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Weine nicht um Deine Lokalzeitung!

Sie sind Provinzler, glücklich in Ihrem funktionierenden Städtchen oder Kaff und haben jüngst betrauert, dass die örtliche Redaktion Ihrer Regionalzeitung eingestellt worden ist. Das Zeitungssterben hat also auch Ihre Region erfasst, und immer mehr Nachbarn sehen Sie mit BILD oder einem seriöseren Blatt unterm Arm. Sie erfahren nicht mehr, wer im Gartenbauverein Vereinskassier geworden ist und erfahren nur mehr vom Schwarzen Brett an der Kirchenpforte, wann der gemischte Kirchenchor sein nächstes Konzert gibt. Auch der glücklicherweise selten gewordene tödliche Verkehrsunfall auf dem Hof des Großbauern um die Ecke wird nicht mehr breit ausgewalzt. Das macht nichts.

Sie finden das „Regionale“ auf Ihrer Glotze wieder. Beispielsweise im ZDF, das sich verzweifelt um jüngere Zuschauern bemüht,  gibt es Trost. Auf primitivste Lokalmanier gemacht, finden Sie in so genannten Boulvevard-Magazinen am Nachmittag in allen Programmen Lokales. Breit ausgewalzte Nebensächlichkeiten fördern Ihre gute Stimmung. Meist gibt es in Bild und Ton einheimische Kleinkatastrophen aus der engeren oder weiteren Nachbarschaft, biedere Verkehrsunfälle. Und wenn es grad nix Einheimisches mit Blut und Tragik gibt, serviert Ihnen die Glotze „Vermischtes“ aus aller Welt. Heute wurde im ZDF eine Reportage über den Fast-Tod einer abenteuergierigen Australierin gezeigt, die sich mittels Gummiseil in den afrikanischen Fluss Sambesi fallen lassen wollte und unsanft in die Fluten stürzte, weil das Gummiseil riss. Lang berichtete die überlebt habende Australierin, dass es ihr nach dem Sturz in den Strom „schwarz“ vor den Augen wurde – und sonst noch Hochinteressantes mehr. Und weil es sonst nichts Neues gibt – wie seinerzeit so oft auch in Ihrer Lokalzeitung -, greift man zur Historie. Heute ist es im ZDF die Entführung des Reemtsma-Erben vor x Jahren. Also: Kein Grund, Ihrer Lokalzeitung nachzuweinen. Das Fernsehen füllt jede Lücke auf.

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arte und rbb: Auch mit „Ficken“ ein empfehlenswerter Wurf!

Der „Friedrich“, den uns arte am Samstag zum kindertauglichen Fernsehabend bot, kann sich sehen lassen. Völlig anders als durch eine plakative Guido-Knopp-„History“, sondern szenisch in abwechslungsreiche, aussagekräftige Häppchen gestückelt, bot sich dem neugierigen Publikum ein Puzzle mit der Hauptperson „Kronprinzen und König Friedrich II.“, das nicht nur dank  der originellen Besetzung – Mutter und Tochter Thalbach in der Hauptrolle – beachtenswert war.

Der von seinem Vater, dem „Soldatenkönig“ (blendend besetzt!), bis aufs Blut gepeinigte junge Friedrich, dem sein Schwulsein durch Gewalt ausgetrieben werden sollte, war zwar wenig überzeugend in seinen Szenen, dafür entschädigte Katharina Thalbach doppelt. Sehenswert, die Präsentation auf diese Weise. Verständlicherweise blieben politische Hintergründe nur seicht skizziert, dafür ließ die Rede der Handelnden keinen Wunsch offen. Gut eingebaute Deftigkeiten wie „ficken“ werden wahrscheinlich die Möglichkeit, den Film auch im Schulunterricht zu zeigen, amputieren (obwohl heutzutage jedes 12-jährige Kind mit „Ficken“ und anderen volkstümlichen Begriffen umzugehen versteht). Immerhin war’s die Zeit, als ein anderer Wortschatz gang und gebe war. Man lese nur die Mozart-Briefe im Original…

Wer die Ausstrahlung bei „arte“ versäumt hat, kann den „Friedrich“-Film auch noch – zu jugendverbotener Zeit – im Ersten sehen.

