Monthly Archives: Februar 2013

Immer wieder Nazizeit, aber immer nur Hitler

(hp) Offenbar unausrottbar, die Fokussierung der NS-Zeit („3. Reich“) auf die Person, auf das Monster Adolf Hitler. Heute Abend ging es in „hart aber fair“ darum, ob das „Thema“ Hitler heutzutage auch satirisch behandelt werden dürfe. Bei Plaßberg saßen durchaus interessante Diskutanten, darunter der vergessenswerte Pocher. Ein Geschichtslehrer war leider nicht dabei. Über alles Mögliche wurde gesprochen und geplaudert: über auflagengeile Zeitungen, über die quotenreichen Knoppschen Hitler-Sendungen und – wie zu erwarten – über die Schulbildung, sprich: über das Versagen der Schule(n). Alles richtig – oder doch nicht ganz:
Hier, und nicht in der bekannten Plagiatsfrage, sehe ich eines der größten Versäumnisse in der bundesdeutschen Bildungspolitik.

Hauptversäumnis:
Obwohl es gesellschaftspolitischer Konsens zwischen Flensburg und Garmisch, Saarbrücken und Schwedt ist, dass die Nazizeit in mindestens 20 Schulstunden abzuhandeln sei, wird diese Verpflichtung in den Lehrplänen, die von den Bundesländern gemacht werden, unterschiedlich realisiert. Ansonsten wäre es wohl unmöglich, dass die Mehrzahl der Schulabgänger so gut wie unbeleckt von dieser Ära der jüngeren deutschen Geschichte geblieben ist. Außer der Gestalt Hitlers, die als Horrorfigur in den Köpfen existiert. Wäre es nicht, frage ich als Nicht-Geschichtslehrer, bildungspolitische Gesamtverantwortung gewesen, spätestens nach der Weizsäcker-Rede von 1985, das Thema NS-Zeit als Pflichtveranstaltung für alle Geschichtslehrer weiterzugeben?

Es ist blamabel, dass immer noch mehr junge Leute wissen, dass Karl der Große ein „Großer“ war, obwohl er seine ganze Regierungszeit gegen die Sachsen und andere christlich unterbelichtete Volksstämme des Frankenreiches wütete und morden ließ, aber in Sachen jüngerer deutscher Geschichte unberührt ist wie ein neues Stück Lecksalz im Ochsenstall.

Vorwürfe an die Elterngeneration und deren Lehrer, die noch aus der Nazizeit stammten, seien hier vernünftigerweise ignoriert. Nicht die Eltern sind schuld an der historischen Blödheit der heutigen Jungen, sondern tatsächlich vor allem die Schule. In dieser deutschen Schule wird immer noch auf Hitler und Konsorten fokussiert und auf den Holocaust. Weder die Zeitumstände während der nicht gelebten, stets halbtoten Weimarer Republik, die einen Hitler möglich machten, noch der Teil „Zweiter Weltkrieg“ wurden und werden klar dargestellt und definiert. Immer noch so, als wären die Nazi-Verbrecher vom Himmel gefallen oder aus der Hölle gekrochen und hätten ein ganzes Volk in ihren Würgegriff genommen, zumindest geblendet. Mit dem Slogan „Zerstörte Vielfalt“ werden zurzeit die Berliner sowie die Besucher des größten europäischen Fremdenverkehrsortes von jeder zweiten Litfaßsäule mit schwarzem Kreuz bombardiert …

Mein Vorschlag für einen tragfähigen zeitgeschichtlichen Pflichtschulunterricht:

1.)  3 Stunden Deutsches Kaiserreich 1871 bis 1918 incl. Antisemitismus, Versailler Vertrag und die Folgen.
2.) 4 Stunden Weimarer Republik – Europäischer Faschismus (insbes. Italien, Frankreich, Deutsches Reich), speziell Deutschland-Sowjetunion mit Rapallo-Friedensvertrag.
3.) 4 Stunden Entwicklung der NSDAP bis 1933; Förderung dieser Partei durch den in- und ausländischen Kapitalismus. Ernennung Hitlers. Wahl. Ausmerzung der Gegner.
4.) 4 Stunden Kriegsentwicklung incl. Ouverture zu „Großdeutschland“; Schweigen zur Besetzung Österreichs und des Sudentenlandes.
5.) 4 Stunden Ausrottung des „Europäischen Judentums“ und aller anderen Opfergruppen.

