Monthly Archives: Juni 2015

2015er „Kulturtage“ fallen aus – freiwilliges Budgetopfer?

(rf) „Jüdische Kulturtage“, laut Berliner Senats Internet-Ankündigung auf berlin.de  „wieder ein Fest für die Sinne […], musikalisch, cineastisch, literarisch und kulinarisch“, die vom 27. August bis 6. September stattfinden sollten, gibt es heuer nicht. Das erste Mal seit drei Jahrzehnten fällt die Veranstaltung aus. Heißt das, man braucht sie nicht mehr, weil sich die Akzeptanz der jüdischen Berliner bereits zufriedenstellend entwickelt hat, weil das Neben- und Miteinander mit den anderen Habitanten der Hauptstadt zur Selbstverständlichkeit geworden ist? Mag sein, aber ich glaub es nicht ganz. Einfallsreich finde ich jedenfalls, dass die Jüdische Gemeinde in raffinierter PR-Manier den Verzicht auf den gesicherten Senatszuschuss (eine Viertelmillion Euro) als freiwilliges Opfer für das dank BER- und Staatsopern-Mehrkosten gebeutelte Berliner Landesbudget verkauft. So jedenfalls findet es die köstliche „Tagesspiegel“-Online-Redaktion in ihr heutigen Morgenausgabe.

P.S. Kulturtage soll es diesmal übrigens in Erfurt geben: Entwicklungshilfe für Bevölkerungsschichten, die den Berliner Standard noch nicht erreicht haben?

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Oscar korrigiert eine Definition Berlins

(vb) Seit er als Zugereister mit alpinem Migrationshintergrund Neu-Berliner geworden war, hatte er zwei Definitionen über die soziologische Basis der Großstadt parat. Die erste: „Berlin ist das größte Fundamt der Welt.“ – Die zweite: „Berlin ist die Hauptstadt der Unverlässlichkeit.“ Das muß ich OscarRosaergänzen bzw. korrigieren: „Berlin ist die Hauptstadt der Unverbindlichkeit.“

Der Hintergrund: Mittlerweile besteht die Hälfte der Berliner Bevölkerung mehrerlei Geschlechts aus Singles. Die Hälfte dieser Singles ist auf der Suche nach Art der Natur. Aber, bitte, ja nichts Verbindliches. Das und viele Details der praktizierten Unverbindlichkeit kann man nun in aktuellen soziologischen Studien nachlesen. Viele partnersuchende Singles verstecken den Stress, den ihnen das vermiedene bzw. nicht gewollte Zweisamsein bereitet. Am ehrlichsten sind da noch die Schwulen, die ihre eigene Szene pflegen. Motto: Alles auf Unverbindlichkeit fokussiert, Kurz-Sex inklusive. Nach dem Orgasmus, oft genug in sogenannten Darkrooms, geht’s solistisch allein nach Hause. Dem Aufreißgetränk folgt in den allerwenigsten Fällen ein After-Sex-Drink. Das ist für mich ehrlicher als das Getue mancher Heteros, die mangels Darkrooms in ihrem Zuhause eine Strichliste ihrer One-Night-Stands führen. Unverbindlichkeit ist’s in allen Fällen. Da bin ich richtig happy, dass ich mich auf mein Langzeit-Herrchen verlassen kann!

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Griechen: „5 vor 12“ gilt nur fürs Volk!

(hf) Xeno ist wieder in Berlin. Vier Tage Heimaturlaub in Athen hat er hinter sich, um des Papas Euro-und Dollar-Schatz von der griechischen Alpha-Bank ins währungssichere Ausland zu transferieren. Dieser Transfer, wie Xenophon es ausdrückt, sei nur deshalb vonnöten gewesen, weil der Kommunist Tsipras „weich geworden“ sei in Brüssel und sich dort wohl wie Butter zerdrücken lassen würde, wenn es tatsächlich 5 vor 12 werden sollte am Ende dieses Juni 2015. „Mein Papa war immer national , aber für ihn und seiner Freunde soll es ein 5 vor 12 nicht geben!“ Sagt er und verlässt nach einem Caffé Latte das „Wiener Kaffeehaus“ am Roseneck. Seinen Porsche Carrera lässt er vor dem Café stehen, weil er noch bei Edeka um die Ecke Oliven („nur die getrockneten mit Kräutern“) kaufen müsse.

