Monthly Archives: März 2014

Völkerrecht – nur eine Frage der Auslegung!

(hp) Halten wir fest, liebe journalistische Kollegen:
Wenn in einer Großstadt der östlichen Ukraine aggresive, vielleicht sogar bewaffnete Männer gegen die makabre Kiewer Regierung protestieren und einen Anschluß an Russland fordern, dann ist es nicht Putin. Es ist auch nicht der böse Putin, der dazu aufgefordert, widerspenstige ukrainische Matrosen auf der Krim zu ohrfeigen. Und es ist auch nicht der gewaltversessene Putin, der sich das „Völkerrecht“ nach seiner Laune zurechtbiegt. Wenn „seriöse“ Moderatoren wie der ZDF-heute- Journal-Präsentator Klaus Kleber und – siehe gestern – der ansonsten köstlich unseriöse „heute show“-Moderator Oliver Welke gegen Putin lospoltern, dann zeugt das nicht nur von mangelhafter Bildung, sondern auch von der Abhängigkeit einseitiger Beurteiler der Situation. Zur Erinnerung:
Als 1961 auf dem Höhepunkt der Berlin-Krise, da einige Spitzenpolitiker bereits die Gefahr eines 3. Weltkrieges beschworen, der junge US-Senator William Fubright seinem Chef, J. F. Kennedy, meldete, eine Einmauerung von Berlin (West) widerspräche nicht dem Völkerrecht, befahl ihm der Präsident, sofort im Kreml anzurufen und den Mauerbau zu genehmigen. Völkerrechtsgerecht. Aber wenn der erste Chef Russlands, der nach dem Jelzin-Chaos wieder so etwas wie Ordnung hergestellt hat, die Krim auf deren Wunsch heimholt in den Schoß des Mütterchens Russland, dann sei das ein Völkerrechtsbruch. Und das wird dann als Todsünde eines bösen Diktators angeprangert. Hoch lebe die Einseitigkeit! – Über die Völkerrechtsbrüche des Westens, beginnend mit dem Überfall auf den angeblich giftwaffenstarrenden Irak, hab ich seinerzeit vergleichsweise wenig gehört.
Bin übrigens gespannt auf die bevorstehenden Sanktionen gegen Russland nach hoffentlich unblutigen Unruhen zwischen Charkiv und Donezk.

Kommentare deaktiviert für Völkerrecht – nur eine Frage der Auslegung!

Filed under Morgengalle

Limburger Ex: Spätfolgen eines Onanieverbots?

(RB, eingeschmuggelt)  Aus dem Geschwurl des bekanntesten Tabubrechers seiner Zeit, Sigmund Freud, mußten wir uns zu viert durch seine Aufzeichnungen wühlen, um nachzuschauen, was der Mann über kindliche und pubertäre Sexualität schrieb und sich damit in den bigott-konservativen Kreisen Wiens und Umgebung unbeliebt machte. Dass Freud einen ungarischen Baron anlässlich einer Tagung der Wiener Klinischen Gesellschaft lächerlich machte, indem er ihm auf den Kopf zusagte, als Junge das übliche Onanierverbot offenbar nie übertreten zu haben, was den „Dachschaden“ der adeligen Arroganz und Bösartigkeit verursacht habe. Von einem Beleidigungsprozess sah der Baron ab, weil er in einen Hochstapelei-Skandal verwickelt war.

Ist es verwunderlich, dass wir an den abberufenen Limburger Bischof denken mussten, als wir solcherlei lasen? Ganz abgesehen davon, wie makaber der arme Mann als Täufling von seinen Eltern benamst wurde -, offenbar hat er sich als Pubertärer der eigenen Sinnesfreuden enthalten, sodass er den erworbenen Mangel an Lebenslust als Erwachsener, zu zölibatärem Leben gezwungen, in äußeren Prächtigkeiten Ersatz suchte?

