Monthly Archives: März 2013

Wenn die Dosierung nicht stimmt…

(hp) Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus, brachte es auf den Punkt: Auf die richtige Dosis kommt es an. Neudeutsch: Die Dosis macht’s, dass ein Ding Gift ist oder nicht. Ich finde, die falsche Dosierung ist eines der größten Probleme, hier und weltweit. Nach dem heutigen „Urbi et orbi“ des Papstes fällt mir auf, wie schwach dosiert die heimischen Christ-Hierarchen die Appelle aus Rom umsetzen. Sie käuen wieder, anstatt auf die Pauke zu hauen. Sie referieren, wie gehabt, es gäbe zu viel Reichtum in zu wenigen Taschen; die Reichen sollten mehr zum Gemeinwohl beitragen müssen. Keiner der Herren Zollitsch & Co. fordert von dieser Regierung mit ihrer Beschwichtigungskanzlerin, die Besteuerung endlich saftig zu verändern. Erzbischof Zollitsch und sein lutheranischer Kollege könnten das tun und durch ihre Pfarrer von den Kanzeln fordern lassen, hinein bis ins flache Land. Aber nix da. Zollitsch verteidigte statt dessen im Deutschlandradio  die Kirchensteuer und erklärte deren Notwendigkeit für die Kirche – genau genommen Eigen- vor Gemeinnutz.

Die Unfähigkeit, die richtige Dosis zu treffen, ließ in Russland und in den USA die Forderung nach einer Homo-Ehe ins Abseits und ins demonstrative Aufbegehren der Gegner geraten. Gewisse Kräutertees, das wissen alle Kräuterhexen und Omas, richten bei Überdosierung Schaden an, bei Unterdosierung bleiben sie wirkungslos. Die russischen Schwulenführer haben überdosiert und damit die unter dem frommen Gospod Putin mächtig gewordene orthodoxe Kirche angesichts der zu grellen Schwulenforderungen aufheulen lassen.

In der „Süddeutschen“ vom Wochenende las ich ein Interview mit Dieter Graumann, dem Vorsitzenden des Jüdischen Zentralrats, der sich auf die Feststellung der Interviewer („Sie sprechen für eine ziemlich kleine Gemeinschaft – und haben eine große Medienwirkung.“) mit dem Hinweis äußert: „Man darf auch nicht vergessen, wir sprechen auch unausgesprochen für die sechs Millionen nicht mehr lebenden Menschen“ (Zitat). Die bis 1945 ermordeten Juden hat Jakob Augstein bei seiner Kritik an der heutigen Regierung Israels wohl vergessen, was ihm unverdienterweise den prominenten Platz auf der internationalen Antisemitismus-Liste eingebracht hat.

Irgendwie fällt mir immer wieder der alte Paracelsus ein, wenn ich dieser Tage durch Berlins Straßen spaziere: Als wären die ehrenhaft in das Gehwegspflaster eingebrachten „Stolpersteine“ und das Holocaust-Mahnmal nahe dem Brandenburger Tor nicht ausreichend, um unser aller schlechtes Gewissen wachzuhalten, mahnt von jeder zweiten Litfasssäule das weisse Großplakat „Zerstörte Vielfalt“ mit dem schwarzen Kreuz, das an die Machtergreifung vor 80 Jahren (merkwürdiger Jubiläumszeitrum) und an zahlreiche Berliner Gedenkausstellungen erinnert. Irgendwie fallen mir da M. Walsers „Auschwitz-Keule“, aber auch Meyers Lexikon von 1925/28 ein, das schon damals das Ziel der NSDAP, das „europäische Judentum“ auszurotten, für jedermann lesbar beschreibt. Damals war die nüchterne Darstellung unterdosiert, weil’s niemand so recht glauben wollte. Heute, wo die NS-Untaten zum allgemeinen Pflichtwissen gehören, macht mir eher die Überdosierung in Sachen Gedenkkultur Sorgen. Die Dosis scheint mir nicht zu stimmen, wenigstens hier in Berlin, wo mir dank des Senats die „Machtergreifung“ als Anlass für ein eigenes „Themenjahr“ zu hoch dosiert erscheint.

