Tag Archives: Christian Wulff

Geht es noch ein bissl primitiver?

(hp) Die Entlaubung des Bundespräsidenten durch die Journaille hat einen Grad der Unappetitlichkeit erreicht, dass einem das Grausen kommen kann. Ganz in meinem Sinne hat nun auch Götz Aly, Kolumnist u.a. der Berliner Zeitung, dem es nicht nur um NS-Themen `a la verlorene, versteckte, vergammelte Hitler-Bilder geht, in diesem zweitintelligenten Berliner Tagesblatt den „Journalistenrabatt“ aufgenommen. Darüber habe ich im Sinne der reflektierten Doppelmoral von Journalisten vor einer Woche in einem der Blogs auf dieser Seite lamentiert. Wenn nun der Rabatt für die Frau des Herrn Wulff, den sie von einem Autohändler erhalten hat, in der Presse kritisiert wird, online und gedruckt, dann ist das wohl das Letzte vom Letzten.

Schon das Gelabere über die Einladung an die Wulffs, sich in einem Flugzeug von der Economy-Klasse in die Erste zu setzen, war primitiv. Mir wurde, obzwar ich damals weder Politiker noch Journalist war, sondern nur Brillenträger (aber sonst sehr reinlich) ein Platzwechsel im Flieger angeboten, falls die Business-Klasse nicht voll belegt war. Hab ich mir da eine Vorteilsnahme, noch dazu eine bekrittelbare, vorzuwerfen?

Langsam aber sicher reicht’s mit den Imagevernichtungsversuchen, die das Staatsoberhaupt betreffen. Langsam aber sicher kommen mir Sprüche hoch wie „Es sind nicht die schlechtesten Früchte, an denen die Wespen nagen!“ Oder, in punkte Baumsorte nicht ganz zutreffend: „Was kümmert sich eine Eiche, wenn eine Wildsau an ihrem Stamm wetzt?“

Ich meine, es gibt verdammt wichtigere Themen, derer sich die Presse anzunehmen hat!

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Wann kommt Wulffs Karriere-Fibel „Wenn jeder an sich denkt,..

…ist an alle gedacht.“ – Irgendwie reicht es nach dem Bekanntwerden des staatstragenden Wulff-Buchprojekts von 2005: Da baut jemand, vom Schleier der langweiligen Provinzialität geschützt, nach seinem eigenen Knigge transparent für jedermann eine Spitzenkarriere auf und unterlässt es, unter dem Arbeitstitel „So gelange ich, C. Wulff, an die Spitze!“ eine Karrierefibel schreiben und drucken zu lassen. Für jeden Ghostwriter ein lockeres Vergnügen, da es an plastischen Beispielen für jede erklommene Leitersprosse nicht mangelt. Irgendein Militärbischof, der beruflich alles Mögliche zu segnen pflegt, sollte einen Prolog im katholischen Sinne beisteuern. Motto: Wir Katholiken sind nach der Beichte und drei Ave Maria zur Buße immer wieder ohne Schuld o.ä.

Das Nachwort in einer Wulffschen Karrierefibel sollte der Leser, der sich an die Tipps gehalten und es wenigstens zum stellvertretenden Landrat gebracht hat, selber verfassen dürfen. So wär‘ dann alles voll transparent. Und würde sicherlich, nicht nur in katholischen CDU-Kreisen, gut ankommen. „Endlich ein Politiker“, würde im Feuilleton  oder in der Spalte „Vermischtes“ einer Boulevardzeitung zu lesen sein, „der es ehrlich meint, eine klare Ansage macht und damit auf hilfreiche Weise Anteil nehmen lässt an seinem eigenen, vielseits transparenten Karriere-Glück.“ Um welche Art von Anteil es gehen mag, täte nichts zur Sache. Wenn jemand, schon aus Gründen, seiner beruflichen Stellung eigentlich an alle danken sollte, wäre es nur legitim, wenn er nach dem Tenor des Titels unseres kurzen Pamphlets gehandelt hätte.