Als angehende Psychotherapeuten bleibt uns nur der freundliche Rat an Eltern, ihren heranwachsenden Nachwuchs nicht mehr dazu zu zwingen, nach dem Nachtgebet die Pfoten auf die Bettdecke zu legen – egal, ob aus dem Nachwuchs etwas Klerikales mit Mütze und Stab werden soll oder nicht.

Kommentare deaktiviert für Limburger Ex: Spätfolgen eines Onanieverbots?

Filed under Feuil­le­ton

Lehrer per Inserat gesucht – ein Armutszeugnis der Sonderklasse

(hp) Sigmund Freud, ein nicht ganz unbekannter Österreicher,  sagte in einer Wiener Diskussion anno 1898, es sei ein Armutszeugnis für ein Land, wenn es zu wenig Lehrpersonal ausbilde und einsetze. Noch dazu, wenn in andauernden Friedenszeiten genügend junge Leute zur Verfügung stünden.
In Deutschland haben wir schon lange keinen Krieg gehabt; hochschultaugliche Jugend existiert in reichem Maße. Warum gibt es in einigen Regionen (Brandenburg und Mecklemburg) einen derart eklatanten Lehrermangel, sodass Lehrer aus anderen Bundesländern per amtlichem Inserat in Tageszeitungen gesucht, besser: angelockt, werden müssen? – In Brandenburg geht es nach Aussage der dortigen Kultusministerin um bis zu eintausend Mann bez. Frau.
Von der sog. Kultusministerkonferenz, die sich durch faszinierende Ideenlosigkeit auszeichnet, war bisher kein Hilferuf zu hören und für die Unis sind Lehramtsanwärter offenbar Studenten zweiter Klasse. Welch ein Armutszeugnis! Und wenn man bedenkt, wieviel tausend Unterrichtsstunden wegen Lehrermangels ausfallen, ohne dass Eltern mit Mistgabeln und faulen Tomaten gegen die Schulbehörden vorgehen, dann handelt es sich um ein weiteres. Sie könnten sicherlich weitere Armutszeugnisse ausstellen, liebe Leser. Angesichts einer großen Zahl völlig ungeeigneter Lehrpersonen kann ich nur feststellen: Mir tun die Opfer leid – unsere Kinder, also unsere Zukunft!

Kommentare deaktiviert für Lehrer per Inserat gesucht – ein Armutszeugnis der Sonderklasse

Filed under Allgemein

Werft die ordinäre Gretlfrisur in den Dnjepr!

(eva) Rotz und Wasser haben sie geweint, die deutschen Mitleidsweiber und ihre männlichen Gutmenschen, als vor einigen Jahren – es ist gar nicht so lang her! – die hübsche, wie von einem Trachtenverein ausgeliehen erscheinende, süß-herbe Timoschenko Juli mit ihrer unschuldigen Gretlfrisur als rückenleidende Politikerin über die Bildschirme geisterte. Was haben sich Spezialisten der Berliner Charité um die arme Frau gekümmert, als würde es sich um eine Rettungsaktion für arme Kriegsinvaliden aus Afghani- oder einem anderen -stan handeln!

Schon damals warnten einige Kenner der Kiewer Szene vor dieser eisernen Julia. Sie sei unter den neureichen Ukrainern die gefährlichste Vertreterin einer Machtpolitik, die mit Demokratie ungefähr so viel  zu tun hat „wie ein Frosch mit einem Klavier“ (Wladimir Kuznik). Das ist Jahre her.

Nun scheint ihr Rücken halbwegs genesen. Sie kann wieder frei telefonieren und ungeschminkt ihr Gift absondern und mit ihrem früheren Image, das in Westmedien inszeniert wurde, kokettieren. Blöd nur, dass ihr Telefon abgehört und ihre Ausfälle gegen den russischen Präsidenten veröffentlicht wurden.

