Monthly Archives: Oktober 2012

Götter in Schwarz?

(sylvia) Die Zeiten, als Ärzte ‚Götter in Weiß‘ waren, sind lang schon vorbei. Bei Richtern ist es anders. Solange sie nicht gegen gedruckte Paragrafen verstoßen, sind sie unantastbar. Wären da nicht die ihnen von der Verfassung ermöglichten Ermessensspielräume, innerhalb derer sie urteilen können oder müssen. Seit ich aus der Glastür des Familiengerichts in Berlin-Kreuzberg weinende Väter kommen sah, weinende Mütter ebenso, hat sich meine Meinung zum Thema Ermessensspielräume stark geändert. Soweit das Grundsätzliche.

Auf den Richter-Beschluss, die Schläger und Tottreter vom Alexanderplatz nicht sofort einzusperren, ob geständig oder nicht geständig, müssen erboste Reaktionen erlaubt sein. Zur Würde eines Menschen, die laut Grundgesetz angeblich unantastbar ist, gehört auch dessen Körper. Oder irre ich? – Jedem Schwarzfahrer der BVG werden prompt und ohne viel Pardon 40 Euro Strafe abgenommen  und wenn sich jemand erfrecht, mehrere Male ohne Fahrschein angetroffen zu werden, kommt die Polizei und nicht selten Haft – ohne  Haftverschonung – bis zur Auslösung des Delinquenten. Wenn jemand geschlagen und getreten wird, unabhängig davon, ob der Getretene ob seiner Verletzungen stirbt oder nicht, dann sind meiner bescheidenen Meinung nach die Tatverdächtigen in jedem Fall einzusperren, egal, woher sie kommen, egal ob sie der Polizei bzw. der Justiz  bis dahin unbekannt waren.

Was ist das für ein Rechtsstaat, in dem sogar ein Polizeigewerkschafter (den ich im Radio hörte) einen Richter (oder war’s eine Richterin?) nur mit Samthandschuhen kritisiert und auf den Erfolg des staatsanwaltschaftlichen Einspruchs hofft? – Es wird Zeit, dass Götter in schwarzer Robe an den öffentlichen Pranger gestellt werden dürfen, meint mein Nachbar. Ich bin dabei, mich seiner Meinung anzuschließen. Immerhin ist körperliche Unversehrtheit ein, wie ich finde, hohes Gut, das zu schützen und deren Missachtung hart zu bestrafen ist.

 

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Wenn zweibeinige Kampfhunde wüten

(silbermann) „Ruß und Dreck“ nannte man in meiner Kindheit jene Wirtshausschläger, die es nicht bei Boxen, Kopfnuss-Austeilen und Ohrfeigen („Watschen“) beließen, sondern es darauf anlegten, ihren Gegner auf den Boden zu schmeissen und ihn zu beschimpfen. Das war einmal.

Heute ist es offenbar Mode geworden – begonnen hat diese Sauerei in US-amerikanischen Filmen -, jemanden, der bereits am Boden liegt, noch mit den Schuhen zu treten. Und weil so etwas dem hierzulande Dreck und Ruß zu nennenden Abschaum gefällt, was brutal ist, tritt mancher auch hierzulande zu, um einen Gegner „auszuschalten“, also kampfuntüchtig zu machen.

Steigerung: Mann-zu-Mann-Attacken werden dadurch zum event, wenn Brutalos Zuschauer haben. Nebeneffekt: Wenn das Opfer bereits  kampfunfähig malträtiert wurde, treten auch Bewunderer zu, um auch sich zu beweisen. Und Gesinnungsgenossen zücken ihre Handy-Kamera…

Die Berechenbarkeit auf Gegnervernichtung gezüchteter Kampfhunde ist wissenschaftlich erwiesen. Für zweibeinige Kreaturen, die – wenn auch nur in gewissen Momenten – jedes Maß an Menschlichkeit verlieren, gibt es in unserer Gesellschaft sowas wie Anti-Agressions-Trainings, die – wie jeder Experte weiß – in 95 Prozent zu null Erfolg führen.

Vierbeinige Kreaturen landen, wenn sie nicht in flagranti erwischt und erschossen werden, hinter Gittern. Ein Berliner Gericht ersparte einem Zu-Tode-Treter sogar die Gitter.