So oder so ähnlich müßte meiner Meinung nach diese wichtige Ära der jüngeren Geschichte der Deutschen aufgearbeitet werden, um den Bildungsnotstand in dieser causa langfristig zu beheben. Zusätzlich empfehle ich „Abiturwissen“, eine preiswerte Broschüre aus dem Pädagogik-Verlag Klett. Dann könnten „hart aber fair“-Programmierer wieder über gefälschte Eier, vermantschte Pferde und … streiten.

 

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Gauck-Rede: Nix Neues aus dem Schloss

(hp) Jetzt verstehe ich, dass sich der deutsche Bundespräsident so lange mit den Überlegungen gequält hat, eine große, also staatstragende Rede zu halten. Weshalb sollte er? Und was sollte er sagen, wo doch schon alles gesagt ist? – Um das Wie musste sich Joachim Gauck keine Sorgen machen. Man nimmt ihm ab, dass er es ehrlich meint, wenn der den Mund aufmacht. Dass es so gut wie immer pastoral rüberkommt, was er sagt, ist ein friedvollerr Nebeneffekt.

Das einzig Neue an der Gauck-Rede vor den zweihundert Zuhörern war, dass sie im Schloss Bellevue gehalten wurde, und nicht etwa im Luxushotel Adlon. Nicht neu die Beschwörungen Gaucks an alle, die Ohren und Herz haben, nach Mitwirkung, Verantwortung, Geduld und Wachsamkeit. Das kennt man von Sonntagspredigten. Das einzige, was diesmal fehlte, noch dazu im Berliner Erinnerungsjahr 2013 (80 Jahre nach 1933), war die Aufforderung, Buße zu tun. Das hat der Präsident diesmal vermieden, denn dafür sind die katholischen Prediger da und – ganz aktuell – die Gestalter der über ganz Berlin und Umgebung stattfindenden „Zerstörten Vielfalt“.

In Ihrem nächsten „großen“ Vortrag, der – unter europäischer Perspektive – hoffentlich nicht mit dem Ausbruch sozialer Unruhen in Griechenland stattfinden wird, erwarte ich zuvörderst Erörterungen über Unrecht und Unmoral und wie Sie persönlich dazu stehen. Frau Wagenknecht könnte als Ghostwriterin hilfreich sein.

 

 

 

 

 

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Prof. Winkler bei Will: Kein Wort über Versailles…

(hp) Mittwoch, 20. Feber 2013, ARD ab 20.15: Endlich wieder mal ein ordentlich gemachter Spielfilm mit Frau Loos und ihrem Mann Liefers („Nacht über Berlin“), danach eine ehrenhaft Dokumentation über die Monate zwischen der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes. Bis dahin ungemischte Gefühle: Verspürte man beim Spielfilm etwas Nostalgie nach dem Hollywood-Hit „Cabaret“ (nach Isherwoods Berlin Stories), nahm man die Doku als sachlich vernünftiger zur Kenntnis als man sie von Knopps „History“ hätte erwarten müssen. Doch dann kam’s: In Anne Wills Fauteuils saßen u.a. SPD-Chef Gabriel und Prof. Heinrich August Winkler, von Frau Will als „größter“ deutscher Zeithistoriker begrüßt. Frau Süssmuth und Frau Wagenknecht saßen auch da, vornehmlich über die Gegenwarts-Demokratie redend. Kein Anlass zur Kritik. Trotzdem ist anzumerken, dass – wieder einmal – die Gründe für den Erfolg der Nationalsozialisten, insbesondere Hitlers, nur sehr amputiert erörtert wurden:

Dem nicht im Detail informierten Zuschauer wurde zwar vermittelt, dass u.a. der Hass zwischen den Kommunisten und den Sozialdemokraten und die republikfeindliche Gesinnung der „Nationalen“ den Nazis ihre Erfolge ermöglichten (wenn sie nicht gerade amtlich verboten waren), dass sie, die Nazis, ursprünglich jedoch vornehmlich von der Verbitterung der Deutschen über das „Diktat“ von Versailles und der Angst vor den Bolschewiken profitierten. Die Sehnsucht, wieder ein erstarkendes Volk und von starken Politikern geführt zu werden, war bis in das hinterste Tal präsent. Als die sozialen Folgen der Weltwirtschaftskrise jede Hoffnung zunichte machten, das Parlament durch präsidiale „Notverordnungen“ quasi ausgeschaltet worden war, blieb den Großunternehmern und Bankiers nichts anderes übrig, als einen „starken Mann“ mit einer starken Organisation im Hintergrund – und das waren damals nur die Nazis mit Hitler, der sich als Retter aus der Not präsentierte – zum Reichskanzler küren zu lassen. Dass die „Notlösung“ Adolf Hitler nach seiner Ernennung all das umsetzte, was er bereits in seinem Rezeptbuch „Mein Kampf“ (1924/25) öffentlich angekündigt hatte, steht auf einem anderen Blatt.

Für den Will-Talk wär das zu viel gewesen. Eine einzige Winklersche Bemerkung erscheint als Fazit wesentlich fürs Fernsehvolk: Es gab keine Hitlersche „Machtergreifung“; er wurde ernannt und zwei Monate später „ermächtigt“. Der Fairness halber ist anzumerken, dass die sozialdemokratische Fraktion im Reichstag nicht für das Ermächtigungsgesetz stimmte.

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Die Rosstäuscher sind längst in unsere Küchen vorgedrungen

 

(hp) Da hat sie recht, die Ministerin Aigner, wenn sie erklärt, „Betrügereien wird man nie verhindern können“. Auch dann nicht, wenn ihr unausführbares 10-Punkte-Konzept von Regierungsseite(n) akzeptiert würde. Schon im alten Testament war die Küche ein Ort des Betrugs. Man denke nur an die verwerfenswerte Rebekka, Mutter des Jacob, der, als wäre er Esau, dem erblindeten Papa Isaak eigentlich ein edles Huftier jagen und ihm gebraten vorsetzen sollte, was die Mama nicht einsah, sondern dem alten Mann gebratenes Hausziegenfleisch vorsetzte. Der alte Isaak, obwohl kein Kettenraucher, erschmeckte nicht, was er da aß. Jakob aber stach dank der Intrigen und Betrügereien seiner Mutter den ehrlichen Bruder Esau zum zweiten Mal aus, nachdem er ihm bereits für einen Teller Gemüse-Eintopf das Erstgeburtsrecht abgetrotzt hatte und wurde zum – zwischendurch vom lieben Gott gesegneten – berühmten Patriarchen.
Schlecht könnt einem werden angesichts solcher Kriminalitäten, die in geschönter Form bis dato unseren Grundschülern eingebläut werden. Schamlos, könnte man meinen. Aber nein, liebe(r) Leser(in). Isses nicht. Sondern der biblisch belegte Freispruch für Betrügerinnen (Rebekka) und betrügerische Erpresser (Jakob) – gestern wie heute.

Hoppe, hoppe in den Schlachthof!

Hoppe, hoppe in den Schlachthof!

Die vermutlich gute Katholikin Aigner wird schon wissen, weshalb sie ihre anfangs zitierte Äußerung machte. Also lassen wir uns weiterhin, biblisch abgesegnet, vorsetzen, was in katholischen Familien mit einem traditionsreichen Tischgebet vorm Verspeisen geadelt wird: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast, und segne, was du uns bescheret hast!“ Da kann ruhig mal etwas Fleisch von einem braven Ackergaul dabei sein!

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Pille: Stellten sich die deutschen Bischöfe dumm?

(kl) Da hat er sich verraten, der Herr Bischof Zollitsch, als er heute in der von der ZDF-Sprecherpäpstin Petra Gerster moderierten „heute“-Sendung über die „Pille“ fabulierte – ob es solche gäbe, die nicht der Abtreibung dienten, sondern ein Zusammentreffen von Ei- und Samenzelle, also die Befruchtung, verhindern. Erhebt sich die Frage, ob sich der Chef der Bischofskonferenz absichtlich dumm stellte oder ob die katholischen Hierarchen wirklich nicht mitbekommen haben sollten, dass mit der Schering-Pille Anovlar bereits 1961 ein Kontrazeptivum, das den ungeschützten Geschlechtsverkehr ohne Befruchtung und nachfolgende Schwangerschaft ermöglicht, auf den Markt kam.