Wenn nun ein russischstämmiger Exil-Ukrainer aus der Zeit der orangenen Revolution zur wässrigen Entfernung der Dame mit der Gretlfrisur aufruft (siehe BLOG-Titel), bleibt mir zwar die Spucke weg, aber verstehen kann ich den Mann sehr gut. Mein Rat: Nehmt ihr alles weg, womit sie weiter zündeln könnte. Selbstverständlich ohne Benutzung einer Kalasch…!

Kommentare deaktiviert für Werft die ordinäre Gretlfrisur in den Dnjepr!

Filed under Politik

Vorwarnung: 3sat tut wieder was für eine solide Halbbildung!

(hp) Alles sei eine Frage der Beleuchtung, soll Theodor Fontane einmal geschrieben haben. Recht hatte er. Das staatliche Bildungsfernsehen „3sat“ wird am kommenden Montag ab 20.15 Uhr eine Dokumentation über den angeblichen „Untergang Österreichs“ ausstrahlen, womit, wie es im Programmheft heißt, der „Anschluss“ an das Deutsche Reich im März 1938 gemeint ist. Was da kommen wird, ist abzusehen, auch, wie die Tendenz der Doku sein wird:
Nach der Rezeptur, die speziell vom ZDF mit ihrem Historienpapst Guido Knopp noch immer gepflegt wird, lässt diese Art medien- und quotensüffiger Geschichtsdarstellung („Hitlers Schäferhund“) gezielt weg, was ein „Warum“ bzw. „Wie es dazu kommen konnte“ erklären würde. So sicherlich auch am Montag auf 3sat.

Die Fakten:
Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg war das alte Österreich zerbrochen. Der seit 1918 und nach 1945 existierende Blinddarm „Österreich“, zwischen Boden- und Neusiedlersee gelegen, wurde von den österreichischen Politikern der 1. Republik als wirtschaftlich nicht überlebensfähig betrachtet. Deshalb nannte man dieses Restland der Monarchie aufgrund der Muttersprache der Bewohner Deutschösterreich und legte in einstimmigem Regierungsbeschluss den Anschluss an das Deutsche Reich fest. Dieser vorgesehene  Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich (Weimarer Republik) wurde von den alliierten Siegermächten 1919 im Staatsvertrag von Saint-Germain-en-Laye ausgeschlossen, indem in Art. 88 ein förmliches Unabhängigkeitsgebot für Österreich bestimmt wurde. In Österreich und Deutschland wurde der Artikel als Anschlussverbot bezeichnet. Gemäß dem Vertrag wurde erzwungenermaßen auch der Staatsname „Republik Österreich“ festgelegt.
Diese wirtschaftlich nicht lebensfähige Republik erlebte, weit drastischer als die benachbarte „Weimarer Republik“, zwei problematische Jahrzehnte. Nach dem Bürgerkrieg vom Februar 1934, wo die klerikal verseuchte Regierung unter Kanzler Dollfuss sogar die Beseitigung standhaft streikender Arbeiter durch Vergasung erwog (lange vertuscht!), folgte eine faschistische, also eine Ständediktatur nach italienischem Muster. Dollfuss und sein Nachfolger, der Tiroler Halbadelige Schuschnigg, versuchten erfolglos, den verständlichen Wunsch der Mehrheit der Österreicher zu unterdrücken, endlich dem prosperierenden Deutschen Reich beizutreten, damit die gewaltige Arbeitslosigkeit und vor allem die Zweiteilung der österreichischen Gesellschaft beendet würde. Die Sehnsucht nach einer Zukunft war so gewaltig, dass sich speziell in den westlichen Bundesländern bis zu 98 Prozent der Bevölkerung für einen Anschluss aussprachen.