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P.S. zur ZDF-History: „Hitlers Gestank aus dem Maul!“ (Paul Hörbiger)

(gjw) Die beliebte alte Frage, ob Adolf Hitler während seiner „Regentschaft“ geistig gesund, geisteskrank, nicht bei Sinnen oder gar gedopt war, wurde am ersten Frühlingstag 2013 von ZDF-info wiedergekäut und im Schlussbild von einem kundigen Kundler der wissenschaftlichen Art eindeutig mit „Nein!“ beantwortet. Was ich ebenso eindeutig bezweifeln möchte. Als ich für mein Buch „Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus“ (2012 im Verlag Kalwang & Eis erschienen) meine Aufzeichnungen über die Aussagen von Zeitzeugen (oral history) durchforstete, stieß ich u.a. auf Prof. Hans-Herloff Inhoffens Aussage, sein seinerzeitiger Chef und Leiter der Schering-Forschung,  Prof. Walter Schoeller, habe ihm und seinem Kollegen Dr. Hohlweg untersagt, mit Hitlers Leibarzt Morell (Hauptperson in der ZDF-Doku) Kontakt zu halten und über jeden Wunsch der medizinischen „Spione“ Morells (zit.) sofort zu berichten.
Der unbeugsame Nazi-Gegner Schoeller, der 1944 vorzeitig das Handtuch warf und sich aus seinem Berliner Hauptlaboratorium nach Konstanz am See zurückzog,  habe dem Schering-Forschungsleiter laut Inhoffen auf einem Abendempfang stolz eine ganze Liste von Wirkstoffen und Fertigmedikamenten für seinen Patienten Hitler gezeigt und das Scheringsche PROGYNON (1928), ein Östrogenpräparat gegen Menstruationsbeschwerden, besonders gelobt, weil es gegen die „Schüttellähmung“ Hitlers (heute: Morbus Parkinson genannt) gut wirke. Schoeller habe dem Leibarzt erklärt, mit einer Überdosis dieses und anderer Hormonpräparate, insbesondere des reinen Testosteron (Scherings PROVIRON), könne man jemanden auch umbringen.
Die Nebenwirkungen vieler Präparate waren damals nur selten präzise erforscht. Erst einige Fußballer der deutschen Nationalmannschaft („Wunder von Bern„, 1954), die nach Testo-Injektionen an schwerer Lungenzirrhose erkrankten, wobei einer der Spieler bald daran sterben musste, machten ihre bitteren Erfahrungen am eigenen Leib. Doch zurück zu Hitler:

Wenn jemand wie Hitler Jahre hindurch bis zu 28 verschiedene Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel  konsumiert, kann er wohl nicht gesund sein. Wie unverdächtig ist doch des lang verstorbenen Wiener (Burg-) Filmschauspielers Paul Hörbiger, Schwager der Paula Wessely, in seinen Memoiren geschilderte Beobachtung, der Führer habe widerlich aus dem Maul gestunken. Anlass für diese Festellung Hörbigers war ein Empfang von UFA-Schauspielern in der Reichskanzlei.

P.S. Das oben erwähnte Sachbuch über die Schering AG in der Nazizeit ist nicht nur im Buchhandel für 19,80 €, sondern – weitaus preisgünstiger – auch als E-book erhältlich (google, amazon u.a.).

Auch Hitler und Gregor Straßer sind nicht ausgespart...

Auch Hitler und Gregor Straßer bleiben nicht ausgespart…

 

 

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Vergesst Obama und die anderen Pelzwäscher!

