Tag Archives: Friedrich der Große

Die Hämorrhoiden des Alten Fritz

(hp) Unser Bohumil aus Brno grantelt gern. Das ist auch seinem Alter geschuldet. Seinen Berlinbesuch genießt er sehr, unseren Rotwein auch. Er war in seiner Jugend Blasmusiker in Brünn (Mähren) und später in Pilsen, der böhmischen Skoda-Stadt mit der prominenten Brauerei. Als Historiker hatte B. die Rüstungsindustriegeschichte Pilsens bearbeitet, bevor er in Prag dem Journalismus frönte, bevor er gefeuert wurde. In Berlin ergötzt sich Bohumil weniger im Berghain, denn dafür fühlt er sich zu alt, sondern in Museen. Des alten Menzels erinnert er sich dank einiger Illustrationen des Hofmalers, die den Alten Fritz beim Flötenspiel zeigen. Friedrich II. spielt die Flöte im Stehen. Bohumil weiss weshalb. Vornehmlich der bequemeren Körperhaltung wegen? Oder wegen seiner geringen Seehöhe? – Bohumil nimmt einen Schluck und löst das Rätsel: „Weil er hat Hämorrhoiden g’habt!“ Einen Ratschlag seines Militärberaters aus der Kronprinzenzeit, Eugen von Savoyen, der auch nur über eine geringe Körpergröße verfügte, habe Friedrich zu wenig beachtet: „Wenn man viel reitet und das Sattelleder zu glatt gewichst ist, muss man seinen eigenen Hinterausgang gut schmieren – am besten mit ausgelassenem Speck, aber ohne Salz!“ Dass auch solider mannmännlicher Sexualverkehr a tergo gut gegen das Wachstum von Hämorrhoiden ist, sagte Bohumil nicht: „Als Hetero hab‘ ich in der causa keine Expertise.“

Die anschließende Schweigeminute unterbrach Olaf, Mitglied des Chores der Deutschen Oper Berlin, schmunzelnd: „Kennt Ihr den Hämorrhoidenchor?“ Keiner aus unserer Runde  war’s, der Aufklärung bot. Nur Bohumil wusste es: „Dem alten Sebastian Bach seine Matthäuspassion hat einen Schlusschor mit dem Titel „Wir setzen uns mit Tränen nieder!“ Na, wenn das kein Hinweis ist!

 

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Friedrich-Jubiläum: Schlag nach bei Sebastian Haffner – bedingt!

(hp) Was für eine Bücherflut zu diesem Preußen-Jubiläum! Der Große Friedrich, vor 300 Jahren geboren, lässt niemanden kalt. Manche glauben, Neues, bisher angeblich Unbeschriebenes, aus anderer Perspektive beschreiben zu müssen. Mancherlei Erfindung ist darunter, verständlich, da die Figur des Preußenkönigs so gut wie alles zulässt, was einigermaßen beschreib- oder interpretierbar ist. Auch in unserem Blog haben wir uns bereits mehrmals mit Friedrich II. beschäftigt. Auf wundersame Weise landet ein kluger Leser immer wieder bei Sebastian Haffner (z.B. „Preußen ohne Legende„). Knapp und klar, auf angenehme Weise „preußisch“ im besten Sinne, malt Haffner plastische Bilder und Panoramen und bleibt trotz des illustren Füllhorns seiner Schilderungen und Analysen nüchtern.

Man erspart sich viel Geld, wenn  man auf das meiste, was bisher über den Preußenkönig erschienen ist, verzichtet. Vermutlich werden gewisse „Kleinigkeiten“ in den biografischen Darstellungen nie so recht beurteilt werden können. Umso lästiger, wenn nicht erbärmlich, sind manche Zeitungskommentare, in denen sich „moderne“ Schreiber austoben und es sich allzu einfach machen. Gewisse Blätter, deren Redakteure irgendwann einmal zu den Gebildeten der Gesellschaft gehörten und zwar mehrheitlich, übertreiben es bis hin zur Unerträglichkeit. Als Blitzableiter für empörte Leser, die sich via Brief oder Mail äußern, dient das Internet. Gerechterweise schafft ein solches Kommunikationskonzept nicht mehr an gedruckter Auflage. Ende meiner aktuellen Gallenabsonderung. Nur zum Weiterdenken vermerkt:

Auch der hoch zu achtende Haffner hat in seiner Bewertung etwa des Friedrich II gelegentlich Unterlassungen begangen. Im genannten Führer durch die preußische Geschichte erwähnt er beispielsweise nicht, dass der Konprinz den für und in Österreich tätigen Eugen von Savoyen bewunderte – und wenn es nur für die militärischen Strategien dieses Prinzen in den Abwehrmaßnahmen gegen die Türken gewesen sein dürfte. Mag sein, dass der Ruhm des altgedienten Feldherrn, der wie der damals junge  Friedrich kleinwüchsig war und vom lieben Gott nicht mit äußerer Schönheit beschenkt, aber bereits zu Lebzeiten zum Helden geworden, dem Rheinsberger Thronanwärter als nachahmenswertes Vorbild galt.

Zum zweiten wird der Außenpolitiker Friedrich II, der nicht erst nach seiner Thronbesteigung viel Geschick als Diplomat bewies, meines Erachtens zu wenig gewürdigt. Weshalb liest man so gut wie nichts von den Vereinbarungen zwischen Friedrich, dem Anwärter, und dem kaiserkronengierigen Wittelsbacher Kurfürst Albrecht? Immerhin wollte auch dieser einiges vom habsburgischen Reich abknapsen, als die junge Maria Theresia als Königin „nur“ Ungarn und Böhmen ihr Eigen nennen konnte, nicht aber jene Kronländer, die in den Augen der Bayern Österreich darstellten.

Den Raub des zur damaligen Habsburger Monarchie gehörenden Schlesien beschreiben die deutschen Historiker seit je als zwar kriminelle Maßnahme zur Festigung des zuvor zersplitterten preußischen Staates. Davon, dass es wegen der sturen Haltung der eisern katholischen Habsburger für Friedrich ein Leichtes war, bei den schlesischen, mehrheitlich protestantischen Machthabern in Breslau und rundherum Sympathien zu erlangen, ist ebenso wenig die Rede wie von der Tatsache, dass sowohl die Wittelsbacher als auch der „Soldatenkönig“ in Hochachtung vor Kaiser Karl VI. die Pragmatische Sanktion unterschrieben hatten: Danach sollte bekanntlich nach dem Ableben des Kaisers mangels Sohn seine Tochter Maria Theresia unbestrittene Nachfolgerin in der österreichischen Monarchie werden. Nicht nur der junge Friedrich, sondern auch der Bayer aus Nymphenburg, der noch dazu mit einer österreichischen Prinzessin verheiratet war, brachen die Vereinbarung.
Es gibt einfach Dinge, die in einer Geschichtsdarstellung nicht fehlen sollten…

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Friedrich II. schwul? Wär‘ nicht gut so…

(hp) Ich weiß zwar nicht, wie tief sich der Autor, den die taz für ihre jüngste Ausgabe interviewt hat, in die ungeheuer vielen Quellen und Materialien über das Leben Friedrich des Großen eingearbeitet hat. Doch wenn sich Jürgen Luh einer aufgeschlossenen Tageszeitung gegenüber windet wie ein Jesuit im zweiten Semester Theologie, dann ist zu befürchten, dass wir auch im „kleinen Preußen-Jahr 2012“ (300. Geburtstag des unkonventionellen Herrschers) die Privatperson F. II. nicht richtig kennenlernen werden.

Man muß nicht gleich mit der Thomas-Mann-Keule kommen. Der große Dichter hat sich zumindest in seinen Tagebüchern und – indirekt in Privatbriefen – als homosexuell geoutet. So etwas würde ein Alleinregierender nie tun. Weder in seinen zahlreichen Schriften, noch im ausführlichen Testament.Da wäre eher das Gespür eines unbefangenen Historikers vonnöten, ausserhalb der ausgelutschten Quellenlandschaft zu grasen und aus mancherlei Verhalten – auch seines Vaters, der gemeinhin immer noch als unsensibler Rüpel dargestellt wird -, Schlüsse zu ziehen. Schon Sebastian Haffner äußerte vor mehr als zwanzig Jahren in einem Gespräch die Vermutung, schon zu Lebzeiten des illustren Königs und erst nach seinem Tod sei so manches für immer verschwunden, was auf Friedrichs Hang zum Mannmännlichen geschlossen haben mag.

Unterdrückte Sexualität bleibt nie folgenfrei. Und Onanist war der große, abenteuerfreudige Friedrich II., der illusterste aller Hohenzollern, sicher nicht. Das wäre eines eitlen Alleinherrschers nicht würdig.