Die lächerlichen Annäherungsversuche an Mussolini, der sich als Schutzheiliger eines selbständigen Österreich gab, verärgerten nicht nur Adolf Hitler und den in Mauterndorf (Salzburg) aufgewachsenen Hermann Göring, so dass es, als man in Berlin die Zeit als reif empfand, zum widerstandslosen Einmarsch der Deutschen Wehrmacht und zur von allen möglichen Leuten lächerlich gemachten jubelnden Menge auf dem Wiener Heldenplatz kam.  Das war, bitte, lang vor der Zeit des Holocaust.

In der 3sat-Doku werden Zeitzeugen auftreten. Bin gespannt, welche Zeugen das sein werden. Die Großspekulanten und Witschaftsbarone, die sich in der Dollfuss- und Schuschnigg-Zeit besonders wohl fühlten, sind heute alle tot.

 

 

 

 

Kommentare deaktiviert für Vorwarnung: 3sat tut wieder was für eine solide Halbbildung!

Filed under Allgemein, Geschichte, Politik

Grüß Gott in Landsberg!

(evo) „Der Hitler war eine Naschkatz‘, sag ich euch, die haben damals zwei Zellen zusätzlich für die Geschenke freimachen müssen!“ – An den Betreuer eines niederbayerischen Männergesangsvereins, der vor gut zehn Jahren im lieblichen Städtchen Landsberg am Inn eine „Brotzeit“ eingelegt hatte und nicht ganz zufällig bis vor die hübsche Jugendstil-Fassade des Gefangenenhauses vorgedrungen waren, erinnere ich mich noch gut. Der alte Mann trug Tracht samt Gamsbart und erzählte glühenden Auges vom April 1924, als Adolf Hitler hier in Landsberg seine (sehr stark verkürzte) Festungshaftstrafe unter dem Jubel einiger Bewunderer antrat, bevor er – entgegen aller Richtlinien der JVA –  residieren durfte „wie ein  Kini (König)“ mit so vielen Besuchern und Besucherinnen, dass man eine Extra-Zelle als Besuchszimmer für den späteren Führer einrichtete. Jawoll, das war die „Festungshaft“ des Adolf.

Weshalb mir das jetzt wieder einfällt? Ganz einfach: Genau 90 Jahre nach Hitler wird ein heutiger Prominenter namens Ulrich H. in diesem Gefängnis seine Ersttäterstrafhaft antreten. Er soll behandelt werden wie jeder andere Landsberger Häftling auch, heißt es. Wie mit den politisch vergleichsweise keimfreien Fans des Herrn Hoeneß umgegangen werden wird, wenn sie ihrem Fußballgott huldigen wollen, wird man sehen. Dem Tourismus des lieblich gelegenen Städtchens Landsberg wird’s auf jeden Fall nutzen.

Kommentare deaktiviert für Grüß Gott in Landsberg!

Filed under Allgemein

Lewitscharoff-Skandal: Hut ab vor dem Berliner RA F. Mozelewski!

(ev0) Das Dresdner Publikum sei „das angenehmste“, soll der Dirigent Karl Böhm einmal dem Wiener Musikkritiker Löbl bestätigt haben haben: Kleine Fehler nehme man gar nicht zur Kenntnis, größere werden ignoriert. Einmal soll ein nicht ganz nüchterner Geiger in eine Generalpause hineingefiedelt haben – soweit der Anlass. Nun: Mozart verträgt manchen Patzer. Aber die „Dresdener Rede“ der mehrfach preisgekrönten  Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff im Schauspielhaus der Elbestadt war etwas anderes. Wie eine erzkatholische Fundamentalistin erfrechte sich die Dame am 2. März dieses Jahres, öffentlich und durch keinerlei Buh-Rufe oder faule Tomaten gestört, nicht durch geilen Geschlechtsverkehr gezeugte Kinder als „Halbwesen“ und „zweifelhafte Geschöpfe“ zu bezeichnen.