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Zur bedenklich zunehmenden Verblödung der Massen

Topografisch ist Deutschland zwar nicht der 51. Bundesstaat der USA, aber geistig nähert er sich dem durchschnittsamerikanischen Niveau bedenklich an. „Bildungsrepublik“ hat in diesem Jahr offenbar ein Weltfremder gesagt, der/die offenbar keine Ahnung hat vom hiesigen Bildungsniveau der Massen. Was der kluge Ami Neil Postman vor Jahrzehnten prophezeite, ist eingetreten: Die Verblödung der Menschen, die Umerziehung des zum Denken befähigten Menschen hin zum kritiklosen Konsumenten, erreicht schreckliche Dimensionen. „Wir amüsieren uns zu Tode“ war ein Postman-Buch, das so gut wie jeder intelligente Lehrer in seiner Aktenmappe trug. Es scheint, als wäre diese klug geschriebene Warnung tonnenweise ungelesen zur Müllabfuhr gegangen. Oder sind die damals aufgeschreckten Leute, allen voran die Journalisten und Politiker, sämtlich gestorben oder stumm geworden?

Privat-TV: geistiger Fressnapf für die breite Masse

Die Eliten werden immer elitärer und lachen sich eins, die Bildungspolitiker sind immer hilfloser, das Privatfernsehen wird immer aggressiver in Sachen IQ-Senkung und die Wirtschaft freut sich. Immer mehr Konsumenten kaufen immer überflüssigere Waren und Dienstleistungen. „Shopping“ ist zum masturbatorischen Ersatz für Kulturkonsum jeder Art geworden. Es muss unterhaltsam sein, was die Leute in ihre Hirne lassen. Und was unterhaltsam ist, bestimmt die Medienindustrie, die immer heimtückischer zur Mätresse der Wirtschaft geworden ist und sich ihr weiter anbiedert.

Haben Sie sich, lieber Leser, schon mal das Publikum beliebiger Fernsehshows angesehen? Nutzen Sie gelegentliche Kamera-Schwenks in den Saal: Wer sitzt da? Wer hat Geld hingelegt, um unterhalten zu werden? Wer lacht beim erbärmlichsten Gag aus der untersten Lade des komödiantischen Abfallcontainers einschlägiger Entertainer?  Dann wissen Sie auch, wer sein Baby Cindy nennt.

Nicht Wulff, sondern Schavan soll abtreten!

Die Bundesbildungsministerin und ihre dank des verunglückten Bildungsföderalismus zahlreich vorhandenen Landeskollegen haben bislang gänzlich versagt. Kein einziges mutiges Wort aus diesen Kreisen ist mir in Erinnerung, keine einzige Tat. Sitzen sie alle in einem Glashaus oder schnüffeln sie nur IQ-schwangere Universitätsluft, ohne sich um das Bildungsniveau der Bevölkerungsmehrheit zu kümmern? – Schade, dass der Herr Bundespräsident zurzeit mit eigenen Dingen sosehr beschäftigt und gefordert ist, dass er das Volk  nicht vor der Massenvertrottelung warnen kann unter dem Tannenbaum…

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Bitte kein Paulus-Zitat, Herr Präsident!

Bitte schaffen Sie sich einen Coach an. Aber keinen aus der Provinz. Bleiben Sie hart an der Wahrheit. Lassen Sie den Dobrinth ermahnen, er solle Sie nie mehr „Staatschef“ nennen. Und bitten Sie Ihre Frau, sie möge sich derzeit nicht mit Ihnen abfilmen lassen. Wir sind ja nicht in Amerika. Lassen Sie sich in Ihre bevorstehende Ansprache kein Zitat von Paulus oder Augustinus einbauen. Keine auffällige Krawatte. Und vergessen Sie nicht: Als Weihnachtsredner befinden Sie sich während Ihrer Rede direkt im Wohnzimmer Ihres Publikums und nicht bei sich im feinen Schloss. Vermeiden Sie alle Wörter, die mit „Ver-“ oder „Un-“ anfangen. Und keine Kunstpause, bitte. Vorher ein kleiner Schluck Salbeitee, lauwarm, und ein paar nicht zu tiefe Atemzüge in der Fiakerhaltung. Frohe Weihnachten!

