Monthly Archives: August 2012

Beschneidung, Ohrstechen, Entjungferung: ach, du Schmerz!

(hp) Das Thema Beschneidung hätten wir durch. Ohrläppchenstechen ist gerade topaktuell. Die Defloration (deutsch: Entjungferung) steht noch bevor. Ein großartiges Thema, wenn man’s bedenkt: Es wird keines Gerichtsurteils bedürfen, erklären Basisjuristen. In einer Ethik-Kommission (à la Beschneidungsgipfel – Sie erinnern sich!) könnte sich allerdings ein Arzt mit einem Rechtskundler zanken. Immerhin ist die Zerreissung des Jungfernhäutchens (ob freiwillig oder nicht ganz freiwillig) objektiv betrachtet ein schmerzhafter Vorgang, wie ein Teil der Bevölkerung wissen dürfte. Was beim  erstgenannten Thema der Religionsvertreter war, könnte – so mein prophylaktischer, noch nicht patentierter Vorschlag – ein Kulturmensch sein, speziell: ein Liederkenner. Denn der schmerzhafte Vorgang findet sich – im Vergleich zu Ohrloch und Vorhaut – in breit bekannter Dichtung und Musik.

Erstens: „Der Kuss“ (Beethovens opus 128/Text: Christian F. Weiße, Pädagoge und Schriftsteller des 18. Jhdts., geb. in Annaberg/Sachsen, später DDR) beinhaltet auf schelmische Weise die Defloration, die nach dem ausführlichen Kuss (Liedtitel) erfolgt und mit einem gewaltigen Schrei der Entjungferten endet. Ein schönes Lied, das in katholischen Veranstaltungsprogrammen jedoch so gut wie nicht vorkommt. Tipp: Fritz Wunderlichs Interpretation ist mit Abstand die wirkungsvollste.

Dem deutschen Bildungsbürger alter Schule dürfte Johann Wolfgang von Goethe kein Unbekannter sein. Was von Schulkindlein, Frauen- und Männerchören sowie Solisten mit Begeisterung gesungen wird – immerhin hat der naturfreudige Liederfürst Franz Schubert die beste und bekannteste Vertonung vorgenommen: das „Heidenröslein“ ist nichts anderes als ein Deflorations- bzw. Vergewaltigungssong.

Last not least: Friedrich Daniel Schubart (kein Tippfehler), ein auch bei konservativen Bildungsbürgern wenig bekannter Dichter (Schlag nach bei Wiki!) lieferte Franz Schubert  mit dem wunderbaren Gedicht „Die Forelle“ die romantische Vorlage für das bekannteste Pendant des Goetheschen „Heidenrösleins“. Das „Forellenquintett“, vornehmlich der Variationensatz, eignet sich, da textfrei, als Lehrbeispiel auch für katholische Musikpädagogen, die beim „Fischer mit der Rute“ keinen Zugang zu Erotik und Sex vermuten. Unseren Lesern sei’s jedoch erlaubt, sich den rührenden Text mal kritisch vorzunehmen. Fazit: Die Entjungferung ist als „Tradition“ wahrscheinlich um vieles älter als der Brauch der Beschneidung und wird sicherlich – ganz im Gegensatz zur zwangsweisen Vorhautentfernung – keiner gesetzlichen Regelung bedürfen.

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„Gregor Straßer war bei Schering doch nur eine Null!“

(hp) Bei Autorenlesungen ist es meistens ruhig bis feierlich, es sei den, ein schreibender Witzbold verwöhnt sein Publikum mit Scherzen. Als unser Autor G. Wlasich vorgestern nahe dem Berliner Moritzplatz (neben dem Aufbau-Verlag) über den „Oral history“-Abschnitt seines Buches „Die Schering AG in  der Zeit des Nationalsozialismus“ referierte, gebärdete sich ein Gast in  der zweiten Reihe auffällig, bevor er mit seiner Kritik herausplatzte: Wlasich habe viel zu viel Platz für den Abschnitt über den nur kurzfristig bei Schering untergebrachten „Obernazi Gregor Straßer“ vergeudet und „meinen Vater nicht einmal mit einer Zeile erwähnt.“ Einige Sekunden Stille im Saal, weil der Zwischenrufer seinen Namens nicht nennen wollte. Schließlich ermunterte Herrn J. Schwanitz die entstandene Unruhe samt Wlasich-Bitte um Namensnennung, seine Kritik auszubreiten.

