Monthly Archives: Juli 2015

Äbte und Asylanten: Ausreden. Amen.

(hp) War es nur ein publikumswirksamer Gag, was der betagte Oberhirte vom Petersdom seinen Untertanen vor kurzem auftrug? Die Kirche solle Flüchtlinge beherbergen, forderte Papst Franziskus. Die  wohl ehrenhafteste aller katholischen Praktiken – Stichwort: Nächstenliebe & Barkherzigkeit – bleibt aber vorerst ein Theoretikum. Denn Tausende leerer Mönchszellen (karg einerichtete Einzelzimmer) in den zahlreichen berühmten und unberühmten Klöstern nördlich der Dolomiten  seien ungeeignet für die Unterbringung, heißt es. Nur einige der ablehnenden Äbte und Klosterbrüder sind ehrlich: Man fürchte, dass die Räume von Nutzern aus Syrien, Eritrea usw. versaut und verludert würden. Als ob man in stabilen Mauern untergebrachte Flüchtlinge das Benediktiner-Gebot „Bete und arbeite!“ nicht beibringen könnte. Oder fürchten die immer kleiner werdenden Mönchsgemeinden, die Fremdlinge würden Pest, Cholera und Malaria einschleppen und auf hinterfotzige Weise den zahlenmäßig bereits stark reduzierten Patres und Novizen Krankheit und Tod bringen?

In Wahrheit, die gerne verschleiert wird, sind es vorrangig Lokal-politiker und sekulare Stimmungsmacher, die sich gegen eine Nutzung leerstehender Klosterräume wehren. Weil eine solche natürlich mit Kosten verbunden wären. Denken Sie, lieber Leser nur daran, dass eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien TÜV-geprüfte Stromleitungen und kindersichere Steckdosen nach DIN-Norm benötigen würde – etwas, das bescheidene Klosterbrüder bisher problemlos entbehrten, weil sie mit den Hühnern zu Bett gingen und sich mit dem ersten oder zweiten Hahnenschrei aus den Federn begaben. Ein Zitat in lateinischer Sprache  wäre hier angebracht. Ich belasse es beim nüchternen Amen!

 

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Das „Virus corr.“ ist unausrottbar

(mh) Das Novovirus schadet nur einige Tage, die Influenza-Viren gehen nach der Saison. Das Virus corruptum (umgangssprachlich: der Korruptionsvirus) ist allgegenwärtig. Nachweislich ist es länderübergreifend aktiv, was weiter nicht stören würde, wenn es nicht gerade in einem Land mit Euro-Währung grassierte. In sog. Entwicklungsländern (zum Beispiel Griechenland) und überall sonst im Südosten Europas ist es Bestandteil des Alltags. Unausrottbar. Im Gegenteil: In jenem großen Land, das eigentlich ein politisches Schamgärtlein zwischen NATO und Russland sein sollte, wird dieses Virus gerade mit Milliarden Euro bzw. Dollar gefüttert. EU, USA, IWF sowie private Börsenmilliardäre  und andere Oligarchen stopfen gerade höchst einseitig Gelder in den verseuchten Boden der Ukraine.Eine zimmerreine Autonomie für den Osten dieses Reststaates der Sowjetunion wäre billiger gewesen.

Im deutschen Fernsehen wurde dem heimischen Sofa-Publikum heute die Verbreiterung löchriger Waffenstillstandszonen zwischen Zentral- und Ostukraine  als Erfolgsmeldung serviert. Bleibt nur ein äußerst skeptisches Prosit!

 

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Im Blickpunkt: Burundi

Spiess braten G

Nach monatelangen Unruhen wählt Burundi nun einen neuen Präsidenten. Der umstrittene Amtsinhaber Nkurunziza bewirbt sich um eine dritte Amtszeit, obwohl die Verfassung nur zwei vorsieht. Das sorgt für Proteste und Gewalt. (Nicht nur) in Belgien suhlen sich heuchlerische Politiker in heuchlerischem Entsetzen. Die (Allein-)Regierung des Nkurunziza wurde nicht nur mit sogenannter Entwicklungshilfe einzelner Staaten mit wirtschaftlichem Interesse an den Bodenschätzen des ostafrikanischen Staates gefüttert – auch die Europäische Union, diese unsere angebliche Wertegemeinschaft, überwies Geld, das bei den Armen und Unterdrückten des Krisenstaates nie angekommen ist.

