Monthly Archives: November 2014

ZDF-Advent: Erbärmlich säkular!

(mb) Das ZDF, als Volkserzieher und -bildner gegründet, weil Politiker der rechten Reichshälfte mit dem angeblich zu linkslastigen Programm der ARD Schwierigkeiten hatten, geriert sich mit seinen Programmen schon seit längerem als Staatsfunk der Regierung und der Wirtschaft. Das geht so weit – und Quoten-Satire wie die „heute show“, zunehmend klamaukig, gehört dazu* -, dass auch die Sekularisierung im (noch) christlich geprägten Deutschland auf die Spitze getrieben wird. Tagesaktuell: Anstatt eines Adventkonzerts gab es eine stargespickte Gala (aus der Frauenkirche Dresden), und nach der nichtssagenden „heute“-Sendung plaudert der australischstämmige Historiker Christopher Clark („Die Schlafwandler“, denen wir den 1. Weltkrieg verdanken), über die „deutsche“ Frühgeschichte. Danach der übliche Herz-Schmerz-Kitsch für die fernsehsüchtige Bevölkerung, der ARD-„Tatorte“ zu brutal sind.

Als Moslem dachte ich bisher, Advent sei hierzulande die Zeit der Vorbereitung auf die Geburt des Erlösers der sündigen Welt, eine Zeit der Besinnung, der Erwartung und der wunderbaren A-capella-Lieder, die allesamt in Moll beginnen, nicht ohne im Mittelteil der Strophen eine Passage in Dur aufzuweisen. Stattdessen kommerzialisierte Darbietungen wie in den Fahrstühlen und in den Klosetten großer Kaufhäuser, damit die derart berieselte Kundschaft  die Ladenkassen füllt.

Zum Infotainment (s. Clarks Deutschland-Sendung) nur noch eine Anmerkung: Hätten die ZDF-Konsumenten die Fernbedienung missbracht, wenn sie von einem türkischen Geschichtsplauderer unterhalten worden wären?

*) Bin gespannt, wann die einzig verbliebene treffliche Satire-Sendung  „Neues aus der Anstalt“, die das Kompliment „Satire“ noch verdient, auf Klamauk getrimmt werden wird…

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Bald auch kroatische Kastraten im Konzertsaal?

(hg) Sie will spätstens bei der möglichen Stichwahl im Jänner zur Präsidentin Kroatiens gewählt werden: Kolinda Grabar Kitarovic, Präsidentschaftskandidatin der nationalkonservativen Partei HDZ, setzt sich für eine drastische Bestrafung von Pädophilen in Kroatien ein – Kastration inklusive. Als Präsidentin will sie dann eine öffentliche Debatte zu dem Thema starten, die zu einer Gesetzesänderung führen soll. Die chemische Kastration von Sexualstraftätern ist in einigen EU-Staaten Praxis.

Das ist wahrlich ein Schlager. Den armen Schweinen, die unter der dem üblen Drang leiden, soll körperliche – menschenrechtswidrige – Amputatuion ihres schadhaften Gefühlshaushalts angetan werden, was beim Wahlvolk garantiert gut ankommen dürfte, darüber hinaus wohl auch bei der Arzneimittelindustrie:

Haben Sie, geschätzter Leser, gewusst, dass gleichzeitig mit der Beforschung der ersten Antibabypille ANOVLAR (1960/61) die Hormonforscher Wiechert und Neumann von Schering (heute Bayer) ein Hormon fanden, das nicht die erwünschte Wirkung erzielte, sondern den männlichen Geschlechtstrieb stark verminderte. Als ANDROCUR (nomen est omen) wurde es u.a. an freiwilligen, inhaftierten  Triebtätern erfolgreich erprobt. Sogar der damalige Justizminister Vogel bat den Vorstand der Schering AG, die Forschung an diesem Produkt, das damals nicht in die Palette der von Schering (Hormonmutter Europas) passte, auf keinen Fall einzustellen. Vogels Experten versprachen sich Erleichterungen im Strafvollzug. Ob das ANDROCUR (oder wie das von Urologen freudig gegen schwere Prostataleiden  verschriebene Arzneimittel heute heißen mag) auch bei Pädophilen wirksam ist, muss wohl erst bewiesen werden, sehr geehrte Frau Kolinda Grabar Kitarovic! Haben Sie auf Ihre Idee schon ein Patent angemeldet? Außer in Polen wird die chemische Kastration heute noch nicht innerhalb der EU praktiziert…

P.S. Das besagte Anti-Hormon aus dem Scheringschen Labor wird auch heute noch bei jenen Frauen angewendet, die unter Hirsutismus (übermäßige Körperbehaarung) leiden!