Kann es sein, frage ich ketzerisch, dass die Herren unter ihrer Bischofsmütze nach dem Kölner Skandal (Verweigerung einer „Pille“ nach einer Vergewaltigung durch katholische Krankenhausärzte) endlich erkannt haben und es gegenüber den Gotteskindern eingestehen, dass die Fleischeslust  ein schöpfungsgewolltes menschliches Bedürfnis ist? Bin jedenfalls gespannt auf die nächsten Sonntagspredigten und ausnahmsweise nicht unfroh darüber, dass es gegenwärtig noch keine Pfarrerinnen gibt.

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Grimme-Institut: Makabre Maßstäbe für Preiswürdigkeit

(hp) Als „Diskurs“ bezeichnet Uwe Kammann, Direktor des Grimme-Instituts in Marl, die Pseudo-Diskussion über die Vorentscheidung einer angeblich unabhängigen Jury, die TV-Zumutung „Dschungelcamp“ in die engere Wahl für einen Grimme-Preis aufzunehmen. Kammann holt in einem Artikel auf der Webseite seines Instituts weit aus, kritisiert Neil Postman und schließt mit Franz Kafka. Dazwischen fachwortgespicktes Hin und Her (klassisch Diskurs genannt) und schlußendlich die Verteidigung der Juroren, die sich der „Moderne“ widmen müssten, um nicht zu den Gestrigen zu gehören. Kammann vergisst in seiner Betrachtung den Abbau jedes Maßstabes für Benehmen, Anstand und Qualität. Da die Publikumsunterhaltung der Massen seit jeher diese Maßstäbe unterwandert nach dem Muster „Je ordinärer ein Witz, desto stärker beklatscht“ (Karl Kraus), ist es nur „natürlich“, dass in der Demokratie – und wir wollen keine andere Staatsform – alles erlaubt ist, was nicht verboten ist.

Es gibt, Herr Kramman, noch viel Schmutzzeugs, das gehoben und auf die Bühne gestellt werden kann. Die Straße nach unten ist bekanntlich bequemer zu befahren als die nach oben, und dank der Massenwirksamkeit der Präsentation via Privat-TV sind hohe Quoten garantiert. Weiter so. Unsere Kinder werden sich bedanken: wie, ist eine andere Frage.

Es gibr noch viel Dreck zu heben!

Es gibr noch viel Dreck zu heben, liebe Grimmer!

 

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„Auch Pauschalisieren kann Geschichtsfälschen sein, Götz Aly!“

(hp) Leser der Berliner Zeitung, bislang für mich unverzichtbar, entgehen ihm nicht: Prof. Götz Aly, Historiker und Buchautor, hat auf Seite 4 unten einen der dreispaltigen Kolumnenplätze. Regelmäßig. Und regelmäßig lesen wir von und über Hitler, erfahren viel über die Erbärmlichkeit unserer Eltern, die kritik-, widerstands- und gesinnungslos auf dieses Monster und seine verbrecherischen Schergen hereingefallen und ihnen zugejubelt, ihre Untaten akzeptiert oder gar bei den Grausamkeiten und Verbrechen an den Juden mitgemacht haben. Herr Aly vermeidet zwar den direkten Aufruf, unsere Eltern, die Wähler der NSDAP, Mitläufer, eventuell Mittäter oder gar MörderInnen waren, zu verachten, sie zu verurteilen, ihnen ein Büßerbrett auf den Wohnzimmertisch zu knallen und das Elternhaus für immer zu meiden, doch indirekt kommt zumindest bei mir persönlich ein unverdientes Unbehagen hoch. Da schmeckt der Kaffee im Café nicht mehr so angenehm wie sonst – vielleicht von Professor Aly und der Berliner Zeitung gar bezweckt.

