Tag Archives: Euro-Krise

Hallelujah – ein Gipfel-Wunder?

Nein. Reinhold Messner hat keinen neuen Gipfel erstbestiegen. Braucht er nicht, denn er hat sie bereits alles in seiner Siegeschronik, was höher ist als achttausend Meter. Es geht um den ebenerdigen Gipfel, der die Euro-Politiker am Wochenende zusammenführen wird, um wieder einmal an Lösungsversuchen für die Rettung der jungen Währung herumzuwerkeln. Unsere Kanzlerin, als sture Besenfrau mit schwäbischer Assistenz in der europäischen Presse geoutet, erhielt heute eine wunderbare Unterstützung aus den USA: Was die Rating-Agentur Standard & Poor’s den Euro-Ländern gestern androhte, gibt den Intentionen Angela Merkels die besten Argumente gegenüber den anderen Staatschefs. Angst ist im Spiel, auch wenn in Deutschland noch so getan wird, als könne „uns“ nichts passieren. Weil Deutschland ja immer noch unter den Allerbesten unter den Schuldenmachern und Kreditrückzahlern gilt. Angeblich. Was Herr Professor Sinn vom Ifo-Institut München vor kurzem prophezeite und noch am selben Tag widerrief, als sei er zurückgepfiffen worden, wird immer deutlicher: Die Erwartungen deutscher Großfirmen für 2012 verdunkeln sich. Die Metro, einer der größten Globalkonzerne, gehört zu den ersten, die (heute) ihre nicht sehr rosigen Aussichten öffentlich gemacht haben.
Wer Alan Greenspans öffentliche Memoiren gelesen hat, mag erahnen, was im internationalen Finanzgetriebe an Manipulationen möglich ist. Nobelpreisträger Paul Krugman, USA, bezeichnete den früheren US-Notenbankchef als „Hauptverantwortlichen“ der großen Finanzkrise von 2008 ff.
Der Gedanke liegt nicht fern, dass jetzt ein Merkelscher Schutzengel bei Standard & Poor’s einen Warnschuss zugunsten der deutschen Kanzlerin inszeniert hat, damit deren Strategie von den bisher unfolgsamen Schulden-Gipflern folgsam geschluckt wird.

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Wenn’s ernst wird, muss man lügen!

Von h-p. – Halten Sie es auch mit dem Grundsatz: „Wenn es ernst wird, muss man lügen“? – Dieser Satz stammt von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Er fiel im April 2011 und bezog sich auf Aussagen einiger deutscher Politiker zur Euro-Krise. Den Satz hätte es allerdings nicht gebraucht. Diese Junckerschen Ratschlag befolgten Politiker auch ohne Aufforderung. „Bislang haben sie jede einzelne ihrer beschwichtigenden Zusagen im Zusammenhang mit der Griechen-Pleite gebrochen“, schrieb sogar die österreichische Kronenzeitung, im Vergleich zu BILD minimalformatig, aber sonst nicht unähnlich. Österreichisch halt.

Den Anfang der von Juncker aus aktuellen Gründen angeratenen Methode befolgte unsere Bundesmutter Merkel im Frühjahr. Damals war die dramatische Situation der griechischen Staatsverschuldung längst bekannt. Angela M. behauptete jedoch, dass das Land sich zwar in Schwierigkeiten befinde, aber nicht pleite sei. Der klamme Staat könne sich ohne Hilfe retten. Was sagte sie noch? Ach ja: „Es geht, das will ich ausdrücklich sagen, nicht um Hilfsmaßnahmen. Ich glaube, es gibt keine Alternative dazu, dass Griechenland seine Hausaufgaben macht.“ Der griechische Premier G.  Papandreou nickte und versicherte damals: „Griechenland will keinen Cent von den deutschen Steuerzahlern.“ Wenn’s so bleibt, soll’s uns Recht sein.“

Der Herr Juncker ist mittlerweile nicht mehr so oft in den Medien. Dafür knallen uns allerlei inländische Experten die Rübe voll. So mancher Univ.-Prof. aus der Provinz darf seinen Senf abgeben in den „Morgen-„, „Mittags-“ und sonstigen Magazinen. Und wenn sonst nichts passiert in den Mittelmehrländern, erfahren wir mehrmals täglich, dass sich in Griechenland ebenso wie in Italien die frisch ernannten Regierungsbildnern Experten zusammensuchen, während hinter ihrem Rücken die Großkapitalisten ihre Millionen im Heimatland des Henri Dunant bunkern. Den zweiten Teil dieses Satzes vernimmt  mal allerdings sehr selten.

