Monthly Archives: August 2013

Lehrerausbildung in Berlin nicht ohne Gewerkschaften!

(hp) Einer meiner Freunde, zwar Brillenträger aber sonst sehr reinlich, ist Gewerkschafter. Er sitzt nicht im Bundestag. „Dazu fehlt mir das Sitzfleisch“, redet er sich heraus. Er ist lieber unter seinesgleichen. Alfreds Frau ist Lehrerin. Kinder haben sie keine. „Inge hat genügend Kinder in ihrer Schule.“ Und weil Inge Lehrerin ist, hat ihr mein Gewerkschafter-Freund den „Entwurf 2013 Lehrerbildungsgesetz Berlin“ zum Durchblättern vorgelegt. Sie gab ihn kommentarlos ihrem Mann zurück, nicht ohne nachzufragen, was die Gewerkschaften mit dem Entwurf zu tun hätten. Ich frage mich auch, was das soll. Inge gehört (deshalb habe ich hier ihren Vornamen verändert!) zu jenen Lehrerinnen, die nicht beamtet sind und derzeit in Berlin den Streik der nicht-beamteten Lehrern betreuen. Dass die Forderung nach finanzieller Gleichstellung aller gleich ausgebildeten Gymnasiallehrer unterstützt werden, findet Inge gut. Nicht gut findet sie, dass die Schüler mit ausfallenden Unterrichtsstunden büßen müssen. In Berlin (auch anderswo?) fallen unerträglich viele Unterrichtsstunden aus, wo es doch ein Grundgesetz des Schulsystems sein müsste, Schülern keine Schulstunde zu stehlen, es sei denn, das Schulhaus sei abgebrannt, überschwemmt oder einem Erdbeben zum Opfer gefallen.
Ich finde auch, die streikenden Lehrer sollten dies in unterrichtsfreier Zeit tun und vor dem Dienstsitz des Berliner Senators Nussbaum demonstrieren – minderbezahlte Musiklehrer könnten mit gewerkschaftlicher Erlaubnis das Instrumenten-Inventar ihrer Schule zur Erzeugung dissonanten Lärms dazu benutzen, der Politik den Marsch zu blasen. Schulkinder mit ihrem Anrecht auf geregelten Unterricht dürfen nicht als Kollateralschaden missbraucht werden.
Anhang: Titelblatt des eingangs zitierten „Entwurfs“

    „Entwurf 2013 Lehrerbildungsgesetz Berlin

Unterrichtung des Abgeordnetenhauses über Referentenentwürfe gemäß

Anlage 4 zur Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin

hier: Referentenentwurf eines Gesetzes über die Aus- , Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer imLand Berlin (Lehrerbildungsgesetz – LBiG)

Anbei übersende ich 17 Ausfertigungen eines Referentenentwurfs (Stand:06.05.2013) für ein Gesetz überdie Aus- , Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer im Land Berlin (Lehrerbildungsgesetz – LBiG)zur Weiterleitung an die Fraktionen.Der Referentenentwurf ist gleichzeitig
1. dem Deutschen Gewerkschaftsbund,2. dem Deutschen Beamtenbund,3. der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und 4. den Gewerkschaften derLehrer im deutschen Beamtenbund gemäß § 41 GGO II zur Abgabe einer Stellungnahme zugänglich gemacht worden.“

 

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Lehrerbildung: Viel Theorie, unabhängig von menschlicher Eignung

(hp) Jeder Azubi muß es aushalten, dass er/sie vom Lehrherrn auf seine/ihre Eignung geprüft wird. Sogar beim Militär gibt es eine Eignungsprüfung. Für Lehrer gilt das nicht. Kein Abiturient muß praktisch nachweisen, dass er gut mit Kindern und Jugendlichen kann. Und wenn er/sie dann an die Uni kommt, weil er/sie Lehrer werden möchte, wird er von Stund an von Theorie erschlagen, die mit einem realen Schulalltag, mit praktischem Unterrichten nichts zu tun hat. Als ob es wichtiger wäre, dass ein Lehrer zu einer Fachkraft für Deutsch, Mathe, Geografie oder was auch immer wird, anstatt vornehmlich als Pädagoge, kreative Führungskraft und Menschenversteher geformt zu werden, einer, der Kinder und Hernawachsende begeistern kann, faszinieren, mitreissen und dies dank einer Fülle gut geschulter menschlicher „Fertigkeiten“, die man in der Wirtschaft für jede/n Vorgesetzten als eine wichtige Qualifikation erwartet.
Mir ist immer noch folgende Szene in einem Berliner Café in Erinnerung: Nach einer Schulkonferenz saßen vier gut gekleidete Lehrerinnen bei einem Getränk und schimpften über dies und jenes in ihrem „Job“. Erfrechte sich ein Rentner vom Nebentisch „Wie kann man als Lehrerin vom Job zu reden?“ zu fragen. Am selben Abend erlebte ich ein adventliches Schülerkonzert in einer Berlin-Steglitzer Kirche. Angesichts der in Sachen Disziplin und überwiegend grauslicher Qualität der Chor-Vorträge*) durfte ich praktisch erleben, was herauskommt, wenn Lehrer ihren „Job“ machen….