Sein Vater sei 1944 von der Gestapo vor der Schering-Einfahrt Fennstraße 12 im Berliner Wedding „vom Fleck weg“ verhaftet worden, weil er es zugelassen habe, dass italienische Zwangsarbeiter am Sonnabend auf dem Bürgersteig ein Mandolinen-Konzert für Frauen aus der Nachbarschaft gaben. Schwanitz senior sei inhaftiert geblieben, bis ein Schering-Direktor (vermutlich Dr. R. Clerc) interveniert habe. Dazu muß man wissen, dass die zivilen italienischen Gastarbeiter nach dem „Verrat“ der italienischen Armee (1943, s. Badoglio) im Deutschen Reich automatisch zu Zwangsarbeitern degradiert wurden und daher nicht mehr die Rechte hatten, die sie vor der Absetzung Mussolinis genossen.

Wlasich entschuldigte sich mit dem Hinweis, dass er bei den Recherchen für sein Sachbuch nur auf schriftliche, möglichst beglaubigte Zeitzeugen-Aussagen zurückgegriffen habe, um die Seriosität der Darstellungen nicht zu gefährden. Der Vater von Schwanitz sei Anfang der 1950er Jahre gestorben und habe bei Schering leider nichts Schriftliches hinterlassen, wohl aber in der Familie und bei einem Verein. Der mittlerweile betagte Sohn will unserem Verlag Aufzeichnungen nachreichen, damit dieses Thema in einer Neuauflage berücksichtigt werden könnten.

Wie ein damals bereits pensionierter Optiker aus der Reinickendorfer Straße 1988 in einem Zeitzeugen-Meeting im Scheringianum erzählte, habe das Schering-Management „nicht erst seit Stalingrad gewisse Vorschriften der Nazi-Behörden ignoriert“. An die von Herrn Schwanitz in Erinnerung gerufenen sog. Mandolinenkonzerte der Italiener denke er, so Otto Reinke, der mittlerweile verstorbene Optiker, gern zurück: Es sollen nur traurige, von Heimweh strotzende Linder und Arien gewesen sein, die mitten im Krieg auf der Fennstraße erklangen und von den Frauen aus der gegenüber liegenden Häuserzeile geliebt worden seien. Die Spontankonzerte hätten aber nach der Bombardierung des Wedding im Herbst 1943 aufgehört.

Mit dem Hinweis, der bis Ende 1933 innerhalb der NSDAP mächtige Gregor Straßer sei nach seiner Abhalfterung durch Hitler bis zur Erschießung am 30. Juni 1934 („Röhm-Putsch“) als Frühstücksdirektor bei Schering „nur eine Null“ gewesen, hat Schwanitz übrigens Recht – dies nur der Vollständigkeit halber für jene Leser, die sich in der NSDAP-Geschichte nicht genau auskennen bzw. Wlasichs Buch nicht gelesen haben.

 

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Blutige Tradition bleibt, wenn auch unter Betäubung statt Rotweinschnuller

(hp) „Es gibt keine Religion auf dieser Erde, die ihre Angehörigen mit derart vielen Ver- und Geboten plagt wie die meine“, schreibt uns Sofias alte Freundin Sally Cullen aus San Bernardino (Kalifornien).  „Bin zwar keine jewish mam, wie sie mein Lehrer Watzlawik beschrieben hat“, meint sie, „aber das Thema Beschneidung hat mich schon als kleines Mädchen interessiert.“ Beschnittene sind bessere Liebhaber, behauptet sie. Sie habe genügend Sex-Erfahrungen. Ausserdem schauen sie appetitlicher aus, die Männerzierden. Das beherzigt auch ihr Schwager, einer der Pornofilmproduzenten im Bernardino Valley. „Und wenn in den TV-soaps nicht nur nackte Weiber, sondern auch nackte Männer an der Tagesordnung sein werden, dann sollten es nur beschnittene Kerle sein!“ Blablabla.

