Tag Archives: Griechenland

Athen contra Berlin: Schmierengroteske trotz offener Schulden Deutschlands (1)

(sk) Das Wichtigste an diesem Text ist, wenn auch nur aus juristischen Gründen, das Fragezeichen am Ende dieses Blogs. Hinweis: Die Autorin dieses Blog ist keine Griechin! – In der ARD-Sendung kontraste (rbb, 12.03.2015) wurde die vom Deutschen Reich während des II. Weltkrieges der griechischen  Regierung aufgezwungene Kriegskosten-Zahlung von insgesamt über 11 (in Worten: elf) Milliarden heutiger Euro-Währung erörtert. Die Bundesrepublik Deutschland wehrte sich bis zur Wiedervereinigung (1990) und dem damit international geklärten Status seines „Rechtsnachfolgers des NS-Staates“ gegen die Rückzahlung dieser Summe an den griechischen Staat. Immer wieder pochten die Griechen diplomatisch mehr oder weniger elegant auf die Reparationszahlung. Als jedoch nach dem 3. Oktober 1990 alle rechtlich relevant gewordenen, dank der deutschen Teilung verschleppten Fakten bereinigt hätten  werden sollen, gab es einen sogenannten „2-plus-4-Vertrag“ zwischen den beiden deutschen und den vier Alliierten-Regierungen. Athen blieb ante portas.
Wie man die bisherigen hellenischen Regierung fromm und brav hielt, wird demnächst geklärt werden müssen. Heroen wie Dietrich Genscher werden wohl ein paar Schrittchen von ihrem Sockel steigen müssen. Erhebt sich vordergründig die  Frage: Könnte es sein, dass – bis zur gegenwärtigen Athener „Revoluzzer“-Regierung – so gut wie alle griechischen Politiker gehätschelt und via EU und Eurozone zu persönlichem Reichtum hochgeschmiert wurden, damit sie so lange den Mund hielten?

 

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Sagen sie mal, Herr Steinmeier…

(rf) … wie hoch ist Ihr Verbrauch an Paspertin (Anti-Brechmittel, heute MCP)? – Ich sah wieder einmal ein Foto von Ihnen und dem neben Ihnen sitzenden griechischen Vize-Premier Evangelos Venizelos auf dem Bildschirm. Das ist doch der griechische Politiker, der wie andere seiner Ministerkollegen die EU in Sachen Verschuldung Griechenlands mehrfach belogen hat und dafür im In- und Ausland, vornehmlich in seiner eigenen korrupten Heimat, heftig im Kreuzfeuer der Kritik stand. Sie, Herr Steinmeier, sitzen wieder neben diesem Mann und machen gar kein übel gelauntes Gesicht. Wie das? Hat Venizelos (Foto unten) eine Reinigungskur bei den Mönchen von Athos abgelegt? (Eine erfolgreiche Abspeckkur des Fleisches hat er, wie das Foto zeigt, bisher jedenfalls noch nicht hinter sich.)

Das frage ich mich immer dann, wenn ich Sie sehe, Herr Steinmeier, den ich sehr schätze, vor allem für Ihre Ausbügelungsenergie und Bescheidenheit gegenüber politischen Merkel-Gegnern im Ausland (ich nenne nur rein zufällig Putin). Haben Sie einen besseren Magen als Ihr immer grantig dreinschauender Kollege Schäuble oder ist es bei ihnen die klassische diplomatische Politikerkorruption, die eine stets freundliche Maske verlangt? Da erscheint mir Ihr russischer Außenministerkollege Lawrow ehrlicher: der schaut wenigstens immer grantig und ablehnend, weil er keinen Hehl daraus macht, wie unsympathisch ihm manche Kollegen und deren Aussagen sind.

Ve3nizelos

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Alexis Sorbas ist tot

(hp) Auch der schärfste Verfechter der political correctness muss angesichts der griechischen Tragikomödie die Waffen strecken. Denn die Unverlässlichkeit der an der Ägäis Regierenden hat eine lange Tradition.