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Blühende Landschaften – weltweit

Erinnern Sie sich an Helmut Kohls grandiosen Spruch über die „blühenden“ Landschaften der Ex-DDR? – Offenbar hatten er und sein Freund Mitterand ähnliche Euro(pa)-Träume… (von Aaron Rosenblattl)

Fallende Börsenkurse und Fußball sind die Themen der Saison. Kein Tag ohne Gejammer, Horrorvisionen und offene, hinterhältige bis gemeingefährliche Angstmeldungen. Die tägliche Bandbreite in sämtlichen Medien reicht von nüchternen Berichten bis zu Kommentaren selbst ernannter Propheten. Das Fernsehen tut so, als wären wir alle Aktionäre mit nennenswerten Aktienpaketen mit derzeit krank machenden Schlafstörungen und Wecker-Einstellungen zu den Öffnungszeiten asiatischer Börsen, die uns mit ihren „Eröffnungskursen“ mitten in der Nacht zum Betablocker greifen lassen, falls vorhanden. Tief bedrückt schleichen wir also ins Bad, zum Frühstück, zur Arbeit. Dort klicken wir uns diesmal nicht in irgend welche Pornoseiten, sondern auf die inländischen Kursangaben. Den Kollegen gegenüber hassen wir, denn er lacht hinterfotzig über uns, da er sich zur Jahrhundertwende rechtzeitig mit einigen Kilogramm Gold und einer Pilotentasche voller Kruger Rand- oder Wiener-Philharmoniker-Goldmünzen eingedeckt hat und nun happy sein kann inmitten zitternder Aktionärskollegen.

Auf hohem Niveau zu jammern, jede Talkshow mit Warnern wie Olaf Henkel auf dem Recorder zu speichern, sind wir hierzulande gewohnt. Auch wenn es darum geht, über andere, vornehmlich ausländische Regierungen und deren Volk zu lästern („Haben wir ja immer schon gewusst, wie es die Griechen, die Römer, die Spanier  und andere machen..!“), sind wir kompetente, wissende Wisser und Wisserinnen.

So, aber jetzt vergessen wir mal unsere eigenen Aktienpakete und die wahrscheinlich oder sicher sinkenden Dividenden auf den jeweiligen Hauptversammlungen und lassen mal die Hosen runter: Wer hat denn Aktien? – Wenn man den Extra-Kurzsendungen vor den Abendnachrichten glauben darf, dann muss es die Mehrheit der Bevölkerung sein. Ich denke, diejenigen, die Aktienpakete besitzen, haben ohnehin ihre eigenen Medien oder Stand-by-Berater und Finanzanalysten, aber doch nicht die Mehrheit etwa der Tagesschau-Seher. Zur Reizung meiner Gallenblase reichen mir – vor den Abendnachrichten – die meines Erachtens überflüssigen Wetterfrösche und -fröschinnen, die zuerst erzählen, wie der zu Ende gehende Tag wirklich oder angeblich war oder gewesen sein soll. Überflüssig. Und wenn diese sicherlich nicht schlecht honorierten TV-Meteorologen das Wetter des nächsten Tages voraussagen, dann werden locker-flockig Temperaturspannen eingeblendet, großzügigerweise zw. 18 und 30 Grad Celsius; aber wenn es schon den 28. Tag hintereinander schwül ist, ob warm-schwül oder kühl-schwül, dann fällt darüber kein Wort. Obwohl man – u.U. am eigenen Leib weiß, dass es nicht der Celsius ist, der uns plagt, sondern die Luftfeuchtigkeit. Hier sollte seitens der Sender, ob Radio oder TV, etwas präziser berichtet werden als bei den Aktienkursen, die sich ohnehin nicht so genau voraussagen lassen wie das Wetter. Meinen Sie nicht?

Doch zurück  zum Titel: Als die europäische Währungsunion mit dem Euro geschaffen wurde – das ist nun einige Jahre her – dürften dem damaligen Kanzler, seinen Freunden jenseits und seinen Untergebenen diesseits der deutsch-französischen Grenze ebenso „blühende Landschaften“ vorgeschwebt sein wie seinerzeit, als Kohl dieselben für die Ex-DDR prophezeit hat. Wie schön es in den Mittelmeerländern, in Portugal und im schon vor Jahren zurechtgefütterten Irland in den jeweiligen Staatskassen „blühte“, war offenbar drittrangig hinter dem – zweifellos ehrenhaften – Projekt eines ökonomisch und vielleicht bald auch politisch vereinigten Europa, von dem Kohls Vorgänger bisher nur zu träumen wagten. Kohl hat nicht geträumt, sondern realisiert. Wie seinerzeit nach dem Mauerfall: Wie viele Milliarden bzw. Billionen DM haben Abriss und Wiederaufbau der Ex-DDR gekostet? – Übertragen Sie das mal in die Euro(pa)-Dimension, bevor Sie sich wieder einmal eine italienische Opernaufführung gönnen!

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