Nun ist sie da, die gute Sofia mit dem Hang zur lockeren Lippe. Ihren Boxer, den sie Yussuf  ruft, hat sie zu Hause gelassen. In unserer Berliner Nebenstraße, die von allerlei Hundeherrchen und -frauchen samt verbeinigem Anhang  bevölkert ist – glücklicherweise gibt es an der Motzstraßenkreuzung einen Hundekotsäcken-Automaten, so dass die Tretminendichte reduziert ist. Soffi, wie wir die verwöhnte Freundin nennen, bleibt vor dem Souterrain des Dante-Alghieri-Vereins stehen und schaut entgeistert, als hätte sie ein Gespenst gesehen. – „Is‘ dir was?“  – „Siehst du die Boxer-Welpen?“ – „Und was findest du dran?“ – Sofia: „Die Süßen sind nicht kupiert wie mein Yussi.“ – Mir sagt das wenig, weil mich Sumpfdackel und andere nicht bis ans Knie reichende Kleinhunde nicht interessieren. Regt sich, ihren Pariser-Crem-Sonnenhut im Wind festhaltend, meine Begleiterin auf: „Stimmt also doch, was mir mein Mann erzählt hat: Hunde- und Pferdeschwänze dürfen in Deutschland nicht amputiert werden, Baby-Vorhäute schon. Was für eine verkehrte Welt!“

Am Abend ist sie wieder beruhigt, unser zweibeiniger Temperamentsbolzen. Hans-Peter hat sie aufgeklärt: Jüdische Babies  müssen, so das Ergebnis eines medial vielbeachteten Ethik-Gipfels zur Beschneidungsfrage, vor dem blutigen Akt lege artis betäubt werden. Der orthodoxe Brauch, dem Beschneidungskandidaten vor dem Schnitt einen in Rotwein getauchten Lappen ins Mäulchen zu stecken und das Baby zum Ergötzen der Familienmitglieder einige Zeit brüllen zu lassen, sei als obsolet beurteilt worden. Und demnächst komme, so H.-P., ein Gesetz auf den Markt, damit Ruhe sei im Land. Frech wie sie nun einmal ist, hat Soffi das letzte Wort: „Und wann darf wieder kupiert werden, damit die Boxer und Pudel nicht lächerlich ausschauen?“

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Onassis lacht, Zeus gratuliert und Samaras wird umarmt

(hp) Welche eine Heuchelei: Söder södert, Rösler meckert, Brüderle schimpft („Kuhhandel“), Frau Merkel reist ins Armenhaus Moldawien, Samaras wiederholt das griechische Märchen von der „garantierten Rückzahlung“, und der brave deutsche Michel bleibt sediert. Nur im Olymp, dem Sitz der griechischen Götter, ist wie immer Party angesagt. Obergott und Ehebrecher (mehrfach) Zeus, der seinerzeit, als Stier verkleidet, die asiatische Königstochter Europa nach Kreta entführte und diese gebirgige Insel zum Mutterboden des Kontinents Europa machte, plaudert mit Onassis über die guten alten Zeiten, als sich seinesgleichen jeder Besteuerung widersetzte und bis heute nicht widersetzen muss. Zeus gratuliert zu dieser feudalen Beharrlichkeit. Niemand weiß, ob sie sich auch Sorgen über die Zukunft Griechenlands machen.