Er schrieb sogar mehrere Fibeln...

Arnie schrieb sogar mehrere erfolgreiche Erfolgs-Fibeln!

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Wulff-Jagd ohne Waidmannsheil

Die Peinlichkeitsgrenze ist überschritten. Fehlt nur noch die Recherche, ob die Unterwäsche von Herrn Bundespräsident Wulff von BOSS, JOOP oder von C & A stammt oder gar ein Geschenk eines hannoveranischen Bekleidungshauses war, ob Frau Wulff in der Kundenkartei des Versandhandels Beate U. aufgeführt ist oder was die Phantasie skandalgeiler Leser noch stärker anregen würde als die mittlerweile unappetitlich, ja unerträglich gewordenen Händel zwischen dem Haus Axel S. und dem Ex-Osnabrücker C. W.

Am blamabelsten finde ich, wie sehr sich die restliche Presse incl. staatlichem Fernsehen und Radio in der schalen Jauche  suhlen und uns täglich mit

Welches Klopapier?

Welches Klopapier?

erbärmlichen Trivialitäten besudeln. Schlecht könnt’s einem werden, wenn es keine Ausschaltknöpfe und Papierkörbe gäbe. Unser greiser, humanistisch nicht begabter Pflegling aus der Nachbarwohnung tröstet: „In der Nazizeit haben wir uns mit dem Völkischen Beobachter den Arsch ausgewischt.“ Als ehemaliger Jäger und Förster weissagt er, wenn Frauen anwesend sind, zum x-ten Mal: „Und wenn sie den Wulff noch so sehr jagen-, ein Waidmannsheil wird man keinem blasen!“

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Pro und contra Wulff – alles peinliche Provinz!

Wie erbärmlich, diese bundesdeutsche Provinzposse um den deutschen Bundespräsidenten und die Bildzeitung. Wär‘ doch gelacht, wenn der Herr Wulff den Journalistenchef nicht verbal niedergemetzelt hätte. Auch wenn man’s gar nicht glauben kann bei der in Sachen Temperament unterbegabten Art des Bundespräsidenten. Ob er – berechtigt, wie ich meine – um Aufschub zum Zweck der Korrektur und Entschärfung gebeten oder – ebenso berechtigt – den Stil der Enthüllungspraxis verurteilt hat, erscheint mir nebensächlich, weil verständlich. Was ist das für ein Land, in dem derlei erbärmliches Hickhack zum Politikskandal hochgeschaukelt wird und nun schon wochenlang Bedeutenderes, Schwerwiegenderes von der politischen Bühne verdrängt?!

Da ist doch der zurzeit laufende Schweizer Skandal um den Herrn Hildebrand, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, interessanter. Hildebrand soll sich eine Devisentransaktion Dollar-Franken geleistet, angeblich 50.000 was immer in die eigene Tasche gelinkt und sogar die Dollar-Franken-Relation verändert haben. Das sind Sachen, meine ich, im Gegensatz zur deutschen Präsidenten-Wut, die irgendwann mal für ein Telefonat ausgebrochen sein soll.

Dann noch die Provinzbank, die korinthenkackerisch betonen musste, ein Halbmillionen-Kredit sei, anderes als es Herr Wulff gegenüber den Fernsehjournalisten sagte, keine „Handschlag“-Angelegenheit. Provinz, wohin man schaut!

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Neulich im Berliner Schloss Bellevue…

In der Waschküche des Berliner Traditionsschlosses Bellevue

In der Waschküche des Berliner Traditionsschlosses Bellevue

„Mami, wann bist du endlich fertig?“ – „Erst am Abend, mein Liebling. Bei den Wulffs gibt’s täglich mehr verschwitzte Hemden. Hol‘ mir doch noch eine Dose Bleichmittel bei Lidl. Aber nicht bei Schlecker. Dort ist’s ja zehn Cent teurer!“

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C. Wulff: Zuviel der Peinlichkeiten!