 

 

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Zum Soziologen-Geschwätz über mangelnde Volksvermehrung

(hp) Es ging jüngst wieder mal um die Frage, weshalb die inländische Geburtenquote justament nicht ansteigen will. Im rbb-Kulturradio schnappte ich jüngst Kommentare eines Soziologen auf, der allerlei Gründe nannte, ohne auf den Punkt zu kommen. Weil’s bequem ist, Kinderkrippenmangel und berufliche Entfaltung fortpflanzungsfähiger Frauen vorzuschützen, Kinder als Armutsfalle zu deklarieren, bleiben die wirklichen Gründe auf der Strecke:

Da unser Lebens- und Sozialsicherungsstandard hoch ist, benötigen wir Heutigen keine Kinder für die Versorgung im Krankheitsfall und im Alter. Eine Familie in Ruanda produziert durchschnittlich acht Kinder, von denen im Lauf der Jahre durchschnittlich zwei überleben, die dann für die alt gewordenen Eltern zu sorgen haben. Krasses Beispiel? – Ja, aber es stimmt. In unserer Gesellschaft, die haarscharf in Begüterte und nicht Begüterte/Minderbemittelte/Arme geteilt ist, herrschen

Zustände klassischer Dekadenz:

Die „da oben“ kümmern sich nur um sich selbst, pflegen  gemäß der Erwartungshaltung der  „christlich-liberalen“ Politik ihren eigenen Wohlstand, viele der jüngeren Erwachsenen haben mit Familie nichts im Sinn und leben nach dem lockeren Prinzip ‚Hinter mir die Sintflut‘. Die anderen, die den Euro zweimal umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben können, teilen sich in jene, die ihr Lebensglück in der eigenen Familie suchen und finden sowie in jene, die davor zurückschrecken, weil (vornehmlich) ihre materielle Basis zu klein ist. Alles „darunter“, ob allein erziehende Mütter oder sozial isolierte Junge, fällt ohnehin durch.
Es ist kaum anzunehmen, dass mehr Kinderkrippenplätze ein automatisches Ansteigen der Geburtenrate nach sich ziehen würden. Solange eine Gesellschaft wie die unsere Hedonismus, Ignoranz und Materialismus bis zum Exzess pflegt, wird sich nichts an der Quote 1,? ändern…

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Verlustanzeige: Hausverstand

Exempel 1: Antisemitismus-Bericht der Regierung

Zum x-ten Mal haben wir erfahren, dass rund ein Fünftel der Bevölkerung latent antisemitisch sind. Gegen Honorar haben das „Experten“ herausgefunden. Tolle Leistung. Der in Berlin angestänkerte Rabbiner namens Alter wird als aktuelles Exempel durch die Medien gezogen und schönmalerische, sozialromantische Journalisten bringen immer gern die antisemitische  Grundgesinnung arabischer Kreise („Migrationshintergrund“) als besonders eklatant ins Spiel. Dass die „Grundgesinnung“ in allen christlichen Ländern des Westens, Amerika inklusive, seit Jahrhunderten an der Tagesordnung ist und zwar unabhängig von den Ausrottungsversuchen der Nazis, hat nichts, aber auch gar nichts, daran geändert. Um dies festzustellen, bedurfte es nicht (angeblich) wissenschaftlicher Studien im Bundesauftrag. Ein kurzer vorösterlicher Besuch in einem katholischen Bergdorf beweist bis heute jedermann, dass der antisemitisch denkende und vor allem fühlende Anteil an judenfeindlichen Bewohnern bis zu 100 Prozent beträgt, weil es dank eindringlichen Predigten immer noch heißt: „Die Juden haben unseren Christus ans Kreuz geschlagen!“

Exempel 2: Buschkowsky-Report

Menschlich verständlich, dass sich Multikulti-SchwärmerInnen wie Barbara John oder Kreuzbergs Bürgermeister Schulz von einem Berliner Bezirksbürgermeister entlarvt fühlen müssen. Und sich somit nicht eingestehen, dass sie jahrelang sozialromantisch geträumt haben von einer harmonischen Berliner Misch.Masch-Welt, die es nie gegeben hat und nie geben kann. Dass die Genannten und viele andere, darunter auch Journalisten, die – weit weg von Nordneuköllner und anderen Straßen – noch nie ihre Nase in den sozialen Missstand gesteckt haben, nicht einmal den Hausverstand haben, Buschkowskys politische Therapien als einzig richtig zu bewerten und mit ihm anstatt ignorant gegen ihn zu argumentieren, ist für mich ein Skandal.- „Belügt euch nur, ihr blinden Pharisäer, das belastet euch nicht!“ (Abraham a Santa Clara).

 

 

 

 

 

 

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Ohne Bertha v. Suttner gäbe es keinen Friedensnobelpreis

(hp) Dem gealterten Stifter des Nobelpreises, Alfred Nobel, wäre es ohne den Einfluss seiner Freundin und Vertrauten, der altösterreichischen Bertha von Suttner (Altösterreich), nicht eingefallen, die Kategorie „Frieden“ in seine Verfügung zu schreiben. Dem Industriellen Nobel ging es um die Preisung von Wissenschaftlern und Ingenieuren, die sich um die Zukunft der Menschheit verdient gemacht hatten. So ist es auch zu verstehen, dass es in den Disziplinen Chemie, Physik, Medizin und Wirtschaftswissenschaften kaum zu Disputen kommt. Anders verhält es sich mit der Literatur. Dort hat sich das Thema Freiheit als Ergebnis von Befreiung aus der Unfreiheit breit gemacht. Purer Schöngeist kommt seit 1945 eher weniger zu Nobelpreis-Ehren und Altersbewältigungsschwierigkeiten, die wir vom Vielschreiber Roth (USA) kennen, schon gar nicht.

