Monthly Archives: Januar 2014

Das Österreich-Syndrom ist nicht fugendicht

(hp) Was muß in in den Köpfen der österreichischen Journaille passieren, dass das Thema „Heldenplatz“ (13. März 1938) endlich aus der Skandalisierung verschwindet? – Der sogenannte Akademikerball, der unter schrecklichen Begleiterscheiungen (Straßensperren, übermäßiger Polizei-Einsatz) in der bekanntlich nicht mehr vom Kaiser bewohnten Wiener Hofburg stattfand, schaffte wie schon im Vorjahr zu einem Aufreger, weil die Tatsache bekrittelt wurde, dass unter den Gästen Alt- und Neunazis aus dem In- und Ausland anwesend waren. Wien blamiere sich vor der ganzen Welt, heisst es in einem Zeitungs-Videoclip und kaum irgendwo wurde das FPÖ-Spektakel ignoriert. So unappetitlich viele Äußerungen mancher FPÖ-Politiker sein mögen -, sie sind nun einmal da, und die Partei ist auch nicht verboten. Dis nur nebenbei bemerkt. Vergleiche mit der bundesdeutschen Verbotskandidation NPD erscheinen mir unangebracht.

Das Mea-culpa-Retro-Gelaber angesichts des Jubels der Österreicher, als Adolf Hitler die „Heimkehr ins Reich“ vom Balkon auf die Menge hinunterbrüllte, wird immer wieder aufgewärmt wie eine alte braune Suppe am Herd. Doch nirgendwo lese oder höre ich, warum die Begeisterung damals so groß war. Nirgendwo ist die Rede vom österreichischen Bürgerkrieg 1934 und der nachfolgenden austrofaschistischen Diktatur, unter der Hunderttausende litten, weil die Machthaber von Dollfuß bis Schuschnigg nicht in der Lage waren, die sozialen Misstände und Ungleichgewichte zu beseitigen. Nirgendwo wird darüber berichtet, dass direkt nach dem Ende des Ersten Weltkrieges der Anschluss ans Deutsche Reich, parlamentarisch von allen damaligen Parteien abgesichert, beschlossen, von den Alliierten jedoch verboten wurde. Obwohl man wusste, dass der übrig gebliebene deutschsprachige Blinddarm der Donaumonarchie wirtschaftlich nicht lebensfähig war usw.usf.

Es wird Zeit, dass die Vorgeschichte der Hitler-Bejubelung durch die Wiener anno 1938 ebenso in den Blickpunkt gerichtet wird wie die grauenhafte Zeit nach dem Heldenplatz-Jubel schon bisher . Oder soll es noch eine Generation dauern, die in dieser Hinsicht halbgebildet bleiben mag? – Gerade die Jugend hat es m. E. verdient, die ganze Wahrheit zu erfahren, damit das – im Ausland schon lange – belächelte Österreich-Syndrom durch Wissen ums Ganze fugendicht objektiviert wird.

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Unwort? – Wenn schon, dann „orthodox“!

(dr.h.) „Die Russisch-orthodoxe Kirche mit ihren 85 Millionen Angehörigen hat die Rolle des KGB übernommen und erledigt für den Staatschef Putin dessen schwierigste Aufgabe, nämlich die Disziplinierung der russischen Bevölkerung.“ – Ein starker Satz, denke ich. Stark deshalb, weil es stimmt, was der in Harvard tätige Soziologe Anatol Fheodoroff jüngst westeuropäischen Kollegen ins Stammbuch schrieb. Während in den Köpfen hiesiger Meinungsmacher und -verbreiter die r.-orth. Kirche immer noch als die unter Breschnjew & Vorgängern im Hintergrund Leidende firmiert, betreibt der russische Klerus in aller Härte und Uneinsichtigkeit sein Unwesen. Auch finanziell gibt’s dank Putins Gesetzgebung kein Problem. Auf die Pfaffen kann er sich verlassen.

Mit den orthodoxen Muslimen ist es nicht so einfach. Denn diese haben streitbare und vor allem streitwillige Kontrahenten, die nicht im Mittelalter, sondern in die Gegenwart leben wollen. Das meiste Blut, das in den Ländern des nahen Ostens fließt und floss, entstammt diesem Konflikt und nicht, wie es an hiesigen Stammtischen heisst, aus einer grundsätzlichen Streitsucht in den islamischen Ländern.

 

 

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Horst Seehofer hat viele merkwürdige Vorgänger

(silv) Radu Manescu, promovierter Jurist, wohnhaft im rumänischen Sibiu (Hermannstadt), will die pensionierten Minister Schily (BRD) und Mock (Ö)  in einem offenen Brief auffordern, dem bayerischen Ministerpräsident Seehofer und seinem Gesinde ob der bekannten causa die Leviten zu lesen. Beide Ex-Minister sind Ehrenbürger der Hauptstadt Siebenbürgens, haben es aber bisher nicht für nötig gefunden, die lästerlichen Äußerungen Seehofers öffentlich anzuprangern. Wenn man in der Münchner Staatskanzlei gegenüber den Rumänen und Bulgaren schon „Verhetzung“ betreibt, meint Dr. Manescu, sollten wenigstens die schädlichen Auswirkungen der Seehoferschen Äußerungen auf die Europawahl im Frühjahr gebrandmarkt werden. Dass die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident dem Münchner Herrscher nicht das Maul verbieten, habe wohl mit dessen CSU-Macht in der Bundesregierung und den bevorstehenden Gemeinderatswahlen zu tun.

