Tag Archives: Es liegt noch Gold im Halensee

„Die deutschen Juden-Vertreter schaden ihren Mitgliedern!“

(gj) Als Autor der Schwulen-Biografie „Es liegt noch Gold im Halensee“ (2011) musste ich mich bei Lesungen in Basel, Berlin und Graz als „Antisemit“ anstänkern lassen. Der Grund: Im Buch lasse ich den im Jahr 2000 verstorbenen Professor Alphons Silbermann in einem Kamingespräch mit der betagten Jüdin Lisa das „Juden-Gen“ durchdeklinieren – aus meiner Sicht sanft und nach folgendem Motto: Jede Minderheit, noch dazu eine stets verfolgte, bemüht sich, durch besonderen Fleiß und Talent und auch durch materielle Sicherung ihres Nachwuchses und dessen Wohlergehen (Bildung etc.) gegenüber eventuellen Anfeindungen jeweiliger Mehrheiten zu behaupten, soweit es ihr möglich ist. Das gilt für alle Minderheiten, soweit sie „seßhaft“ sind und es auch bleiben wollen. Als Autor habe ich nichts an der Grundaussage Silbermanns verzerrt. Seine Werke schätze ich nach wie vor und würde – wegen der gegenwärtigen Dispute über den Schutz blutiger Rituale aus Gründen der Religionszugehörigkeit – vornehmlich deutschen Juden (oder: jüdischen Deutschen) Silbermanns Biografie herzlich empfehlen. Es wird nämlich Zeit festzustellen, und das gilt nicht nur für die NS-belastete deutsche Bevölkerung mit Hirn,

…dass gerade in Deutschland zum Schutz des Judentums nicht nur von staatswegen so viel Positives getan wird wie für keine zweite Minderheit;

…dass Leistungen jüdischer Kreativer aller Arten z.B. in den Medien engagierter gewürdigt und gefördert werden als Leistungen anderer;

…dass jahrhundertelang gesellschaftlich gepflegter und genährter Neid auf reiche Juden, nicht nur auf Bänker, relativiert wurde und heute, nicht nur wegen der allüberall verbreiteten Gier nach Geld und Einfluss, der Fokus zumindest bei uns nicht mehr ausschließlich auf „jüdisches Gebaren“ gerichtet ist. Der frühere „Finanzzjude“ der Nazi-Hetze existiert nicht mehr.

Fazit: Die Tatsache, dass die Beschneidung hilfloser männlicher Säuglinge hierzulande nur mehr durch Ärzte vorgenommen werden darf, sollte von jüdischen Funktionären und Funktionärinnen nicht weiter als „Untergang des jüdischen Lebens in Deutschland“ dramatisiert werden. Die Opferrolle sollte langsam, aber sicher von der gesellschaftlichen Bühne abtreten. Unter jenen jüdischen Freunden und Bekannten, mit denen unser Verlag in den letzten Wochen Kontakt hatten und haben, wird die Meinung von Dr. S. Bamberger mehrheitlich geteilt: „Die deutschen Juden-Vertreter schaden ihren Mitgliedern!“

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Doping: Lasst Ullrich in Ruhe, ihr scheinheiligen Heuchler!

(hp) Der Anti-Wulff-Virus ist ansteckend, wie sich in den letzten Tagen zeigt. Vornehmlich in gewissen Redaktionen des inländischen Mediengewerbes ist er virulent. Jüngstes Beispiel ist der Schnellradler Ullrich, der Nette. Der Schweiger, der für die sensationsgeile yellow press seinen rennstrapazierten Hintern noch nie nackt in ein Kamera-Objektiv gehalten und noch nie in Unterhose von einer Litfasssäule geleuchtet hat. Mit Eufemiano Fuentes, dem spanischen Doping-Spezialisten, habe er Kontakt gehabt etc.etc. Mehr gibt er nicht zu, der Ullrich, und das wird heftig bekrittelt. Dabei ist der „Fall“ des seinerzeit gut honorierten Tour-de-France-Siegers  eine Nebensächlichkeit im Vergleich zum Doping der Stürmer des Teams der Deutschen Fußballmannschaft, die anno 1954 in Bern  den Siegerkranz erkämpfte. Der Spielfilm „Das Wunder von Bern“ rührte Tausende zu Tränen. Erinnern Sie sich?

