Monthly Archives: April 2013

Über Schamlosigkeiten am Teetisch

(hp) Unser Freund Alexius, engagierter Krankenpfleger auf Rädern, nippt am Prosecco und grummelt in seinen nicht vorhandenen Bart: „Ich mache gerade ein Praktikum als Schamlippenbeschneider!“ – Ilse schreckt auf und starrt entsetzt ins Leere. A. erzählt von einem ihm bekannten Gynäkologen aus Berlin-Steglitz: „Manche Frauen leiden unter zu großen Labiae majorae pudendi.“ – Unser Lektor Hans-Peter nickt verständnisvoll, was Ilse in Rage bringt. Wie könne man ein solches Thema an den Teetisch zerren? – Alexius versucht zu beruhigen: „Liebe Ilse, wir wissen nicht, wie du unten gebaut bist, aber man kann ahnen, wie du nach deiner dritten Entbindung aussehen könntest…“ – Da niemand aus unserer Runde jemals mit Ilse, unserer Emanzipationsquotenfrau, bei Licht geschlechtlich verkehrte, schlug ich vor, das Thema zu vertagen. Den Vorwurf Ilses, Alexius sei schamlos, ließ ich nicht gelten. Denn wirkliche Schamloskeiten sind in unseren Breiten grenzenlos geworden, und eine Schamlippenkorrektur sei doch nichts Besonderes und um nichts ungewöhnlicher als eine Faltenweg- und Lippenaufspritzung…
Wie’s der Teufel will, kamen wir auf Steuerhinterziehung, auf Red-Bull-Makabritäten, auf Hoeneß und das Verhalten der FDP zu sprechen, auf deutsche Waffenexporte in den Nahen Osten, auf Pharma, Nahrungsmittelindustrie und Bienenmord. Danach bekannnte Elogen unseres Religionswissenschaftlers Ulrich, dem wir das Wort verbieten mussten, als er mit der Bergpredikt kam. Fazit: „Das du sollst-/du sollst nicht-Zeitalter ist vorbei; auch wenn du immer noch von Moral redest!“ (Alexius).

 

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ad Hoeneß-Entlarvung: Heuchler, Jauch & weitere Relativierer

(gj) „Alles, was Sie schon immer über ein weltweites Thema wissen wollten, aber Ihren Steuerberater nicht zu fragen wagten…“ lautet der Untertitel des 355-Seiten-Schmökers eines gewissen Gerhard Kurtz, copyright 1986 in London, herausgegeben in Panama, gedruckt in Irland und nachzubestellen bei Kurtz-Nachf. in London WCIN 3xx. Frei nach dem Dr.Oetker-Prinzip gibt dieses Buch, das ich heute auf dem Flohmarkt vor dem Schöneberger Rathaus um 1 € erworben habe, Tipps, wie man in 185 Ländern der Erde Geld am deutschen Fiskus vorbei anlegen kann. Der Kurtzsche Ratgeber begnügt sich übrigens nicht damit, Steueroasen zu beschreiben, sondern lädt auch zu einträglichen Geschäftsgründungen exotischer Art ein. Beispiele:
Gründen Sie in Kalifornien eine eigene steuerbefreite Kirche! Bischof Kirby Hensley (Universal Life Church) berät Sie für nur 25 Dollar Chartergebühr. . Lassen Sie sich in Irland als Schriftsteller registrieren. – Geben Sie in Indonesien vor, ein Serum gegen Tollwut herzustellen – Die Cook- und die Marshall-Inseln gelten als „Pacific Switzerlands“ und so weiter.

"Scheiss drauf", meint mein Nachbar.

„Scheiss drauf“, meint mein Nachbar…

Gern wüsste ich, wie hoch die Auflagen der Kurtzschen Bücher waren. Immerhin gab es mehr als 13 weitere „heißeste Publikationen“ dieses Kurtz mit Ratschlägen, den Auslandsführerschein per Post zu kaufen, ebenso Akademikertitel, einen Doktortitel aus der DDR und aus Österreich usw. Als  einer der Zeugen für die vielen Möglichkeiten ungesetzlicher Geldanlagen wird der Afrika-Diktator Idi Amin angeführt. Bildtext: „Idi mit Doktorhut – auch Analphabeten schaffen es. (Buchseite 353). Kurtz zitiert auch das Lob deutscher Medien für seine Ratschläge: „Tausendsassa“ (Quick),  „phänomenal“ (stern) und „Ein Ratgeber, vor dem alle, wir natürlich auch, verblassen müssen“ (ARD).