Eine solche Art von Geschichtsbetrachtung mit der indirekten Einladung, ein Büßerhemd über den Leib zu streifen und Asche auf das Haupt zu streuen, zumindest gedanklich, ist mir zu pauschal und, da es heute nicht mehr allzu viele freilaufende Nazi-Schergen gibt, schlicht ungerecht und damit einer retrospektiven historischen Bewertung unwürdig.

Herrn Alys gelegentlich schwarz-weiß abgedruckte Sympathie für die Regierung des Staates Israel lasse ich mir ja noch gefallen. Aber wenn ein Historiker als Zeitungsschreiber ohne Augenmaß pauschaliert, wird es für mich ärgerlich. Ich fühle mich zu alt, um aus mir noch einen Antisemiten alten oder neuen Stils zu machen. Aber ärgern darf ich mich schon. Mir genügen die zweiunddreißig „Stolpersteine“ auf dem Weg zwischen Wohnung und Kaffeehaus und das zurzeit von den Litfaßsäulen triefende schwarze Kreuz der Zerstörten Vielfalt.
P.S. Das Titel-Zitat stammt übrigens von Susan Sontag.

 

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Immer weniger Puristen im IOC – Stefan Raab als Ringen-Retter?

(ev1) Als Leichtathletin in einem Provinzverein habe ich nur eine eng begrenzte lokale Stimme.

Ringen, altgriechisch

Ringen, altgriechisch

Und wäre ich nicht im Pfarrgemeinderat, hätte ich auch nur eine halbe Bettelstimme, wenn es um das Sponsoring unseres jährlichen Turnfestes geht. Die Kaufleute und der Apotheker geben gern aber wenig. So machen wir unsere Plakate selber und freuen uns über das treu gebliebene Publikum. Wir haben auch eine Ringer-Sektion, jahreszeitenunabhängig. Flintenweiber, Stichwort Biathlon, sind wegen chronischen Schneemangels bei uns nicht üblich. Unser einziger Fünfkämpfer, der bis zu seinem 17. Geburtstag Vereinsmitglied war, ist nach Essen abgewandert. Die Körperkämpfer sind die traditionsreichste Abteilung. Fräulein Schrittwieser wäscht, näht und stopft ihnen die Dressen. Sie ist zwar schon über 60 und durchaus intelligent, aber über Stefan Raab lässt sie nichts kommen. Denn auch sie entstammt einer Metzgerei.
Als die Schrittwieserin jüngst im Fernsehen von der Absicht des IOC erfuhr, das für die Medien zu wenig interessante Ringen als olympische Disziplin zu entfernen, wurde sie sehr nachdenklich. Sie studierte die Lokalzeitung und kam auf eine rettende Idee, die sie sofort der Konditorin Aigner am Rathaus offerierte:

Viele gute Ideen haben ihre Mütter in der Provinz

Viele gute Ideen haben ihre Mütter in der Provinz

Auf unserem Sportfest 2013 sollten unsere vier Ringer, erweitert durch den schönen Olaf, nach altgriechischem Vorbild pudelnackt kämpfen. Als Schaukampf, damit den Weichteilen der Kämpfer nichts passiert. Das brächte dann nicht nur die Zeitung auf Seite 1, sondern auch das Fernsehen. Am besten wäre der Sender von Stefan Raab. Der habe viele Millionen Zuschauer, und dann bräuchte man keine Werbung einer Sportkleidungsfirma.
Die Konditorin soll dazu gesagt haben, gut gewachsene, aparte nackte Männer seien viel seltener als nackte Weiber und deshalb sowieso interessanter für die Leute. Blöd wäre es nur, wenn es regnete. Denn im Saal wäre das Ganze nicht so natürlich wie unter freiem Himmel –  wie damals im alten Olympia.

 

 

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Berliner Schlamp incl. Feigheit der lästernden Hauptstadt-Journaille

Welche Firmen haben gepfuscht?

Welche Firmen haben gepfuscht?

