Monthly Archives: Juni 2012

Halensee: Gibt es auch dumme Taucher?

(hp) Man mag’s nicht glauben: Da liest jemand das Buch „Es liegt noch Gold im Halensee„. Das ist zwar nicht verwerflich, obwohl es sich um eine nicht gerade katholische, weil schwule und durchaus pikante Romanbiografie handelt. Es ist nicht außergewöhnlich, dass der Romanheld Carl N. (82-jährig) im Jahr 2008 in einem Anfall von Demenz fünf Halbkilo-Goldbarren nachts in den Berliner Halensee schleudert. Und durchaus verständlich finden wir, dass es unter den Lesern des Buches (s. amazon.de)  „Schatztaucher“ dazu verleitet, die Goldbarren aus dem nur 10 Meter tiefen Gewässer zu bergen. Ein Sporttaucher aus Hamburg hat’s wieder mal versucht, wobei die Bezeichnung „Sporttaucher“ fraglich erscheint. Warum, fragen Sie?

Auf die Ausstattung kommt es an...

Auf die Ausstattung kommt es an…

Der Halensee ist zwar nicht extra tief, aber stark verschlammt. Deshalb musste in den 1990er Jahren sogar eine eigene Kläranlage gebaut werden. Wegen des trüben Wassers ist der Boden (sandiger Grund) des kleinen Sees ohne Beleuchtung und andere Hilfsmittel nur sehr schwer zu ergründen. Das spezifische Gewicht von Gold ist sehr hoch, sodass die Barren vermutlich tief im Bodenschlick stecken. „Ohne einen speziellen Metalldetektor geht gar nichts“, sagte uns der Buchautor Gerd Joachim nach eingehender Recherche. Und: Da es sich um reines, also 999er Gold handelt, ist das Auffinden nicht schwieriger als z.B. bei legierten metallischen Gegenständen. Vernünftige Sporttaucher würden sich also – zumindest hoffen wir dies! – ausreichend informieren, mit Taucheranzug, Sauerstoff, Lampen usw. ausstatten und nicht ohne Assistenz ans Werk gehen.

Liebe Taucher, seid gewarnt! Macht es bitte nicht so wie der Tauchtölpel aus Hamburg, der wegen der Kälte des Wassers zwar einen polizeigenormten Anzug mit allem Schnickschnack trug, jedoch kein Suchgerät zur Hand hatte und enttäuscht wieder von dannen zog. – Unser steirisch-argentinisch-neuberlinerischer Romanheld Carl, den der Buchautor übrigens anno 2010 sterben und im interessanten Alten St. Matthäi-Friedhof (Großgörschenstraße) bestatten ließ,  dürfte mit diesen Zeilen nicht einverstanden sein – deshalb Schluss und jenen Tauchern, die verantwortungsvoll und intelligent auf  Schatzsuche gehen wollen, viel Taucherglück! –khp.

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Wann wird der „F.-J. Strauß“-Flughafen München umbenannt?

(hp) Es wurde Zeit. Die Süddeutsche nahm sich des delikaten Themas, das für Eingeweihte nie neue war, an. Trotz ihrer dankenswerterweise stets kritischen Haltung gegenüber dem übermächtigen „Landesvater“ Franz-Josef Strauß (nicht verwandt oder verschwägert mit Walzerkönigen oder dem „Rosenkavalier“-Süßmusikdichter!) hat die angesehene Tageszeitung zuletzt, als die „private“ Millionen-Erbschaft an die Kinder des langjährigen Ministerpräsidenten aufgedeckt wurde, nur dezent agiert. Da lob ich mir den stern, Europas nach wie vor beste Wochenillustrierte. In ihrer jüngsten Ausgabe beschäftigt sich der stern unter dem magischen Titel „Das Millionenrätsel“ mit der Frage, ob Herrn Dr. Franz-Josef Strauß zwecks Hinterlassung an seine Erben 300 (in Worten: dreihundert) Millionen Deutsche Mark zuteil wurden im Laufe seines politisch spektakulären Lebens.