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Elternhaus kaputt, Schule kaputt, Zukunft der Kinder kaputt…

(silv) Vor ein paar Jahren war es die Neuköllner Rütlischule, deren Lehrer sich mit einem offenen Hilferuf an die vorgesetzte Berliner Senatsbehörde wandten. Mediales Getöse folgte, ein privater Wachdienst zum Schutz von Lehrern und Schülern dieser Lehranstalt wurde verpflichtet und Bezirksbürgermeister Buschowski gastierte in mehreren Talkshows vor und nach dem Erscheinen seines Bestsellers. Darin zeigt dieser aufrechte Sozialdemokrat eine Reihe von Fakten auf, mit denen Lehrer und Erzieher in ausländerreichen Regionen haben. Von überall dort, wo der sog.  Migrationskinderanteil höher als ein Drittel einer Pflichtschulklasse ist, kam von Praktikern aufrichtige Zustimmung. Und was passierte? – Nichts. Und weil der Bezirksbürgermeister nicht nur Symptome beschrieb, sondern sich auch bis zu den Wurzeln des Problems wagte, nämlich an die Elternhäuser, wurde er kritisierte: Wie kann man Eltern und Erziehungsberechtigte, besser: Erziehungsverpflichtete, rügen, wo doch die Schule versage: Lehrer, die schlecht ausgebildet sind, in einem kranken Schulsystem, in einer kranken Gesellschaft, die sich nicht um die „da unten“ kümmere. Migrantenverbände, geistig und körperlich wohlgenährte Soziologen, Grün-Alternative stellten sich schützend vor die Eltern. Und von „oben“ kamen beschwichtigende Erklärungen, man tue doch viel zur Verbesserung („Projekte“) der Situation z.B. von Schülern, die mangels Schulabschluss durch alle Raster und damit direkt ins HARTZ 4-Netz fallen.
Das NDR-Fernsehen lieferte nun eine praxisbezogene Reportage über den Schulalltag in einer Hamburger Gesamtschule. Die Erkenntnis: Nichts, aber auch gar nichts ist seit dem Berliner Rütli-Exzess passiert. Die Schule ist nach wie vor machtlos gegenüber jenen Eltern, die sich um das Wohl ihrer Kinder einen Dreck scheren. Da half auch die Verbrämung der Situation durch einen beschwichtigenden Talkmaster Beckmann nichts. Mir tun die Kinder leid, denen Zukunftsaussichten amputiert und gestohlen werden, talentierten ebenso wie untalentierten Kindern!

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Ausnahmen bei Frontal, Monitor & Co.: Sterben gute Journalisten aus?

(hp) Vor einiger Zeit entschlossen sich seinerzeit maßgebliche deutsche Zeitungen, ihr Erscheinungsbild zu modernisieren. Als hätte die Hamburger ZEIT einen ästhetisierten Layout-Virus in die deutsche Zeitungslandschaft emittiert, gab es plötzlich Farbe in der FAZ, überdimensionierte Porträtfotos im Berliner „Tagesspiegel“ wie auch in der „Mottenpest“ (alter Kosename für das Springersche Aboblatt); sogar die einstmals originelle „taz“ passte sich an. Gleichzeitig erlebte die gedruckte Interview-, Kommentar- und Quatschkultur ganzseitige Ausweitungen und -breitungen. Wochenendbeilagen, als Journale getarnt, waren mal ein Hit, bevor etliche zu einem journalistisch überflüssigen Reklameträger wurden. Und das sogenannte Aktuelle mit oder ohne Hintergrund-Information?

