenbiografie verbieten!

US-amerikanische Sektierer drohen mit Anwalt: „Jüdisch und schwul geht nicht!“ – Makabre Situation für Berliner Kleinverlag

Unglaublich, aber wahr: Zehn Jahre nach dem Tod des amerikanischen Homosexuellen Rudolph S. bäumt sich eine Gruppe orthodoxer jüdischer Bürger aus Los Angeles auf gegen einige Passagen in der im Sommer in deutscher Sprache erschienenen Romanbiografie „Es liegt noch Gold im Halensee“ (Verlag Kalwang & Eis). Der Autor Gerd Joachim habe einem braven Mitglied einer Kultusgemeinde posthum Böses angetan und das Image eines untadeligen Mitbürgers und damit den Ruf der ganzen Gruppe geschädigt. So der Vorwurf. Ein Anwalt werde demnächst im Verlag aufkreuzen und einen Gerichtsbeschluss (!) vorlegen…

Rudi (r.) und Carl in Los Angeles

Worum es geht: Der über 70 Jahre alte Rudi, der auch im Buch so heißt, erzählt freimütig von seiner Flucht aus dem Konzentrationslager Buchenwald und von seiner Emigration in die USA. Locker erwähnt er, dass er sich gegenüber einem Maschinisten als Bettgefährte hingeben musste, um sich die Überfahrt zu verdienen. In New York – so steht es wie auch alles andere ungeschminkt und unmanipuliert im „Halensee“-Buch – habe sich Rudi in einer amerikanischen Zeitschriftenredaktion als Journalist versucht, sei aber mangels seiner Sprachkenntnisse gescheitert und nach Los Angeles übergesiedelt, wo er dank der Intimbeziehung mit einem Angestellten der Los Angeles Times einen Job erhielt, bis er schließlich in einem jüdischen Altersheim in Venice Beach als Hausmeister eine Stelle fand. Dort konnte er unter den kargen Bedingungen der Nachkriegszeit seine Bedürfnisse als „gay“ recht sorglos befriedigen usw.

Dem Leser des „Halensee“-Buches sind alle Details bekannt, die hier nicht näher ausgeführt werden müssen. Es gibt in Gerd Joachims Schreibe gerade im Zusammenhang mit seinen Schilderungen über Rudi S., der übrigens aus Breslau stammte, nichts Pornografisches oder sonstig Anstößiges.

Titelseite "Es liegt noch Gold im Halensee"

Gerd Joachims beanstandeter Roman

Als Lektor „made in Berlin“ war ich offenbar zu großzügig bei der Durchsicht des Manuskripts. Dass eine Passage über eine Affäre Carls mit einem prächtigen Mann aus dem Iran, der heute noch ein edles Erscheinungsbild abgibt, wenn er von der Technischen Hochschule in sein Café am Savignyplatz spaziert, wegen einer während des Druckvorgangs erfolgten Drohung (sowas gibt’s!) gelöscht, im Text also „geweißt“ werden musste, weil ein neuer Umbruch die Herstellung des Buches enorm verteuert hätte, mussten wir hinnehmen. Und unsere bisherigen Leser haben Verständnis gezeigt. Aber dass die freimütigen Erinnerungen des Breslauer Juden Rudi S. so viel Wind machen würden, hätten wir nicht erwartet. Nun ja: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Also schlucken wir. Hoffentlich schlagen noch einige Interessenten zu. Das Buch „Es liegt noch Gold im Halensee“ gibt es immer noch, auch bei amazon.de. Ebenso lauern immer noch die vom damals 82-jährigen Carl 2006 in einem Anflug von Demenz in das mittlerweile stark abgekühlte Gewässer am westlichen Ende des Kurfürstendamms geworfene Goldbarren auf mutige (hoffentlich gut ausgerüstete!) Taucher.

H.-P. Eis

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Halensee: Schwache Tauchsaison

Wie J. F. Weinfieber, der Destruktive, berichtet, haben sich die von ihm ermittelten vier Goldsucher nach umständlicher Ortsbestimmung mit ihren elektronischen Wünschelruten vergrämt aus der Berliner Region verzogen. Einer, der sich Sepp Allgäuer nannte und tatsächlich aus dieser freudvollen Gegend namens Allgäu stammt, soll sogar von Fluch und Hexerei gesprochen haben. In der Wiener Postsparkasse lagerten hunderttausende Goldbarren. Es war einmal…
Man hat offensichtlich, so Tauch-Experte Weinfieber, der als Drittkorrektor bei der Produktion des Buches “Es liegt noch Gold im Halensee” von Gerd Joachim kläglich versagt hat, nicht gewusst, dass sich Goldbarren weitaus schwerer mittels Metalldetektor orten lassen als beispielsweise Eisen und Stahl.
Die 5 Halbkilo-Barren warten nun auf die die neue Tauchsaison…

Titelseite "Es liegt noch Gold im Halensee"

Es liegt noch Gold im Halensee

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John F. Kennedy ein Heiliger?