Wer sich den beruflichen Lebenslauf von A. Samaras anschaut, erfährt, was dieser Herr bisher gemacht hat. Aufgefallen ist er nur als Neokonservativer, der nach dem Zerfall Jugoslawiens in der Mazedonien-Frage – durch die Europabrille betrachtet – auf denkwürdige Weise auffällig geworden ist. Er war Wirtschafts- und Kulturminister und sonst noch was. Ein Vielfaltpolitiker und Stehaufmännchen, einer der unter Europas Stockkonservativen geschätzter Partner des sonnigen Armenhauses, nur in Schussweite vom langjährigen Feind namens Türkei  gelegen und im Dauerstreit in Sachen Korsika. Dass die strategische Lage Griechenlands enorme Rüstungskäufe erforderte, machte das unwichtige Land mit seiner politischen Oberschicht wichtig und beliebt. Nicht nur bei Touristen, die der Sonne und der längst versunkenen Kultur wegen gern Ferien machten, speziell auf den Inseln. Den Touristen, zu denen auch ich gehörte, war es ziemlich egal, dass es keine Einkaufs- und Verzehrquittungen gab. Man hatte, aufgrund der Sympathie erregenden Mentalität der Griechen, kein Bedürfnis, sich für soziale Angelegenheiten zu interessieren. In Saloniki sagte man mir einmal, dass auch Arbeitslose eine Eigentumswohnung besäßen und dass der Grieche in allen Lebenslagen wüsste, wie man klar kommt. Dumm sei nur, dass man sehr oft ganz schöne Summen unter dem Tisch nachschieben müsse, etwa dann, wenn es um ärztliche Leistungen ging.

Damals war noch Drachmen-Zeit. Und man schwärmte für die großartige Melina Mercouri und überall waren die Melodien von Mikis Theodorakis zu hören. Dann kam der Sirtaki auf, man legte sich – auch bei uns – die Arme auf die Schultern der Tanznachbarn und wieder zu Hause salbte Udo Jürgens mit seinem Hit „Griechischer Wein“ die Seelen der Heimgekehrten.

Nach der Fälschung der staatlichen Finanzdaten durch die Regierung stand der Aufnahme in die Euro-Zone nichts entgegen. Bis zur sogenannten Finanzkrise (2008), die nicht nur eine Banken-, sondern eine Staatsverschuldungskrise war und immer noch ist. Griechische Politiker, auch der frühere übergewichtige Finanzminister, wurden weiter hofiert – bis es zwangsweise zum Show down kam. Die Millionäre hatten ihr Geld, für das sie kaum bzw. keine Steuern zahlen mussten, längst in der Schweiz und anderswo deponiert. Die Verursacher der griechischen Staatspleite, Samaras inklusive, werden aber weiter hofiert. Ich wüsste nicht, dass der Luxemburgische Lordsiegelbewahrer Junckers mit seinem Kollegern Samaras verwandt ist. Wie sich die beiden Männer in den letzten Tagen öffentlich umarmten, erinnert leider nicht an die plakatgerechten Bruderküsse, die Sowjetpolitiker mit anderen Regierenden austauschten, sondern an eine Art von Abmachung, das schlecht regierte Land nicht fallen zu lassen. Da haben Samaras‘ Pilgerfahrten nach Berlin und Paris nur mehr Symbolcharakter. Wie’s der griechischen Bevölkerung geht, ist nicht von Bedeutung. Und Polizei ist ja genügend vorhanden, um eventuelle Ausschreitungen der Geknechteten glatt zu bügeln. Ach ja, gut gerüstetes griechisches Militär gibt’s ja auch noch für den Fall der Fälle…

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Smegma-Vermeidung dank Beschneidung? – Dreckige Männer sind schuld am Gebärmutterkrebs!

(hp) „Nu haben sie sogar ’nen Oberrabbi einfliegen lassen, damit künftig über das Thema Beschneidung nicht mehr gelabert wird“, erklärt Daniel, dem es peinlich ist, dass er, obwohl kein Jude, immer wieder danach gefragt wird, ob er nicht doch Jude (und deshalb zwangsbeschnitten) sei. Meinem Lieblingsfeind Jochen musste er sogar mal den unbeschnittenen Penis zeigen, um vor solcherlei Fragerei zumindest innerhalb unseres Teams verschont zu bleiben. Privat angemerkt: Das hätte Daniel nicht tun sollen, denn seither erhält er von Jochen bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit Komplimente für seinen „tollen Schwanz“. Sie müssen wissen: Jochen ist schwul und zwar einer von der etwas lockeren Sorte…

Der weißbärtige Herr Rabbiner versuchte sich, wahrscheinlich erfolgreich, als kompromissfreudiger Diplomat. Künftig sollen laut diesem auch an die Presse gelangten Kompromiss medizinnahe Fachkräfte in der ärztlichen Kunst der Babybeschneidung geschult werden, damit alles seine heilige Ordnung hat dies- und jenseits der jüdischen Gemeinden.