Beim ARD-Sender SFB Berlin (heute Rundfunk Berlin-Brandenburg) hieß es mal gerüchteweise, nach Redaktionskonferenzen der „Abendschau“ würden sich die Journalisten in ihre ‚Sterbezimmer‘ zurückziehen. Heute hat man den Eindruck, in etlichen Tageszeitungen gäbe es diese Sterbezimmer ebenfalls. Abgesehen von der „Süddeutschen“ habe ich schon lang keine kräftige Reportage über ein neues, bisher unbekanntes Thema gelesen. Da muß ich wohl froh sein, dass ARD und ZDF mit ihren politischen Magazinen als Lückenfüller einspringen und zur Kenntnis nehmen, dass es bald immer weniger „klassische“ Tageszeitungen geben wird. Blöd nur, dass sich die Mehrheit der Leute ohnehin immer weniger für kraftvollen (Gesinnungs-)Journalismus interessieren und sich lieber von den Privatsendern mit „Nachrichten“ begnügen, die früher bestenfalls unter „Buntes“ oder „Aus aller Welt“  zu finden waren.

 

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Billig, Frau Dr. Merkel, sehr billig…

(silv) …die Idee,  mit Ihrem Zwischendurch-Besuch im 1945 geschlossenen KZ Dachau, eine längst fällig gewesene Geste samt Kranzschleifensortierung gerade jetzt zu absolvieren, wo es – ganz aktuell – im Berliner Osten gärt. Wo im Bezirk Hellersdorf  aggressive Neonazis und „Deutschnationale“ der Jetztzeit gegenüber Asylanten ihr Unwesen treiben und genau das tun, was ihre Vorgänger am Ende der Weimarer Republik und, militant, ab 1933 getan haben. Hier in Berlin, wenige Kilometer von ihrem Dienstsitz entfernt, hätte Ihr Auftreten dreifache mediale Wirkung gehabt. Hier hätten Sie mit einigen beherzten Worten und einem Aufruf für gelebten Humanismus ein sinnvolleres Zeichen setzen können als mit einer Gedenkminute zugunsten der vierzigtausend Ermordeten im Konzentrationslager bei München.
In Berlin-Dunkelsdorf hätten Sie etwas zur Aufhellung des Volkes gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit Nützlicheres tun können. Haben Sie leider nicht. Der Verdacht, den Applaus der Jüdischen Gemeinden und der deutsch-jüdischen bzw. jüdisch-deutschen Wähler erheischen zu wollen, wiegt in der bajuwarischen und der nationalen Vorwahlzeit doppelt. Schade…

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West-Journalisten über Ägypten: in Zeitgeschichte „nicht genügend“

