Monthly Archives: Februar 2014

„stern“-Leserreise nach Rumänien

(hp) Aus meinem neuen stern fällt nach dem TV-Programm auch ein Leserreiseprospekt heraus, bevor ich das sympathische Magazin öffne und letzte Leserbriefe zum „Fall Edathy“ lese (der Redaktion übrigens Dank für die sensible Auswahl!). Der Reiseprospekt des Münchner Veranstalters Marco Polo GmbH ist schön bebildert und stellt die Stationen, die in acht Tagen zu genießen sind, sympathisch vor. Ich kriege richtige Lust, zum zweiten Mal in meinem Leben in Siebenbürgen den Herzschlag des alten Ungarn zu spüren und, anstatt mich laut Reiseprogramm zum Flugplatz Sibiu zu begeben, nach Bukarest abzuhauen und der vor sechs Jahren geschlossenen Taschendieb-„Akademie“ am Hauptbahnhof meine Referenz zu erweisen.
Dass die Schließung erfolgte, nachdem ein in der „Provinz“ regierender „Zigeunerkönig“ (Zitat eines ehemaligen Absolventen namens Ion, heute angeblich 26 und Arbeitsloser in Berlin) von seinem Clan entmachtet worden sei, wußte ich bisher nicht. Auch von der Praxis, in der „Provinz“ Knaben, die noch kein Schamhaar trugen, zwecks Gewinnung einiger Leu für den „König“ an „Fotofreunde“ zu vermieten, hörte ich zum ersten Mal. „Das hat Spaß gemacht, weil wir uns zu Hause ja nie nackt ausziehen durften“, berichtet der Bursche. Traurig sei er gewesen, als der Fotograf seine Fotosafari in ein anderes Dorf verlegte. Denn dann musste er wieder zum Stehlen in eine Großstadt. Wenn er zu wenig Beute machte, wurde er verdroschen und in den Hungerkeller gesperrt.
P.S. Über den „Fall Edathy“ denke ich nun etwas facettenreicher als noch gestern.

Kommentare deaktiviert für „stern“-Leserreise nach Rumänien

Filed under Gesellschaft

Vorsicht vor der ukrainischen Gretlfrisur!

(olga) Lang hat es gedauert, bis deutsche Medien das Geheimnis verrieten, das riesige Land bestünde nicht nur aus Kiew, bis ein TV-Reporter aus Lemberg berichtete und dem Publikum verraten wurde, dass die Krim nicht nur Standort des russischen  Kriegshafens Sewastopol, sondern eine autonome Republik ist. Dem Boxsportler Klitschko hingen die Kameras und Mikrofone an den Lippen, weil dies publikumswirksamer ist als das für die „Heutigen“ unbekannte, weil doch so uninteressante riesige Pufferland zwischen Ost- und Westeuropa.

Nun haben es beherzte, in der Geschichte ihrer Eltern so oft enttäuschte Menschen erreicht, dass das bisherige Regime abgesetzt wurde. Allgemeines Aufatmen, vor allem unter dem deutschen Publikum im bequemen Sofa vor der Glotze. Dass die Ukraine bankrott ist und in raffinierten Kreditraten von Russland gefüttert wird, nimmt man zur Kenntnis. Wie kompliziert die Situation unter den Bevölkerungsteilen des Landes ist, wird – wenn überhaupt – nur angedeutet. Von der leidvollen Geschichte – immerhin verursachten die Sowjets vor dem 2. Weltkrieg einen Vernichtungsfeldzug gegen etwa 2 Millionen der Landbevölkerung, wobei Tausende von Kindern wie räudige Hunde zum Verhungern auf geernteten Feldern ausgesetzt wurden! – haben wir nichts gehört und schon gar nichts darüber, dass unter der Deutschen Wehrmacht weitere 4 Millionen Ukrainer getötet wurden.

Nun ja, das ist Geschichte und offenbar vergessenswert. Dafür feiert die aus dem Gefängnis entlassene Gretlfrisur-Trägerin Julia Timoschenko in den westlichen Medien ein mediales Revival. Nur in ganz wenigen hiesigen Medien wird ihre trübe Vergangenheit offengelegt. Und die bundesdeutsche Kanzlerin hat nichts Besseres zu tun, als sie zu ihrer Freilassung zu beglückwünschen, anstatt die Finger von ihr zu lassen, dieser in ihrem Heimatland äußerst umstrittenen Politikerin. Dass Frau Merkel den als Politiker untauglichen Herrn Klitschko nicht anrief, finde ich richtig. Das Wesentlichste für jegliche Art positiver Einmischung ist, zumindest für mich, die Förderung jener wenigen ukrainischen Autoritäten, zu denen auch die mächtige orthodoxe Kirche gehört, um das Auseinanderdriften des riesigen Landes zu verhindern!