Die Deutschen machen alles nach. Die weniger Begüterten, die sich an linken Ideen bis hin zum Kommunismus orientierten, sind hoffnungslos gescheitert. Auch Hartz-vier-Knaben tragen Nike. Die Begüterten holten sich ihre Vorbilder überwiegend aus den USA. Aber sie kopierten für sich, wie der aktuelle Fall zwischen Schloss Bellevue und Herrn Maschmeyers Firmen beweist, nur einen Teil des amerikanischen Kapitalismus: Dort züchten sich die Millionäre auch ihre Politiker und pumpen Geld in ihre spätere Interessensvertretung, vergessen dabei aber nicht, parallel dazu Charity zu betreiben, des Image wegen. Roh gesagt: Gib dem Kandidaten X eine Million Dollar für seinen Wahlkampf und spende gleichzeitig dem Mister Y für dessen Wohltätigkeitsvereine mindestens eine halbe. Mir ist bisher nicht bekannt, ob Herr Maschmeyer parallel zu seinen Wahlkampf-Finanzierungen auch die Caritas oder ein Hilfswerk für Afrika unterstützt und darüber mindestens so viel PR gemacht hätte wie für seine Aufgeschlossenheit gegenüber wahlkämpfenden Politikern und späteren Garanten ihrer eigenen kapitalistischen Interessen.

Mag ja sein, dass Herr Maschmayer, dem ebenso wie den Herren Schröder und Wulff keine goldenen Löffel in die Wiege gelegt wurden, für Aufsteiger aus der unbegüterten Klasse ein besonders großes Herz hat. Nichts dagegen, wenn er ansonsten ein braver Bürger ist. Blöd nur, wenn einer der Maschmeyer-Schützlinge Bundespräsident wird und nichts davon weiß, dass ihm ein sattes Stück Geld für die Wahlkampfbuch-Werbung zuteil wurde.

Bis zu einem gewissen Grad hatte ich Respekt vor dem Bundespräsidenten und habe auch immer, wenn ich am Schloss Bellevue vorbei fuhr, den Blick auf den Fahnenmast auf dem Dach geworfen, um mich davon zu überzeugen, ob der Herr Präsident anwesend ist oder nicht. Schön langsam kommt mir der Gedanke, dass demnächst für längere Zeit kein Staatswappen auf dem Bellevue-Dach weht.

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„Von meinem Privatvermögen..!“

Fünfte Etage des Berliner Kaufhauses Wertheim, das unter seinem neuen Besitzer, dem Neu-Berliner Millinär, Karstadt-Käufer und Berlin-Retter Nicolas Berggruen (50) seinen Traditionsnamen Wertheim verlor und heute einfach Karstadt heißt. An der Etagenkasse bezahlt ein Knabe von knapp zehn Jahren eine Spiele-DVD „für meine Schwester“. Aus einem Tiefkühlsäckchen streut er zwei Handvoll Cent-Münzen auf den Kassentisch. Eine ältere Dame mit gütigem Blick scherzt: „Hast  wohl dein Sparschwein geschlachtet!?“ – Der Junge sehr ernst und gerade heraus: „Nee, das ist von meinem Privatvermögen!“ Anerkennendes Schunzeln dies- und jenseits der Kasse.

Der sympathische Knilch erklärt mir auf der Rolltreppe, die Mama warte auf ihn bei der Damenmode im zweiten Stock. Auf meine Frage, woher er den Begriff  „Privatvermögen“ habe: „Davon reden sie jetzt dauernd im Radio.“ Ich trete erst in der ersten Etage auf festes Gelände und nehme einen Kaschmir-Pulli prüfend zwischen die Finger. Eine ältere, sehr freundliche Verkäuferin, die meinen Hut bewundert – Südtiroler Wilderer-Modell 1942 mit Birkhahnfeder, im Berliner Straßenbild ziemlich rar! -, weist unaufdringlich darauf hin, dass es sich um 100 Prozent Kaschmir handele, trotz des vergleichsweise niedrigen Preises. Ich nehme dennoch Abstand von einem Kauf und denke über den Jungen und sein Privatvermögen nach. Kann mich leider nicht eigenhändig zensurieren.