Das Versagen des US-Präsidenten 1961 wird endlich entlarvt – Berliner sind entsetzt, dass sie ihm völlig egal waren.

Wer hätte das gedacht? – Der Jahrestag zum Jubiläum „50 Jahre Mauerbau“ steht vor der Tür und –  quasi in letzer Minute – räumen ausländische Historiker mit fehlerhaften Halbwahrheiten und Legenden über die Vaterschaft der Berliner Mauer auf. Der im westlichen Berlin wie ein Heiliger verehrte John F. Kennedy habe seinem Kontrahenten in der UdSSR grünes Licht für den Befehl an Ulbricht gegeben, „eine Mauer zu errichten“. Ob das stimmt?

Etablierte deutsche Historiker mit „West-Brille“ beschuldigten jahrzehntelang allein Ulbricht und Chruschtschow wegen der Errichtung des europäischen Schandwerkes. Die Ost-Historiker pflegten mangels Detailwissen die Hauptschuld bei Nikita zu platzieren, während ihre Kollegen aus dem alten West-Deutschland eher im „Spitzbart“ Ulbricht des Schandbuben sahen, womit sie durchaus richtig lagen, weil es doch dieser Ulbricht war, der schon seit dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 immer wieder eine definitive Schließung der DDR-Grenze forderte. Aber alle hiesigen Buchschreiber unterließen es, aus welchen Gründen auch immer, die Rolle Kennedys näher zu untersuchen. An Kennedy durfte oder sollte man wohl aus (westlicher) Staatsraison nichts Negatives suchen oder gar finden. Nun sind es – ehrenhafterweise – amerikanische Autoren selbst, die die Mitschuld der USA, repräsentiert durch ihren damaligen Präsidenten und auslandspolitischen „Amateur“ (F. Kempe), jüngst unter die Lupe nahmen.  Wie ausgerechnet der österreichische Autor Gerd Joachim in seiner zu Ostern 2011 erschienen Romanbiographie „Es liegt noch Gold im Halensee“ schrieb, hätte es mehrere Möglichkeiten gegeben und geeignete Anlässe, einen Mauerbau – und damit für 28 Jahre betonierte Trennung Deutschlands – zu verhindern.

Da es sich beim „Halensee-Buch“ vordergründig um Schilderungen aus dem Leben eines Berliner Homosexuellen handelt, ist es nicht unbedingt „kinderzimmertauglich“, aber immerhin so rücksichtsvoll verfasst, dass die 320 Seiten in katholisch-neutralem Umschlag durchaus neben dem Sofa liegen können, ohne auch nur einen Hauch von Anstoß zu erregen. Apropos „Anstoß“:

Wie sich jüngst bei einer Autoren-Lesung in Berlin zeigte, sind Berliner jeden Alters trotz besseren Wissens über Zahlen, Daten und Fakten nicht bereit (oder dazu nicht fähig) zu akzeptieren, dass es der Stadtheilige JFK war, der kurz vor dem 20. Juli 1961 durch seinen außenpolitischen Berater, Senator William S. Fulbright, Nikita Chruschtschow telefonisch anraten ließ, eine Mauer bauen zu lassen, damit in Berlin endlich Ruhe sei. Kennedy nahm in Kauf, dass er damit unter anderem den Berlin-Status verletzte, indem er auch auf Ostteil Berlins verzichtete (Statusverletzung). Die Nichtanerkennung der DDR durch die USA sollte völkerrechtlich Faustpfand genug sein. Dem Pragmatiker Kennedy – und damit gaben ihm alle westlichen Staatschefs Recht – reichte die Erhaltung des Status quo aus, also der freie Zugang der West-Alliierten zur solcherart entstehenden Insel „West-Berlin“, die noch dazu bewohnt (!) war.

Anzunehmen ist, dass ein Sebastian Haffner („Anmerkungen zu Hitler“), hätte er nicht just am 13. August 1961 seine Journalisten-Tätigkeit beim seriösen britischen Observer gekündigt, Klarheit und damit sachliche Aufklärung über die tatsächliche Vorgeschichte der Entscheidung zum Bau der Berliner Mauer hinterlassen hätte. Er hat es leider nicht. Somit sind wir heute aufgrund der Einseitigkeit der deutschen Mainstream-Autoren darauf angewiesen, uns bei Hope Harrisson, Frederick Kempe und Gerd Joachim über die Wahrheit zu informieren.