...und  Jauchs  Menscheln ließ ihn kotzen

… Jauchs Menscheln ließ ihn kotzen

Es gab und gibt sicherlich nur einen Gerhard Kurtz. Da scheint mir die Annahme gerechtfertigt, dass viele Zehntausende Anleger die Globalisierung ihres Geld lange vor der wirtschaftlichen Globalisierung erkannt und genutzt haben. Und hier, Herr Hoeneß, zerren sie dich an den Pranger – nur deshalb, weil du dank deiner Würstel und Wurstel so ausserordentlich berühmt und ein Vorzeigedeutscher bist! – Sonntag Abend jauchte es, natürlich ging es um Ulis Fehltritt. Neben einem Erwin Huber, der sich vor lauter Prominenz-Ehrfurcht ebenso andächtig wie unappetitlich erschüttert zeigte, schwärmte in seiner bekannt lausbubenhaft fröhlichen Art Gottschalk, als ginge es um einen originellen Nachruf auf den Uli. Steinbrück, den ich lieber in anderen Tratsch-Runden sähe, gab ein recht ehrliches Statement ab und Redakteur Prantl  relativierte in seinem angenehmen bayerischem Sound, gewohnt urig und stets ehrenhaft. Mein Nachbar allerdings, der als unprominenter Straßenbahner nie in Verlegenheit kam – siehe Kurtz -, erklärte mir, wenn er nicht ein „Buderl“ meines selbstgebrannten Slibovitz bekäme, würde er … siehe Abbildung rechts. Irgendwie sei er neugierig auf die Selbstanzeigen der Jauch-Gäste bei ihren zuständigen Finanzämtern. Es sei denn, der eine oder andere sei zwischenzeitlich Leihbischof einer von Kurtz empfohlenen kalifornischen Sekte oder Nutznießer einer anonymen panamesischen Stiftung geworden.

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„Sozis, i bitt euch, seid’s keine Trottel!“

(rm) Dieser Satz stammt von einem prominenten österreichischen Sozialdemokraten. Ausgerufen und vielfach nachgedruckt wurde diese Aufforderung in einer für den damaligen Kanzler Bruno Kreisky schwierigen Situation, die durch Flügelschläge und parteiinterne Extrempositionen innerhalb der SPÖ ausgelöst worden war. Ich möchte den Satz nach dem Augsburger Parteitag in SPD-Ohren implantieren, weil nun die Zeit gekommen ist, in der es ums Ganze geht.
Die miesen Umfragewerte für Steinbrück sagen wenig aus. Wesentlich scheint mir der Auftritt der Gesamtpartei: Bin ich in der SPD besser aufgehoben als in der CDU? Das ist die Frage. Noch so berechtigte Kritik an der Art und Weise, wie Merkel und Schäuble und Rösler & Co. den deutschen Karren ziehen (lassen), nur den wachsenden Wohlstand der oberen Hunderttausend im Auge haben und die sozialen Ausfransungen am unteren Ende der sozialen Leiter ignorieren und gesundbeten und um Ruhe bemüht sind, reicht nicht. Für Rot-Grün braucht es weit mehr:
*** Eure schärfsten Sieg-VerhindererInnen sind die süd- und südwestdeutschen  Rentnerinnen und Rentner.
Das sind viele hunterttausend Leute, die immer noch der Kohlschen Zeit nachweinen und in der Merkel-
Schäuble-Truppe das alternativlose Glück sehen. Alles was nur rötlich schimmert, ist für sie Gift, ausgenommen die Geranien auf den Balkonen.
**** Die Kampfagne der Springer- und der springernahen Medien gegen eine nicht-liberale Koalition wird Euch
bis zum letzten Tag Schwierigkeiten machen.
***Versucht, optisch sympathische, aber nicht allzu junge Funktionäre aller Ebenen in die Vordergründe der
Medien zu schicken. Delegiert gut aussehende Männer jeden Alters an die Badeseen (siehe unten),  lockt die Provinzpresse zu allen möglichen Auftritten, lasst Flüsse durchschwimmen usw. Besucht mit Lokaljournalisten Krankenhäuser, Altenwohnungen, Pfarrkindergärten, Bauern, Wochenmärkte, Schulen…
*** Inszeniert Schulaufsatz-Wettbewerbe à la „Wie ich mir meine Zukunft/meine Familie/meinen Mann… vorstelle, für 7- bis 10-jährige Mädchen und Jungs. Ihr glaubt nicht, welches publizistische Echo mit anonymisierten Kinderaufsätzen zu den jeweiligen Themen in der Provinzpresse erzielt werden kann. Leitmotiv: Wir sorgen uns um unsere Zukunft, um die unserer Kinder. – Sowas zieht, weit über die mächtigen Wählergruppen der Eltern und der Älteren hinaus. Lasst es menscheln!
100 weitere Vorschläge, realisier- und medial verwertbar, dürfen von unserer Verlagsrunde kostenlos abgefordert werden.
*** Lasst euch die (unbequemen) Grünen-Themen wie Asyl nicht künstlich aufdrängen, obwohl ihr
den glaubhaften Eindruck pflegen müsst, dass ihr – und zwar alle von euch! – grundsätzlich seit je für mehr Menschlichkeit gegenüber Unterprivilegierten seid.
Liebe Verantwortlichen der SPD: Holt Euch zusätzlich zu den „Profis“ jüngere PR-Leute. Da kann, wenn ihr’s richtig macht, Originelles rauskommen. Stichwort „Vieles ist aus dem Lot / Abwahl tut not!“