Als der wunderbare Film „Alexis Sorbas“ nach dem gleichnamigen Roman erschien und als Melina Mercouri, die wunderbare Schauspielerin („Phaedra“) auf der Kinoleinwand präsent war, dachte jeder sonnenhungrige Laie im Lande an die wunderbaren Griechen. Und als des heutigen Professors Udo Jürgens „Griechischer Wein“ aus allen Rundfunksendern floss, waren wir happy. Was muss das für ein faszinierendes Land sein mit diesen faszinierenden Menschen. Vor der Entdeckung des westlichen Mittelmeer-Paradieses Mallorca schwärmten wir von Kreta. Zypern, das ewige Streitobjekt zwischen Griechen und Türken (immerhin direkt vor der türkischen Haustür gelegen!). Mykonos nicht zu vergessen. Und in jedem Geschichtsbuch faszinierten die Abbildungen von Herkules, Aphrodite, Dionysos und Zeus. Wobei uns in der Pubertät besonders der Göttervater imponierte, da er – in welcher Gestalt auch immer – alles begattete, was ihm in den Weg kam. Europa inklusive. Die Mathematiklehrer nervten uns zwar mit Pythagoras, die Philosophen mit Platon und Aristoteles, aber die emanzipierten Lesben schwärmten für Sappho und dergleichen Halb- und Viertelgöttinnen. Ja, das war unser Griechenlandbild. Und als nach Otto, dem bayrisch-griechischen König aus dem Hause Wittelsbach auch Wilhelm II. und danach die unglückliche Sisi von Österreich ihr Herz in und auf Korfu verloren hatten, war  alles geritzt. Griechenland, Hellas (amtlicher Name) stand hoch im Kurs. Sogar die deutschen Korinthenkacker hatten ihre Freude an Griechenland, waren doch Korinthen ein angesehenes Exportprodukt. Griechisches Olivenöl war seinerzeit übrigens weniger geschätzt als heute, wie es im Lexikon heisst, denn die Herstellungsmethoden waren wenig appetitlich. So: Was soll’s. Die Griechen-Schwärmerei hat angesichts der jüngeren Geschichte ihren Glorienschein verloren. Denn die Regierenden südlich von Albanien und Mazedonien waren immer schon Schlawiner. Ihren Tod fanden die Regenten in „Lug und Betrug“, heisst es in der Völkertafel von 1723.

Unter „Internationaler Finanzkontrolle“ stand das griechische Staatswesen bereits 1897. Für 1922 sind laut Meyers Konversationslexikon von 1925 über vier Milliarden Drachmen als Staatsschulden ausgewiesen und das bei einem laufenden Staatsbudget von sieben. Weitere Daten fehlen, denn Anleihen der heutigen Art und Leerpapiere amerikanischer Prägung gab es damals wohl noch nicht. Von den privaten Schuldscheinen nicht zu reden. Aber reiche und superreiche Reeder gab’s und andere Feudalherren, die sich zu Hungerlöhnen der armen Bevölkerung bedienten, um anzuhäufen, was das Leben prächtig macht. Und die arbeitende Klasse ertrug’s, so wie sie vormals die Türken ertrugen. Schwäche zu zeigen, ist ungriechisch. Lieber arm und frei.

Dass der bedrängte Papandreou gestern abend beim Rapport in Cannes antanzen musste, weißs jedermann. Wie er seinen letzten Fluchtversuch vor dem Zusammenbruch seiner Regierungsgewalt gegenüber dem Franzosenkanzler und der deutschen Kanzlerin interpretierte, weiß man (noch) nicht. Wenn man dem Volk, auch wenn es so klein ist wie das griechische, eine demokratische Geste in den zunehmend wütenden Schuld stopft, kann man – unter logischen Verhältnissen – nicht als Einladung zur Zustimmung bewerten, den Gürtel noch enger zu schnallen als bisher bereits angedacht. Wie geht’s weiter mit Griechenland? – Man würde sich fast wünschen, an der Cote d‘ Azur würden Onassis und Jacky Kennedy vorbeisegeln und und „weiße Rosen aus Athen“ an den Kai schleudern. Man darf gespannt sein wie ein geschlossener Regenschirm, während Monsieur Sarkozy von seinen Bankiers in in den Schwitzkasten genommen wird…

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Ist die EU-Achillesferse therapierbar?

Erwartungsgemäß ist nun Zypern an der Reihe: Wer sind die nächsten Parasiten, die unseren Wohlstand gefährden? – Lug und Trug haben Tradition und festen Bestand in Athen

Jawoll. Die griechische Sagenwelt war interessanter als die politische Geschichte Griechenlands vor Christi Geburt. Erinnern Sie sich daran, was Sie im Geschichtsunterricht über Perikles gehört haben? – Viel nutzloses Zeugs, humanitätsduselig, je nach Schule und Lehrer. Heute darf man diesen Staatsmann (g. 500 v. Chr.) durchaus anders sehen. War er es doch, der dem korrupten, moralisch verludertem Rat der Stadt (Aeropag, benannt nach dem gleichnamigen Felsen) den Garaus machte. Zuvor gab er als vergleichsweise ehrlicher Politiker als Ankläger im Bestechungsprozess gegen Kimon (463 v. Chr.) eine eindeutige Visitenkarte als Macher ab. Perikles sorgte für Ordnung in Athen und seit 450 v. Chr. nennen wir ihn – lesen Sie nach im Geschichtsbuch Ihrer Kinder! – den führenden griechischen Staatsmann der vorchristlichen Zeit. Dass sich nach seiner Regentschaft prompt wieder Lug und Trug, Beschiss und Unmoral in die bessere Gesellschaft einnisteten und zwar parallel zur Kulturblüte, die wir ewiglich bewundern, wenn wir nur an die Philosophen, Dichter und Naturwissenschaftler denken, die unsere Geschichtsbücher andächtig aufführen, steht auf einem anderen Blatt. Sie fragen: Was soll’s?