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Mädchen, macht kleinere Schritte…

(hp) Das war ein Wirbel im katholischen Österreich: Da regte sich irgendwo in oder bei Wien kürzlich ein Mann der Hochschule darüber auf, dass bigotte, also stockkonservative Eltern gegen Sexualpädagogik in der Grundschule protestierten. Der kecke Mann, offenbar mit der Praxis in der Grundschule und speziell mit dem Turnunterricht vertraut, erfrechte sich, mangelnde Körperhygiene – wobei er den Fokus auf die Nicht-Säuberung der Genitalien der Kinder legte – zu kritisieren, für die das Elternhaus zuständig sei. Sexualerziehung, so schrieb er, fange dort an, wo der liebe Gott nicht nur Ausscheidungsorgane (Pfui!), sondern auch Instrumente zur Fortpflanzung und Lustgewinnung installiert habe. „Alles vom Nabel abwärts“, so erzählte mir vor Jahren eine Schülerin, „ist gaga, hat die Mama gesagt“. Damit hat das Kind auch bestätigt, was in folgendem burgenländischen Witz verewigt ist:
  Lehrer mit Mädchenklasse besucht eine Kirche. Die Kinder gehen um die Bänke herum. Der Lehrer ermahnt sie: „Mädchen, macht kleinere Schritte, es stinkt nach Fisch!“

Entschuldigend ist zu vermerken, dass es damals im (rückständigen) Burgenland noch keine Duschen und Bäder gab, sondern nur Lavoir mit Waschfleck. Den benutzte man natürlich nur, wenn niemand zuschaute. Das ist heute glücklicherweise in den meisten Familien anders, aber dass alles unter dem Nabel gaga sei, gilt fürs schlichte breite Volk immer noch.

Ein etwas ernsterer Aspekt: Wenn Kinder wissen, dass ihre Genitalien nicht gaga, sondern etwas Wichtiges und Wertvolles sind, sind sie besser gegen Lüstlinge und Perverse gewappnet, die sich diesen Organgen nähern wollen.

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Über den Umgang mit Tanzbären

(rs) Der Tanzbär, ein zur Volksbelustigung konditioniertes Raubtier, war bis vor kurzem auch bei uns ein bliebtes, weil friedlich scheinendes Lebewesen, das wegen des Missverhältnisses zwischen Körpermasse und Trippelschrittchen hochsympathisch war bzw. in ehemaligen GUS-Staaten und in Albanien immer noch ist. Dass die Friedsamkeit des Bären nur deshalb so sicher ist, rührt von der (Nicht-)Spannung der Eisenkette, deren eines Ende im Nasenring des Tieres und das andere in der Hand des Bärenführers liegt. Nur sehr musikalische Tanzbären pflegen auch nach dem Pfeiflein des Bärenführers zu tanzen. Sind die Töne, also das Zurechtpfeifen, für das mächtige Tierchen zu schrill, wird es leicht hysterisch. Da nutzt es dann oft nicht mehr, wenn die Kette so angespannt wird, dass der Nasenring höllische Schmerzen verursacht. Deshalb mein Rat an die NATO-Dompteuse A. Merkel: Überspannen Sie  die Kette nicht!