(HP) An halbgebildete Journalisten haben wir uns ebenso gewöhnt wie an dreiviertelnackte Frauenzimmer. Erinnern Sie sich, wie nach dem Sturz von Mubarak die hierzulande bis dahin unbekannt und uninteressant gewesenen „Muslimbrüder“ journalistisch gehätschelt wurden, als handle es sich bei dieser Art Brüder um eine unter Mubarak böswilligerweise verboten gewesene säkularisierte, brüderliche Ordensgemeinschaft – eine langjährig unterdrückte Minderheit eben. Ein deutscher Schreiber schrieb vom anderen ab. Eine „Demokratie“ wolle das von Mubarak befreite Volk an Nil und Rotem Meer errichten, mit einer „demokratischen“ Verfassung. Großes Aufatmen herrschte hierzulande, als ein grundgütig aussehender, vom Volk gewählter Mubarak-Nachfolger publizistisch als der Hoffnungsträger für eine demokratische Zukunft Ägyptens gehätschelt wurde.
Die Welt ließ sich täuschen, weil’s bequem war und z. B. in Deutschland fast nur Politikwissenschaftler um ihre Meinung befragt wurden, aber kein einziger Kenner vom Schlag eines Scholl-Latour. Der hätte nämlich berichten können, was jeder, der im Internet surft oder in einem Konversationslexikon blättert, hätte erfahren können. Stichwort  „Muslim-Brüder“:
Diese 1928 in Ägypten gegründete Organisation hatte das Ziel, die Bevölkerung zu einem „ursprünglichen“, also konservativen Islam zurückzuführen, möglichst gewaltfrei und ohne „Feuer und Schwert“. Das klingt gut. Nur: Wer nicht in ihrem Sinne funktionierte, sollte abserviert werden. So versuchten die Muslimbrüder beispielsweise, nach der Absetzung des Königs Faruk und dem Ende der britischen Herrschaft, den Oberst Abdel Nasser zu töten, diesen der Welt zugewandten Staatschef und Erneuerer, der jedoch alles andere als ein konservativer Islamist war. Letzteres war der Grund für die Absicht, Nasser zu ermorden. Dies gelang glücklicherweise nicht.
Dem ägyptischen Volk blieb vor genau 60 Jahren ein Bürgerkrieg erspart. Nasser verbot die Muslim-Brüder. Seine  Nachfolger hielten das Verbot aufrecht. Sie erinnern sich sicher an Anvar al-Sadat, der während einer Militärparade von einem Islamisten erschossen wurde. Auch Sadat hatte gewusst, dass die Muslimbrüder einen radikalen „Gottesstaat“ errichten und jegliche Demokratisierung verhindern wollten. Dass Sadat, von politischer Vernunft getrieben, mit einer abgesicherten friedlichen Nachbarschaft zu Israel die Säkularisierung Ägyptens weiter vorantrieb, spielte natürlich eine bedeutende Rolle für die Muslimbrüder und ihre arabischen Freunde. Folgerichtig, dass auch Mubarak am Verbot der „brüderlichen“ Islamisten festhielt.
Diese Vorgeschichte blendeten die Medien aus, als mit Mursi ein unverdächtiger „Demokrat“ die Regierung übernahm und nach und nach, im Ruf eines demokratiewilligen Mehrheitsregenten stehend, die demokratischen Bestandteile der hastig  konsturierten Verfassung beseitigte. Dies ging schließlich so weit, dass das glücklicherweise starke ägyptische Militär dem Spuk ein Ende machte.
Eine Demokratie, wie wir sie im Westen verstehen, gab es nie. Die mahnenden Appelle, den isolierten Herrn Mursi freizulassen, damit die Gesetze dieser (Pseudo-)Demokratie wieder in Kraft treten mögen, waren und sind lächerliches Diplomatengeschwätz. Denn jeder Mensch mit zumindest solider Halbbildung und Hausverstand weiß, dass in arabischen Ländern, sofern sie nicht vom Ausland ernährt und gesteuert werden, Demokratie nicht funktioniert, sondern bestenfalls als Demokratur. Motto: Die Mehrheit bestimmt, Minderheiten haben zu schweigen. Wer nicht wie die Mehrheit denkt und zu denken hat, ist aussen vor.

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Nahost: Die neuen Häuser der Feinde verstärken Wut und Hass

(hp) Das Journalisten- und Politiker-Geplapper über „Friedensverhandlungen“ zwischen Israel und den Führern der Palästinenser ist nicht mehr auszuhalten. Dieselben Berichterstatter und Kommentatoren, die von solchen Verhandlungen berichten, erwähnen zwei Sätze weiter den ungestört inszenierten Siedlungsbau Israels in den besetzten, also palästinensischen Regionen. Es wird geschwafelt und am nächsten Tag wieder geschwafelt, obwohl jedem einigermaßen intelligenzbegabten Beobachter des Geschehens klar sein muss, dass es angesichts der Politik des Staates Israel niemals zu einem wirklichen Frieden kommen kann. Da täuschen Aktionen wie die Freilassung palästinensischer Häftlinge nur kurzfristig; die Journaille berichtet weltweit darüber und erweckt den falschen Eindruck, es ginge voran mit einem Friedensprozess. Wer seinen Hausverstand noch nicht abgegeben hat, weiß, dass ein „Friede“ dort nie zu schaffen ist. Im Gegenteil: Wenn sowohl aufgeschlossene Israelis als auch hoffnungsvolle Palästinenser dies durchschauen, werden Enttäuschungen zur Wut und neuem Hass – vermutlich nicht endenwollend. Da können noch so viele Politiker ihre Wunschzettel in die Spalten der Klagemauer stecken.

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Weniger Steinbrück, mehr Schwesig! Und wo bleibt Wiesehügel?