Wir möchten uns hier nicht mit Details und bisher nicht aufgeklärten Affären (à la Amigo) aufhalten, denn wir hätten nicht das Geld, um auf Strafanzeigen der Strauß-Anwälte juristisch reagieren zu können. Wir haben auch keine Lust, in halbseidenen Tümpeln zu fischen. Endlich dürfen wir aber nachholen, was bei der Namensfindung für den großartigen Münchner Flughafen zu wenig Aufmerksamkeit fand:

Unser damaliges Argument gegen den Namenszusatz „Franz-Josef Strauß“ und für den Beinamen „Ludwig von Bayern“ mag hier nachgeholt sein. Dank des stern „aus aktuellen Gründen“. Aus unserer seinerzeitigen Dokumentation sei ein honorarfreies Schnupper-Bild beigefügt. Vielleicht hat unser Vorschlag für eine Umbennung des Münchner Flughafens dank des nachfolgenden Arguments demnächst Erfolg. sobald das Gerichtsverfahren gegen den Buchautor Wilhelm Schlötterer, von den Erben des Dr. Strauß angestrengt, abgeschlossen sein wird:

„Ludwig II., Märchenkönig genannt, hat dem Freistaat Bayern durch seine edlen Schlösser weitaus größeren Nutzen und Ruhm eingebracht als das Wirken des Herrn Dr. Franz-Josef Strauß.“

In künftiger Pracht: Flughafen München "Ludwig von Bayern"

In künftiger Pracht: Flughafen München „Ludwig von Bayern“

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Die staatlichen Sender vergraulen Alte und Junge

(hp) Das ZDF soll sich einen neuen Unterhaltungschef von extern holen, liest man. Nach seinen bisherigen opera scheint mir der Typ mit Namen Oliver Fuchs ein  ehrlicher, ein tüchtiger, also ZDF-geeigneter Volksvertrotteler zu sein. Obwohl es in diesem unserem Lande, in dem kein Mensch verhungert (Tragische Ausnahmen bestätigen die Regel!), in der Masse bequem und ruhig ist, satt, bis zur Adiopositas übersättigt, üben sich die staatlichen Sender zunehmend im Bestreben, ihre Publikümer – im Staatsinteresse? – weiter zu verblöden, wozu eigentlich die Privaten geschaffen und als Ausstrahler größtenteils vergessenswerter Sendungen zugelassen wurden.

Damit das Ziel der quotenstarken Massensättigung nicht von heute auf morgen eintrete und irgend jemand ob der sinkenden Qualitäten aufschreckt und womöglich einen Verzweiflungs-Suizid oder ein Attentat verübt, wählten ARD und ZDF erst mal Krimis als Gewöhnungsdroge: Wenn die einheimische Massenproduktion mit den ewig leichen Typinnen und Typen nicht ausreicht, greift man seit einiger Zeit nach düsteren (skandinavischen) Krimis. „Tatort“ und „Polizeiruf“ sowie „Soko“ reichen ja nicht mehr aus. Parallel zur Hausfrauen- und Schulschwänzer-Unterhaltung mit amerikanischen Streifchen fetten die staatlichen Sender ihre Vorabend-Programme auf. Lebenshilfe inklusive. Da kann es dann, wenn die Kindlein gerade beim Abendessen sitzen und die Glotze läuft, in den Werbepausen um „Menschliches“ gehen: Mittel gegen Blähungen, Verstopfung, Gleitgel für den geschmeidigeren Geschlechtsverkehr der alternden Mama, Pülverchen gegen Kopfweh und Verspannungen usw. Die Bedürfnisse sind abgedeckt, peinlich direkt. Bevor ein fetter Kommissar, z.B. der bayerische Volksschauspieler in den „Rosenheimern“ am Schweinsbraten kaut und damit seiner Adiopositas frönt, macht sich ein Schlankheitsmittel immer gut, noch dazu, wenn es von einem Unsympathler beworben wird. Danach die Abendnachrichten mit ihren vergleichsweise konstanten Einschaltziffern: bunt gemischtes Infotaining, von etwas komplizierteren Themen nur eine Kurzmeldung, als Drüberstreuer Klimbim und Pseudo-Exotisches. Nichts dagegen zu sagen. Aber die zunehmende Keckheit, etwas kompliziertere Themen und Hintergrundinfos nur anzudeuten und die Zuschauer kurz und bündig aufs Internet zu verweisen, ist meines Erachtens eine Unsitte. Wer will sich schon die um 20.15 Uhr beginnende Hauptabendunterhaltung amputieren lassen, indem er den PC anschaltet und sich eine Viertelstunde lang mit dem in den Hauptnachrichten amputierten Fakten zu beschäftigen?! Da ist es noch entschuldbar, in die Tochtersender (Phönix, 3sat und arte) auszuweichen, wo sich – zum Trost – gute bis exzellente Features und Feuilletons tummeln – zumeist zur Nachtzeit, also zur Förderung der präsenilen Bettflucht. Sind die Anstalten mit der Recorder-Industrie verheiratet? – Ende der Fragen!