(bv) Noch so gut domestizierte Bären sitzen ungern auf der Eselsbank, mit Häme vom Rest der Gesellschaft ignoriert, deren größter Teil sich ohnehin nur unter den Fittichen der NATO  sicher fühlt. Während meiner Jahre als Lehrer vermied ich es, unbequeme Schüler in die Eselsbank zu setzen; auch das in der ehemaligen Ostmark langjährig übliche (Holz-)Scheitelknien als Strafritual war meine Sache nicht. Denn – abgesehen von der inhumanen Art der Bestrafung eines Übeltäters – war zu bedenken, dass sich ein solcherart bestraftes Kind (auch wenn’s ein pubertärer Rotzbube war) für diese Art der Ausgrenzung  von der Klassengemeinschaft rächen würde, zuweilen sogar blutig. Die unblutig erfolgte Adoption der Krim durch Russland als Anlass zur Dauerbestrafung zu verwenden, weil das Völkerrecht verletzt wurde, sollte eine bundesdeutsch-europäische Machthaberin differenzierter betrachten als sie es derzeit tut. Der innerdeutsche Bau der Mauer ab August 1961 war völkerrechtsgerecht, Frau Dr. Merkes, falls Sie das vergessen haben sollten. John F. Kennedy, der Schutzheilige der Berliner, hat bekanntlich seinen Senator Fulbright erst dann beauftragt, Chruschtschow telefonisch den Mauerbau zu genehmigen, nachdem die Völkerrechtsfrage geklärt war. Und an der Mauer gab es, liebe Frau Merkel, etwas mehr Blut als auf der Krim.

(ch)

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Die Show der Vatikan-Fundamentalisten

(sv) Nach internationaler Volksmeinung ist mindestens ein Drittel der katholischen Priesterschaft schwul, auch wenn der Großteil diesen Drittels dem lieben Gott versprochen hat, im praktischen Alltag nicht nach dem Naturgesetz der schwulen Sexualität zu leben, sondern enthaltsam.

Dass sich nun großteils über 70 Jahre alte Männer in purpurroter Dienstkleidung, zusammengetrommelt vom sich liberal gebenden argentinischen Papst, in Rom zur Modernisierung katholischer Praxis trafen, ließ breite Schichten der nicht nur europäischen Katholen darauf hoffen, dass sich etwas tut in Sachen Akzeptanz auch schwuler Gotteskinder, Geschiedener usw. Doch die Hoffnung blieb ein rasch versiegtes Strohfeuer.

Kein bisschen Glut blieb übrig, und sogar meine aus Portugal stammende Nachbarin meint schmunzelnd: „Ich bin immer mit meinem Pfiffi zum Gottesdienst gegangen, habe ihm sogar die halbe Hostie gefüttert und niemand hat sich aufgeregt.“ Da bleibt für mich angesichts der römisch-katholischen Show weiterhin nichts anderes übrig als hervorragenden Organisten an grandiosen Orgeln (z.B Silbermann in der Schöneberger Matthiaskirche) zu lauschen und auf die nächsten 100 Jahre zu warten, bis sich die Oberhäupter der katholischen Kirche in Rom vielleicht zu einer etwas moderneren Auffassung durchringen werden.

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Die Aufgehetzen in Erfurt: deutsch devot und massenfreudig

(hg) Man muß die „Psychologie der Massen“ (Gustave Le Bon, 1895) gar nicht aktualisieren, um das nachvollziehen zu können, was sich seit der Gauckschen Zweifelskundgebung, ob es mit einem Thüringer LINKE-Ministerpräsidenten gut gehen könne oder nicht, in vielen Köpfen dieses waldreichen Bundeslandes und darüber hinaus abspielt. Aus geschickt primitivisierten „Befürchtungen“ mehr oder weniger bekannter CDUler, Kanzlerin A. Merkel inklusive, rollte heute, am Tag nach dem 25-Jahr-Fest zum 9. November, eine Welle von Volkshass am Erfurter Domplatz die Stufen abwärts in den Rinnstein: Leute, die sich bis knapp vor den Herzinfarkt heiser schrien, verseuchten die sehr junge demokratische Frischluft und zerrissen den herbstlichen Restnebel über dem Gotteshaus. Ich finde es bitter, dass so viele Menschen nichts dazugelernt haben! 25 Jahre nach dem Ende der Diktatur und innerhalb des demokratischen Staates Deutschland gut aufgehoben, könnten die angeblich so gefährlichen „Drachenblutreste“ (laut Parlaments-Stänkerer Biermann „Reaktionäre“) – sachlich betrachtet – nichts Böses anstellen, außer unsozialen Vorlagen im Bundesrat ein folgenloses Nein zu erteilen. Sonst nichts. Bleibt die Frage: Haben die „heutigen“ Dom-Demonstranten von Erfurt tatsächlich so große Angst wie z.B . ihre 1989er Väter und Mütter, dass auch sie die anonyme Masse brauchen, um ihre Meinung kundzutun, oder sind sie nur traditions-devot?

 

 

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Wie viele der 17 Mio. DDR-Bürger waren politisch Verfolgte?