 

 

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Preußenjahr 2012: Lesen Sie Haffner!

Glaubt man den Verlagsankündigungen, wird 2012 ein Preußenjahr. Denn 300 Jahre nach der Geburt des Großen Friedrich II wird es sich kein einschlägiger Autor entgehen lassen, seinen Senf auf das preußische Tableau zu streichen. Man darf gespannt sein, was aus der Ikone Fridericus Rex gemacht werden wird.

Als gebürtiger Süddeutscher werde ich mich in dieser Angelegenheit vernünftigerweise zurückhalten. Die Herrscherfiguren der Wittelsbacher sind mir für meine laufende Arbeit weitaus näher als die Interpretationsversuche von Kollegen, von denen einige es nicht verkraften, dass der Journalist Sebastian Haffner vor Jahrzehnten mit seinen Darstellungen bereits weit ausgeholt hat in Sachen Preußen, Herrscher und Kanzler (Bismarck) bis hin zu Preußen-Identität und Mentalität. Am brisantesten schien mir und scheint mir bis heute der rote Faden von Friedrich II über Bismarck bis Hitler – weniger personenbezogen, sondern was Denke, Disziplin, Diplomatie und räuberische Politik angeht.

F., erster Diener seines Staates

Friedrich II., erster Diener seines Staates

Sehr interessieren wird mich, wie jüdische Autoren jüngerer Denkungsart Friedrich beurteilen werden. Denn dass das immer wieder zitierte „Jeder nach seiner Façon“ eindeutig abgegriffen und für die breite Bevölkerung reine Theorie geblieben ist, wissen wir zur Genüge. Insbesondere der Antisemitismus, der im Preußen Friedrichs Staatsraison war, wurde bislang noch nie seriös austariert:

Dass sich der Herrscher weigerte, den großen Moses Mendelssohn in die Akademie aufzunehmen, angeblich nur deshalb, weil Mendelssohn Jude war, reicht mir nicht aus. Die Historiker, die sich mit der katholischen Antisemitin Maria Theresia beschäftigten, waren hinsichtlich der österreichisch-ungarischen Landesmutter weniger zurückhaltend. Bekannt ist, dass sie zwar von Juden Geld lieh und wegen der kriegerischen Spitzbübereien Friedrich des II. oft genug Geld leihen musste, nach Vertragsabschluss mit den jeweiligen jüdischen Kreditgebern ihr Händchen allerdings nur hinter einer dunklen Wolldecke reichte, um den Geldverleiher ja nicht sehen zu müssen. Bekannt ist auch, dass sie als Königin von Ungarn und Böhmen von Juden bewohnte Kaffs abfackeln ließ, aus Wut über die widerspenstigen dortigen Juden, die keine Kriegssteuer zahlen wollten.

Von Friedrich II ist in der causa Abfackeln eigentlich nur bekannt, dass er „katholische Dörfer“ an der Oder abbrennen ließ, was sogar sein Marschall, der alte Dessauer, in seinen Memoiren als verbrecherische Untat des Herrschers geißelte. Ansonsten gibt es wenig über die „dunkle“ Seite des Preußenherrschers, dem – von seinen Frechheiten (Diebstahl Schlesiens u.a.m.) abgesehen – natürlich viel Huld und viel Ehr‘ gebühren.

Der SPIEGEL nahm sich des bevorstehenden Preußen-Jubiläums bereits in einer ausgewogenen Titelstory an.

Haffner - immer empfehlenswert!

Haffner - immer empfehlenswert!

Andere Publikationen werden folgen. Man darf gespannt sein. Für Unbeleckte, deren Zahl von Tag zu Tag wächst: Sebastian Haffner ist immer ein Gewinn, auch wenn er nicht immer schmecken mag! H.-P.Eis

P.S. Das rbb Kulturradio, feinsinniger Förderer des Absatzes feinsinniger CDs, hat für die laufende Woche ein neues Produkt als „CD der Woche“ gekürt: Flötenkonzerte des Kompositeurs Friedrich II. und komponierender Verwandtschaft…

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Wird 2012 ein neues Preußenjahr?

300 Jahre Friedrich d. Große, 500 Jahre Nostradam‘ von Ranten, Personen voller Widersprüche: Historiker, Wiederkäuer und Legendenverkäufer sind schon fleissig am Werk.