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Nicht nur Merkel ist in der Pflicht, Herr Augstein!

(hp) Augsteins Forderung an die Kanzlerin, ihre Europa-Mission zu erfüllen, in allen Ehren. Es ist nicht die Frage, ob sie all ihre Power einsetzen soll oder nicht, vielmehr ist es die Frage, wie sehr sie sich ihren Beratern aus Finanz und Wirtschaft ausgeliefert hat. Das dauerhafte Wursteln und das Stopfen von Löchern in den Finanzkassen der europäischen Südstaaten geht nicht nur einem wachsenden Teil von Finanzfachleuten aus Volkswirtschaft, bankierartiger Kredit- und Spekulationswirtschaft auf die Nerven, sondern auch dem Lieschen Müller, egal, welcher Partei sie zuneigt. Merkel, die Beraterhörige, wird keinen Paukenschlag schaffen. Da muß jemand anderer her, der innerhalb seiner Europa-Mission den Blick über die Tellerränder noch nicht verloren hat. Ein Draufgänger sozusagen. Ein erfahrener Draufgänger, der mit Lob und Ohrfeigen Erfahrung hat, der in zwei Sätzen, grantlerisch glaubhaft, zu napoleonischer Größe auffahren kann, auch wenn er dies aus dem Rollstuhl heraus tun muß.

Es geht um Wolfgang Schäuble (69), den – für mich – aufrichtigsten EU-Denker, der noch dazu dem Stamme der CDU angehört und sich dort großen Respekts erfreut. Als deutscher Finanzminister, der Wirtschaftswissenschaften studiert hat und das juristische Staatsexamen sein Eigen nennt, hätte er, weit über die deutschen Grenzen hinaus reichend, als einer der ganz wenigen Politiker die Chance, mit originellen PR-Aktionen die Installierung eines europäischen Fianzministers zu fordern und darum kämpfen zu lassen. EU-Gesetze und Verordnungen, an die sich ohnehin kein Mitgliedsstaat gehalten hat (Maastricht & Co.), sollten ignoriert werden. Und wenn der französische Präsident Hollande meckern sollte, muß ihm sein politischer Vor-Vorfahre Napoleon Bonaparte vor die Nase gesetzt werden. Das erste nämlich, und zwar das allerallererste, was Napoleon sofort nach der Kaiserkrönung in Angriff nahm, war die Neuordnung des Finanz- und Bankenwesens in seinem Land. Bekanntlich gab’s danach einige Jahre Ruhe in Europa.

Er erkannte die Prioritäten: N.B.

Er erkannte die Prioritäten: N.B.

 

 

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Wurde Venizelos‘ Jacht versenkt?