(silv) War sie ein „Unrechtsstaat“ oder nicht? War sie nur eine Diktatur wie es viele andere gab und immer geben wird? Solche Fragen werden im 25. Jahr der Maueröffnung gern gehätschelt und zuweilen bis zur Makabrität hochgespielt – bis in die praktische Politik. Nun hat sich auch der Bundespräsident, Ex-DDR-Pfarrer  Joachim Gauck, angesichts der Thüringer Situation geäußert und die LINKE seines Misstrauens versichert. Aus seiner persönlichen Sicht ist das sicher verständlich. Nur: In jeder Diktatur wird ausschließlich „von oben“ vorgegeben, was öffentlich gedacht und getan werden darf und was nicht. Ich habe mich als in Berlin (West) lebender Bürger seit 1978 pro Jahr mindestens einmal im Monat in der DDR aufgehalten, 1981 und 1984 Urlaub auf Usedom bzw. Rügen verbracht und stets privat übernachtet. Logo: von „Behinderungen“, unter denen DDR-Bürger litten, habe ich so manches mitbekommen. In anderen Diktaturen bekam ich etwas mehr mit, doch das nur so nebenbei.
Mir geht es angesichts der in der heutigen Bundesrepublik Deutschland vielstimmigen Verurteilung des DDR-Regimes und damit des ganzen Nachkriegsstaates um die Frage, wie hoch der Anteil jener DDR-Bürgerinnen und Bürger war, die unter diesem Regime litten, Nachteile erfuhren usw. Nicht vorhandene Presse- und Reisefreiheit sowie die Brutalitäten des „Grenzschutzes“ sind nicht DDR-typisch. Ich vermute eher, dass die aktuelle Fokussierung auf Ungerechtigkeiten, die manchen oder vielen oder sehr vielen DDR-lern widerfahren sind, eine gewisse Verschwommenheit produziert – so, als wäre fast jeder von jedem bespitzelt worden, um nur einen Aspekt zu nennen.
Würde übrigens gern wissen, wie es nach 1945 in einem aus Kriegsruinen aufzubauenden Westdeutschland zugegangen wäre, hätten nicht die Alliierten mit ebenso verantwortungsvoller wie geschickter Hand Volkserziehung betrieben.

 

 

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„Ihr edlen Christen seid doch auch nicht viel anders!“

(saly) Unser Jahresgast 2014, Ali, BW-Student mit Eltern in Tunis, macht für uns den besten Redaktions-Latte macch. und hält sich mit politischen Überlegungen zurück. Neuerdings versüßt er uns auch manche Viertelstunde mit Anekdoten aus dem Maghrebinischen, aberneuerdings stichelt er. Deshalb hat er sich für einige provokante Bemerkungen  ein Themenverbot  eingefangen. Sein Thema heißt Islam & Islamisten und Alis Grundthese lautet in etwa so:
Die (Taufschein-)Christen seien doch auch gespalten, auch wenn sie seit langer Zeit nicht mehr mit „Feuer und Schwert“ aufeinander losgehen, wie es Islamisten und religiöse Radikalinskis tun: „Ihr Christen erörtert immer gern die Gegensätze zwischen Sunniten und Schiiten. Dass ihr im seit 500 Jahren moderneren Abendland nach grauenhaften Glaubenskriegen nach wie vor in Katholen und Lutherische gespalten seid, obwohl es sich beim lieben Gott um ein- und denselben handelt wie bei „Allah“ aller Muslime, sollten wir nicht nicht vergessen, uns an der eigenen Nase nehmen und schauen, dass wir mit unserer christlichen Religion ins Reine kommen, bevor wir uns über die Probleme der islamischen aufregen. Außerdem ginge es uns einen feuchten (Kamel-)Fladen an, dass die Schiiten ihre Imame wollen und die Sunniten ihren Kalifen.“
Nachdenkenswert, sagt Ina, nachdem ihr der Latte macch. serviert wurde. Sie arbeitet in ihrer Pfarrgemeinde in Berlin-Schöneberg in einem Arbeitskreis zur Vorbereitung des 500-Jahr-Jubiläums 2017 mit und bedauert gelegentlich, dass innerhalb der beiden großen christlichen Kirchen ökumenische Ansätze so gut wie verstummt sind…

 

 

 

 

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