(ar) „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“ – Wer kennt nicht diesen Spruch, der auf fast jedermann/jedefrau zutrifft, insbesondere auf PolitikerInnen. Aktuelles Beispiel: Obama, der US-Präsident und Friedensnobelpreisträger, von dem  wir große Gesten und leicht durchschaubare Reden kennen; Obama, der so viele Menschen hoffen ließ, er würde die Welt verbessern und nicht nur Anstöße geben, sondern auch durchsetzen, was er an Plänen und Ideen verkündet. Er sei ja, wird dem braven Michel eingeredet, der mächtigste Mann der Welt…
Welch eine Chimäre! – Der (von mir aus) „brave Mann“ aus Chicago konnte Appläuse einheimsen, in West und Ost, aber zur Durchsetzung seiner Forderungen kam es nicht. So blieb es auch beim ersten und sicherlich letzten Obama-Besuch in Israel bei der Pelzwaschaktion für die dortige Regierung. Die Einmauerung der Palästinenser-Regionen und der demonstrative israelische, mit US-amerikanischem Kapital finanzierte Siedlungsbau auf palästinensichem Grund und Boden bleiben, und dem US-Präsidenten blieb nur übrig,  gegenüber jungen Israeli zu motzen, ihnen alles Gute zu wünschen und danach unter dem Motto „Wer hier die Wahrheit sagt, muß ein schnelles Pferd haben!“ abzuhauen. Die USA sind also definitiv von der seinerzeitigen Schutz- und Ordnungsmacht Israels zu erfolglosen Beobachtern geworden. Man darf gespannt sein, ob Obama noch etwas anderes, international Relevantes von Bedeutung, zustande bringt…

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Götz Aly entdeckt Morbus gedenkeritis berlinae

(rg) In seiner Kolumne in der Berliner Zeitung beschäftigt sich Götz Aly, der Unerbittliche,  jüngst mit „galoppierender Gedenkeritis“, die er in Berlin erlebt.  Die „Stadt ist dabei, ihre Geschichte und ihren Stolz zu verlieren“.  Dabei geht es ihm nicht um die während der Nazizeit gedemütigten, vertriebenen und ermordeten Juden, sondern um die Bemühungen einiger Initiatoren eines „zentralen Ortes des Gedenkens“ an Opfer des Kommunismus, vornehmlich jener Opfer, die „unter der SED-Herrschaft berufliche Nachteile erlitten haben“ (Aly). Der Autor spricht den Geschädigten das Recht ab, den Alleinanspruch der Juden auf Gedenk- und Erinnerungsstätten zu relativieren. Auch Erika Steinbach, die ein Vertriebenen-Denkmal fordert, kriegt ihr Fett ab.

Als „widerwärtig“ bezeichnet Aly die Ideen und nennt in seiner Kolumne namentlich Hubertus Knabe, den Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der seit langem ein zentrales Denkmal fordert.

Mir geht die „Gedenkeritis“ auch seit langem auf die Nerven. Noch stärker nervt mich jedoch der latente Alleinvertretungsanspruch der Juden, Opfer gewesen zu sein. Allein die verzogenen Mundwinkel gewisser jüdischer Funktionäre immer dann, wenn von dem nach x verzögerten Jahren endlich eröffneten und von der hiesigen Bevölkerung ignorierten Denkmal für die ermordeten Zigeuner (Sinti und Roma) die Rede war, sind mir in unguter Erinnerung.

P. S.

Bin gespannt, welchen Morbus Götz Aly demnächst beschreiben wird. Sein Buch über die Vernichtung „unwerten Lebens“ (Nazi-Diktion) ist gerade erschienen, als hätte Ernst Klee, der wohl engagierteste Aufklärer über die Untaten der Nazis (siehe S. Fischer, „Schwarze Reihe“) nicht ausführlich über dieses schreckliche Thema geschrieben.
Was wohl Herr Dr. Götz Aly über den zur Zeit ausgestrahlten ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ schreiben wird? – In diesem TV-Film wird, wie ich finde, sehr ordentlich und zugleich glaubhaft beschrieben, wie fünf junge Leute den Zweiten Weltkrieg erlebten. Von den Fünfen ist nur einer Jude, sympathisch gezeichnet und auf dramatische Weise der Vernichtung in Auschwitz entgangen. Also kein Holocaust-Revival, vor allem kein Alleinvertretungsanspruch jüdischer Opfer, sondern nur das Schicksal von Leuten, die unsere Eltern gewesen sein könnten.