So gewann Jörg Haider einst die österr. Frauen für seine Partei...

So gewann Jörg Haider einst die österr.  Frauen schlagartig  für sich…

 

 

 

 

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SPD in der Bert-Brecht-Stadt Augsburg

POSADA Kopie

(gj) An der Fassade der Botschaft Mexikos an der Berliner Klingelhöferstraße 3, direkt an der CDU-Bundeszdentrale, hängt ein riesiger Stoffposter mit einem der berühmtesten Motive von Posada.  Im Radio wird zum x-tenmal der morgige SPD-Programmparteitag in Augsburg angekündigt. Weshalb gerade die Geburtsstadt der weltweit größten Kommerz-Heuschrecke Fugger (Jakob & Nachf.) gewählt wurde, habe ich nicht nachgefragt. Tröstlich: Auch Bertold Brecht wurde in dieser feinen Stadt geboren. Besteht die Hoffnung, dass mehr Brecht als Fugger über der Versammlung schweben möge. Was dort ausser einer Art Rütlischwur passieren wird, das werden wir rechtzeitig erfahren. Wäre zu hoffen, dass genügend Munition für Steinbrück geschmiedet bzw. gegossen werden wird…

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Deutschland blamiert sich und die Kanzlerin schaut untätig zu…

TTFlitenweib

(hp) Manchen Südländern gilt sie als Flintenweib (Foto rechts), den meisten Einheimischen hingegen als sorgende Mutti aus dem Kanzleramt. Das unterscheidet sie  von ihrer kürzlich gestorbenen britischen Vormals-Kollegin. Unter deren Ministern gab es auch einige, die Britannien blamierten, doch die wurden – ob es ein Schlag mit der eisernen Handtasche bewirkte oder nicht, muß noch ermittelt werden – gerügt und mussten in der Downing Street No 10 antanzen und auf Holzscheitern knien, Abbitte leisten und danach ohne Imbiss abhauen.
Frau Dr. Merkel  ist in solcherlei Fällen milder, wie es scheint. Sie lobt die meisten ihrer Anvertrauten, und wenn Makabritäten passiert sind, sieht sie in ihrer fast grenzenlosen Güte darüber hinweg. Das mag christlich sein, aber nicht immer gerechtfertigt. In letzter Zeit geht jedenfalls mir die Merkelsche Milde zu weit. Beispiele:
*** Der Bundesinnenminister (CSU) weigert sich, die von der deutschen Schutzbesatzung verwendeten afghanischen Männer, die als Dolmetscher, Fahrer, Diener und sonst noch was beschäftigt waren und mit dem Abzug der deutschen Truppen zu Zielscheiben der Talibans werden, in unserem Land aufzunehmen und sie vor Rache und Tod zu beschützen („monitor“, ARD). *** Die Frau Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) schreitet nicht gegen die Hausrechtsverwaltung des Münchener Oberlandesgerichts ein, dessen Vorsitzender sich bis heute weigert, den Prozess gegen die NSU in einem modernen Saal mit Klimaanlage zu veranstalten. Da müssen erst türkische Zeitungsverlage beim (deutschen) Verfassunsgericht gegen die Benachteiligung türkischer Journalisten bei der Sitzplatzverteilung klagen. Lächerlicher, ja blamabler geht’s nicht. – *** Nach den sattsam bekannten Bilanzfälschungen der griechischen Regierung gesteht nun die zyriotische zitzerlweise ein, dass sie sich in Sachen