(hp) „I bitt euch, seid’s keine Trottel!“ schrieb ich hier am 15. April. Dank meiner grenzenlosen Bescheidenheit glaubte ich natürlich nicht daran, dass die SPD davon Kenntnis nehmen würde. Aber davon ganz abgesehen: Die Steinbrückschen Äußerungen der letzten Zeit lassen keine Hoffnung auf einen Wahlerfolg zu. Man fragt sich, wofür die Partei vor Monaten das sogenannte Expertenteam Steinbrücks präsentierte. Nach den saublöden Auswürfen des Kanzlerkandidaten gegenüber der Herkunft der Kanzlerin scheint es mir hoch an der Zeit, dass den Medien die nordküstisch blonde Landesministerin Schwesig rhetorisch und konzeptreich aufgetischt wird und dass der Gewerkschafter Wiesehügel von der Wiese auf einen mikrofonbestückten Hügel geschickt wird. Denn an der unsozial erscheinenden Person Steinbrück kann sich nach wie vor niemand aus der Masse der nicht begüterten Sozialdemokraten erwärmen. Das schmallippige Hinausposaunen abgespeckter Nüchternheiten in Sachen Mindest- und Frauenlohn kann vielleicht das Ohr, nicht jedoch das Gemüt der Leute erreichen. Steinbrück ist nicht der erwartete Brückenbauer zwischen Parteiraison und Wahlvolk. Es braucht HoffnungsbringerInnen: Frauen mit bravem Dekolleté und nicht aggressiver Stimme sowie Männer, denen man glaubt, wenn sie drauflos poltern, die Stirn runzeln und so etwas wie human touch spüren lassen. Sonst ist alles verloren, sehr geehrte Sozen. Und wenn’s diesmal nicht nur verlustig, sondern auch blamabel werden sollte am Wahlabend, könnt ihr Eure Zukunft als Volkspartei  vergessen!

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Rösler – primitiv oder nur falsch beraten?

(silv) Fällt Ihnen, Wirtschaftsminister Rösler, nichts mehr ein vor Ihrer fraglichen Wiederwahl als Kabinettsinsasse unter dem schützenden Federkleid der Kanzlergluckenmama? Über Herrn Steinmeier herzufallen, weil er als Kanzleramtsminister eines NATO-Mitglieds nach dem grausigen Attentat in den Vereinigten Staaten (2001) den US-Diensten ermöglichte, auf unsere, also  die inländischen Geheimdienste und deren Erkenntnisse zuzugreifen – zeitlich über ein Jahrzehnt entfernt vom aktuellen NSA-Skandal (der vielleicht gar nicht so skandalös ist wie viele behaupten), ist nicht nur primiv und unintellent, sondern zeugt auch vom Charakter der FDP-Führung und deren Beratern, denen vor den Bundestagswahlen nichts Gescheiteres einfällt als einen vergleichsweise glaubhaften Ex-Minister anzupinkeln. Hetzereien gegen die SPD und deren Kandidaten sollten Sie lieber der LINKE überlassen!

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Wär‘ Hitlers „Mein Kampf“ eine Dissertation gewesen…

(hp) Im rbb, dem staatlichen Sender für Berlin und Brandenburg, hält man sich diszipliniert an die regelmäßige Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus. 80 Jahre nach der sogenannten Machtergreifung durch die Nazis läuft in der (ehemaligen Reichs-) Hauptstadt unter dem Motto „Zerstörte Vielfalt“ eine Art Geschichtsunterricht mit „Wegmarken“. Keine Privatinitiative einer jüdischen Organisation, sondern vom Senat verordnet. Der rbb begleitet in regelmäßigen Abständen das denk- und  merkwürdige  Jubiläum mit unterschiedlichen Sendungen.
Eine solche lief am Wochenende in der „Forum“-Reihe, moderiert vom rührigen Redakteur Herbert Asel. Mitveranstalter der Diskussion, die im Mai dieses Jahres stattfand, war die Leibniz-Gemeinschaft. Es ging um Hitlers „Mein Kampf“. Neben dem für solche Veranstaltungen unverzichtbaren Prof. Benz, em. Leiter der Antisemitismusforschung an der TU Berlin, diskutierten der Zeitgeschichtler PD Dr. Brechtken, Prof. Heidrun Kämper (Institut f.d. deutsche Sprache, Mannheim) sowie der Buchautor Timur Vermes („Er ist wieder da“).
Ich hörte, Marillenknödel kochend, nur mit einem Ohr zu. Mein 22-jähriger Neffe, der den „Kampf“ bereits kannte, war von der Sendung enttäuscht. Originell fand ich nur seine Anmerkung: „Als Dissertation wäre ‚Mein Kampf‘ garantiert durchgefallen. Alles, was da geschrieben steht, ist längst gedruckt gewesen. Der Hitler hat nur auf- und abgeschrieben.“ Für Jörg unverständlich, dass für das Buch, das in zwei Jahren wieder mit großem Tamtam verkauft werden wird, via Radio Reklame gemacht wird. Nicht die Nazizeit selbst, so Neffe Jörg, sondern wie es dazu kommen konnte, sollte Erinnerung und zugleich Warnung für die Heutigen sein: „Weimar steht nicht nur für Goethe und Schiller!“

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