 

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Blühende Landschaften – weltweit

Erinnern Sie sich an Helmut Kohls grandiosen Spruch über die „blühenden“ Landschaften der Ex-DDR? – Offenbar hatten er und sein Freund Mitterand ähnliche Euro(pa)-Träume… (von Aaron Rosenblattl)

Fallende Börsenkurse und Fußball sind die Themen der Saison. Kein Tag ohne Gejammer, Horrorvisionen und offene, hinterhältige bis gemeingefährliche Angstmeldungen. Die tägliche Bandbreite in sämtlichen Medien reicht von nüchternen Berichten bis zu Kommentaren selbst ernannter Propheten. Das Fernsehen tut so, als wären wir alle Aktionäre mit nennenswerten Aktienpaketen mit derzeit krank machenden Schlafstörungen und Wecker-Einstellungen zu den Öffnungszeiten asiatischer Börsen, die uns mit ihren „Eröffnungskursen“ mitten in der Nacht zum Betablocker greifen lassen, falls vorhanden. Tief bedrückt schleichen wir also ins Bad, zum Frühstück, zur Arbeit. Dort klicken wir uns diesmal nicht in irgend welche Pornoseiten, sondern auf die inländischen Kursangaben. Den Kollegen gegenüber hassen wir, denn er lacht hinterfotzig über uns, da er sich zur Jahrhundertwende rechtzeitig mit einigen Kilogramm Gold und einer Pilotentasche voller Kruger Rand- oder Wiener-Philharmoniker-Goldmünzen eingedeckt hat und nun happy sein kann inmitten zitternder Aktionärskollegen.

Auf hohem Niveau zu jammern, jede Talkshow mit Warnern wie Olaf Henkel auf dem Recorder zu speichern, sind wir hierzulande gewohnt. Auch wenn es darum geht, über andere, vornehmlich ausländische Regierungen und deren Volk zu lästern („Haben wir ja immer schon gewusst, wie es die Griechen, die Römer, die Spanier  und andere machen..!“), sind wir kompetente, wissende Wisser und Wisserinnen.

So, aber jetzt vergessen wir mal unsere eigenen Aktienpakete und die wahrscheinlich oder sicher sinkenden Dividenden auf den jeweiligen Hauptversammlungen und lassen mal die Hosen runter: Wer hat denn Aktien? – Wenn man den Extra-Kurzsendungen vor den Abendnachrichten glauben darf, dann muss es die Mehrheit der Bevölkerung sein. Ich denke, diejenigen, die Aktienpakete besitzen, haben ohnehin ihre eigenen Medien oder Stand-by-Berater und Finanzanalysten, aber doch nicht die Mehrheit etwa der Tagesschau-Seher. Zur Reizung meiner Gallenblase reichen mir – vor den Abendnachrichten – die meines Erachtens überflüssigen Wetterfrösche und -fröschinnen, die zuerst erzählen, wie der zu Ende gehende Tag wirklich oder angeblich war oder gewesen sein soll. Überflüssig. Und wenn diese sicherlich nicht schlecht honorierten TV-Meteorologen das Wetter des nächsten Tages voraussagen, dann werden locker-flockig Temperaturspannen eingeblendet, großzügigerweise zw. 18 und 30 Grad Celsius; aber wenn es schon den 28. Tag hintereinander schwül ist, ob warm-schwül oder kühl-schwül, dann fällt darüber kein Wort. Obwohl man – u.U. am eigenen Leib weiß, dass es nicht der Celsius ist, der uns plagt, sondern die Luftfeuchtigkeit. Hier sollte seitens der Sender, ob Radio oder TV, etwas präziser berichtet werden als bei den Aktienkursen, die sich ohnehin nicht so genau voraussagen lassen wie das Wetter. Meinen Sie nicht?

Doch zurück  zum Titel: Als die europäische Währungsunion mit dem Euro geschaffen wurde – das ist nun einige Jahre her – dürften dem damaligen Kanzler, seinen Freunden jenseits und seinen Untergebenen diesseits der deutsch-französischen Grenze ebenso „blühende Landschaften“ vorgeschwebt sein wie seinerzeit, als Kohl dieselben für die Ex-DDR prophezeit hat. Wie schön es in den Mittelmeerländern, in Portugal und im schon vor Jahren zurechtgefütterten Irland in den jeweiligen Staatskassen „blühte“, war offenbar drittrangig hinter dem – zweifellos ehrenhaften – Projekt eines ökonomisch und vielleicht bald auch politisch vereinigten Europa, von dem Kohls Vorgänger bisher nur zu träumen wagten. Kohl hat nicht geträumt, sondern realisiert. Wie seinerzeit nach dem Mauerfall: Wie viele Milliarden bzw. Billionen DM haben Abriss und Wiederaufbau der Ex-DDR gekostet? – Übertragen Sie das mal in die Euro(pa)-Dimension, bevor Sie sich wieder einmal eine italienische Opernaufführung gönnen!