Im Fernsehen äußerte sich zur Frage, weshalb auch die Muslime auf dem Recht auf Beschneidung ihres männlichen Nachwuchses , einer ihrer markanten Vertreter. Er nannte, last not least, die Hygiene als einen der Gründe, ohne näher auf das Thema einzugehen. Daniel: „Versteh ich nicht. Wir leben ja nicht mehr in der Wüste ohne Fließwasser. Ein normaler Penisbesitzer jeden Alters wäscht doch sein bestes Stück und sicher öfter als seine Füße!“ Auch Susi bestätigt, dass türkische und arabische Lover „zu den rundum Saubersten gehören“, die sie kenne. Privat: Und sie kennt einige und dies sehr intim. Darauf kommentiert Lydia, als hätte sie’s gerade in ihrem dritten medizinischen Semester gepaukt, dass nur schlampige Männer, zuvörderst deutschblütige, gefährlich für sich und ihre Frauen seien. Sie zitiert, um ihre Bemerkung mit einem populärwissenschaftlichen Passus zu untermauern:
„In der Umgangssprache wird Smegma auch „Eichelkäse“, „Seife“ oder „Schmierkäse“ genannt. Das Sekret besteht aus dem Talg der Vorhautdrüsen, Geweberesten des Eichelepithels, Bakterien, Urin und Resten von Sperma. Smegma ist meist erst durch das Zurückschieben der Vorhaut sichtbar. Der Vorhauttalg bildet sich in der Zwischenebene von Vorhaut und Eichel. Smegma ist als solches keine Erkrankung, sondern eine natürliche Absonderung des Körpers, die bei allen Männern im Normalfall vorhanden ist, wenn sich diese nicht ordentlich säubern.“ Wie richtig. Richtig sei auch, ergänzt Daniel, dass ungewaschene Saubartl (steirisch: ungewaschener Mensch) ihrer Geschlechtsverkehrspartnerin beim ungeschützten GV einen Gebärmutterkrebs (Zerviskarzinom) anhängen können. Dazu gebe es Studien. – Dank der angeregten Debatte blieben die extra vorbereiteten Aprikosenschnitten ungegessen und für den Verzehr beim heutigen Debussy-Jubiläumskaffee übrig. Ich werde sie, der Optik wegen, nur noch einmal überzuckern.

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Österreich: Echte Empörung oder geht’s nur ums Geld?

(hp) Sogar den Begriff „Zwangsarbeit“ verwenden zurzeit österreichische Medien bei der Entlarvung früherer Kindererziehungspraxis. Als ginge es um Zwangsarbeit, wie sie in der Nazizeit praktiziert wurde. Nein, es sind nur ehemalige  Heimkinder, um die es geht. Heimkinder, die für Firmen wie Strafgefangene Tüten kleben oder ohne Entlohnung Swarowski-Kristalle ordnen mussten, seien im „heiligen“ Land Tirol von ErzieherInnen und AufseherInnen bestohlen oder nur mit Gnadengroschen abgespeist worden. Die Firmen, darunter auch ein Hersteller exzellenter Marmeladen und Fruchtsäfte, geben sich erschrocken über die mangelnde Moral gewisser Heimerzieher. Soweit das Thema.

Abgesehen von Betrügereien, denen wegen Verjährung wahrscheinlich nicht mehr nachgegangen werden wird, wirft das Geschehene ein konkretes, aus heutiger Sicht: blamables Bild auf die gesellschaftlichen Zustände in gar nicht so lang zurückliegener Zeit. Mayn muß gar nicht an die „Schwabenkinder“ erinnern. Das waren arme Süd- und Nordtiroler Bergbauernkinder,  die wie Nutzvieh in Stuttgart und anderswo an Bürger verkauft wurden. Wie Nutzvieh eben. Wie Kinder aus Regionen Asiens und Lateinamerikas, die von den eigenen Eltern nicht mehr versorgt werden können. Nicht gestern, sondern heute und sicherlich auch noch morgen. Das sind Themen, die in medialen Sendungen mit dem touch „Aus aller Welt“ in unser wohlbestücktes Wohnzimmer gestrahlt werden, damit wir uns über unsere vergleichsweise paradiesischen Verhältnisse wohlleibig freuen können.