Es geht – logo – um den Oldenburger Provinzpolitiker und späteren Hannoveraner Regierungschef , den wohlwollende Vermögende gefördert haben, bevor er zum Staatsoberhaupt und Schlossherrn gemacht wurde. Er wird seit Tagen von den bekanntermaßen unfrommen Grünen und anderen Berufsmisstrauern derart drangsaliert, dass einem die Mitleidstränen aufsteigen könnten. Sie steigen nicht. Gestiegen sind andere, was uns automatisch zu den Neureichen führt, den Erben, denen, denen Vorteile zuteil wurden, um aufzusteigen. Nix Besonderes. Wenn man hier zu denken aufhören würde. Aber man hört nicht auf. Weil das kleine Erlebnis mit dem ein Privatvermögen besitzenden Stöpsel immer wieder angenehm aufstößt.

Frohes Fest!

Meinen Lesern ein frohes Fest!

Ob der Herr Bundespräsident, wie nicht nur er es schon einmal, sich seiner christlichen Herkunft bewusst,  getan hat, in seiner bevorstehenden Weihnachtsansprache von der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich sprechen wird? Da Wulff nicht rot ist, sondern schwarz, wird er von der volkswirtschaftlich dringend erforderlichen Einführung einer Vermögens- und einer Erbschaftssteuer sicher nicht sprechen. Erstens ist er kein Volkswirt und zweitens haben unsere Soldaten am Hindukusch etc. pp. nichts zu tun mit Weihnachten und Volkswirtschaft. Vielleicht vermeidet Wulff das Sozialthema  auch deshalb nicht, weil man reiche Unternehmer, von denen man früher mal Karriere-Förderung erfahren hat, nicht verprellen will durch scheinheiliges Betrauern des Missstandes in unserem Staat, der Arme, durch eine teure Scheidung ins Abseits gerutschte Menschen zwar nicht leiblich, aber seelisch verhungern lässt.

Wie viele Obdachlose soll es in Berlin geben? – Ich warte darauf, bis die „taz“ als Reaktion auf die „Berliner des Jahres – Das sind die Top 50“ in der Sonntags-„Mottenpest“ am Heiligen Abend die „Top 50 Obdachlosen aus Berlin-Kreuzberg“ präsentiert.

Damit diese meine „Morgengalle“ kitischig – wenn auch tatsachengerecht – enden kann: Während ich nach dem Einkauf bei Karstadt auf dem Gehweg einen Kaffee „to go“ verputze, sehe ich, wie der privatvermögende Junge von der fünften Etage einem halb erfrorenen Akkordeonspieler aus Stettin ein paar Münzen in die Blechdose wirft…

P.S. Für Bildungsbürger und zu meinem Schutz vor Advokaten: Der Begriff „Mottenpest“, der für „Morgenpost“ steht, war in „linken“ Kreisen nach dem WK 1 gang und gäbe. (hpeis).

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Bitte kein Paulus-Zitat, Herr Präsident!

Bitte schaffen Sie sich einen Coach an. Aber keinen aus der Provinz. Bleiben Sie hart an der Wahrheit. Lassen Sie den Dobrinth ermahnen, er solle Sie nie mehr „Staatschef“ nennen. Und bitten Sie Ihre Frau, sie möge sich derzeit nicht mit Ihnen abfilmen lassen. Wir sind ja nicht in Amerika. Lassen Sie sich in Ihre bevorstehende Ansprache kein Zitat von Paulus oder Augustinus einbauen. Keine auffällige Krawatte. Und vergessen Sie nicht: Als Weihnachtsredner befinden Sie sich während Ihrer Rede direkt im Wohnzimmer Ihres Publikums und nicht bei sich im feinen Schloss. Vermeiden Sie alle Wörter, die mit „Ver-“ oder „Un-“ anfangen. Und keine Kunstpause, bitte. Vorher ein kleiner Schluck Salbeitee, lauwarm, und ein paar nicht zu tiefe Atemzüge in der Fiakerhaltung. Frohe Weihnachten!