Für Reiche kein 5vor12

Für Reiche kein 5vor12

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Grünes Licht für die VerSpringerung Deutschlands

(mj) Die wachsende Bedeutung des grenzüberschreitenden Digitalmarktes, von der Regierung und ihren „Experten“ sanft verschlafen, hat der Chef des Springerkonzerns, Mathias Döpfner, schon vor Jahren erkannt und als wichtigstes Wachstumshormon für sein europäisches Medienunternehmen diagnostiziert. Es geht um die Vermarktung der

Bei diesem Joint Venture geht es gewiss nicht nur um mehr Geld...

Bei diesem Joint Venture geht es gewiss nicht nur um mehr Geld…

Medienangebote von Springer, und damit sich das Ganze auszahlt, holte der Konzern für die „Axel Springer Media Impact“ die Funke Mediengruppe in ein Joint Venture, das in Deutschland über eine Netto-Reichweite von 85,2 Prozent verfügen wird. Das Kartellamt hat diese Fusion zur „Anzeigen-Allianz“ (Berliner Morgenpost) genehmigt.

Viel Konkretes über diese mediale Allianz stand in der Morgenpost nicht zu lesen. Der designierte Geschäftsführer der neuen Vermarktungsgesellschaft, Andreas Geyr, schwärmt jedenfalls: „Wir werden über deutlich mehr Reichweite verfügen, haben eine höhere Relevanz für Kunden und Agenturen und können zudem neue Impulse für unser Mandantengeschäft setzen. Gemeinsam können  wir unseren Kunden  eine verbesserte Umfeld- und Zielgruppenvermarktung und zusätzliche Möglichkeiten für individuelle Kommunikationslösungen anbieten“ (MoPo). Was immer das heißen mag für die Zukunft der Medienlandschaften…

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Herr Kauder, in Schöneberg gibt’s keinen Heckler…

…und Koch, Ihre heimatliche Oberndorfer Waffenschmiede am Neckar in gemütlicher Provinz. In Berlin-Schöneberg leben Tausende von Schwulen und Lesben, die über Ihren Auftritt auf dem Berliner CDU-Provinzparteitag empört sind. Da bestärkten Sie wie ein scharfzüngiger, stockkonservativer Katholenpfarrer die provinzielle Berliner CDU-Führung in ihrer Ablehnung der „Ehe“ für Gleichgeschlechtliche.Der Gipfel Ihrer Rede war das Kompliment an die Partei, in einer Angelegenheit, „die mit Berlin konkret nichts zu tun“ habe. Weltfremder geht’s nicht, Herr Kauder!

Stellen Sie sich vor, Söhne der Waffenschmiede (mit dem berühmten Ordonnanzgehr der Bundeswehr!) wären schwul und wollten ihren jeweiligen Lebenspartner heiraten. Würden Sie da auch so heftig gegen eine Eheschließung agieren? Oder müsste die Waffenfirma nur eine etwas höhere Spende für Ihren nächsten heimisch-provinziellen Landesparteitag überweisen, damit Sie etwas zeitgemäßer plädieren? – Beim letzten Mal soll es nur lächerliche zwanzigtausend Euro gegeben haben, heißt es.

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Die Grünen wollen die FDP-Überbleibsel schlucken

(hp) Vor der letzten Bundestagswahl haben sie den Veggie day erfunden, diese Grünen. Diesmal haben sie vor, sich bis 2017 die Reste der Wirtschaftspartei FDP zu inhalieren. Ödzemir verweist neuerdings gern darauf, dass sich die Gegensätze zwischen Ökonomie und Ökologie in der letzten Zeit aufgelöst haben. Und weil seine grüne Partei, deren Mitglieder ihre Sneakers und T-Shirts abgelegt haben und – mit Ausnahme des Friseurvermeiders aus Bayern – in Anzug mit Krawatte daher kommen (zumindest die grünen Männer), sei sie doch die bessere Heimat für die Liberalen, von denen noch kaum welche übrig geblieben sind seit der letzten BT-Wahl. Ob Özdemirs Einladung ankommen wird, muß sich erst weisen. Verschlucken werden sich die Grünen an den freiheitlichen Überbleibseln sicher nicht.