Frei von Sozialromantik: Darbo und Swarowski wollen, soweit die Ermittlungen der Tiroler Behörden gedeihen, ehemaligen Heimkind-Heim-Arbeitern ihren damaligen Lohn nachzahlen. Sehr anständig. Warten wir darauf, wie die nachträglichen Entschädigungen praktiziert werden.
Meine persönliche Sozialromantik: Es wäre schön, wenn sich heutige Eltern und Erzieher an die Nase fassen und ihren Umgang mit ihren eigenen und/oder fremden Kindern kritisch überprüfen würden. Das kann mit Lektion 1 beginnen. Denn Wörter wie Rotzbub, G’sindl, Bagage,  Mentscher (Mädchen), Hammel, Goaß (Ziege) usw. zählen immer noch zum Alltags-Wortschatz der Alpenländler und zeigen alles andere als Wertschätzung gegenüber unserem Nachwuchs, der lt. christlichem Gebot „Vater und Mutter ehren“ soll. Ich denke, das Gebot gilt auch für Erwachsene im Umgang mit Kindern.

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Fußballer: Seid ehrlich und transparent!

Das wäre transparent: Der Kaufpreis sollte für jedermann sichtbar sein, meint Inge, unsere Fußballfreundin. Wenn die Spieler „endlich als Nackerpatzln“ (Inge) auftreten werden, sollten sie vom Publikum jederzeit nach aktuellem Nutzwert beurteilt werden  können. Die bisherigen Spieler-Nummern seien ohnehin uninteressant. Anstatt der Firmenlogos auf den Trikots sollten sich die Sponsorn aufschlussreiche Feigenblätter-Motive einfallen lassen. Inge, studierte Grafikerin,  ist in der Gleichberechtigungsbranche im Bezirksamt Kreuzberg aktiv. Ihrer Meinung nach sollten nicht nur die Models unter den Fußballern dreiviertelnackt zu sehen sein, sondern auch die gekauften Stars – zumindest die in der Bundesliga.

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Schäubles Freispruch: „Auch wir bescheissen gelegentlich!“

(hp)  War’s nur ein geschickter Schachzug zur Dämpfung der nicht abflachenden Diskussion über therapeutische Maßnahmen zur Linderung der EU-Schuldenkrise oder eine schwäbische Absolution mit heiterem Unterton? – Wenn der Finanzminister Deutschlands so eine lockere Bemerkung macht, noch dazu in der ARD, hat das was. Dann wird aber auch einiges klarer. Nicht nur das gütige Verständnis Schäubles für die Mentalitäten der europäischen Südstaatler, sondern auch – man lasse sich das Ministerwort ‚bescheissen‘ auf der Zunge zergehen! – eine Art humane Entschuldigung der einheimischen Steuerflüchtlinge, die ihr Unversteuertes z.B. in der lieblichen Schweiz verstecken. Die erbärmlichen Reaktionen gewisser Koalitionspolitiker auf den Ankauf der Steuerflucht-CDs mit gewissen schweizerischen Bankkonten erscheinen dank Schäuble in neuem Licht. Wie schon Theodor Fontane schrieb, ist ja alles eine „Frage der Beleuchtung“. Die großmäuligen Beschimpfer des NRW-Finanzministers, der zum Ankauf der CDs steht, stammen zwar nicht alle aus dem schönen Schwabenland der „Herrgottbescheisserle“ (Maultaschen), sie erscheinen mir seit der Schäuble-Bemerkung in neuem Licht. Abraham a Santa Clara, der prominentest gebliebene Schwabe aus dem Spätbarock, war angesichts der Betrügereien reicher   Wiener einen Zacken schärfer als der oberste Bundesfinanzer Deutschlands: „Schämt’s Euch, Betrüger, ’s Jüngste Gericht wartet schon auf Euch!“ (Urfassung von Merk’s Wien). Der schöne Begriff vom Beschiss, den wir in Sebastian Brants „Narrenschiff“ (1499) lesen, wurde für die damalige Amtssprache übrigens von den Jesuiten im 17. Jhdt. durch den weniger stinkenden, aber ebenso ehrlichen „Betrug“ ersetzt.