Gedenke der Opfer, und zwar a l l e r, die Qualen erleiden mussten!  - Dieses  Denkmal steht in Leoben, Österreich
Gedenke der Opfer, und zwar a l l e r, die Qualen erleiden mussten! – Dieses Denkmal steht übrigens in Leoben, Österreich

 

 

 

 

 

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Merkel und NPD: Macht endlich einen Deal nach Dr. Oetker-Rezeptur!

(hp) „Es soll Schluss sein mit illegalen Absprachen im Hinterzimmer: Das Verfassungsgericht billigt zwar den Deal im Strafprozess…“ untertitelt die Süddeutsche Zeitung vom 20.03.2013. Damit ist der Kapitalistenschutz gemeint, und zwar der Schutz jener Kapitalisten, die vor einer Haftstrafe oder einem langwierigen Prozess bewahrt werden sollen oder dies wollen. Wenn sich nun das oberste deutsche Gericht mit Deals im Hinterzimmer beschäftigt und die Juristen beauftragt, hinfort seriös mit Deals umzugehen, so frage ich mich, warum diese obersten Richter nicht endlich auch dem Bundesrat und der Dame Angela Merkel, unserer geliebten Staatskanzlerin, mit Tipps und Tricks in der Frage beistehen, was für eine erfolgreiche Verbotsentscheidung in Sachen NPD nötig wäre.

Ich finde es lächerlich, dass die NPD-Verbotsdebatte schon Monate nervt, dass sogar Ministeriale hilflos tun, weil angeblich die Chancen für ein juristisch einwandfreies Verbot dieser Partei unkalkulierbar seien. Die Karlsruher Richter haben auch eine Beratungsfunktion, denke ich. Ich fordere sie hiermit auf, nach dem Prinzip des braven Dr. Oetker („Man nehme…“) die Politik zu beraten, was für ein erfolgreiches Verbotsverfahren nötig sei. Mit unseren Steuergeldern haben wir das Studium auch der obersten Juristen finanziert und erwarten, da sie die alleinigen Entscheider in einem Verbotsverfahren sind, handfeste Ratschläge. Eine Koketterie à la „könnte sein, könnte nicht sein“ finde ich bei diesem Thema unstatthaft.

 

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Infotainment vor der Papstwahl: Schon wieder diese Deutschtümelei

(silv) Nicht die BILD, sondern noch schärfer: Die staatlichen, publikumsgesteuerten Sender widmen sich, weil’s üblich geworden ist,  vor dem Konklave den laut Gerüchtemafia aussichtsreichen Kardinälen. Heute war in der ARD der Kardinal Odilo Scherer von Sao Paulo, Brasilien, an der Reihe.Und wie es sich in der journalistischen Schwätzergesellschaft gehört, wurden dessen deutsche Wurzeln ausgegraben und nach Boulevard-Rezeptur in die Glotze gestellt.- Odilos Vorfahren, und das ist 150 Jahre her, lebten im Saarland. Also genießt der Kardinal mit dem deutschstämmigen Familiennamen Scherer bereits so große Aufmerksamkeit, dass etwas kritischere Themen, die sich um das Papsttum heute drehen müssten, auf der Strecke bleiben. Konservativ sei Scherer, aber volksnah. Dass er Hochschullehrer war und eher Theoretiker in Glaubensfragen, kam nicht zur Sprache. Zur Erinnerung: wir hatten in den letzten acht Jahren einen ehemaligen Hochschullehrer, dessen Volksnähe eher als bescheiden einzustufen war.

