Tag Archives: Berliner Zeitung

Vorsicht vor den Bigotten!

(hp) Am selben Samstag, als im „Berliner Kurier“ ein gut und witzig gemeinter, aber inhaltlich verwässerter Vierspalter („Warum wir in Zukunft alle schwul werden“) von „menschmeyer“ erschien, erlaubte sich – einspaltig – Ingeborg Ruthe im Feuilleton der ehrenhaften „Berliner Zeitung“ einen feinsinnigen Kommentar („Caravaggios anstößiger Amor“). Beide Blätter erscheinen i m selben Verlag.
Frau Ruthe äußert sich gegen allerlei bigotte Reaktionen gegen „Nackedeis“ in der Kunst – kein Wunder, dass im Zuge der medialen Vernichtungskampagne gegen den Kinderfotokäufer Edathy wieder einmal, schon gar nicht zum ersten Mal, die Bigotterie unfröhliche Urständ‘ feiert.

Ich kenne keine wirklich lüsterne Amor-Darstellung, die dieses Kind mit prallem Penis darstellen würde. Die Liebesboten mit Pfeil, von denen der geflügelte „Amor als Sieger“ Caravaggios zu den prominentesten gehört, tragen sämtlich unschuldige Winzlinge zwischen den Beinen. Und die Putten und Englein in den Kirchen, die der normale Mensch ohne jeden Hintergedanken als uninteressante Verzierung empfindet?
Bigotte Menschen, vornehmlich lebenslang unbefriedigt gebliebene ältere Frauen, die den Begriff „Fleischeslust“ nur mit Rind- oder Schweinebraten in Verbindung bringen dürften, hat es immer schon gegeben. Als im katholisch dominierten Österreich das Fernsehen eingeführt wurde, regten sich Proteste folgenden Inhalts: Fernsehansagerinnen haben gefälligst brave Dekolletés zu zeigen, dass man nicht einmal einen Hauch einer Brustfalte sehen kann. Der erste Fernsehdirektor, Gerhard Freund, erzählte Ende der 1950er Jahre auf einem Empfang, er getraue sich nicht einmal zur Faschingszeit eine Sprecherin im Dirndl, zu dessen Charmanz ein korsettierter, angehobener Busen gehört, auftreten zu lassen. So war’s.

Dass die Bigotterie nicht weiterhin gehätschelt wird, wünsche ich mir vornehmlich deshalb, weil die mir persönlich bekannten Pädophilen, die allesamt arme Hunde sind, bigotte Mütter und Väter hatten!

 

 

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Hitlers „Bibel“: Je geheimnisumflorter, desto interessanter

(hp) „Mein Kampf“ , Adolf Hitlers Memoiren- und politisches Rezeptbuch, bis 1945 millionenfach im Großdeutschen Reich vorhanden, soll Ende 2015 von der Urheberrechtebesitzerin, der Bayerischen Staatsregierung, in die Nachdruckfreiheit entlassen werden. Damit dieses „Werk“ möglichst nicht im nackten Original in NS-trunkene Hirne eindringe, wurde mit einem Etat von 500.000 Euro aus Steuermitteln eine kommentierte Ausgabe vorbereitet. Für den Druck dieser Ausgabe gibt es laut „Berliner Zeitung“ noch keinen Etat. Die bayerische Politik will scharf darauf achten, dass keine Raubdrucke des Orignals produziert und vertrieben werden.
Weil so gut wie alle Medien immer noch „hitlergeil“ sind – und wenn es nur um Aufzeichnungen über Hitlers Hamsterkäfig-Entwürfe geht -, ist zu erwarten, dass das Ende des Urheberschutzes kräftig abgefeiert wird. Ich denke, der „Kampf“ – egal, ob er als tumbes Pamphlet oder als zeitgeschichtliches Dokument gewertet werden mag -, muss publiziert werden.Es wird Zeit, dass sein "Kampf" entmystifiziert wird!Es wird Zeit, dass sein „Kampf“ entmythifiziert wird!

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„Auch Pauschalisieren kann Geschichtsfälschen sein, Götz Aly!“

(hp) Leser der Berliner Zeitung, bislang für mich unverzichtbar, entgehen ihm nicht: Prof. Götz Aly, Historiker und Buchautor, hat auf Seite 4 unten einen der dreispaltigen Kolumnenplätze. Regelmäßig. Und regelmäßig lesen wir von und über Hitler, erfahren viel über die Erbärmlichkeit unserer Eltern, die kritik-, widerstands- und gesinnungslos auf dieses Monster und seine verbrecherischen Schergen hereingefallen und ihnen zugejubelt, ihre Untaten akzeptiert oder gar bei den Grausamkeiten und Verbrechen an den Juden mitgemacht haben. Herr Aly vermeidet zwar den direkten Aufruf, unsere Eltern, die Wähler der NSDAP, Mitläufer, eventuell Mittäter oder gar MörderInnen waren, zu verachten, sie zu verurteilen, ihnen ein Büßerbrett auf den Wohnzimmertisch zu knallen und das Elternhaus für immer zu meiden, doch indirekt kommt zumindest bei mir persönlich ein unverdientes Unbehagen hoch. Da schmeckt der Kaffee im Café nicht mehr so angenehm wie sonst – vielleicht von Professor Aly und der Berliner Zeitung gar bezweckt.