Ideal gegen Frauenstreit: die traditionsreiche "Weibergeige"

Streit um Frauenquote: wenigstens im Kanzleramt bereinigt

Staatsverschuldung angeblich um ein paar Milliarden Euro verrechnet hat. Hat die Kanzlerin ihren Finanzminister mit grimmigem Blick  gerügt, dass dieser – wenn schon die „Troika“ nichts taugt – nicht die schärfsten Bilanzbuchhalter auf die Ferieninsel jagte, damit sich diese  durch den Saustall kämpfen um diesen zu entlarven? Dass nach wie vor nicht mehr als 10 Milliarden für dieses sonnige Ländle aus dem Füllhorn der Rettungsschirme ausgeschüttet werden, ist und bleibt eine schwache Ansage. Hierzulande verrotten Schulen. Bibliotheken und Schwimmbäder werden geschlossen, weil angeblich kein Geld da ist. *** Und dann noch die Streitereien um eine Frauenquote, als hätten wir nichts Besseres zu diskutieren. Bisher habe ich von Frau Merkel in dieser causa nichts Gescheites gehört. Eine Thatcher selig hätte, mit oder ohne Handtasche, längst ein Machtwort gesprochen und eine richtungsweisende Erklärung erteilt. Verbindlich für alle. Für Männlein und Weiblein. Ich vermute, hier wird wieder mal nur deshalb ausgesessen, weil’s nichts kostet und das Volk bequem abgelenkt wird. Über allem steht ja dankenswerterweise der Fußballgott.- Ist Ihnen übrigens schon aufgefallen, dass noch so tumbe Erklärungen von Trainern, verletzten und unverletzten Spielern sowie sonstigen Sport-Philosophen im Hörfunk vergleichsweise feierlich so präsentiert werden, als hinge unser Schicksal vom Ausgang eines Spiels ab, an dem eine deutsche Mannschaft mitkickt? Gegen den Ton der Sprecher nimmt sich manche Meldung aus Brüssel oder Nikosia wie ein kesses Geplauder aus, weil’s sowieso niemanden interessiert…

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De mortuis nil nisi bene? – Seltsame Ergriffenheit

(gj) Das „Eiserne“ an der ehemaligen britischen Premierministerin, die vor einigen Tagen das Zeitliche segnete, scheint rostfrei zu sein. Kein Spitzenpolitiker seit Chuchill hat in der westlichen Politik derart frisch gebliebene Erinnerungen hinterlassen wie Frau Thatcher. Was sie als anfangs unscheinbare Konservative während ihrer Amtszeit inszenierte, lässt sogar den deutschen Zwischenkanzler Gerhard Schröder mit seinen Sozialreformen im Schatten stehen. Weshalb der greise Schröder-Vorgänger Helmut Kohl, der der Dame mit Handtasche und eisernem Besen das Ja zur Wiedervereinigung Deutschlands mühsam abtrotzen musste,

Hinterlässt zweischneidige Erbschaften: M. T., +

M. T. hinterlässt eine zweischneidige Erbschaft

mit Wörtern wie „Ergriffenheit“ zitiert wird, ist mir ohnehin ein Rätsel. Die Bilanz der Thatcher-Jahre: Den Vermögenden und denen, die von deren Vermögen profitierten und so weiter, geht es so gut wie nie.  Die arbeitende und die arbeitslose Klasse wurden sozial gestutzt, nicht nur dank der Entmachtung der Gewerkschaften und der Unternehmerfreiheit. Auch das soziale Netz wurde derart großmaschig geknüpft, dass die Nachfolger, Thatcher-Kronprinz John und der Schröder-Kollege Blair einiges reparieren mussten, um soziale Aufstände zu vermeiden.