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Heucheln und meucheln – Aus deutscher Seele

Ich komme gerade vom Tauentzien, dem Berliner Traum- und Trampelpfad des unbegrenzten Kommerzes. Mir kam die Straße, an deren Ende das Kaufhaus des Westens steht, in Sachen Weihnachtsdekoration besonders überladen vor. Als hätten sich die Lichterbaum- und Lichterketteninstallateure nicht miteinander abgesprochen und deshalb dieses reichhaltige Kitsch-Chaos verursacht, fühlte ich mich richtiggehend erschlagen. Meine Begleiterin, gebürtig aus dem Kossovo, nun wohnhaft in der niedersächsichen Provinz: „Unanständig, welcher Luxus hier getrieben wird…“

Auf die Frage, ob Herr Wulff, derzeit (noch) Bundespräsident, politisch gemeuchelt werden sollte oder nicht, antwortete Maria, die kein großes Geld zum Verleihen besitzt: „Herr Wulff ist Deutscher. Wäre er Kossovare, Montenegriner oder Grieche, würden die Leute klatschen und sich nur darüber wundern, wie man mit so viel Geld ein so langweiliges Häusel kaufen konnte.“

Maria hat sich lange mit Psychologie befasst und ein Jahr im Allgäu gelebt. Als Schwarzarbeiterin bei einem Friseur. Fußpflege war ihr Job. „Du glaubst nicht, wie wenig manche Leute, Männer wie Frauen, wenn sie nicht mehr zum urlaubsfähigen Alter gehören, auf gepflegte Füße achten. Dreck unter den Fingernägeln kommt nur selten vor. Und wenn doch, dann gibt es immer gute Ausreden wie Gartenarbeit.“ Weil wir das Abendessen noch vor uns hatten, verbat ich mir detaillierte Schilderungen.

Apropos Allgäu: Maria wundert sich, dass es in Deutschland, wo die Menschen gern einen sympathischen, möglichst alten, freundlich dreinschauenden Bundespräsidenten hätten, derart junge Staatsoberhäupter gibt wie den Herrn Wulff. Die Kanzlerin wäre gut beraten, nach dem möglicherweise baldigen Abgang von Herrn Wulff einen braven Allgäuer Altbauern zum Präsidenten wählen zu lassen, der nur das abliest, was ihm von kundigen Mitarbeitern vorformuliert worden ist. Dann wären die Deutschen zufrieden. Die Deutschen lieben Ordnung über alles und Zurückhaltung sowieso. Ihre Seele ist auf Friedlichkeit gepolt. Skandale hat man zwar gern, aber nur solche, die im Ausland passieren oder in Parteien, die man ohnehin nie wählen würde. Auch Elend tut wohl, wenn es einen nicht selber trifft. Und Sparen ist eine der notwendigsten Tugenden, sofern es andere betrifft. Obwohl auch der deutsche Staat gewaltig verschuldet ist, zeigt man grundsätzlich auf Griechenland & Co. Im  Heucheln und Belehren sind sie Meister, die Deutschen. Das gilt auch für Spendenaufrufe, die wir in den großen Zeitungen und an der Litfaßsäule finden. Hier gilt grundsätzlich: Die, denen es nicht besonders gut geht, spenden häufiger als die, die mehr oder viel Geld haben. Letztere wissen nämlich, dass Nehmen seliger ist als Geben. Das kann Maria ad hoc auf der Einkaufsmeile Tauentzien nachweisen: Von den mit Tüten voll bepackten Käufern erhielt keiner der am Gehweg hockenden Bettler einen Cent. Nicht ganz so bepackte Menschen waren eher freigiebig: „Wahrscheinlich nur deshalb, weil die mit den vielen Tüten keine Hand frei haben, um zur Geldbörse zu greifen.“

Als ich mir, zu Hause angekommen, die Hände wusch, sah ich auf meinen Spruchkalender: „Tag der Migranten“ stand auf dem Kalenderblatt zu lesen.

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