Der Schweizer Chemiker Dr. Axel N., den unser Autor Gerd Joachim in seiner Romanbiografie „Es liegt noch Gold im Halensee“ sprechen lässt, deckt das Doping der 1954er Helden auf. Nach Erscheinen des Buches im Sommer 2011 lieferte Axel auch den schriftlichen Beweis: einen versiegelten Brief, zu öffnen zehn Jahre nach dem Tod des Briefschreibers. Da diese Frist im Oktober 2011 abgelaufen war, haben wir das Dokument in unser Bankschließfach gelegt. Über die sechs  500 Gramm schweren Goldbarren, die als Erfolgsprämie in der Romanbiografie (Seite 321) ausgelobt sind.

Um dem mittlerweile 80 Jahre alt gewordenen Fußballstar Horst Eckel (Bundesverdienstkreuz 2004), Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung und seit Jahren gegen Rassismus aktiv, seinen Geburtstag nicht durch lästige Schlagzeilen zu verderben, gaben wir den Brief nicht an externe Stellen weiter. Hauptgrund: Die vom Mannschaftsarzt der deutschen Nationalmannschaft, Dr. Loogen, mit dem damals neuen Hormonpräparat Proviron (Testosteron in öliger Lösung) gedopten Stürmer, die hinter dem Tresen der Bar des Spiezer Mannschaftshotels „Bellevue“ ihre Spritze empfingen, habe es nicht verdient, an den Pranger gestellt zu werden. Staatstragend also, unsere Gründe.

Auch seine bevorstehende Lesung aus dem „Halensee“-Buch im Berlin-Schöneberger Café Berio (Dienstag, 1. März 2012, 19.00 Uhr, Eintritt frei) wird unser Autor nicht zum Anlass nehmen, näher auf das Doping-Thema einzugehen. Wen’s interessiert, der kann das Buch ja kaufen (über jede Buchhandlung und auich bei amazon.de).

P.S. Reiner Zufall, dass das Berliner „Bellevue“, Sitz des Bundespräsidenten, nur 20 Gehminuten vom Café entfernt liegt – für gedopte Schnellradler sind das wohl nur 4 Minuten, falls die Ampeln auf Grün stehen.

 

Einladungskarte

Willkommen zur Lesung im Café Berio am 6. März 2012

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Unauffindbar: toter Veitstänzer aus Kalwang

Wenn unsere Jutta, die sich kürzlich vom Liesingtal (Standort Kammern) in das jenseits des Schoberpasses gelegene Städtchen Rottenmann verzogen hat, immer noch mit Themen und Personen kommt, die Carl im Roman „Es liegt noch Gold im Halensee“ nur angedeutet hat, kann das nerven. Juttas Lob der Forellen, die abseits der Phyrnautobahn in bzw. bei Kalwang gezüchtet und verkauft werden und vorzüglich munden, haben wir gern zur Kenntnis genommen. Doch der Frage nachzugehen, ob ein geheimnisumwobener Mann aus Kalwang tatsächlich am heute seltener gewordenen Veitstanz gelitten habe, ist uns etwas zu viel des Guten. Unsere Portokasse kann Auslandsgespräche nicht verkraften. Viel eher interessiert uns, was aus den „drei Waisen aus dem Morgenland“ geworden ist, die bei einem fürchterlichen Autounfall auf der seinerzeitigen „Gastarbeiterroute“ bei Kalwang ihre Eltern verloren.

Ayse war damals zwei Jahre alt, Kemal vier und das jüngste Geschwisterchen, Jesar, ganze acht Monate. Die Oberschwester Josefine vom Unfallkrankenhaus versuchte dem Grazer Pressefotografen ein freundliches Gesicht zu zeigen und auf berührende Weise die Tragik der Situation zu kaschieren. Die beiden größeren Kinder hingen an ihrer Kittelfalte. An ihren Gesichtchen war zu erkennen, dass sie das schreckliche Erlebnis eigentlich noch gar nicht mitbekommen hatten.

Die Verkehrstoten der Todesstrecke waren größtenteils jugoslawische und türkische Gastarbeiter, die sich direkt nach Schichtschluss in Köln, Dortmund und anderswo ins voll beladene Auto setzten und samt Familie ohne unterwegs zu pausieren oder zu übernachten, auf die lange Reise Richtung Balkan gemacht hatten. Experten berechneten, dass der Tiefpunkt ihrer körperlichen Fitness in der Gegend des Schoberpasses eintrat. In Carls Notizen, die Gerd Joachim für die oben erwähnte Romanbiografie verwendete, finden sich zwar keine Hinweise auf die Waisenkinder, jedoch auf einen Hans aus Kalwang, dessen Bruder Gendarm war  und stets ausrücken musste, wenn sich, wie so häufig, Unfälle auf der alten „Schoberpass-Bundesstraße“ ereignet hatten. Erst als es auf der gefährlichen Bundesstraße nachts seinen erzählfreudigen Bruder traf, der unter dem so genannten Veitstanz litt, soll bei den Provinzpolitikern, die für das Betteln in Graz und Wien um den Bau einer Schnellstraße (heute „Phyrn-Autobahn“) zuständig waren, ein Aktivitätsschub ausgelöst worden sein:

Bei Carl und seinem Autor Gerd Joachim blieben einige Fragen offen, nachdem der tödlich verunfallte „Veitstänzer“ nicht mehr für ein zweites Interview zur Verfügung stand. Laut Carls Notizzettel 412-1 sollte es um unlesbar gewordene „Hand-Aufzeichnungen/Dom.-Kloster L.“ gehen. Jutta konnte vor Ort leider nicht recherchieren, weil sich die von ihr befragten Kalwanger nicht mehr erinnerten oder erinnern wollten.

Immerhin hatte es entlang der Strecke nicht nur jugoslawische und türkische „Fremdarbeiter“ getroffen, sondern auch Einheimische. Heute braust man an Kalwang, Ehrnau und Mautern vorbei und schont die Intensivbetten des modernen Unfallkrankenhauses.

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Bravo, Holzapfel!

(Jutta) Wieder mal rbb: Im Berlin-brandenburgischen Rundfunk mag es, je nach Ressorts in unterschiedlicher Zusammensetzung, etliche zweibeinige Friedhofsgärtnereien und Mostbirnen geben, darunter verhinderte Lehrer, nicht examinierte Rabbinerinnen und dergleichen -, mit dem Klassik-für-Kinder-Moderator Stephan Holzapfel und seiner Redaktion bin ich zunehmend zufrieden. Da ist Unterhaltung, Bildung und vor allem ansteckende Begeisterung im Spiel – pädagogisch wohlsortiert und ausgewogen portioniert. Jüngstes Beispiel: die Sendung mit dem „Flohwalzer“ am heutigen  Neujahrstag. Abgesehen von der faszinierenden Aufdeckung der Tatsache, dass der allgemein bekannte Flohwalzer rhythmisch ein Marsch ist, war da noch eine Atmosphäre im Spiel, die einem das Aufwachen leicht machte. Machen Sie weiter so, Herr Holzapfel. An die eine oder andere Ihrer hübschen Formulierungen werden sich die heute keimenden  Bildungsbürger von morgen noch gern erinnern.

P.S. Ob die rhetorischen Darbietungen des rbb-Kulturradio-Moderators Marek Kalina, die stets mit pädagogischem Sendungsbewusstsein an das Hörervolk herangetragen werden als wäre er auf der Flucht, Routine oder echtes Engagement ist, sei hier nicht das Thema. Es ergibt sich nur die Pflicht auf folgenden Hinweis des Verlages:  Der sympathische schwule „Marek“ aus Gerd Joachims Romanbiografie „Es liegt noch Gold im Halensee“ ist nicht jener Marek vom rbb Kulturradio und mit ihm auch nicht verwandt oder verschwägert, sondern knapp doppelt so alt wie Kalina und Rentier in seinem von Carl kreditlos gestifteten Eigenheim an der Ostsee. Dies zur Klärung einer Frage, die anlässlich einer Autorenlesung am „Unschuldigen-Kinder-Tag“ (28.12.2011) in Charlottenburg von einer begeisterten Kulturradio-Hörerin gestellt wurde.

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„Halensee“-Behauptungen bewiesen!

(gj) Danke, Jutta! Aus Kalwang kam deine Quelle zum Thema „Militärgerichtsprozesse in Graz“, vor denen der SS-Obere, den ich zum Schutz seiner Kinder und Enkel in meinem Buch nur Sepp nenne, nach Argentinien floh und Carl, „meiner Hauptperson“, damit auch dessen Emigration ermöglichte. Der gewissenhafte Historiker Dr. Heimo Halbrainer, der – quasi als Stipendiat der Elfriede-Jelinek-Stiftung (Uni Wien) – vor einigen Jahren mit der Aufarbeiten resp. Aufdeckung der lange Zeit vertuschten SS-Verbrechen anlässlich des Todesmarsches ungarischer Juden in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges, der quer durch die Obersteiermark vorbei an Hieflau an der Enns Richtung KZ Mauthausen führte, begonnen hatte, zitiert in einem seiner Aufsätze aus dem „Obersteirischen Tagblatt“ und nennt auch die Vorgehensweise der britischen (Besatzungs-)Militärgerichtsbarkeit, welcher der Sepp entfloh. Zitat:

Nachdem Anfang November 1945 das War Office in London und die Legal Division in Wien über die Entdeckung der Leichen des Massakers in Eisenerz informiert worden waren und dabei die vermutete Opferzahl mit 7.000 angegeben wurde, entschied Lord Schuster, der Direktor der Legal Divison in Österreich, diesen Fall trotz gegenteiliger Ansicht der führenden Beamten der Interna1 Affair Division und des Hochkornmissars einem Military Government Court zu übertragen. Damit waren die Briten die einzige Besatzungsmacht in Österreich, die in ihrer Zone die Verfahren wegen Verbrechen an ungarischen Juden – die ja keine Verbrechen gegen Angehörige der Alliierten waren und deshalb von den Briten als „Atrocities“ (Gräueltaten) bezeichnet wurden – vorerst vor ihren Gerichten führten und diese Verbrechen nicht, wie in den anderen Zonen, von österreichischen Volksgerichten führen ließen. Ein Grund dafür dürfte auch gewesen sein, dass die Briten wegen zum Teil organisatorischer Gründe bezweifelten, dass die österreichischen Gerichte in der Lage wären, derart große und schwierige Verfahren gut abzuwickeln. Außerdem fürchteten sie, die Verwicklung sehr vieler Einheimischer in diese Verbrechen, die mit schwersten Strafen zu rechnen hatten, könnte die österreichische Justiz beeinflussen.

Jutta, unsere freie Verlagskorrespondentin aus Kalwang im Liesingtal, koordiniert übrigens die derzeit vier Detektive, die sich zwecks Gewinnung der als Finderlohn ausgeschriebenen drei Ein-Kilo-Goldbarren auf die Suche nach vergleichsweise uralten Quellen, die das Leben und Wirken des „Nostradam‘ von Ranten“ aufdecken, gemacht haben. Nach unserem heutigen Wissensstand wurden insgesamt erst acht Pfarrämter in den politischen Bezirken Murau, Judenburg und Knittelfeld besucht. Den dortigen Pfarrern bzw. Pfarrgemeindeschwestern sei hiermit für Ihre Bereitschaft, Einblick nehmen zu lassen in Tauf- und Sterbebücher, herzlich gedankt!

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Zu wenig Männer-Sex im „Halensee“?

(hp.eis) Weshalb hat Gerd Joachim in seinem „Halensee„, der Biografie eines Neu-Berliner Schwulen, seinen Ghostwriter in Sachen Schwulensex derart knapp gehalten und statt dessen Berichte über die Reisen seines Carl breit ausgewalzt? – Mehr Männersex hätte in Buchhandlungen, die Schwulenliteratur verkaufen, mehr Erfolg gebracht. Und weshalb musste er ausgerechnet den offen schwul lebenden Professor Alphons Silberman über das Juden-Gen philosophieren lassen? Hätte Joachim nicht besser über das Schwulen-Gen referieren sollen, anstatt den Doping-Skandal in der deutschen Fußballmannschaft von 1954 aufzudecken und damit das „Wunder von Bern“ zerreißen? – Derlei Fragen stellen sich in den letzten Wochen immer häufiger bei und nach Lesungen. Kritischen Frauen gefällt die Mischung vergleichsweise besser, auch den jungen unter den Leserinnen. Besonders die Schilderung des Freundestodes in den Armen des verzweifelten Lovers sei ebenso erschreckend wie einfühlsam gelungen.

Halensee in der Wintersonne

Halensee in der Wintersonne

Aus der (österreichischen) Obersteiermark, in der die rätselhafte Person des Nostradam‘ von Ranten (bei Murau) – für Original-Nachweise sind von unserem Verlag immerhin bis 2015 drei Kilogramm reines Gold ausgesetzt! – traf vorgestern ein Brief mit folgenden Textzeilen ein: „In drei kath. Pfarrämtern des Bezirkes musste ich mir sagen lassen, dass kein Taufbuch und auch kein Sterbebuch aus der fraglichen Zeit erhalten ist. Standesämter hat es damals nicht gegeben. Wie also soll ich meine Suche fortsetzen?“ – Das Dominikanerkloster Leoben, das vom Nostradam‘ wegen unchristlicher Härte der Klosterbrüder verflucht wurde und 1813 wie prophezeit teilweise abbrannte, ist heute ein modernes Einkaufszentrum.

