Monthly Archives: August 2015

Lauter Handy-Süchtige im Bundestag!

(hp) Musste heute wg. Fußverletzung flach liegen und sah mir die Bundestagssitzung an. Thema: (Ja zum) Griechen-Hilfspaket III. Gysi klug & unterhaltsam wie immer, Hofreiter erfrischend deftig, der Rest der Redner vergessenswert. Nix Neues also. Was mich entsetzt hat: Altersunabhängig arbeitete jede(r) Zweite während der Debatte am BUS_MANbzw. mit seinem Handy, Merkel inklusive. Nur Schäuble tippte und schob zeitweise am Bildschirm seines tablet herum. In den hintersten Reihen lümmelten einige Volksvertreter, als wären sie sediert.

Ich frage mich, ob für solcherlei Sitzungen, die nur formalen Abstimmungscharakter haben, die leibliche Anwesenheitspflicht der MdB nicht abgeschafft werden sollte, wenn’s die Leute ohnehin daran nicht interessiert sind, was jeweilige Redner von sich geben werden. Abstimmen kann man auch per Briefwahl. Hab ich Recht, Herr Bosbach?

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Niemand denkt daran, die Mauerbau-Legende zu korrigieren

(hp) Walter Ulbricht habe gelogen, als er vor 54 Jahren in einer international besetzten Pressekonferenz die „Absicht, eine Mauer zu errichten“ bestritt. Weil sich der Gegensatz zwischen der Aussage vom 15. Juni 1961 und dem Beginn des Mauerbaus am 13. August so gut dazu eignet, den unsympathischen DDR-Boss als hinterfotzigen Lügner darzustellen und dessen offensichtliche Lüge in die Gehirne der Westdeutschen zu stopfen, glauben heute noch über 90 Prozent der Deutschen an das Märchen von der Ulbricht-Lüge. Die Fakten sagen jedoch etwas anderes:

Der jugendfreie Umschlag ist unserem Verlag offensichtlich zu brav geraten. Kein Neukunde dürfte vermuten, dass es sich um ein skurriles Leben handelt, das hier beschrieben wird...

Der jugendfreie Umschlag ist unserem Verlag offensichtlich zu brav geraten…

Was die US-Historikerin Hope M. Harrison und der US-Journalist Frederick Kempe anno 2011 reichlich durch Fakten belegt in ihren Büchern darlegten, erschien bereits ein Vierteljahr früher in unserem Verlag Kalwang & Eis in der (leider) extra unauffällig platzierten Romanbiografie „Es liegt noch Gold im Halensee“. Ein schwuler US-Millionär erzählt darin seinem ebenfalls schwulen Ghostwriter sein abenteuerliches Leben. Der Lohnschreiber baut in diese Biografie unter anderem die Korrektur der Mauer-Lüge ein, nachdem er von einem ebenfalls homosexuellen Historiker, der im „Eisernen CIA-Archiv“ (Harvard Universität) Geheimakten durchforstete, mit der Wahrheit über die Ereignisse zwischen der Ulbricht-Aussage vom 15. Juni und der durch Stacheldrahtzäune erfolgten Abtrennung Westberlins am 13. August konfrontiert wurde.

Der Umschlag für liberale Buchläden

Umschlag für liberale Buchläden

Die etablierten deutschen Historiker, dem bequemen Klischee „Ulbricht/Chruschtschow = böse – Kennedy = gut“ kritiklos verfallen, ignorierten die Enthüllungen im Halensee bzw. beschuldigten den Autor (unter dem Pseudonym meiner beiden Vornamen), eine Verschwörungstheorie verbreiten zu wollen. Erst Harrison und Kempe (s.o.) ließen die Meckerer verstummen.  Aber in der Bevölkerung blieb bis dato alles beim alten Kalte-Kriegs-Muster, vergleichbar dem Spätwestern „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ (Regie: John Ford, 1962). – Das „Gold im Halensee“, in der Erstausgabe mit hausfrauengerechtem Umschlag erschienen, gibt es noch in Restexemplaren bei amazon.

 

 

 

 

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Über den griechischen Soli

(sr) Was man dieser Tage über die Konzepte der griechischen Regierung aus den hiesigen Medien vernimmt, lässt mir die Grausbirnen aufsteigen: Mit „Experten“ habe man, heißt es in Athen, alle wesentlichen Voraussetzungen für ein Ja zu einem nächsten „Hilfspaket“ geschnürt. Nun müßten nur noch einige Regierungen in der Euro-Region zustimmen. Also alles in Butter? – Denkste. Allein die Tatsachen, dass für Besserverdienende ein „Soli“ von nur 6 (in W.: sechs) Prozent eingehoben werden soll und dass – zweitens – dem größten Grundbesitzer Griechenlands, der Orthodoxen Kirche, kein Haar gekrümmt werden soll, sagen alles. Der skandalöse Schlamp im einstigen Hirten- und Fischer-Zipfel im Südosten Europas wird, mit Hilfe von „Experten“, die die Reichen weiter schonen wollen, fortgesetzt werden. Mittlerweile kann ich die Nein-Sager der CDU/CSU-Fraktion verstehen.