Man darf sich in Deutschland wahrlich glücklich schätzen, dass keine sture Chemikern an der Spitze der Regierung steht, sondern eine Physikerin mit Mutti-Image, wenigstens nach außen. Auch hierzulande werden die Vermögenden hofiert, aber „die da unten“ haben zumindest das Gefühl, im Fall eines Falles aufgehoben zu sein.
P.S.
Die altrömische Regel De mortuis nil nisi bene (Über Tote nur Gutes!) gilt, mutmaße ich, vornehmlich für jene britischen Bankiers, die in der Ära Thatcher zu Bänkern geworden sind und jegliches social feeling gegenüber ihrer Mitwelt vor ihren Spekulations-Laptops abgegeben haben. Wär er nur ein britischer Virus geblieben, dieser Bänker-Egoismus, könnte man’s mit einer LMA-Geste abtun. Leider wurde eine Pandemie, die vom Vereinigten Königreich, einem der größten „Steuerparadiese“ der Welt, ausging.

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Ogus Träume von gegrillten Bänkern

(hp) Zuwachs in unserer Verlagsrunde. Ogus Großvater und seine Stammeskollegen aus Neuguinea pflegten das Fleisch besiegter Stammesgegner zu verspeisen. Man nennt das  Gewisse Bänker würde Ogu solcherart bestrafenKannibalismus der natürlichen Art. Ob roh, gesotten oder gegrillt, haben wir Ogu noch nicht gefragt. Grundsätzlich: Dieser natur- und instinktbedingte traditionelle Kannibalismus  hat natürlich nichts zu tun mit den gruseligen Perversen unserer Welt, die alle Jahre wieder in unseren Gazetten auftauchen.  Ogu, unser origineller Gast, der gern Umberto Ecos Stories liest und in Parma studiert, bevorzugt eher Wild und zwar unser alpenländisches. Er teilt das Wildfleisch in zwei Gruppen ein: Wildbret, zu dem man Preiselbeeren isst und Wild, das keines Dips bedarf, wenn die Soße lecker ist. Ogu studiert Volkswirtschaft im vierten Semester. Das Wertvollste an ihm, das er gern unserer Runde schenkt, ist seine Begabung, reizvolle Fabeln, Anekdoten und spontan Fabuliertes zum Besten zu geben. Obwohl Ogu – um Missverständnissen vorzubeugen – sehr gepflegt ist und kein Brillenträger, Armani-Krawatten trägt und Hemden mit Doppelmanschetten liebt, seine Versace-Unterwäsche täglich wechselt und sich nach jedem Geschlechtsverkehr duscht (das hat er von Bertold Brecht) – wird er manchmal sehr temperamentvoll. Unter Enttäuschungen pflegt er kurzfristig zu leiden. Aber wenn er in Wut gerät und zum Beispiel  von notleidenden Banken hört oder liest, kommt ihm die Galle hoch. Da wird er schon mal deutlich. Man sollte die Geldverbrecher und Leute, die mit dem Ersparten ihrer Kunden Schindluder treiben, nach papuanischer Art und Rezeptur bestrafen. Sagt Ogu. Als talentierter Zeichner greift er gern, um sich abzulenken, zum Tuschefüller und kritzelt irgend etwas Eindeutiges aufs Papier. Die hier einkopierten Beispiele seiner Phantasie sollten dem Leser zu denken geben. Vielleicht auch den Bänkern, die ihren üblen Trieben nach Boni und anderen Prämien allzu leicht nachgeben…

Rund um Neuguinea gibt es tausend kleine Inseln, für langsames Verhungern geeignet

alternativ: Für Veganer gibt es  nackte Hunger-Inselchen

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ZDF-frontal, Berliner Hampler und Karstadt