Nun ja, meinte Autor Gerd Joachim gestern beim Verlagsbesuch, drei Kilo Gold lägen nicht auf der Straße. – Bleibt also nur, Herrn Schrittwieser zu raten, die Suche auf andere Orte auszuweiten. Jedenfalls viel Glück in die winterliche Steiermark, wo man in den katholischen Kreisen Schwule immer noch als „warme Brüder“ bezeichnet und das nicht nur am Stammtisch beim Kirchenwirt.

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Es liegt noch Gold im Halensee

 

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Uschis Memorial im Einstein: Koks im Dollarschein

Eine Line für Uschi, eine für Toni, eine für Gerd: Im ältesten der Einstein-Cafés in der Berliner Kurfürstenstraße saßen wir gestern zu fünft und gedachten der leider nicht mehr unter den Lebenden weilenden Uschi aus der Steiermark, die Ende der 1970er Jahre in der ehemaligen Villa des Stummfilmstars Henny Porten, die heute nur mehr Kulturbürger kennen, das Kaffeehaus eröffnete. Am Vorabend des steirischen Feiertages „Mariae Unbefleckte Empfängnis“ gedachte unsere Runde der reschen Uschi Bachauer, unserer ersten Kokainparty und der Entstungsgeschichte  von Gerd Joachims „Es liegt noch Gold im Halensee„, das in diesem Frühjahr in unserem Verlag Kalwang & Eis erschienen ist. Nicht aus Gründen der Sucht, sondern aus reiner Nostalgie, wurde im Souterrain je eine Linie Kokain gezogen, stilgerecht in einem bankfrischen Zehn-Dollar-Schein. Schniff und aus. Uschi soll leben! Hat mir gar nicht gut getan, gestehe ich. 1979 war’s anders. Da wurde ein Privatraum im Untergeschoß aufgesperrt.

EINSTEIN - das Stammhaus

Café EINSTEIN, das Stammhaus

Simon & Garfunkel sangen „Bridge over troubled water“, die Sonne war im Untergehen, und der PR-Mann und spätere Autor des Buches „Es liegt noch Gold im Halensee“ verfasste für die Chefin ein Ansuchen an den damaligen Berliner Kultursenator Hassemer. Es ging um einen finanziellen Zuschuss für den Bau eines Podiums im Sitzgarten. Das Podium wurde gebaut. Und der Steinway-Flügel im großen Gastraum wurde gestimmt. 1980 lieferte dort, behängt mit einer steirischen Ziehharmonika an der Klavierbank, Gerd Joachim, der Buchautor, politisch-literarisches Kabarett: „Von die Mörda und die Hausmaster“. Als neuer Pressereferent einer bekannten  Berliner Großfirma nannte er sich Franz-Josef Grinzinger und gab sich in einem Artikel der Berliner „Mottenpost“ als gefeuerter Wiener Geografieprofessor aus.

Seltsamerweise saß auch eine Art Staatspolizist im Saal, weil sich eine der angekündigten Kabarettnummern über den damaligen Berliner Innensenator Heinrich Lummer, den die Hausbesetzer fürchteten, lustig machte. Der Stapo-Mann hatte keinen Grund für ein amtliches Handeln. Uschi war happy. Das Einstein war voll. Die Autogrammkarten waren im Nu weg. Nur eine minderjährige Emanze erregte sich nachträglich ganz fürchterlich über Grinzingers Couplet „Die Stellung des Weibes im alten Prag“. Zum Schampus um Mitternacht gab es noch die eine oder andere Prise. Das waren noch Zeiten.

Uschi ist tot. Auch Toni, der alles eingefädelt hatte, lebt schon lange nicht mehr. Gerds Romanheld, der an diesem Abend auch zugegen war, ist seit 2009 im Himmel. Aber das Stammhaus Einstein gibt es immer noch. Und rings im Lande wuchsen Einstein-Cafés aus dem Boden. Der Tafelspitz soll meistens sehr zart sein, wahrscheinlich weil er von Jungochsen stammt, und der Kaffee schmeckt. Nur: In der Mischkulanz des heutigen Publikums fühlt sich jemand, der die „alte“ Kaffeehausgemütlichkeit liebte und genoss, nicht mehr so wohl.

