Monthly Archives: Mai 2014

EU: Danke, Sonneborn!

(hp) Berlin am Tag nach der EU-Wahl. Auf dem Gehweg abgerissene Plakate. Auf das mit dem CDU-Lokalkandidaten Zeller, der wochenlang depressiv und mit geschwollenen Gesichtszügen von der Bogenlampenstange auf die Hundsbömmerl geschaut hat wie ein Abschiebehäftlich im Tee, binn ich irrtümlich getreten, weil ich einem Hundedreckpatzl in der Eisenacher Straße in letzter Sekunde auswich. Hundert Meter weiter, im Straßencafé Seda, lag eine Berliner Überflüssigkeitszeitung für U-Bahn und WC  auf meinem Tischchen. Der Aufmacher: Sonneborn will die EU abzocken. Sowas liest man, obwohl das Blattl wahrscheinlich vom Springer-Verlag stammt. Was Sonneborn da anklündigt, hat was. Sie haben’s sicher schon gelesen. Er wird nur einen Monat lang Europa-Abgeordneter sein  und Spesen kassieren. Nach diesem Monat sollen andere dran, treue Anhänger seiner „Partei“. Da ist, weil Sonneborn sicher keine Dumpfbacken in die EU schicken dürfte, einiges an Realsatire über den dortigen Betrieb zu erwarten. Ich bin schon jetzt heiss drauf!

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Wien macht’s vor: Nackert und ein bisserl anders

(hp) lief-ball-plakat-präsentationDieses Plakat (links) sorgt zurzeit in Wien für einiges Aufsehen. Sowas hat es in der Stadt, wo im operettigen Walzertakt „im Prater (bisher nur) die Bäume blühen“ , noch nie gegeben. Zum nun bereits traditionsreichen „Life Ball“, den vor etlichen Jahren der Wiener Bürgermeister Helmut Zilk sogar ins Rathaus  holte, damit aus einer Schwulen- und Lesbenparty eine international beachtete Edelveranstaltung würde, gibt es diese köstliche Plakatpräsentation der etwas anderen Art: Toleranz von oben verordnet. Von Akzeptanz keine Rede. Weder innerhalb der Stadtgrenzen, noch in der Provinz. Gegen den „Lifeball“, der dem besseren Verständnis für Gleichgeschlechtliche dienen und Anti-Aids-Projekte unterstützen sollte, gibt es noch immer ein landesweites spießbürgerliches Grummeln  und Ablehnung all jener, die anders sind.

Das diesmalige Veranstaltungsplakat wagt den romantisierten Blick auf das Noch-etwas-Andere: Was an diesem „Sowas gibt’s auch“ bisher vertuscht wird, hängt nun an Plakatwänden. Bleibt zu hoffen, dass sich auf die Gynäkologie dazu entschließt,  Sonderbauweisen menschlicher Körper, die nicht ins 08/15-Schema passen, als natürliche Erscheinungsformen offen darzustellen und der Gesellschaft nicht nur Teleranz, sondern Akzeptanz    einzuimpfen. Dass die Stadt Wien mit ihrer gut dotierten Fremdenverkehrswerbung für Wien-Wochenenden (sogar) in der Berliner Schwulenmetropole Schöneberg, direkt am Exklusiv-„Kaufhaus des Westens“ , Werbung betreibt, führe ich auf die Feinkostfirma Julius Meinl zurück, die auf dem Wittenbergplatz Kaffee und Mannerschnittchen verteilt. Für den Lifeball sollte man lieber vor und hinter dem Semmering werben, wie man nach 1945 in den Bundesländern für die Akzeptanz der Stadt Wien geworben hat. Das war damals ein staatliches Projekt. Viele tausend damalige Schulkinder erinnern sich noch nach Jahrzehnten an die „Wien-Woche“, die einen die Stadt lieb gewinnen ließ.

 

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Berlin-Toter Flugplatz: unsoziale, kurzsichtige, idiotische Protestiererei!