Europas Politiker schauten ignorant zu, als der Landzeitpräsident seine Lust an einer laut Verfassung nicht vorgesehen dritten Amtszeit bekundete. Jetzt äußert man sich speziell in der belgischen Regierungsriege entsetzt. Aufgemerkt: Das kleine, dicht besiedelte Land Burundi ist eines der ärmsten Länder der Erde. Sein Nachbar im Norden ist Ruanda. Dort wurden Hutus und Tutsi nach dem Völkermord (an den Tutsis, mind. 800.000 Tote!) im Jahr 1994 zwar zwangsbefriedet, doch nach wie vor gärt es, nicht nur in Ruanda, sondern auch in Burundi und Umgebung. Der Kongo liegt übrigens „links“ auf der Landkarte, dieses Riesenland, das sich der seinerzeitige  belgische König Leopold II. als „Privateigentum“ in die belgische Staats-Chronik eintragen ließ…

 

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Nikos hat sich erhängt

(hp) Er wollte nicht mehr. Von seiner seit Oktober um ein Drittel reduzierten Rente lebten drei Familienmitglieder. Die Dorfgemeinde hinter Saloniki ermöglichte es Nana, der Tochter des alten Nikos, als Unkrautjäterin eines fremden Gemüsegartens ein paar  Euro zu verdienen. Für Baumwollwindeln. Nana erlitt im Mai einen Beinbruch, als sie von einer Leiter stürzte. In der Notaufnahme des Bezirksspitals erhielt sie eine gebrauchte Drahtschiene, mehr nicht. Nana starb vor Neujahr an einer Infektion. Ihr Kind wurde dem Opa weggenommen. Das hielt der alte Mann nicht aus und nahm am vergangenen Dienstag den Strick. Seine Mutter spielte im Film „Alexis Sorbas“ eines der Klageweiber. Das war vor einem halben Jahrhundert. Diesmal war kein Klageweib dabei.

 

 

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Balkan noch nicht reif für Merkel & Co.

(hp) Griechenland, jawoll, ist eine Ausnahme im Kreis der Entwicklungsländer Europas. Gegenüber ihren Nachbarn sind die Griechen nicht hasserfüllt wie etwa die Bosnier gegenüber den Serben, sondern nutzen die unterpriveligierten Nachbarn (Albaner, Kosovaren, Bosnier, Serben) gern als Putzfrauen und Tagelöhner, Diener und Hilfskellner. Wie man eben Leute benutzt, denen es schlecht geht. Und schlechter als den Griechen geht es allen anderen Balkanesen allemal. Aber das ist hier nicht das Thema, Frau Bundeskanzlerin. Wie können Sie, frage ich mich, den nicht-griechischen Balkanesen Hoffnungen auf einen EU-Beitritt machen? Haben Sie ein Wundermittel in der Tasche, oder lockt nur eine irgendwann erreichbare Stütze aus Brüssel?

Den Kopf des serbischen Premiers Vucic, der heute zum Gedenken an das Massaker von Srebenica angereist war, trafen Steine empörter Demonstranten. Der österreichische Thronfolger wurde 1914 in Sarajewo von einem Serben erschossen. Das hatte Folgen ungeahnten Ausmaßes und ist mit dem heutigen Akt nicht vergleichbar. Aber ist ist der gleiche Hass, der in den Balkanvölkern lebt. Bevor die Europäische Union (nach den Griechenland-Erfahrungen) ihre harmonisierenden Fühler in den Südosten des Kontinents ausstreckt, sollten kundige Balkan-Kundler in den Beraterstab der EU-Bosse und -Bossinen aufgenommen werden und nicht nur Ökonomen!

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Kein Schiff wird kommen…

(hp) Eine Leidensgenossin der Hamburger Hafennutte Lili Marlen, die am Hafen von Piräus sehnsüchtelt und von der wunderbaren Melina Mercouri im Schlager „Ein Schiff wird kommen“ verewigt ist, hat es seit langem besonders schwer.  Weil jenes Schiff, auf dem sie ihren Liebsten vermutet, längst in einem anderen Hafen von Bord ging. Wissend, dass der ersehnte Matrose in seiner griechischen Heimat keinen Job bekommen könnte. Vielleicht studiert er bereits irgendwo in Deutschland und quält sich mit der Udo-Jürgens-Nostalgie vom griechischen Wein, dem der ehemalige Schiffer  schon seit geraumer Zeit den unverharzen pfälzischen Riesling vorzieht.

Der aktuelle SPIEGEL versucht in seinem aktuellen Heft unter dem Titel „Unsere Griechen“ eine „Annäherung an ein seltsames Volk“. Sehr gewissenhaft gemacht. Aber zum Teil langatmig und gleichzeit stark facettiert. Für Menschen mit Leseschwäche empfehle ich als Ersatz den 1965 gedrehten Oscar-gekrönten Spielfilm „Alexis Sorbas“ mit Anthony Quinn als Klischee-Griechen. Der Streifen ermöglicht bessere Einblicke in ein (Entwicklungs-)Land und die Mentalität jener Bewohner, die von den Segnungen eines geliehenen Kapitalismus noch nicht beglückt bzw. korrumpiert wurden.

 

 

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