Wäre es nicht hoch an der Zeit, dass sich die schreibende und die tönende Öffentlichkeit damit auseinander setzt, wie das so gut wie nachträglich ignorierte Zweite Vatikanische Konzil, das Johannes XXIII. einberief, aber leider nicht überlebte und für die weltweite Umsetzung der Neuerungen nicht mehr sorgen konnte, endlich wirksam werden könnte – und wenn es nicht anders geht, dann „von unten“. Ein frommer brasilianischer Hochschullehrer, der die drittgrößte Diözese der Erde leitet, wäre sicher ein ehrenhafter Kandidat. Ob er der Richtige sein mag, der mit der vatikanischen  Kurie zurecht kommen und den eisernen Besen schwingen könnte, bleibt eine offene Frage. Ein Mann der Art des venezianischen Patriarchen wäre eher nötig, um die katholische Kirche endlich der Gegenwart anzupassen…
P.S. Die für die „Roten Rosen“ Drehbuch-Autoren der ARD sind da eher zeitgemäß. Heute sprang um 14.11 Uhr ein dreiviertelnackter evangelischer Pfarrer in einem karierten Slip der Marke C & A aus dem Federbett, nachdem ihm seine Partnerin irgendwelche Vorwürfe gemacht hatte. Das nenn ich volksnah, noch dazu um die Mittagszeit, da die Kindlein vor der Glotze sitzen.

 

 

 

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Ösis über die Nazizeit: Die Berliner taz macht sich’s zu leicht!

(hp) Genüsslich macht sich die wunderbare Berliner „Tageszeitung“, schon vor ihrer ersten Ausgabe liebevoll „taz“ genannt, wieder einmal über die Österreicher her. Diesmal geht es um eine Umfrage (anlässlich des ‚Jubiläums‘ 75 Jahre nach dem Anschluss ans Deutsche Reich) unter der alpenländischen Bevölkerung im Auftrag der Wiener Zeitung „Der Standard“. Die Ergebnisse der Befragung sind „erschreckend“ (taz). Weshalb? Weil „42 Prozent sagen, „es gab gute Seiten“(taz); gab’s diese nicht, liebe taz?

Mein Vorwurf an die lässige Schreibe des lockeren Berliner Linksblattes, das ich, s.o.,  grundsätzlich sehr schätze:
– dass der/die SchreiberIn, der/die zumindest über ein solides  zeitgeschichtliches  Halbwissen verfügen dürfte, mit keinem Wort erwähnt, dass das kleine, wirtschaftlich nicht lebensfähige Österreich zum Zeitpunkt des Hitler-Einmarsches anno 1938 eine klerikalfaschistische Diktatur war, deren Bevölkerung 1934 einen –  wenn auch kurzen – Bürgerkrieg zu überstehen hatte und alles andere als befriedet war. Die militant ausgebrochene Feindschaft zwischen Bürgerlichen sowie Bauern und der unter Kuratel gehaltenen Arbeiterschaft wurde mit der Einverleibung Österreichs ins Deutsche Reich beendet, wenn auch zwangsweise. Mit einem Schlag waren auch Arbeiter und Arbeitslose nicht mehr Staatsbürger zweiter bzw. der Unterklasse.

Während im Deutschen Reich dank demokratiefeindlicher bzw. unfähiger Politiker der „Weimarer“ Zeit die Hoffnung auf einen „starken Mann“, der endlich Ordnung schaffen sollte, die treibende Kraft für den Erfolg der Nazis waren (die bereits in Meyers „Konversationslexikon“ von 1925-28 nachweislich abgedruckte NS-Planung „Bekämpfung des Judentums“  sowie die „Eingliederung Österreichs ins Deutsche Reich“ wurde von der Mehrheit der Deutschen ignoriert!) -, wollte die Hälfte der damaligen Österreicher endlich frei aufatmen, Arbeit haben und „dazugehören“. Viele weitere Gründe dafür, dass die Ösis ehrlicherweise nicht in (gelogenen) hochprozentigen Werten ausschließlich schlechte Seiten an der Nazizeit fanden, könnten noch aufgeführt werden. Das hier Gesagt sollte für den Anfang ausreichen.