Erst dem in Berlin-Neukölln tätigen Rechtsanwalt Frédéric Mozelewski stiegen die Grausbirnen auf, als er vom Inhalt der „Rede“ hörte. Er zeigte die Autorin wegen des Verdachts der Volksverhetzung an. Danke, Herr Anwalt. Derart makabre Typen aller Art, die derart Beleidigendes von sich geben und – noch dazu öffentlich – bösartig vom Leder ziehen, gehören an den Pranger!

 

 

Kommentare deaktiviert für Lewitscharoff-Skandal: Hut ab vor dem Berliner RA F. Mozelewski!

Filed under Allgemein

„Drohende“ Spaltung Europas?

(evi) Wenn der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, weltweit hochgeachtet, von einer „drohenden Spaltung Europas“ spricht (heute abend im ZDF-Interview), klingt das hochseriös. Auch der Hinweis auf Christopher Clarks Historie des Ersten Weltkrieges („Die Schlafwandler“), den Steinmeier abschließend machte, ist nachvollziehbar. Nur: Wer, ausgenommen die mit Russland und den ehemaligen Sowjetstaaten Handel treibenden Wirtschaftsbosse und Kleinunternehmer, hat je daran geglaubt, dass Europa nicht gespalten sei?
Offensichtlich glaubt man in Westeuropa und in den USA seit dem Zerfall der Sowjetunion und Gorbatschows Genehmigung der Wiedervereinigung Deutschlands, die seit Jahrhunderten existierende Spaltung Europas sei nun vorbei und man könne – zunehmend entspannt dank wirtschaftlicher Kooperationen – langzeitig betonierte Brocken der ehemaligen Sowjetunion aufweichen und damit den gesamten „Ostblock“ zerbröseln lassen. Warnende westliche Stimmen im Zusammenhang mit den Avancen, die die NATO den ehemals sowjetischen Kleinstaaten machte, wurden von Brüssel und Umgebung verworfen, und als noch dazu die westlichen Raketenabwehrpläne (Polen u. a. m.) bekannt wurden, rührte sich ein Protest – weil man ja wusste, dass einer russischen Regierung auf keinen Fall zu trauen sei. Putin, der nach dem „merkwürdigen“ Jelzin-Intermezzo die Zügel straffte und sich zunehmend über die westlichen Maßnahmen und Meinungen ärgerte, wurde bei jeder denkbaren Gelegenheit lächerlich gemacht. Das soll keine „Spaltung“ gewesen sein?
In einer Diskussion unter Wiener Zeitgeschichtlern wurde jüngst – bevor die Demonstrationen in Kiew von einem völlig verunsicherten Betonkopf blutig wurden – über politische Vernunft gesprochen, über Moral und Geschick: „Die Russen hätten Österreich niemals in die Freiheit entlassen (1955), hätte sich dieses seit ’45 besetzt gewesene Ländchen nicht für eine immerwährende Neutralität entschieden“, sagte ein alter Herr, und ein junger setzte fort: „Dass Polen und die Tschechen sowie die baltischen Länder unter den Schirm der EU geholt wurden, hat den russischen Bären nicht gekratzt. Aber das russische ‚Schamgärtlein‘ Ukraine nicht zur politischen Neutralität zu überreden“, sei ein diplomatischer Fehler des Westens gewesen. Wenn Putin und seine Genossen im Kreml angesichts der für sie undurchschaubaren Einflüsse des „Westens“ aggressiv werden, ist dies auch meines Erachtens nicht verwunderlich. Und über Herrn Steinmeiers rhetorische Frage denke ich, sie entbehre eigentlich jeder Grundlage. Will nur noch sagen, dass ich kein Putin-Fan bin…

 

Kommentare deaktiviert für „Drohende“ Spaltung Europas?