Radus Kollege, ein in Temesvar geborener Antroposoph und Historiker, ist weniger diplomatisch. Die meisten Politiker sind für ihn ohnehin Gesocks, zumindest Strohfrauen und -männer oder devote Sklaven der Großunternehmer. Alexandru beschäftigte sich mit bayerischen Herrschern, die sich während ihrer Regierungszeit „denkwürdige“ Aktivitäten von weltgeschichtlicher Bedeutung leisteten, in der Bevölkerung jedoch als ehrenhaft galten und immer noch gelten.
Seine Liste wird von Herzog Tassilo III. angeführt, einem Vetter Karls des Großen. Dieser Tassilo paktierte hinter dem Rücken des Kaisers mit den reichsfeindlichen Awaren, weshalb er von Karl zum Tod verurteilt, jedoch dank klerikaler Fürsprache ins Kloster verbannt wurde. Ärger als Tassilo trieb es der Kurfürst Maximilian, der – mit der katholischen Liga bereits hochgerüstet – den trottelhaften Kaiser Ferdinand II. zur Auslösung des Dreißigjährigen Krieges veranlasste (s. Prager Fenstersturz). Eine ähnliche europäische Katastrophe löste einer seiner Nachfolger aus, der sich trotz der Bitte des in Wien regierenden Kaisers Franz, Napoleons Heer auf dem Marsch nach Osteuropa für zwei Tage aufzuhalten, da die preußische Armee schlampigerweise noch nicht kampfbereit war. Der Bayer belog seinen kaiserlichen Cousin und ließ die französische Riesenarmee ungehindert passieren, wofür er von Napoleon mit der Pfalz und der Königswürde etc. belohnt wurde. Europa wurde verwüstet, zigtausende Soldaten erfroren in Russland und Franz gab die römische Kaiserkrone zurück. Im 20. Jahrhundert waren es mangels gekrönter Herrscher einflussreiche Bayern, die den arbeits- und erfolglosen Kunstmaler Adolf Hitler groß werden ließen…

Da wegen der genannten schrecklichen Einmaligkeiten neuere „Herrscher“ wie Franz Josef Strauss und Horst Seehofer mit ihrer besonderen Spezies nicht in diese Aufzählung passen, sei Alexandru hier gestoppt. Bleibt nur: Merkwürdig waren (und sind) die „Könige“ von Bayern schon seit gut tausend Jahren.
Wir sind jedenfalls gespannt auf Alexandrus Habilitation.

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Jammern und raffen: Staatliche Kulturmanager haben’s gern stattlich

(silv) Es gibt Professionen, die bisher in Sachen Raff & Gier bisher noch nicht so unappetitlich

Raffgier in der Kulturszene gibt es seit dem "Narrenschiff" (1500)

Raffgier in der Kulturszene gibt es seit dem „Narrenschiff“ (1500)

aufgefallen sind wie viele Bänker: staatliche Kulturmanager. Man kennt die Theaterdirektoren, die Ausstellungsleiter und Museumschefs meist nur von der Jammerseite. Zu wenig Etat, zu wenig Verständnis der Politiker, zu wenig Akzeptanz der Gesellschaft, heisst es. Manche Kulturmanager tun einem richtig leid, wenn sie in Mikrofone weinen. Nun wurde, zumindest in Österreich, wo es einen relativ transparenten Rechnungshof gibt, die andere Seite des Tränenkrügleins offen gelegt und die Journalistin Karin Cerny berichtet locker darüber, dass der Chef der weltberühmten Wiener Albertina, Klaus A. Schröder, im Jahr 2012 fast 10.000 Euro mehr verdiente als 2001. Agnes Husslein, Direktorin des Belvedere, Prinz Eugens ehemaliges Schloss, sackte gar 19.100 € mehr ein. Volksopern-Direktor samt Geschäftsführer erhielten je 12.000 Euro Gehaltszuwachs. Die Kollegen der beiden, Staatsopern-Chef Meyer und T. Platzer, verdienten von einem Jahr zum nächsten je 9.800 € mehr. Prächtiger geht es dem neuen Direktor des MuseumsQuartiers, Christian Strasser. Er freut sich über ein Gehalt, das um knapp 30.000 € höher ist als das seines Vorgängers. Den Vogel in diesem staatlichen Raffstall schießt Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann ab. Der Chef des ebenso  berühmten wie notleidenden Hauses bezieht zusätzlich zu seinem Direktorengehalt Einnahmen aus Honoraren, Tantiemen, Produktionsübernahmen. Die Addition seiner Einkünfte dürfte wohl noch  einige Zeit dauern. Ich bin gespannt, wann bundesdeutsche Parallen zutage gefördert werden.

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