P.S. Ein Großonkel unseres Blog-Autors wurde übrigens 1934 als lokaler Arbeiterführer gehenkt. Der Vater des Autors saß 16 Monate im Zuchthaus Graz-Karlau, weil er trotz der Nazi-Verbote weiterhin sozialdemokratische  Vereinskultur im Untergrund betrieb.
P.P.S. Noch ein Tipp für interessierte Leser, die sich – eingebettet in eine aktuelle schwule Romanbiografie – für das Entrée der Nationalsozialisten in der österreichischen Provinz interessieren sollten: Zurzeit nur beim üblen Händler „amazon“ ist Gerd Joachims „Es liegt noch Gold im Halensee“ erhältlich. Darin erfahren Sie u.a. auch, womit die Stürmer der Deutschen Nationalmannschaft („Wunder von Bern“, 1954) gedopt waren u.a.m.

 

 

 

 

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Darf man zu Kaschau Kaschau sagen?

(kr) Die traditionsreiche oberungarische, heute slowakische Handels- und Kulturstadt Kosice ist wie auch Marseille in diesem Kalenderjahr Kulturhauptstadt Europas. In unseren Medien hört und sieht man wenig und wenn, dann sehr  selten, über und aus Kaschau. So hieß die Universitätsstadt Kosice früher, als sie im deutschsprachigen und ungarischen Sprachraum noch einen delikaten Ruf hatte. Vor einem Jahrzrehnt fuhr ich durch die etwas verschlafen scheinende Altstadt und wünschte mir, hier, in dieser 240.000 Einwohner starken Metropole des slowakischen Südostens  mit dem Elisabeth-Dom,  sollte eine finanzielle Vitaminspritze für ein saftige Aufblühen sorgen. Zwei Jahre später fiel der Beschluß, der Slowakei dieses kulturpolitische Doping zu verpassen.

Der dank Reich-Ranitzki aus dem Randbereich ungarischer Literaturgeholte bekannteste Autor der Slowakei ist Sándor Márai („Die Glut“), geboren 1900. Dieser „ungarische Kafka“ wurde geboren, als die heutige Slowakei zu Österreich-Ungarn gehörte. An die Zeit der Monarchie erinnert in Košice das Stadtpalais des Andrássys-Clans. Romy Schneider-Fans verehren den bedeutendsten Spross dieser Adelsfamilie, Gyula Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka, 1823 geboren in Kaschau – oder genauer benannt – im ungarischen Kassa. Als einstiger Revoluzzer und späterer Diplomat schaffte Andrássy den Sprung in die ungarischen Geschichtsbücher, als Lover der Kaisersgattin  Elisabeth (vulgo Sisi) sogar bis auf die Filmleinwand.

Im aktuellen Straßenatlas werden Sie, liebe(r) LeserIn, den Namen Kaschau oder gar Kassa nicht mehr finden, aber, sobald Sie in der landschaftlich so gut wie unverdorbenen Ost-Slowakei angekommen sein werden, wird Ihnen der Hauch einer alten Kulturstadt mit ihrer liebenswürdigen Einwohnerschaft entgegen wehen, die den von der EU verliehenen Ehrentitel des Jahres 2013 verdient hat.

 

 

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Deutsche Muslime, lernt von den aktiven Juden in Deutschland!

(silv) Vom Bundespräsidenten waren sie heute eingeladen, die Mitglieder der „Jungen Islamkonferenz“.  Diese vorbildliche Institution, von der Humboldt-Universität und der Mercator-Stiftung initiiert und getragen, mag noch so ehrenhaft sein in ihren Absichten und Projekten, es mangelt ihr jedoch an aktiven Öffentlichkeitsarbeitern (heute PR-Leute genannt). Der verschlafenen bundesdeutschen Sofa-Gesellschaft („Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!“) täte es, liebe junge Islamisten, die ihr in Deutschland eine wunderbare zweite Heimat sucht bzw. gefunden habt, tut bitte mehr für euren guten Ruf. Und, so paradox es für die meisten von euch klingen mag: Nehmt euch ein Beispiel an den aktivitätsstarken jüdischen Gesellschaften in diesem unserem Lande. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihr Hier-Sein in allen Bereichen des Lebens, nicht nur in relgiöser Hinsicht, durch wachsendes Selbstverständnis stabilisieren und ausweiten.