(hp) Wenn die deutsche Bundeskanzlerin den neuen griechischen Regierungschef, Antonis Samaras, zum routinemäßigen Antrittsbesuch empfangen wird, wahrscheinlich mit militärischen Ehren – damit der Grieche erfährt, was deutsche Disziplin ist -, steht ihr ein Mann gegenüber, der bei den Beitrittsverhandlungen zur Euro-Union als aktiver Verhandler in anderer Funktion geschönte Zahlen vorlegte und damit die Mitgliedschaft für sein Land erreichte. Betrug, würde unsere alte Köchin Ilonka gesagt haben, wenn sie noch lebte. Heute ist das Thema wahrscheinlich verjährt und unter Diplomatie abgebucht. Worüber wird also Frau Dr. Merkel mit dem Griechen-Chef plaudern, wenn die Bundeswehr und die Kameras abgezogen sind?

Unser Xenophon, mittlerweile insolventer Wirt in Saloniki, hat einen Vorschlag: Jachten-Raten.

Eine Jacht fehlt auf diesem Dokumentarfoto...

Eine Jacht fehlt auf diesem Dokumentarfoto…

Beispiel: Weshalb fehlt seit 3 Tagen das Schiffchen des Samaras-Partners Venizelosim Jachthafen (siehe Dokumentarfoto)? – Aufgrund des bedeutsamen Lebendgewichts des Besitzers (siehe Foto) kann es  nicht gekentert sein, denn dieser Besitzer lebt ja noch. Und sollte Herr S. nicht gewillt sein, mit der Kanzlerin über das Schifferlversenken zu plaudern, bliebe immer anderer Gesprächsstoff übrig. Vielleicht bietet Frau Merkel dem Kollegen aus Athen die mittelfristige Delegierung deutscher Finanzbeamter als Entwicklungshelfer auf dem Gebiet der Steuereintreibung an.

Ich empfehle, jene Finanzbehördler in die Sonne zu schicken, die sich hierzulande um die „kleinen“ Steuerzahler kümmern und Kleingewerbetreibende bis zur Weissglut treiben durch eiserne preußische Pingeligkeit. Im Mutterland der Korinthen könnten Korinthenkacker wertvolle Hilfe leisten. Wäre ich Redakteuer einer großformatigen deutschen Boulevardzeitung, schlüge ich zur Erfassung großer griechischer  Steuerbetrüger eine Art Zwangsdelegierung jener Mitarbeiter von staatlichen Sicherheits- und Geheimdiensten vor, die hierzulande in Zwickau, Jena usw. versagt haben.

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ARD: Journalistische Quotenjauche statt Gesellschaftspolitik

(hp) Endlich rührt sich der Beirat des größten deutschen Gesamtsenders, ARD/Das Erste, Arbeitsgemeinschaft […] genannt, und rügt den Schlamp, der sich seit der berechtigten Abwürgung des einseitigen Lea-Rosh-Prangers (NDR) breit gemacht hat. Aus politischen Talks mit kontrovers denkenden Gästinnen und Gästen wurden Shows. Nach mit Pomp und Paukenschlag angekündigten Neubesetzungen (Beispiel Jauch) folgten brave bis langweilige Sendungen zur besten Abendzeit. Quotengeilheit und Sanfthandschuh-Bravitäten allemal, ewiges Anne-Will-Lächeln und Sympathie heischende Versteh-Gesten.

Zur Gästeauswahl seien Ankmerkungen erlaubt: Ebenso überflüssig wie seinerzeit die Demoskopie-Königin Noelle-Neumann ist heute die Frau Höhler, die immer wieder auftaucht, obwohl sie keinen Beitrag leistet, ausser jemandem zuzustimmen oder gegen dessen Meinung zu sein. Dazu Frau Will, die – und damit ist sie keineswegs die Einzige – den von ihr vor der Sendung konzipierten und mit den Gästen sicherlich vorbesprochenen Ablauf  mit versteinertem Verlegenheitslächeln durchzusetzen versucht, auch wenn sie durch diese Pseudo-Disziplin eine gerade interessant scheinende Aussage eines Gastes meist ungeschickt bis unhöflich abwürgt. Während sich Jauch meist liebwert, sachlich bis keck gibt, spürt man beim Routinier Plaßmann immer stärker journalistische Kumpanei mit seinen Gesprächspartnern.