Ich selber bevorzuge neuerdings das meiner Wohnung fünf Gehminuten näher gelegene Café Berio in der Maaßenstraße am Winterfeldtplatz. Hier hat sich einiges geändert, was dem Lokal zum Vorteil gereicht: immer noch ein Treff für Schwule und Lesben, aber auch für Leute, die – in Ermangelung einer Kaffeehauskultur à la Wien (neuerdings Weltkulturerbe!) – auch in Berlin ihren Kaffee „nicht zu Hause, aber daheim“ zu genießen wünschen. – Hans-Peter Eis

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Die Morgenhure Anna ist alt geworden…

C. Ribbe, Berlin. – Die Anna aus Bratislava ist wieder da. Vor gut 30 Jahren gehörte die geschmeidige Prostituierte zu den Stammgästen einer Kneipe Potsdamer-/Ecke Pohlstraße in Berlin-Schöneberg. Unter ihresgleichen war Anna, die damals ganz anders hieß, die Schönste und auch die Klügste. Bei Laszlo, der die heute noch existierende Atelierwohnung in der Pohlstraße bewohnte (was Gerd Joachim in seinem Buch „Es liegt noch Gold im Halensee“  beschrieben hat), versteckte sich die junge Anna vor einem ihrer Zuhälter, der darunter zu leiden pflegte, nicht mehr als sechs Flaschen Bier zu vertragen, ohne anschließend mörderische Gewalttätigkeiten bis hin zum Wangenaufschlitzen seiner „Pferdchen“ zu entwickeln.

Anna aus Bratislava

Anna aus Bratislava

Anna hat keine Narben im Gesicht. Doch die Jahre gingen an ihr nicht spurlos vorbei. Nun steht sie also wieder in der Kurfürstenstraße, ihrer stets sommerlichen Aufmachung wegen nicht unbedingt unauffällig. Weder ihr vorwinterliches Dekolleté noch die Länge ihres Röckchens sind jugendfrei, aber in Berlin ist man bekanntlich tolerant gegenüber Ausländerinnen. Auf meine Frage, weshalb sie bereits am späten Vormittag „anschaffe“, sagte sie mir vertraulich, ihre polnischen und ukrainischen Kolleginnen würden auf ihre Stammplätze ungern verzichten. Ausserdem sei der Kundenandrang nicht mehr so groß wie in den guten Jahren, als noch die Mauer stand. Dass Laczlo schon lange tot sei und nun auf ihrem Heimatfriedhof in Bratislava als „Dr. Laszlo Fekete“ vermodere, tue ihr leid, aber: „Noja, hat er’s hinter sich. I mecht kein‘ Stein iber mir; a paar Grasbischl mechtn gnug sein fir mir als Hur‘.“

Bei Woolworth kaufe ich ihr für alle Fälle einen Poncho zur Vermeidung einer Lungenentzündung. Ihre Raucherbronchitis hat sie im Griff, denke ich und betrachte nostalgisch die Atelierwohnung um die Ecke. Schade, dass der Joachim in seiner Romanbiografie dem Treiben in diesem Berliner Kiez relativ wenig Platz gewidmet hat, wo sich doch hier weit mehr abspielt als im gutbürgerlichen Halensee-Viertel..

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Der jugendfreie Umschlag ist unserem Verlag offensichtlich zu brav geraten. Kein Neukunde dürfte vermuten, dass es sich um ein skurriles Leben handelt, das hier beschrieben wird. Es sei denn, er informiert sich auf unserer Verlages-Plattform...

 

 

 

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An einem Vormittag im Sommer

Mein Tagebuch sträubt sich vor Wut – Aber alles ist gut – Erschreckende Gefälligkeiten im Buchladen – Hat A. Merkel ihren Bauch verloren? – Blöd sein hält warm! (von Aaron Rosenblattl)

War wieder mal in einem edlen Berliner Buchladen. Nach drei Minuten sträubt sich mein Restgefieder. Was da alles als „Bestseller“ aufliegt! Eine Wilmersdorfer Witwe pirscht sich an: Ob ich ein BILD-Journalist sei, sie kenne mich. Ich verneine. „Aber ich kenn‘ Sie trotzdem“, bleibt sie hart. Leider weiss ich nicht, wo die von der Frau gewünschten Pilcher-Schinken stehen, also schicke ich sie zur Abteilung Garten & Blumen.

Meine detektivische Durchsicht aktueller Bücher über den Bau der Berliner Mauer ist erwartungsgemäß missraten: Keiner der etablierten Historiker behandelt die Vorgeschichte der Chruschtschow-Entscheidung, dem Spitzbart in Ostberlin die Absperrung der DDR und damit die Umzingelung von Berlin (West) zu erlauben. Ist also nach wie vor Gerd Joachim („Es liegt noch Gold im Halensee“, Verlag Kalwang & Eis) der einzige Autor, der sich dem Thema wahrheitsgetreu genähert hat. Am 14. Juli soll ein von BILD-Chef Diekmann herausgegebenes Mauer-Buch erscheinen. Naja, soll’s sein.