(hpi) Am kommenden Sonntag soll in Berlin nicht nur in Sachen Europa, sondern auch in einer stadteigenen Streitfrage abgestimmt werden. Soll der seit Jahren stillgelegte Stadtflugplatz Tempelhof  in Gänze eine völlig unverbaute freie Fläche bleiben (über 300 Hektar!), oder soll – wie vom Senat vorgesehen – ein Drittel des großteils begrünten Freiplatzes mit bezahlbaren Wohnungen verbaut werden?
Im rbb läuft gerade ein Streitgespräch samt Bausenator. Die (bisher ignorierbare) Hypothek für die Berliner Politik sind  bereits vorhandene Unmengen an Gegenstimmen auf Papier. In Wahrheit ist es jedoch das latente Misstrauen großteils gut situierter (Neu-)Berliner dieser Stadtpolitik gegenüber. Es sind überwiegend jüngere Leute und Privatkapitalisten, die sich egoistischerweise mit möglichst viel grünem „Freiraum“ eindecken wollen. Und dabei bewusst vergessen, dass Berlin die europäische Großstadt ist, die über die mit Abstand meisten Grünflächen verfügt. Denn das heutige Berlin ist keine Metropole, sondern ein 1920 zusammengezwingener Haufen von acht Städten und 37 Dörfern mit jeweils eigenen (Volks-)Parks, Alleen und mit Bäumen bestückten Straßen – weltweit unerreicht.

Doppelt ignorant sind für mich die für ein Siedlungsbauverbot eintretenden Leute, die zu blind dafür sind zu erkennen, wie sich durch innerstädtischen Lückenverbau ganze Kieze entprofilieren: Mietshäuser werden entsiedelt und zu Luxusquartieren umgebaut und teuer verkauft. Womit sich der Mietspiegel zu Ungunsten der Langzeitbewohner verändert. Gegen die Vollpropfung der Stadt mit Hotels und Hostels habe ich noch nichts an Demos gehört, wie sie in Sachen Flugplatzfläche Tempelhof veranstaltet wurden. Da die meisten Inhabitanten  der einst größten Industriestadt Europas seit jeher nicht zu den emsigsten Wählern gehören, muss man beinahe Angst haben, dass die Neo-Spießer am kommenden Sonntag Erfolg haben.

 

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Wiener Kardinal gratuliert Conchita: das war’s!

(hpr) Toleranz gegenüber Minderheiten lässt sich nicht von oben verordnen, Akzeptanz schon gar nicht. Wenn sich der Wiener Kardinal Schönborn über den Erfolg des schwulen Tim alias Conchita freut, dann ist das eine vorübergehende Verbeugung vor dem Zeitgeist, nicht mehr. Was vornehmlich die katholische Kirche dem Berg- und Talvolk jahrhundertelang eingetrichtert hat, lässt sich nicht nach einem Song Contest in Tolerenz umkehren und schon gar nicht in Akzeptanz. Trotz Pressewirbels und gutmeinender Kommentare in allerlei Medien. Wie mit dem von den Kirchen oktroyierten Antisemitismus, der heute zeitgeistgerecht nicht mehr offen deklariert wird, geht es mit den  Schwulen und Lesben: Es gibt sie, weiß jeder Stammtischler, aber sie gehören nicht dazu, höchstens ins Fernsehen oder in den Frisiersalon. Bleibt also nur, dem schwulen Tim aus dem unschwulen Österreich zu wünschen, dass er mit aktuellen Auftritten und Spektakeln so viel Knete macht, dass er gut davon leben kann – illustrer als die Stammtischbrüder, die ihn nach dem dritten Bier am liebsten verdreschen oder, falls vorhanden, von einem Felsen stürzen würden. Weil er anders ist als die anderen. Und der Kardinal? Er blättert in seinem Brevier halt eine Seite weiter…

 

 

 

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