Filed under Morgengalle, Politik

Sibylles irre Macken sind nobelpreisverdächtig

(evi)   Regt Euch doch nicht auf, Leute, über die Dresdener Sonntagsrede der Dame mit dem depressiv machenden Blick! Die ungeheuerlichen rhetorischen Ausfälle haben sicherlich eine geringere Halbwertzeit als ein echter Christstollen aus der Elbestadt. Der Literaturbetrieb hat die S. L. derart ausführlich preisgekrönt, dass bei ihr der Spruch „Je preiser gekrönt, desto durcher gefallen!“ garantiert nicht angewendet werden kann. Ihre Rundumschläge gegen den moralischen Verfall in allen Lebensbereichen inklusive Wissenschaft sind, so sehr sie mich auch gegenwärtig zum Speien anregen mögen, auf jeden Fall „interessant“ und lassen einen Verdacht aufkeimen: Wer derart tief, als wär‘ sie der personifizierte Vatikan der Vorkriegszeit, in ihre private Gesinnungskiste greift, macht sich, in wie vielen Jahren auch immer, in höchstem Maß nobelpreisverdächtig. Wer so gebildet und welterfahren ist und eine derart traumatische Kindheit hatte – ähnlich der schrecklichen Kindheit einer Elfriede Jelinek oder einer Herta Müller -, steht in der ersten Stockholmer Kandidatinnenreihe.    

Kommentare deaktiviert für Sibylles irre Macken sind nobelpreisverdächtig

Filed under Satire

rbb: Nur nicht die Wahrheit sagen!

(hp) Raten Sie mal, wie sich der Berlin-Brandenburger Rundfunk 25 Jahre nach der Öffnung der Mauer mit seiner Internet-Präsentation verkauft? Er lässt Fakten weg. Weil’s der mainstream so verlangt. In einer an sich ehrenhaften Revue von Bildern, Bausteinen und Biografien über die Mauer-Ära beginnt’s, wie befürchtet, mit Ulbricht und seiner „Lüge“, an den Bau einer Mauer sei nicht gedacht. Kalter Krieg pur. Dass sich Chruschtschow erst nach dem Tipp des John F. Kennedy, zur Erhaltung des status quo und zur Vermeidung eines lästigen Krieges um Westberlin diese Teilstadt gegen die in Massen aus der DDR einströmenden Menschen einzumauern, nach Absprache mit den Warschauer-Pakt-Gremien zum Auftrag an Ulbricht entschloss, ist spätestens seit 2011 kein Geheimnis mehr. Doch die rbb Internet-Doku prolongiert die gewohnte Mär und ändert nichts am Heiligenstatus Kennedys, der bekanntlich erst zwei Jahre nach dem Mauerbau „Ich bin ein Berliner!“ ausrief und damit das Fußvolk vor dem Schöneberger Rathaus und – per TV – die ganze Welt beglückte.
Das erinnert mich an den Spielfilm „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ von John Ford. Darin wird ein Held (James Stewart) als Beseitiger eines Banditen gefeiert, obwohl dieser von einem anderen (Lee Marvin) erschossen wurde. Als Stewart, der gefeierte vermeintliche Todesschütze, einem Journalisten die Wahrheit – er sei nicht der befreiende Schütze gewesen – sagte, erklärte dieser in etwa: Das mag sein, aber an der Story wird nichts geändert.
Zur Klärung: Dieser Journalist war wohl noch keiner vom rbb, denn 1964 gab es diesen Regionalsender noch nicht.
Wenn Sie, liebe Leserschaft, Präzises über die Geburt der Berliner Mauer und – in einem Aufwasch – über das Doping der fußballerischen deutschen „Wunder-Kinder von Bern“ (1964) erfahren wollen, lesen Sie nach in Gerd Joachims Taschenbuch „Es liegt noch Gold im Halensee“!

Titelseite "Es liegt noch Gold im Halensee"

Gerd Joachim, Es liegt noch Gold im Halensee ISBN 978-3-9814203-0-2, € 14,90

 

Kommentare deaktiviert für rbb: Nur nicht die Wahrheit sagen!

Filed under Morgengalle