Ihr braucht kein „Islamisches Museum“, das vom Bund finanziert werden müßte, denn ihr habt keine ausreichend muslimische Tradition in Deutschland. Aber auch die vergleichsweise kurze Präsenz im Land erfordert ein Wachstum eurer Bekanntheit, eurer Kultur und Schaffenskraft. Schafft euch ein Image, das verhindert, dass man euch in so vielen Kreisen der Öffentlichkeit immer noch ignoriert. Der nicht-muslimische deutsche Schriftsteller Erich Kästner gibt vor: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Also los! Mit Ausstellungen beginnt es am bequemsten. Mit Freiluft-Konzerten, außer mit besonders exotischen, werdet ihr euch schwerer tun als andere Veranstalter. Aber mit gut angekündigten Diskussionsveranstaltungen schafft man Publikum, Gespräch, konstruktive Kritik und – das wär‘ doch ein ehrenhaftes Ziel  – vielleicht sogar eine regelmäßige Sendung etwa im rbb oder im WDR, in der es um muslimisches Kultur- und religiöses Leben in Deutschland geht. Es mangelt euch auch nicht an  Politikern in einigen deutschen Parlamenten, von klugen Leuten und Wissenschaftlern  in- und außerhalb der Universitäten nicht zu reden. – Ein Grüß-Gott-Termin beim Bundespräsidenten kann’s allein nicht sein. Auch wenn er euch als Bestandteil der Gegenwart und Zukunft dieses Landes würdigt. Also: Vergesst nicht Erich Kästners Aufforderung!

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Mehdorn: Nomen est omen? – Endlich ein Macher von Schrot und Korn

(hp) Berlin labert. Wie immer. Hartmut Mehdorn ist heute – endlich – zum Chef des künftigen Berliner Flughafens gekürt worden. Hart ist er, dornig, mutig, und wenn’a drauf ankommt, kann er auch abmähen – und vor der Politik und ihren mehr oder weniger marionettenhaften Vertretern pflegt er nicht zu kuschen. (hp) Einer, der Karren aus dem Dreck ziehen kann. Durchsetzungsfreudig bis zum Gehtnichtmehr, unbeliebt bis zur praktizierten Feindseligkeit, müpfig in Sachen Diplomatie – also der ideale Mann für den sich zur Zeit im präfinalen Winterschlaf  befindlichen Willy-Brandt-Flugplatz im Südosten der Hauptstadt. Die Grünen sind die lautesten Kritiker der Entscheidung des Aufsichtsrats, den 70-jährigen gelernten Maschinenbau-Ingenieur mit langjähriger Managmentenerfahrung eingesetzt zu haben. Die allseits kundige Kundlerin Renate Künast erkeckte sich als eine der ersten KritikerInnen, Mehdorn als schlechtestmögliche Wahl zu bezeichnen, wie der „Info-Radio“ (rbb) berichtete. Vergessenswert, denn Künast hat sich schon in anderen Fällen extrem geäußert.

Mag sein, dass Mehdorns Äußerung, er sei gegen ein Nachtflugverbot, zur Anfangsverwirrung beigetragen hat. Aber dieser Ex-Bahn-Chef weiß auch, dass manche Ideen revidierbar sind. Als Ex-Häuptling von Air Berlin wird er wissen, dass man auch mit Fluglinien und ihren Managern mehdornig umgehen kann. Als Logistik-Profi wird ihm schon was einfallen, um die nächtliche Ruhezeit für die Brandenburger Bürger samt Babies zu verlängern. Wenn nicht: Im Rechtsstaat Deutschland gibt es immerhin auch Kräfte, die noch so starken, selbstbewussten  Machern erfolgreich in die Quere kommen und sie, notfalls gerichtlich, zurechtbiegen können. Mehdorn weiß das. Und wenn einer auch der jammernden Wirtschaft seine Meinung verbindlich aufdrücken kann, dann ist es der Aktivist, auf dem nun alle Hoffnungen ruhen, die bald vom BER abheben möchten. Bleibt mir, ihm und seiner Mannschaft Gesundheit zu wünschen.

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