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Ein „Grexit“ wäre keine Katastrophe!

(jk) Hat lange gedauert, bis das Gerücht, ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone würde eine Katastrophe bedeuten, beendet wird. Im heutigen „Handelsblatt“ – und welche Zeitung wäre fachkundiger in der deutschen Medienlandschaft – heisst es unter Berufung auf die seriöse Neue Zürcher Zeitung wörtlich:

„Ein solcher Grexit wird in der öffentlichen Debatte meist als Marsch auf unbekanntem Terrain dargestellt. Das stimmt jedoch nur für die noch relativ junge Euro-Zone, schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Seit 1945 ist es weltweit zu über 70 Austritten aus Währungsunionen gekommen. In den meisten Fällen führte dies zu einer Ankurbelung des Wachstums.“ Sogar ‚Ankurbelung der Wirtschaft‘ – was wollen wir mehr?

Der einzige Grund für die Katastrophenmalereien scheint mir zu sein, dass sich französische, englische und deutsche Banken, weitere Geldleiher und Investoren davor fürchten, bei einer Rückkehr zur Drachme viel Geld verlieren würden. Stütz-Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland haben sich längst damit abgefunden, den radikalen Schuldenschnitt, der ohnehin fällig würde, katastrophenfrei zu verkraften.

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Oscars Überlegungen zu Blatter und anderen Süchtigen

(hp) Macht, das wusste schon der Viehzüchter Kain aus der Bibel, hat was. Wir wissen, dass Macht über andere – es muß ja nicht gerade der Getreidebauer Abel sein – süchtig macht. Ein Politiker nutzt seine Macht, nicht nur für seine Wähler, sondern logischerweise auch für sich. In diesem Zusammenhang ist Blatter Sepp, von dem derzeit so oft die Rede ist, verdienstreich. Seine Politik, das kämpferische Aufeinandertreffen Oscar im TV Katzenvon je 2 mal 11 Leuten auf grünem Boden bis zur Hysterie der Konsumenten zu veredeln, war echt erfolgreich. Sie hat aber auch Millionen zahlender Menschen in Super-Stadien und vor heimischen Glotzen süchtig gemacht und den Fußball zum Gott unserer Zeit werden lassen. Und nicht nur Blatter, sondern alle sog. Sportfunktionäre aller Sportarten wurden mächtig und damit süchtig, natürlich auch in Bezug auf Geld. Dieses floss reichhaltig in die Vereinskassen und auf private Konten. Denn Macht und Korruption und Beschiss sind und waren bekanntlich schon immer Drillinge, wenn Geld und/oder Einfluss eine Rolle spiel(t)en. Dagegen ist die Rolle der beiden TV-süchtigen Miezekatzen, die zu meinen Fans gehören werden (siehe Dokumentarfoto!), ein Klacks. Unpolitisch und ganz ohne Beschiss. Außer die größere Pussy hat wieder einmal zu viel Gras gefressen und, durch meinen Fernsehauftritt abgelenkt, den Teppich verunreinigt.

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Oscar über Entzugserscheinungen

(hp) Quengelei gestern bei meinem Kaffeehaus-Türken: Ein zornig gewordenes Zweibeinerkind trommelt rotgesichtig auf den Oberschenkel seines Papis und schreit nach seinem Handy, was dem Papi peinlich ist. Er reißt den kleinen Brüllaffen an den osc5Hosenträgern hoch, worauf dieser nach einer Papst-Franziskus-gerechten Kopfnuss schweigt. Nebenan, vor dem Fetischladen „Boxer“, lümmelt ein älteres Kind von etwa 25 Jahren. Der kiezbekannte Stricher bettelt jeden Passanten um einen Euro an, weil er Nachschub brauche: „Ich krepier‘ ohne Stoff!“ Sowas von erbarmungswürdig. Hätte ich Geld bei mir, würd‘ ich ihm eine Münze hinrollen.