 

 

 

Kommentare deaktiviert für Vorsicht vor der ukrainischen Gretlfrisur!

Filed under Allgemein

Frage an Radio Vatikan: Sollen noch mehr Gotteskinder verhungern?

(kok) Als Sigmund Freud 1898 in der „Wiener Klinischen Rundschau“ die „Ärzte der Welt“ aufforderte, endlich ein Mittel zur Trennung von Fortpflanzung und Sex zu entwickeln, nahm er Bezug auf den britischen Ökonom Thomas Robert Malthus (+ 1834). Dieser weit blickende Mann erkannte damals, obwohl unsere Erde noch nicht so übervölkert war wie heute, dass ein naturgerechtes Verhältnis der Bevölkerungsmenge zum vorhandenen Lebensraum und den Ernährungsgrundlagen vonnöten sei. Friedrich Engels ergänzte Malthus‘ Hinweise ohne Korrektur der malthusianischen Gedanken (siehe Zitat):

„Ein Mensch, … der in einer schon occupirten Welt geboren wird, wenn seine Familie nicht die Mittel hat, ihn zu ernähren oder wenn die Gesellschaft seine Arbeit nicht nötig hat, dieser Mensch hat nicht das mindeste Recht, irgend einen Teil von Nahrung zu verlangen, und er ist wirklich zu viel auf der Erde. Bei dem großen Gastmahle der Natur ist durchaus kein Gedeck für ihn gelegt. Die Natur gebietet ihm abzutreten, und sie säumt nicht, selbst diesen Befehl zur Ausführung zu bringen.“

Unter der Fuchtel des jetzigen Papstes sind manche Neuerungen angeregt worden. Nun hat er neue Kardinäle ernannt. Die meisten von ihnen stammen aus übervölkerten Ländern. Deshalb die brennende Frage an den Vatikan: Wann endlich gebt ihr Katholiken die Empfängniskontrolle (Pille und Dritte-Welt-Variationen des Medikaments) frei? Oder anders gefragt: Wie viele Menschen müssen noch verhungern und an Mangelernährung sterben, bis ihr reagiert?

Kommentare deaktiviert für Frage an Radio Vatikan: Sollen noch mehr Gotteskinder verhungern?

Filed under Gesellschaft

Alice Schwarzer – ideale Berliner Kultursenatorin?

(hp) Nach der umgewandelten „Entlassung“ des Berliner Kult-Staatssekretärs Schmitz steht konsequenterweise ein neuer Berliner Filzskandal vor der Tür. Die Schöneberger Friseurin Mimi Schulz reichte, wie ich aus vertrauter Quelle erfuhr, gestern in der Kanzlei des Regierenden Bürgermeisters den Vorschlag ein, die in Schweizer Geldangelegenheiten ebenso wie Herr Schmitz erfahrene Journalistin Alice Schwarzer als Quereinsteigerin an die Spitze des zurzeit unbesetzten Kultursenats zu platzieren. Berlin würde eine nach europäischen Maßstäben verbesserte Frauenquote vorweisen können und Herr Wowereit könnte von der Fülle seiner Aufgaben die Kultur wegdelegieren an eine Frau, die das Image Berlins (gar nicht so arm, aber ein sexy Spekulantenpflaster) sicherlich verbessern würde. Oder irrt Mimi Schulz, die übrigens auch als Fußpflegerin treffliche Arbeit leistet..?

Kommentare deaktiviert für Alice Schwarzer – ideale Berliner Kultursenatorin?

Filed under Feuil­le­ton, Satire

Olympiade: Mit Schmerzmittel-Doping auf die Piste?

(silvi) „Nichts schenken dir die Götter ohne Mühen“, heißt es in meinem  Stammbuch. Eine alte Tante schrieb diesen Satz, der mit meinem jugendlichen Bestreben, Shakespeare in der Originalsprache lesen zu können, zu tun hatte. Wie aktuell ist doch dieser treffliche Spruch:
Ob sich ein Profi-Sportler, der ja nicht nur auf eine Medaille hofft, sondern auch auf attraktive Geldprämien, mit einem vitaminschwangeren Nahrungsmittelzusatz oder, weil er sonst nicht auf die Beine kommt, mit einem Schmerzmittel fitter macht als er/sie es ohne Analgetikum o.ä. wäre, kommt für mich aufs Gleiche raus. Es ist Doping! Vom emotionsfördernden, Mitleid erregenden Geschwätz der meisten Sportreporter abgesehen, finde ich es fragwürdig, wenn sich ein verunfallter Skiläufer oder eine Vertreterin der mit Schießen kombinierten perversen Langlauf-Disziplin mit Schmerzmitteln im Leib (den bewaffneten nordskandinavischen Grenzwächtern nachempfunden) ans Werk macht. Was denkst Du?