Eine solche Art von Geschichtsbetrachtung mit der indirekten Einladung, ein Büßerhemd über den Leib zu streifen und Asche auf das Haupt zu streuen, zumindest gedanklich, ist mir zu pauschal und, da es heute nicht mehr allzu viele freilaufende Nazi-Schergen gibt, schlicht ungerecht und damit einer retrospektiven historischen Bewertung unwürdig.

Herrn Alys gelegentlich schwarz-weiß abgedruckte Sympathie für die Regierung des Staates Israel lasse ich mir ja noch gefallen. Aber wenn ein Historiker als Zeitungsschreiber ohne Augenmaß pauschaliert, wird es für mich ärgerlich. Ich fühle mich zu alt, um aus mir noch einen Antisemiten alten oder neuen Stils zu machen. Aber ärgern darf ich mich schon. Mir genügen die zweiunddreißig „Stolpersteine“ auf dem Weg zwischen Wohnung und Kaffeehaus und das zurzeit von den Litfaßsäulen triefende schwarze Kreuz der Zerstörten Vielfalt.
P.S. Das Titel-Zitat stammt übrigens von Susan Sontag.

 

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Dumont senior (81) schreibt an Frau Charlotte Knobloch (79)

(Susanne) Der Grandseigneur der bundesdeutschen Zeitungsverleger, Alfred Neven Dumont, der auch einen Anteil an der israelischen Zeitung Haaretz besitzt, hat sich als Verfasser eines offenen Briefes an Charlotte Knobloch (79) in die Meinungslawine in Sachen Beschneidung jüdischer Babies eingemischt. Die „Süddeutsche“ hatte Frau Knobloch Platz für ausführliche Äußerungen zur Verfügung gestellt. Beide Senioren empören sich über die Einmischung der deutschen Justiz. Dumont macht’s elegant, Knobloch wettert wie bekannt. Mit suggestiven Fragen wie „Wollt ihr uns Juden noch?“ plustert die langjährige bayerische Funktionärin die Debatte hoch bis zur Existenzfrage. Das hat bereits Dieter Graumann, ihr Nachfolger, getan. Es fällt auf, dass das eigentliche Thema – die Beschneidung männlicher Babies aus religiösen Traditionsgründen – behandelt wird, als gäbe es kein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Der Begriff Kind kommt in keinem der Kommentare vor.

Dumont verurteilt den Versuch des Landes Berlin (gemeint ist Justizsenator Heilmann), „eine Kompromisslösung anzubieten“, die allerdings „alles andere als tragfähig ist und keinen Bestand haben kann“ (Zitat) und nimmt der gewohnten Knoblochschen Nazi-Keule etwas Fleisch von den Knochen. Im Endeffekt bleibt er bei seiner harschen Kritik an der „Einmischung“ in die Beschneidungspraxis gläubiger Juden.  Man darf gespannt sein, wie sich der deutsche Rechtsstaat, dessen Verfassung nicht von Abraham (ca. 3000 v. Chr.) stammt, sondern seit 1948/49 besteht, nach der eindeutig vorgetragenen Ablehnung der Beschneidung aus religiösen Gründen durch den Verband der deutschen  Kinderärzte verhalten wird. Heike findet, es sollte endlich Frieden geben. Ihr (beschnittener) Lover Jeremy aus Palo Alto stimmt ihr zu und schlägt als Buddhist für diesen Blog die nebenstehende Illustration vor. Der Bildtext sollte lauten: Juden haben es nicht gern, wenn sich Nichtjuden in ihre Angelegenheiten einmischen. Nicht nur in Deutschland, dies ganz nebenbei.

Jeremy: Einmischung unerwünscht!

Jeremy: Jede Einmischung  stört den Frieden!

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Skandalöses aus der Blessing-Bank

(hp) Lese gerade die BERLINER ZEITUNG. Mittlerweile lieber als den Rest, der in der Hauptstadt auf dem Markt ist. Ihre „Straffung“ hat ihr, wenigstens journalistisch, offenbar nicht geschadet. Heute ist die Ausbeute besonders saftig: Der Präsident der Akademie der Künste, Staeck, kommentiert die Verleihung des Henri-Nannen-Preises an BILD-Journalisten und die Ablehnung durch „Kollegen“ der Süddeutschen Zeitung. Danke, Herr Staeck. Ein paar Seiten weiter ein Bericht über die Jahreshauptversammlung der Commerzbank inklusive der Kritik der Aktionäre an der unglaublich frechen, geschmacklosen Erhöhung der Bezüge des Bank-Chefs Blessing. Kein „Fand-statt-Bericht“ im Wirtschaftsteil, sondern – anstatt eines geifernden Kommentars – die Aussage des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller: „[…] keineswegs eine Gehaltserhöhung (von 500.000 auf 1,300 000), sondern um die Wiedereinsetzung des regulären, zuvor gebilligten Gehalts. Das sei notwendig gewesen, um ein kompetentes Management halten zu können…“. Als würden die Commerzbank-Manager, die ihr Haus durch Spekulationen und Rotzfrechheit derart beschädigten, dass der Staat rettend einspringen musste, abhauen, wenn der Aufsichtsrat ihre Gehälter nicht wieder auf ein – vor der Katastrophe – „gebilligtes“ Niveau erhöhte. Sollen sie doch, meine ich. Fragt meine Sekretärin keck: „Und die Entschädigung der Aufsichtsratsmitglieder, vornehmlich Herrn Müllers, ist die auch verdoppelt worden, damit keiner wegläuft?“

 

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