John F. Kennedy, der sich erst zwei Jahre nach dem Mauerbau publicityträchtig als „Berliner“ outete, darf bzw. muss wohl ein Berliner Heiliger bleiben, sind doch Straßen und Schulen und eine wunderbare Bibliothek nach ihm benannt…

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Obwohl Ulbricht an diesem Tag nicht gelogen hat…

…glauben es immer noch 98,72 % der Deutschen (von A. Rosenblattl)

Ist es nicht seltsam, dass auch in den bisher aktuell erschienenen Sach- und Fachbüchern, die sich mit der jüngsten deutschen (Berliner) Geschichte befassen, immer noch die Kalte-Kriegs-Mentalität vorherrscht? Weshalb will die offiziöse Historikerschaft wenige Monate vor dem Jubiläum „50 Jahre Berliner Mauerbau“ (13.8.1961) nicht detailliert preisgeben, wie es zu diesem „Ereignis“ kam?

Ausgerechnet in einer schwulen Romanbiografie eines Berliner Kleinstverlages erfährt der Leser (selbstredend auch die Leserin) die wahren Hintergründe inklusive der Rolle John F. Kennedys. Von 450 befragten Akademikern zwischen Kiel und Garmisch, darunter 2 Doktorväter (wenn auch nicht aus Bayreuth), wussten ganze 9 (!) Bescheid. Gesellschaftspolitische Volksverblödung von langer Halbwertszeit oder Ignoranz oder?

Nu, die Mauer is weg, was schert mich ihr Erfinder, mag sich der Mann mit solider Halbbildung denken. Ich bin jedenfalls gespannt auf die bevorstehenden Sonntagsreden, in denen – zu Unrecht – Chruschtschow, Ulbricht et al. verteufelt werden dürften. Der Vollständigkeit halber möchte ich gestehen, dass ich mit keinem der genannten Politiker verwandt oder verschwägert oder verheiratet war und mit keinem der Kinder der Genannten jemals ein Techtelmechtel hatte.

Sollte sich unter den Lesern dieser Notiz ein Interessierter (eine Interessierte) befinden, könnte die Lektüre der nachstehenden Romanbiografie hilfreich sein.

Titelseite "Es liegt noch Gold im Halensee"

Es liegt noch Gold im Halensee

Auch der aufmerksame Intelligenzler wird sich wohl nicht daran erinnern können (er müsste sehr, sehr alt sein), dass der von vielen Deutschen mit Recht hochgeschätzte Willy Brandt im Jahr 1959 eine allererste Abrüstungsgesprächs-Chance vermasselte, weil er – in vorauseilender Fairness – den Falschesten der Falschen, nämlich Kanzler Konrad Adenauer, fragte, ob er Chruschtschows Einladung zu einem vertraulichen Gespräch zum Thema Abrüstung annehmen solle oder nicht. Weil sich Adenauer jeglichen Rats enthielt, fragte Brandt einen weiteren falschen Ratgeber, der seinen Gedanken, Nikitas Einladung eventuell anzunehmen, mit Karacho in den „Boden“ stampfte, worauf der damals noch jugendliche Berliner Politiker die Chance lieber nicht wahrnahm.

Der spätere österrichische Kanzler Bruno Kreisky, die Chruschtschows Einladung übermittelt hatte, berichtet darüber mit enttäuschten Worten in seiner Biografie. Dieser Passus ist übrigens in der Neuausgabe der Kreisky-Memoiren gestrichen worden, was beweist: Geschichtsklitterung ist auch im kleinen Österreich gang und gebe. Das Ganze ist nachzulesen in der Originalausgabe (bei Heyne).

Des weiteren: Sollte sich unter den werten LeserInnen ein Österreicher befinden, noch eine kleine Frage: Weshalb hat sich der geliebte Dichter Peter Rosegger aus dem Alpl in der grünen Steiermark („Als ich noch der Wandbauernbub war…“) seinen Literaturnobelpreis vermasselt und dem indischen Kollegen Tagore Bekanntheit in Europa und Preisgeld ermöglicht? – Ob du’s glauben magst oder nicht – es war ein bösartiges Geflecht von Intrigen, nach welchem unser geliebter Peter R. Antisemit  gewesen sei. Auch hierzu und zu einer ganzen Reihe weiterer Klitterungen erfährt man Richtiggestelltes im „Halensee“-Buch. Gelegentlich könnte man auch im Sommer etwas „Schwereres“ lesen als Kaminer oder gar Link.

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