 

 

Kommentare deaktiviert für Olympiade: Mit Schmerzmittel-Doping auf die Piste?

Filed under Allgemein

3sat und arte: Solide Halbbildung nicht nur durch Häppchen anreichern!

(ho) Seit sich endlich auch Österreich intensiver mit seiner jüngeren Geschichte beschäftigt und den Austrofaschismus inklusive Bürgerkrieg 1934 durchforstet, stellen auch die 3sat-Macher den einen oder anderen Bericht, vornehmlich Features, ins Programm. Jüngstes Beispiel: Gestern gab es, sozusagen zur Einführung, einen schmalzreichen Film über den Wiener Großspekunlaten  Bosel („Trillionär“) und sein grauenhaftes Ende durch die Brutalitäten des SS-Mannes Brunner. Es menschelte, wenn auch sehr seriös, die gesamte Dokumentation hindurch. Es folgte eine durchaus ausgewogene Doku über den österreichischen Bundeskanzler Dollfuss, die im Titel die Begriffe ‚Arbeitermörder‘ und ‚Märtyrer‘ führte. Das Angenehme an dieser Dokumentation war die Ausgewogenheit: Zeitzeugen wie der ehemalige SPÖ-Innenminister Olah und der frühere Nationalbankpräsident Kienzl kamen zu Wort. Sie hatten als Kind den Bürgerkrieg von 1934 erlebt. Der brach als Arbeiteraufstand gegen die von Dollfuss inszenierte Ständediktatur in den Industriegebieten Wien, Oberösterreich und Steiermark aus und forderte mehrere hundert Tote. Prompt vollzogene Todesurteile folgten und die Wut unter den von der klerikal gestützten „Regierung“ verbotenen  sozialdemokratischen Organisationen (Schutzbund u.a.) wuchs sich zum Hass aus. Die wichtigste Nebenwirkung: Die in Österreich unterschiedlich stark vorhandene Sympathie für die NSDAP wuchs enorm, und als der Kanzler in seinem Arbeitszimmer in der Hofburg von radikalen Nazis umgebracht worden war, gab es in Teilen der Bevölkerung, die von der Regierung ihrer demokratischen Rechte beraubt waren, ein im ganzen Land spürbares Aufatmen. In ihrer Hilflosigkeit und der Verblendung, gegen Hitlers Aggression würden notfalls Mussolini und die ungarische Regierung dem wirtschaftlich nicht lebensfähigen Österreich helfen, machte die Dollfuss-Nachfolge unter Kanzler Schuschnigg weiter wie bisher. Der Rest darf als bekannt vorausgesetzt werden: Hitler demütigte Schuschnigg und setzte, über den mächtigen Anschluss-Willen der österreichischen Bevölkerung gut informiert, den kampflosen Anschluß seiner Heimat an das Deutsche Reich durch.

Da 3sat nicht nur für Historiker und gut gebildete Konsumenten sendet, bleibt es bei dieser Darstellung einer kurzen Epoche der österreichischen Geschichte um ein Häppchen. Aha, sagt der interessierte heutige Deutsche, in Österreich hat es 1934 – also vor genau 80 Jahren – einen Bürgerkrieg gegeben. Und: Nicht nur beim Führer-Auftritt (Heldenplatz, 1938) haben ihm mehr als hunderttausend Österreicher zugejubelt, sondern auch bei Massenveranstaltungen unter Dollfuss (1933/34) waren es mindestens so viele. Und: Dass es dazu kam, hat viele Wurzeln, zuvörderst das Alliiertendiktat nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, wonach sich der von der Donaumonarchie übrig gebliebene Bilddarm des deutschspendenden Österreich trotz des Wiener Parlamentsbeschusses nicht dem Deutschen Reich anschließen durfte.

Wird es nicht endlich Zeit, im Bildungsfernsehen nicht nur Ausschnitte und Häppchen zu präsentieren, sondern Zusammenhänge? – 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wäre es hoch an der Zeit. Nicht nur für österreichische Zuschauer, sondern für das gesamte Sendegebiet der Sender 3sat und arte.

Kommentare deaktiviert für 3sat und arte: Solide Halbbildung nicht nur durch Häppchen anreichern!

Filed under Geschichte, Morgengalle