Die Frage ist berechtigt. Es gab in der weiteren Geschichte bis zum Ende des hellenischen Höhenflugs, seiner totalen Dekadenz und der Übernahme alles Griechischen durch die Römer, bekanntlich keinen zweiten Perikles, keinen, der „aufgeräumt“ hätte. Die herrschende Klasse, also die Begüterten, betreiben ihre Geschäfte wie seinerzeit. Eine Grundmoral, wie sie (zumindest bis vor kurzem bei uns) mit einer „sozialen Marktwirtschaft“ beschrieben  werden könnte, gab es nie. Die einen hatten Gold und Geld – davon lebt eine Reihe von Sagen und Legenden -, die andern hatten wenig oder nichts. Das gilt bis heute. Zu Gold kommt heute noch ein Masserati dazu oder sonst was Feines, es muss ja nicht gerade eine Luxusjacht sein. Das steht logischerweise in keiner der griechischen Helden- und Göttersagen.

Zwischendurch hat sich das Bürgertum frei gemacht von den Fesseln der Herrscher und, dem Beispiel der Reichen folgend, frei gemacht auch von den Fesseln des Staates und von den Erfordernissen einer ehrenhaften Finanzpolitik. Der Staat spielte sich, vor allem um die soziale Ruhe zu stabilisieren, als gutmütige Mutter aller auf und ermöglicht(e) es auch Geringverdienern, im eigenen Haus zu leben, und wenn es nur eine bescheidene Eigentumswohnung irgendwo in der Provinz oder an einer der Küsten war. (So gibt es pro Kopf der Bevölkerung in Griechenland mehr Eigentumswohnungen als in Deutschland.)

Seit Monaten werden die Resteuropäer genervt von der Staatspleite der europäischen Achillesferse Griechenland. Zypern erwartungsgemäß gleich dazu. Und kundige Finanzkundler prophezeien einen Zusammenbruch des Euro-Systems spätestens in einigen Jahren. Die griechische Regierung gibt sich derweil unschuldig schuldbewusst und klagt darüber, wie schwer es sei, Sparmaßnahmen durchzusetzen. Aber das Prolongieren der Löcherstopfung in Milliardenraten macht nichts anderes, als den Gegenwartshorror zu verdecken. Ein Aufbau bzw. eine Gesundung der griechischen Wirtschaft, die auch Steuern abliefern kann, liegt in weiter, weiter Ferne. Da erscheint es wie ein verzweifelter Witz, wenn der deutsche Wirtschaftsminister den hiesigen Mittelstand ermuntert (heutige Konferenz im W-Ministerium), in Griechenland zu investieren. Tröpfchen auf heiße Steine sprühen? Gute Miene zeigen? Oder was?

Im Radio vernahm ich die Stimme eines beamteten Athener Finanzkontrolleurs, der gemächlich davon sprach, dass die Hälfte der griechischen Steuerzahler seit Jahren ihrer Bürgerverpflichtung nicht nachkomme, wodurch dem Staatshaushalt damit je Kalenderjahr rund 40 (in Worten: vierzig) Milliarden Euro entgingen. Man könne da aber nichts machen, heißt es, denn die Gesetze im heutigen Griechenland schützten die Steuerhinterzieher. Da würde eben mancher Steuerzahler in seinem Fragebogen fürs Finanzamt eintausend  Euro Einkommen angeben, während auf seinem Bankkonto eine Million lägen. Machen, so der Finanzkontrolleur, könne man da nichts. Ich frage mich daher, ob es mangels Perikles nicht an der Zeit wäre, den Griechen Nachhilfe zu erteilen (wie den afghanischen Behörden, nur ohne  Waffen)?

Frau Kanzlerin und der Herr Westerwelle waren, festlich gekleidet und ohne großzügiges Dekolleté, mit Gatten zur Stelle, als in Bayreuth „der Sängerkrieg auf der Wartburg“ (Untertitel des „Tannhäuser“) Premiere hatte. Ich wüsste gern, wann endlich der „Sängerkrieg“ der wahren Finanzverständigen in Brüssel loslegt. Hoch an der Zeit wär’s.

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