(hp) Sie sitzen auf fetter werdendem Gesäß, manche in den RBB-„Sterbezimmern“ ihrer SFB-Vorgänger und freuen sich ihres Gehalts, das dank der Neuregelung der Rundfunksteuer gesichert ist: Hier geht es – der kluge Leser hat’s geschnallt – um Berliner Journalisten. Insbesondere um jene, die sich immer wieder gern oder aus Routine dem verworrenen Bauprojekt BER-Flugplatz widmen. Die Aufgabe, das Projekt  journalistisch zu begleiten, ist eine der leichtesten, vor allem seit der Aufsichtsratsvorsitz von Bürgermeister Wowereit auf den Brandenburger Ministerpräsidenten Platzek gewechselt ist. Dessen Regime ist bedächtiger als es das des Berliner Oberhauptes war. Der Primitiv-Anfrage gewisser Journalisten nach einem Eröffnungsdatum begegnet man heute ohne Geschwafel, sondern mit Schweigen. Alles andere, was unter Wowereits AR-Vorsitz gelästert, phantasiert und ohne realistischen Hintergrund skandalisiert wurde, wäre Chimäre. Denn aufgrund des Saustalls, den bisher beschäftigt gewesene Bau- und Installationsfirmen hinterlassen haben, müsste man Hellseher sein.
Erhebt sich deshalb meine Anfrage an die Vielschreiber: Weshalb fragt ihr nicht endlich mal nach den Firmen, die an der Baustelle Berlin-Schönefeld zugange waren? –  Um den (gesetzlichen) Datenschutz bzw. um Geschäftsgeheimnisse kann es nicht gehen. Es muß wohl dem Senior der deutschen Kabarettisten, Dieter Hildebrandt, vorbehalten bleiben, endlich öffentlich die Namen der Firmen zu erfragen, die selber oder durch ihre Subunternehmen den milliardenschweren Kuddelmuddel angerichtet haben!

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Rom: Hoffnungsvoll zeitgerecht

(hp) Die Rosenmontagsmeldung aus dem Vatikan tut wohl. Hatte sich sein Vorgänger bis zur allerletzten biologischen Möglichkeit eines schwerstkranken alten Mannes in seinem Amt gequält, entschied sich sein Nachfolger, Papst Benedikt XVI., für die Vernunft: Ein greiser Mann, der allein schon durch seine Schriftwerke und seine theologischen Mission weltweit Gehör gefunden hat, hat sein Werk längst getan und zieht sich nun zurück. Allein schon an seiner Stimme, die bereits nach seiner Wahl die eines kurzatmigen alten Mannes war und in letzter Zeit immer brüchiger wurde, bemerkte jeder Laie, ob gläubig oder nicht, dass er seinem hohen Alter Tribut zollen muss. Nun hat er seinen Rücktritt verkündet. Und die Journaille hat wieder mal mehr zu tun, als über kleinkarierte Themen wie Gysi, Brüderle, Flughafen- und Elbphilharmonie-Gejammer überflüssige Meinungen abzusondern. Weil die Entscheidung des Papstes nüchtern und politisch keimfrei ist, ist es alles andere als schwierig, seriöse Berichte und Fotos in die Medien zu bringen.

Für mich ist es ein hoffnungsvolles Zeichen, das der Papst heute gesetzt hat. Er hat mit der  jahrhundertelangen Tradition gebrochen, bis zum letzten Atemzug Oberhaupt der katholischen Weltkirche bleiben zu müssen. Das war früher vornehmlich deshalb nicht üblich, weil Päpste nicht nur Petri Nachfolger, sondern auch politisch machtvolle Herrscher waren. Ich finde, Benedikt hat ein Tor geöffnet, durch das er in den acht Jahren seines Pontifikats nur einen Spalt geöffnet und manches, was „Kirche heute und morgen“ sein muß, angekündigt hat: innerkirchliche Einigung, Versöhnung mit anderen Religionen, speziell mit den orthodoxen Katholiken, Verständnis für Juden und Vertreter des Islam. Es ist nun zu hoffen, dass die katholische Weltkirche ein Oberhaupt aus kirchlich wichtigeren Ländern als Deutschland erhält. Die Philippinen und Brasilien sind mitgliedsstärkere Länder als jedes andere europäische Land. Bleibt letztlich auch zu hoffen, dass sich die Kardinäle nicht für einen italienischen Bürokraten entscheiden. Damit die Kirche endlich im Heute ankommt. Die Gläubigen hätten es sich verdient.

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