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Mein schwüler Berliner Morgen

Aktuelle Betrachtungen über Radio, Wetteransagen und Griechenland (von Aaron Rosenblattl)

Bisher: Aufwachen, Haxenschlenkern, auf dem Rücken liegend radeln (anders geht’s eh nicht), damit der Kreislauf in Gang kommt. Danach Toilettengang und Katzenwäsche, Frühstück machen, Radio an. Danach vorm Zähneputzen zwei Gedichte lesen (Hölderlin nicht bei morgenschwülem Wetter!), vom Radio auf CD umschalten (Vorsicht: von Mahler nur den 1. Satz des „Titan“, besser: Schuberts Sechste gesamt), nach einer Halbstunde Balkonbesuch, Erste Zigarette, danach an den PC. Als Rentner ohne Zeitdruck durchaus frohgestimmt. Überlegung, wie rasch sich die Bundesmutter physiognomisch zu einer jüngeren Schwester der Witwe Bolte entwickelt. Je ein Max und Moritz aus ihrem Umfeld wird täglich in den Medien zermahlen, nur selten endgültig.

Wetterbericht: Obwohl es sehr schwül werden wird, heißt es nur „sonnig, nach Mittag ziehen Wolken auf, Temperatur zwischen 21 und 28 Grad“. Senderwechsel: Vom Witwenprogramm Klassikradio rasch zu „Berlin Info“ des rbb umschalten. Hochinteressant: Jede zweite Straßenbaustelle wird halbstundenweise vorgelesen, auch wenn nur eine von zwei Spuren vorübergehend gesperrt ist. Der rbb hat Verständnis angesichts der Minderqualität der Fahrkunst hiesiger Eingeborener. Es fällt das Reizwort „Guttenberg“, diesmal ohne das „zu“, anschließend Geplänkel ad Griechenland:

Rosenkranzartiges Rauf- und Runterbeten der Problematik: Raus aus dem Euro-Raum oder nicht – incl. Folgen und was die wenigen Alternativen seitens der EU bringen würden. Wie immer ohne Hintergründe, ohne Darstellung der Ursachen des mediterranen Dilemmas. Kein Wort darüber, dass in G. die grundsätzlich sympathischen Menschen seit Jahrzehnten in pekunärer Hinsicht über ihre Verhältnisse leben, daß dies- und jenseits des Olymp Verhältnisse u.a. im Sozial-, Gesundheits- und Steuerwesen herrschen, die wir uns hierzulande nicht vorstellen können.

Ich gönne jedem der vielen echten und versteckten Arbeitslosen in G. seine Eigentumswohnung; einem Krankenhausboss und Chefarzt gönne ich jedoch nicht, dass es/er gewohntermaßen reichlich Bakschisch zu nehmen pflegt undundund.

Erst der sogenannten Finanzkrise ist die Aufklärung zu verdanken, dass vor allem die Bankgeschäfte (auf Teufel komm raus!) zwischen französischen, deutschen und griechischen „Instituten“ die aktuell sichtbare finanzielle Notlage verursacht haben. Das wird in den 15-Sekunden-Nachrichten-Häppchen natürlich nicht erwähnt; auch auf ein evtl. aufklärendes Feature in der ARD oder im (m.E. überflüssigen) ZDF wird nicht hingewiesen, weil in nächster Zeit keines geben wird. Denn: Wen interessiert es schon? – Blöd bleiben und von Frau Nebel, Herrn Silbereisen, dem Moik-Nachfolger etc. eingeschläfert zu werden, ist hinsichtlich der Rezeptur für bleibende Volkszufriedenheit viel nützlicher.

Schalte auf benachbarte Sender um: Pop, Schlagerkitsch, Werbung (primiv und unintellent) und – zwischendurch wieder: „Das Wetter“. Kein Hinweis auf die Schwüle, die mittlerweile erdrückend wird. Ich brauche ein paar Schluck unschuldigen Berliner Kaltwassers, bevor ich mich unter die gütigen Straßenbäume begebe. Mittlerweile zeigen sich die ersten wasserschweren Wolken am Horizont. Drei Rettungswagen der Berliner Feuerwehr innerhalb von fünf Minuten.

P.S. Der Frau Bundesmutter wünsche ich eine gut funktionoierende Klimaanlage in ihrem Glaspalast.

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