Nur ein Vergleich incl. zweier Lehrbeispiele für soziale Maßnahmen, made in Österreich: Kaiser Josef II., Sohn der bigotten Maria Theresia, enteignete, weil es den Untertanen dreckig ging, sämtliche Klöster. Und was tat fast zwei Jahrhunderte später Österreichs Kanzler Bruno Kreisky angesichts einer wirtschaftlichen Flaute? – Er verordnete nicht dem gesamten Alpenvolk eine saftige Mehrwertsteuer-Erhöhung, sondern führte eine „Luxussteuer“ ein, Kapitalistengeschrei ignorierend und auf einen in der Sache konträr denkenden Staatssekretär namens Eugen Veselsky verzichtend.
Wenn man Bruno Kreisky die Hand gab, musste man anschließend nicht die Finger auf Vollständigkeit überprüfen. Bei griechischen Politikern bin ich mir mittlerweile nicht mehr so sicher.

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Sozialberufe: Seit Bismarck nix Neues

(gm) Was die Schlichter den KindergärtnerInnen, ErzieherInnen und weiteren Sozialberufen vorschlugen, lehnte die Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder ab. Sie versprachen sich nicht nur ein paar Almosenprozent Gehaltsanpassung, sondern eine grundsätzliche Besserstellung. Welch trügerische Hoffnung!

Die zwei Schlichter, ein Altbürgermeister und ein ehemaliger Ministerpräsident fühlten sich eher den seit der Bismarckschen Einstufung sozialer Dienstleistungsberufe für Krankenschwestern, Irrenwärter, Lehrer usw. verpflichtet als den heutigen Erfordernissen. Damit zeigt, vertreten durch die zwei Schlichter, die Bundesrepublik Deutschland, wie viel wert ihr die Zukunft des Landes ist. Wahrscheinlich ist man auf dem Dienstleistungssektor deshalb so zurückhaltend, weil sein Produkt nicht exportierbar ist. Von einem Langzeit-Gewinn, der sich nicht an der Börse ablesbar ist, gar nicht zu reden. Bleibt die Frage, ob die Gewerkschaften genügend Vorräte in den Streikkassen haben…

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Der Wörthersee wird „pink“

(gf) Die Donau war vor tausend Jahren noch „blau“. Als Johqann Strauss den Donauwalzer schrieb, war sie (und ist bis heute) ein grauer Strom, der die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft ernährt.

Dem Wörthersee, dem Schmuckstück von Kärnten, soll es – à la Strauss – demnächst ähnlich gehen wie der blauen Donau. Vom 3. bis zum 6. September wird vom LGBT im eleganten Uferstädtchen Velden am Westufer ein internationales Festival  namens pink lake veranstaltet. Bemerkenswert und mit kluger PR vorbereitet. Denn für die Akzeptanz von Schwulen, Lesben, Transsexuellen muß gerade im stockkonservativen (seinerzeit stockkatholischen) Österreich kräftig agiert werden, laut und schrill.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo sich Schwule und Lesben direkt  über die Politik emanzipieren konnten, braucht’s im Alpenland vornehmlich andere Mittel und Wege. Eine Conchita Wurst genügt nicht, ebenso wenig Breitenwirkung hat der segensreiche Life Ball, dessen Grundaussage sich auf die AIDS-Aufklärung und -Prophylaxe beruft.

Dem Wörthersee-Festival ist großer Erfolg zu wünschen. Hoffentlich wird es ein breitenwirksamer Schritt in eine aufgeschlossenere Gesinnung der Bevölkerung und nicht nur ein Strohfeuerchen rühriger Unternehmer!

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„profil“ beschädigt Kreisky-Image

(hp) Ohne die Flüchtlinge hätte auch das zu Recht angesehene österreichische Magazin profil ein tiefes Sommerloch. Dass das Wochenblatt einige Tage, bevor die bundesdeutschen Journalisten das Thema aufgriffen, in den Klöstern des Alpenlandes nach der Einstellung der katholischen Brüder und Schwestern recherchierten, ist als Positivum hervorzuheben. Wenig positiv erscheint mir jedoch die Häme, mit der – ohne Kommentierung der damaligen Zeitumstände – profil in der aktuellen Nummer am Image des einzigen wirklich nennenswerten österreichischen Kanzlers kratzt: Wie er, Kreisky, in einem Gespräch mit dem ungarischen KP-Chef Janos Kadar anno 1986 die Regierungschefs Kohl und Reagan beurteilt habe; abwertend, versteht sich. Damals hatte der deutsche Kanzler aufgrund einer einzelnen Aussage den Sowjetchef Gorbatschow mit Goebbels verglichen – ein Faux pas der allerübelsten Sorte. Und Ronald Reagan, der den nicht-reichen Amerikanern einen Sozialbruch ersten Ranges beschert hatte, der bis heute nicht bereinigt ist.

Ich nenne das aus Kreiskys Mund ehrlich. Im Gegensatz zum Pranger, an welchen profil Bruno Kreisky ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod stellt.

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