Das norwegische Preiskomitee „Frieden“, dessen jüngstes Mitglied über 61 Jahre alt ist, fügt sich seit je den von Alfred Nobel festgeschriebenen Grundsätzen. Deshalb  ist es nicht verwunderlich, dass diesmal die Europäische Union in den Genuss der Ehre kam. Jüngere Komitee-Mitglieder, denen das kriegsfreie heutige Nebeneinander vornehmlich der Staaten Frankreich und Deutschland und dessen friedliche Kooperation mit den gedemütigten Weltkriegsopfern Polen usw. selbstverständlich ist, hätten vielleicht anders entschieden. Ich finde es gar nicht schlecht, dass es angesichts der Friedensnobelpreisvergaben zu Diskussionen kommt. Da schaut und hört die gesättigte Menschheit vornehmlich Europas vielleicht wieder einmal näher hin, wo es – beispielsweise Balkan oder Flüchtlingspolitik –  noch saftige bis ungeheuerliche Mankos gibt.

P.S. Übrigens: Frau v. Suttner („Die Waffen nieder!“) war praktischerweise die allererste Preisträgerin.

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Haute cuisine only for cats, but: Fabrikfraß für Kinder

Kennen Sie noch den Spruch von der „gelben Gefahr“? – Nachdem die Russen aus Österreich abgezogen waren (1955), hörte die Bevölkerung – obwohl es damals die heute bekannten Verblödungs-TV-Sender noch nicht gab! –  vom Drohgespenst, die Chinesen würden das pessimistische Alpenland und danach ganz Europa, der geschwächte Kontinent, überrennen. Wie bei Prophezeihungen die Regel, treffen diese nicht ruck-zuck, sondern ratenweise ein. So passierte es auch: Erst kamen die Industriespione, getarnt als interessierte Betriebsbesucher, dann folgten Textilien und – weil die hiesige Kunststoffindustrie ihre Auslandsfilialen zu Endfertigungsfabriken ausbaute – Plastik-Klimbim, danach die Geldanleger (Investoren genannt). Wie sehr China als neuer Exportweltmeister in unseren Alltag eingreift, erkennt jeder Mann, der einen Cardin-Anzug trägt, ein Doppelmanschettenhemd von Dior und sonstiges.

Zuletzt – um endlich aktuell zu werden -, waren es gefrorene Erdbeeren für Kita-Babies und Pimpfe, wahrscheinlich auch für Studenten (Mensa), die Tausende von Bürgern minderen Alters übermäßig häufig ins Klosett trieben. Gibt’s demnächst einen Medikamentenskandal und unvorgesehen frei gewordene Rentnerwohnungen, weil in chinesischen Pharmafirmen die Sauberkeit..?

Es ist nicht Absicht dieser Zeilen, die chinesische Wirtschaft zu kritisieren. An den Pranger stellen will ich, bevor wegen der Gier einheimischer Importeure der nächste Skandal mit gesundheitsschädigenden oder gar tödlichen Auswirkungen ausbricht, die Verantwortlichen in diesem unserem Lande. Nicht zuletzt die Eltern und ihre Vertreter, die es widerspruchslos hinnehmen, dass ihren Klein- und Schulkindern fabrikatorisch produzierter Kantinenfraß verabreicht wird. Ich warte nur darauf, dass einer Katzenfutterfirma  eine Panne passiert. Das wird ein Geschrei sein im Lande…

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Zum Willy-Brandt-Gedenken: Danke, Egon Bahr!

(hp) Einer der ältesten und glaubwürdigsten Zeitzeugen der politischen Ära Willi Brandt, an dessen Wirken zu erinnern aller Ehren wert ist, spricht – endlich, liebe Zeithistoriker der Kalte-Krieg- die Wahrheit im Zusammenhang mit der Berliner Mauer. Dem rbb-Reporter, der ihn um eine kurze Würdigung Brandts (der vor 20 Jahren starb) bat, erklärte Egon Bahr die Väter des Berliner Mauerbaues: Nicht Chruschtschow und Ulbricht, sondern Chruschtschow und J.F. Kennedy waren die Väter der Absperrung Westberlins. Wie unser Autor G. Wlasich in seiner Romanbiografie „Es liegt noch Gold im Halensee“ ausführte, gab Nikita erst nach dem Ja Kennedys den Auftrag zum Mauerbau weiter. Autor Wlasich wurde 2010 von einigen deutschen Historikern heftig kritisiert, weil er den US-Präsidenten als Mitverantwortlichen ins Spiel brachte. Herrn Bahr sei hiermit ein herzliches Danke für die Klarstellung übermittelt.

 

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