Im Haus Eisenacher Str. 13 entzieht sich ein verrückter Frührentner seines Beruhigungsmittels und drischt mit einem Hammer um Mitternacht minutenlang auf das Heizungsrohr. Jemand holt die Polizei. Als diese eintrifft, sitzt der Gestörte starr in seiner Küche und tut, als wär‘ er nur traurig.

Heute steht der immer noch nach Stoff hechelnde Typ wieder vor dem „Boxer“-Laden. Völlig verludert. Müsste eigentlich zum Entzug, denke ich. Andere haben sich besser im Griff als dieser arme Teufel. Nehmen Sie sich ein Beispiel an mir, lieber Leser: Ich bin auch ohne Zwischendurch-Leckerlis nach wie vor friedlich und gediegen. Dass der Alte aus der zweiten Etage des 13er Hauses unter Entzugserscheinungen leidet, weil er mir nicht einmal mehr übers Fell streichen und sich an meinem treuherzigen Blick erfreuen darf, tut mir zwar leid, aber gegen solche Entzugserscheinungen hilft ein treffliches, klinikfreies Rezept: Es gibt an der Motz-Ecke noch andere Vierbeiner, die sich für einen liebevollen Streichler ebenso herzlich zu bedanken wissen wie ich …

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Generalprobe Steiermark: Rechts hat eine lange Tradition!

(hp) Den oberösterreichischen Rechtspopulisten, den die Kärntner einmal zu ihrem Landeshauptmann gemacht hatten, hat es bekanntlich nach einem Gasthausbesuch tödlich erwischt. Dr. Jörg Haider war sein Name, und sein Foto steht nach wie vor unter so manchem Herrgottswinkel in den tiefen Tälern des Kärntnerlandes mit seinen schönen Badeseen, die sommers gern von Piefkes und alten Wienern heimgesucht werden. Ein schönes Land fürwahr, eines, das aber auch viel mitgemacht hat. Nach dem Ersten Weltkrieg sollte ein Teil an Jugoslawien fallen. Doch nach monatelangem Abwehrkampf setzten national gesonnene, tapfere Männer – verstärkt durch deutschnational gesonnene Mitglieder reichsdeutscher Burschenschaften –  eine international kontrollierte Volksabstimmung durch, die auch der US-Präsident Wilson, der die Kärntner Teilung auf dem Billiardtisch mit rotem Stift markiert hatte, akzeptieren musste. „Kärnten bleibt deutsch“ lautete, grob geschnitzt, die Devise.

In der dem Kärntnerland benachbarten Steiermark, der die Siegermächte 1919 das landwirtschaftlich wertvollste Viertel des Landes  wegschnitten, gab es keinen blutigen Abwehrkampf gegen die Slowenen in der Untersteiermark. Die deutschen Städte (Marburg, Pettau, Cilli) wurden jugoslawisch. Was Wunder, wenn die Reststeirer Hitlers „Heim ins Reich“ derart innig begrüßten, dass die Landeshauptstadt Graz von den Nazis zur „Stadt der Volkserhebung“ ernannt wurde.

Obwohl es im „grünen Herz Österreichs“ (Selbstdiagnose) in Sachen Fremdenfeindlichkeit weitaus ruhiger war und ist als in Kärnten, haben die Nationalen auch hier – dazu brauchte es keinen Jörg Haider – immer noch einen festen Bodensatz, der sich heute unter einem freiheitlichen Mantel wohl fühlt. Immer dann, wenn das Wahlvolk den Volksparteien eins auswischen möchte, werden die FPÖler stark. Graz hatte schon mal einen erfolgreichen freiheitlichen Bürgermeister (Götz). Bei der Wahl am letzten Sonntag rückte die FPÖ wieder einmal stark auf, blieb aber knapp hinter SPÖ und ÖVP zurück. Und das beruhigt mich. Von einem „Umsturz“, den ein deutschsprachiges Boulevard-Blatt zu erkennen glaubte, kann keine Rede sein. Als Auslandssteirer lege ich Wert darauf, in meiner alten Heimat überwiegend grüne Herzen zu wissen und möglichst wenige braune.

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