Wer der Preußenkönig Friedrich der Zweite war, wusste früher jedes Kind. Heute nur mehr jedes dritte. Guido Knopp und Kollegen werden im nächsten Kalenderjahr wohl viel Sendeplatz erhalten, um diesen interessantesten alle Hohenzollern ausführlich zu würdigen. Friedrichs schreckliche Jugend, die mit der Ermordung seines Jugendfreundes Katte jäh endete, nachdem der hochverräterische und vom Vater, dem „Soldatenkönig“, geknechtete, dem eigenen Geschlecht zugetane Kronprinz seiner eigenen Liquidierung entging – solcherlei Themen sind in der Vergangenheit ausführlich dargestellt worden. Friedrich, der junge König (ab 1740), der kurz nach dem Regierungsantritt seiner jüngeren Wiener Kontrahentin  Maria Theresia Schlesien auf Rotzbubenart stahl, militärisch & blutig, versteht sich; der die europäische Politik mit den Siebenjährigen Kriegen völlig durcheinander brachte und trotz mehrerer Niederlagen als Sieger in die Weltgeschichte einging, dieser Friedrich bleibt bis heute faszinierend, vornehmlich militaristisch. Überwiegend plakative, einseitige Interpretationen zeigen überwiegend Einseitiges. Der reife König, der seinen Wahlspruch „Ich bin der erste Diener meines Staates!“ exzessiv in die Praxis umsetzte und epochemachende Reformen im erstarkten Preussen durchsetzte, wird seltener beschrieben. Schließlich der „Alte Fritz“, den die UFA stur und hintergrundarm auf die Filmleinwand brachte – alle diese Friedrichs waren ein einziger Mann, der jeder kritischen Würdigung Stand hält. Alle Fehlentscheidungen des Herrschers, der aus einem nicht zusammenhängenden Staatsgebiet eine stabile Großmacht drechselte und – nachdem alles getan war – einsam in seinem Schloss Sanssouci verkümmerte, hat er zu Papier gebracht und nüchtern, ohne Schönmalerei, selbstkritisch analysiert – eine staatsmännische Eigenschaft, die aus der Mode gekommen ist…

Friedrich II.

So malte Adolf Menzel den Preußenkönig, als dieser auf dem Höhepunkt seines Lebens stand. Damals, nach den letzten Schlachten des Siebenjährigen Krieges, entstanden übrigens die vielen Legenden, die sich bis heute nicht nur bei überzeugten Preußen erhalten haben. Eine davon, die die (angebliche) Volksnähe des Herrschers beweisen sollte, lautet ungefähr so:

Als der König in Berlin sein Pferd vor einem Marktstand anhielt und die Gemüsefrau nach ihrer Meinung über eine gewonnene Schlacht fragte: „Na, wie haben wir das gemacht, Frau?“, antwortete die Gefragte berlinerisch: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich!“ So etwas machte sich natürlich gut in einem preußischen Grundschullesebuch.

Wer F. II. wirklich kennen lernen möchte, dem sei sein „Politisches Testament“ von 1752 zur Lektüre empfohlen. Im Reclam Verlag (Nr. 9723) ist eine praktische, handtaschengerechte Fassung zu haben. Fein redigiert, kommentiert und mit der nicht nur für heutige Politiker klugen Aussage auf dem Umschlag:

„Die Politik ist die Kunst, mit allen geeigneten Mitteln stets den eigenen Interessen gemäß zu handeln. Dazu muß man seine eigenen Interessen kennen, und um diese Kenntnis zu erlangen, befarf es des Studiums, geistiger Sammlung und angestrengten Fleißes.“

Bin gespannt, ob in Bayern – erstmals seit 250 Jahren – die Schandtat des mit der Kaiserkrone kokettierenden Kurfürsten Karl Albrecht aufgedeckt werden wird. Dem breiten Volk dürfte nicht bekannt sein, dass dieser Karl Albrecht den jungen Friedrich ermunterte und mit Soldaten für seinen Schlesien-Raubzug bestach, um Friedichs Kurfürsten-Votum zu erlangen und die Erbfeindin in Wien zu demütigen. Sagen Sie nicht: „Naja, etliche Bayernherrscher von Tassilo III bis Franz-Josef Strauss  haben im 2. Jahrtausend viel Unheil über Deutschland gebracht“, ohne die zurzeit für die Uni Bayreuth vorbereitete Dissertation abgewartet zu haben!

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