Auf dem Reuter-Platz diskutieren an der Busstation zwei Herren über den Merkel’schen Verlust an physikalischen Qualitäten, die seinerzeit an der Dame gelobt wurden. Heute sei sie, ihr eigenes Bauchgefühl offenbar werktäglich beim Pförtner deponierend, bedingungslos dem demoskopischen Wetterfrosch und ihrem Berater Josef A. ergeben. Kann ich nur zustimmen, was ich an der Busstation aber nicht tat, um nicht in ein Gespräch über Gott und die Welt verwickelt zu werden.

Im Fahrzeug schnalle ich mir mein kleines Radio um und höre folgendes: Der oberste EU-Kapitalistenvertreter aus Luxemburg, Jean-Claude Juncker, der sich vor jedem Mikrofon so gibt, als hätte er nicht nur Kaviar und Mousse, sondern auch die finanzielle Weisheit mit Löffeln gefressen, habe einen denkwürdigen Vorschlag zur Rettung Griechenlands gemacht. Juncker plauderte von der deutschen Treuhand, nach deren Muster den Griechen und ihrer Wirtschaft geholfen werden sollte. Falls der gütige Leser weiß, wie es einem geht, wenn sich einem der (eigene) Magen umdreht, wird er mich wohl verstehen. War doch die Treuhand mit ihrer Übermutter Birgit Breugel jene ungeheuerliche Abwicklungsbehörde, die während ihres Bestehens beinahe täglich DDR-Firmen Todesstöße versetzte, westdeutsche und ausländische Investoren zu ausufernden Orgien grenzenlosen kapitalistischen Handelns veranlasste und auf diese Weise Platz für neue „blühenden Landschaften“ machte.

Gruselig auch die Erklärung des FDP-Parlamentariers Ahrendt, seine Partei sei leider „in eine Falle“ geraten, als sie glaubte, die Koalitionspartner CDU und CSU seien modern und „fortschrittlich“. Herr A., nehmen Sie zur Kenntnis: glauben tut man in der Kirche, wenn schon.

Im Stammcafé in der Eisenacher Straße sitzen mir drei junge Damen gegenüber. Alle drei schauen eigentlich gleich aus. Machen den Eindruck, als seien sie denkfähig. Zwei der drei blonden Geschöpfe, die ich aus anderen Gründen nicht von der Bettkante stoßen würde, hätte ich noch mehr Feuer im Leib, haben ihr Notebook  geöffnet und tippen was auch immer in die Tastatur. Neugier vorschützend frage ich die eine, ob und in welchem Netzwerk sie vernetzt sei. Sie schaut mich kurz und verständlicherweise genervt an, lässt ihr Auge jedoch feinsinnig an meinen grauen Schläfen entlang streifen und antwortet brav: „Wissen Sie, man muss heute vernetzt sein. Sonst steht man daneben…“ Aha. Die Dritte in der Mitte lehnt sich zurück und kramt aus ihrer schicken Tasche ein Taschenbuch. Das Mädchen hat schöne Augen, ist nicht überschminkt wie die beiden Kolleginnen, und während sie noch am letzten Zipfel ihres Sandwichs kaut, legt sie einen Pilcher-Roman demonstrativ auf den Tisch. Sie buhlt um mein zustimmendes Nicken und äußert nach Abschluss ihrer Kautätigkeit folgende Frage: „Und was tun Sie gegen die tägliche Verblödung?“ – Ihre Erklärung, als Studentin der Kommunikationswissenschaften müsse sie sich zuweilen mit Trivialliteratur ablenken von den täglichen Phrasen. Die Dame war mir sympathisch. Unser darauf folgendes Gespräch über Gott und die Welt endete mit ihrer Behauptung, die Fußballfrauen trügen – trotz der Gefahr der Busenzerschmetterung durch einen scharfen Schuss – keinerlei schützendes Brustgeschirr, wie es Männer im Kampfsport und beim Turnen an der Reckstange weiter unten zur Bewahrung eines unversehrten Gemächts zu tragen pflegen. – Trotz Landregens ein schöner Vormittag!

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Wer ist der/die nächste unechte/erschwindelte DoktorIn?