 

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Bohuslaws Abschied aus Berlin: Beschneidung bei Maischberger

(hp) Unser Drei-Wochen-Gast Bohuslaw aus Prag verlässt Berlin und geht, wie jedes Jahr, im Böhmerwald auf Wanderschaft: „Treff ich mich  mit dem Singer aus Wien, dann tamma jiddln.“ Den alten Herrn Singer, dem die Gestapo 1944 seine Esther „g’stohlen und umbracht“(Bohuslaw) hat, schätzt unser alter Prager Freund sehr: „Weil der is‘ a Reformjud‘, könn‘ a Schüler vom alten Geiger g’wes’n sein.“  Nachgeholt sei, dass Bohuslaw die Maischberger-Runde zum Thema Beschneidung sah und sich dabei furchtbar ärgerte. Wie der Kelek ihre Argumente umgedreht wurden,  wie die Maischberger dem „arrogant-selbstgefälligen“ (B.) Dr. Graumann alles durchgehen ließ, das hat Bohuslaw, den Säkularisierten, aufs heftigste empört. Zu Abraham Geiger, nach dem das Potsdamer Kolleg benannt ist, fiel unserem Beinahe-Rabbi ein, dass der wahre Rabbi A. Geiger die Beschneidung der Juden-Babies bereits im 19. Jahrhundert als „barbarischen, blutigen Vorgang“ brandmarkte und ausserdem die strengen Speise-Gesetze bzw. Verbote kritisierte. Die Frau Necla Kelek, hierzulande als streitbare Muslima bekannt, sagte bei Maischberger nichts anderes, wofür sie rhetorische Ohrfeigen und die Beschneidung ihrer Argumente erntete.

Bohuslaw wurde nach einem Glas guten Weines versöhnlich und verlangte, bevor er zur Toilette ging, Haustürschlüssel und eine Schaufel. Er wolle Dr. Graumanns Traditionsdenken folgen: Heisst es doch im 2. Buch Mose: ‚Wenn du hinter das Haus gehst, nimm eine Schaufel mit und vergrabe, was von dir gegangen ist.‘ Solche traditionellen Vorschriften aus der Vorvergangenheit unserer Zivilisation seien heute vielleicht in der Wüste, aber hierzulande nicht ganz zivilisationsgerecht. Hans-Peter, der einer Allgäuer  Bauerndynastie entstammt, beendete den Abend sanft: „Man muß tolerant sein.  Wir markieren unsere Kälber auch.  Warum sollten wir den Juden verbieten, ihren Nachwuchs zu markieren?“

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Olympia: Als wären sie quotierte Milchkühe & Sperma-Stiere

(hp) Freund Jörgl aus dem schönen Ausseerland verbringt nach erfolgter Heumahd auf steilen Wiesen eine Woche Erholungsurlaub in Berlin. Als Biobauer hat er sich auf die Rinderzucht verlegt und lebt recht gut damit. Von der Holsteiner Rindersorte ist er auf eine andere umgestiegen, die mehr Milch gibt. Und in der Besamungsanstalt der Genossenschaft ist er Mitglied. Hier in Berlin erfährt er mit einigem Schrecken, wie  man hierzulande mit Spitzensportlern umgeht: Mit geplanten Medaillen-Quoten hat er Erfahrung. Der Ausseer Genossenschaftsstier Adolf hat bereits 3 Goldmedaillen „erworben“, mindestens vier weitere sind geplant, weil der Adolf noch frisch und „xund“ ist. Auch drei seiner Milchkühe sind prämiert, eutertüchtig und fit. Dass der bundesdeutsche Spitzensport für seine zweibeinigen Kandidaten und Kandidaten amtliche  eine Medaillen-Quotierung betreibt und manche Journalisten die Unverschämtheit besitzen, Hochleistungssportler, die in London keinen Treppenplatz erreichen, als „Versager“ bezeichnen wie gestern ein Typ bei „Info-Radio“ (rbb), regte Jörgl derart auf, dass er sich zur Beruhigung ein Schlückchen Enzianschnaps gönnen musste.

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