DETEKT1

(gj) Wieder mal „frontal“, meine ZDF-Pflichtsendung angesehen. Zur Entspannung bequem im Lehnstuhl, zwei Rippen Schokolade und steirische Kürbiskerne in der Knabberschale. Der Tag war so sonnig wie mein Gemüt. Am späten Nachmittag im Café Einstein Unter den Linden an einer Melange genippt und einen Husch-husch-Politiker beobachtet. Mit meiner Freundin über ihn und andere gut gekleidete Hampelmänner   geplaudert, auch über Angela Merkel und politische Scharlatane und Raubritter aus allen möglichen Ländern, Schleimer und Küsschenverteiler, nachzusehen auf  jeweiligen EU-Gruppenbildern. Anne erzählte von ihrem letzten EinHAMPELkauf bei Wertheim am Kurfürstendamm und merkte an, der Gegensatz zwischen eleganten Jungkassierern und frustriert dreinschauenden Verkäufern sei ihr aufgefallen. Ob wir wüßten, dass der flotte Milliardenerbe Nicolas Berggruen den Karstadt-Konzern geschenkt bekommen habe, ohne die Auflage, eine halbe Mrd. Euro zu investieren erfüllt zu haben. Er selber habe sich ausführlich feiern lassen, nicht nur von der kinderreichen Sozialministerin,

Karstadt retten oder nur Gewinne machen – das ist die Frage…

einen britischen Sanierer als Renovierer des Geschäftskonzepts eingesetzt und diesen managen lassen, ohne wirklich Neues zu schaffen: Im Berliner Haus Wertheim  am Kurfürstendamm gibt es zwar eine riesige Taschen-, Schuh-  und Strumpfabteilung, ansonsten aber kaum mehr Veränderungen im Warenangebot. Dass diKarstadt xund machen oder nur Gewinne abräumen - das ist die Frage e Angebotsflächen nach dem bewährten US-amerikanischen Macy-Konzept entkernt und die Verkäuferinnen dazu ermuntert wurden, sich besser zu frisieren, ist spürbar, mehr nicht. Ob man so Gewinn einfährt, ohne gleichzeitig Personal einzusparen?  – Ich bin gespannt, wie in der causa Karstadt die nächste „nachgehakt“-Einblendung bei „frontal“ lauten wird.

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Liebe rbb-Macher, sendet öfter Lieder!

(reg) Ausgerechnet im rbb-Sender Inforadio erlaubt Frau Wiegand dem Sänger Thomas Quasthoff ein ehrenhaftes Plädoyer für den Liedgesang, wiewohl der aktuelle Anlass für das Interview der vom engagierten Künstler und Hochschullehrer Quasthoff initiierte Liedgesangs-Wettbewerb war. Ich hoffe, dass die Programmacher des rbb-Klassikradio mitgehört haben und sich – entgegen der grundfalschen Sendermeinung, Lieder seien nicht gefragt – endlich mal dem Sologesang mehr Platz im Programm einzuräumen. Gedudel und orchestrale Schnäppchen-Bandwürmer gibt’s ohnehin genug in diesem Land. Das abschreckendste Beispiel: der Privatsender „Klassikradio“, der es sogar unterlässt, einzelne Darbietungen anzusagen.

Ich komme jetzt nicht mit dem Bildungsauftrag des öffentlichen Rundfunks, sondern mit  mangelnder Herzensbildung in einem Minderheitensender wie dem rbb-Kulturradio, der trotz guter personeller Bestückung  programmgestaltend so gut wie nur nach dem Prinzip 08/15 bzw. berlinisch „Det ham wa imma so jemacht!“ agiert. Im Kleinen fängt’s an: Egal, mit welchem Thema sich der mittägliche „Hörerstreit“ befasst-, zur Pausenfüllung bis zu den 13 Uhr-Nachrichten wird meist irgend etwas, meist Barockes, eingetreut. Am Morgen ab sieben erklingt, nicht nur wenn die Frau Bürger mit ihrer bedächtigen Lehrerinnenstimme moderiert oder ihre Kollegin Kupferberg praktisch zum Wiedereinschlafen animiert, vornehmlich Barock oder eine romantischen Ohrwurm. Wie wunderbar wäre da ein Kunstlied aus dem reichhaltigen Repertoire von Schubert bis Eisler. Zum Frühstück ein von hellen Sängerknabensopranen gesungener Strauß-Walzer, und das Müsli schmeckt doppelt so gut. Ab 16 Uhr eignen sich Loewe-Balladen ebenso wie eine mozärtliche Bravourarie zur Entspannung, von der blauen Stunde gar nicht zu reden.
Genug der Wünsche. Das immer noch sehr kleine Stammpublikum des „Kulturradio vom rbb“ wird Vokales garantiert zu schätzen wissen.

 

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