Muss man sich wirklich schämen, wenn man seinen Doktorvater betrogen hat? – Ehrlich ist beschwerlich! – Den Titel kaufen ist bequemer als sich jahrelang zu quälen. Gell, Herr zu G?

Nun also auch das Geständnis der FPD-Europa-Dame. Der Schutthaufen der überflüssig gewordenen Partei, die sich durch das Gehabe ihrer Anführer selber jeglicher Zugkraft beraubt hat, ist ein ziemlich großes Stück höher geworden. Dank Internet und Entlarvungsgier – was ist heute, bitte, nicht mit Gier verbunden? – werden bald die nächsten Titelträger geoutet werden, sich krümmen, ducken, uns mit Notlügen bewerfen und der hohen Wissenschaft weitere Lorbeerblätter aus dem Kranz reissen. Ein Kollege deutete mir heute nachmittag an, man werde jetzt insbesondere die Doktorarbeiten erfolgreicher Politiker-Kinder überprüfen und die Ergebnisse dem schadenfrohen Volk servieren. Die Hinterbänkler im Parlament, mehrheitlich angeblich Juristen, mehr oder weniger promoviert, haben ja noch Schonzeit. Da hat sich’s der Autor Gerd Joachim („Es liegt noch Gold im Halensee“)  leichter gemacht: Auf Seite 296 des nagelneuen Romans beschreibt er, wie und wozu seine Romanfigut Laszlo Fekete zu seinem Doktortitel kam:

Dieser vorübergehend in Rosenheim ansässig gewesene Hallodri Laci Fekete, der sich von seinen Freunden mit diesem Kosenamen rufen ließ, war aidskrank und weitsichtig genug, sich auf sein baldiges Sterben akademisch vorzubereiten. Er bat seinen langjährigen Mentor Carl, wohnhaft am Berliner Halensee, um eine uralte, halbfertige Doktorarbeit eines Südtiroler Doktor-Erschwindlers (oder ging es um ein erschwindeltes Ingenieursdiplom – siehe Roman?!) sowie um 30.000 Euro, die er in Budapest in einen beglaubigten Doktor-Grad umtauschte. Aus einem einzigen Grund, so steht’s zumindest im Buch (Seite 320):

Laci wollte auf seinem Grabstein in seiner Heimatstadt Bratislava (ehem. Pressburg) den Namen „Dr. Laszlo Fekete“ stehen haben. Vermutlich wollte er seine Statusverbesserung bescheidenerweise nur post mortem realisieren, für Freunde und Feinde sozusagen. – Köstlicher als diese Roman-Schote ist der Titel der halbfertigen und deshalb nie, nicht einmal in Bayreuth, einzureichenden Dissertation: „Beteiligung resp. Schuld bayerischer Herrscher – von Tassilo III. bis Franz-Josef Strauss – im 1. und 2. Jahrtausend n. Chr.“. Ich habe mir vor der Vernichtung der 60 Seiten dieser Doktorarbeit durch den Buchautor und Freund Gerd einige der mit alter Reiseschreibmaschine in Buenos Aires und Berlin verfassten wissenschaftlichen Texte kopiert und sie sorgsam in meinem WC-Archiv deponiert. Ich überlege, ob ich in einem Berliner Stadtmagazin folgende Wortanzeige schalte:

„Biete Job: Welcher Studi mit Geschmack, Grips und Humor möchte gegen gute BAFÖG-Aufstockung an meiner (!) halbfertigen Diss. weiter schreiben? Unter „Altbayern ausgeschlossen“ an die Redaktion.

Seien wir also gespannt auf die Durchleuchtung weiterer Doktorarbeiten. Muttersöhnchen, die ihrer Mutti einen Doktortitel nach Hause brachten, wären mir als Durchleuchtungskandidaten weniger interessant als jene Titelträger, die dank des Titels eine oder mehrere Sprossen der Karriereleiter be- oder überspringen konnten.

Tipp: Leg Dir zum Morgenkaffee die „Akademische Festouverture“ von Johannes Brahms in den CD-Schlitz und freue dich, dass der Komponist seine kostbare Zeit zum Komponieren prächtiger Musiken verwendete und nicht durch jahrelanges Zeitverschleudern mit dem Verfassen einer Doktorarbeit verplemperte.

Update 21.11.2011:

Hat Giovanni di Lorenzo nicht für seine Rente gespart oder ist sein „Gespräch mit Karl-Theodor zu Guttenberg“ der letzte Versuch, Humboldt’sche Bildungsideale zu retten?

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