Aber auch die meisten Gäste damit kokettieren, möglichst gut anzukommen mit eigener Quote bei Sympathisanten, und zeigen damit  mangelnde Diskussionskultur. Viele haben offenbar nicht einmal ein einziges 5-Satz-Statement vorbereitet, weshalb manche Aussage quargelig ist oder wird und dank dieses Mankos die Show nicht bereichert, sondern die Vergessenswertigkeit fördert. Man darf gespannt sein, wie die Redaktionen und Moderatoren auf die Kritik des ARD-Beirats reagieren werden. – Versöhnlicherweise wird hier und heute das ZDF verschont, bis dessen „Beirat“ möglicherweise auch mal aufwacht und den Besen schwingt.

 

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Friederisiko: Echos auf die sehenswerte Ausstellung

Friedrich II

Xund war er auch nicht…

(hp) 3 Studis aus Cornwall, ein spanisches Ehepaar, 2 österreichische Begleiter. Ziel: Neues Palais, „Friederisiko„-Ausstellung. Unpreussisch liebenswürdige Begrüßung am Haupteingang C. Hinter der nüchternen Optik des Begleitheftes steckt ein Haufen Arbeit, insbesondere pädagogisch ausgereifte Offenheit. Für jede der 506 Stationen präzise Quellenangaben ind interpretierende Texte. Die Macher verdienen Applaus, ebenso die Gestalter der Schau. Den Restaurateuren und Kunsthandwerkern gebührt Dank, nicht minder den Improvisateuren beiderlei Geschlchts. Ein Rundgang mit angeregter Resonanz meiner Gäste, die sich anschließend in einem Traditionscafé am Nauener Tor laben. Auch dort alles okay, bis auf die etwas mickrigen, übersüßten Marillenknödel.

Echo 1 (Marga aus Valencia): Sie verstehe endlich, was Sebastian Haffner mit der roten Linie „Friedrich II – Bismarck – Hitler“) meint.
Echo 2 (ihr Mann): Bewundert die Offenheit und die Klischee-Vermeidungsstrategie der Ausstellungsmacher.
Echo 3 (Josh, geouteter Student): Auch er habe, von seinem Vater erzwungen, eine ungewünschte Karriere vor sich. Dank der heutigen Mobilität könne er die Beziehung zu seinem Lover jedoch frei ausleben. Andernfalls hätte er das Elternhaus verlassen (was Friedrich dem Zweiten bekanntlich nicht gelang). – Echo 4 (James, 23) antwortet: …außerdem hast du weder die Malaria, noch  Hämorrhoiden! – Antwort: Beim Reiten trage ich zwei Slips mit Zwickel unter der Reithose. – Nachdenklich das Echo 2, Historiker an der Uni Salamanca, sich als Jude outend: Auch die Maria Theresia war Antisemitin. Sie hat ganze Dörfer in Böhmen abfackeln lassen, der Fritz  hat das Gleiche mit katholischen „Pfaffendörfern“ an der Oder gemacht. – Einstimmige Schlussbetrachtung: Der „Grottensaal“ im Neuen Palais sei vergessenswert. Also: Potsdam lohnt. Wer keinen Gewinn zieht, sei selber schuld.

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Überflüssiges G’scher mit Gauck und Bundeswehr

(hp) Auch wenn die taz segensreich kontroverse Meinungen zu Wort kommen lässt und jeweiligen Standpunkten ausreichend Platz schenkt, bleiben für mich einige Fragen offen. So wird die Bundeswehr meiner Meinung nach oft genug nicht in die „Mitte der Gesellschaft“ gestellt, sondern ins Abseits. Dort wird sie „verwendet“ wie etwa bei der Verabschiedung eines Bundespräsidenten, der dank Grundgesetz  nicht  der Oberbefehlshaber des Heeres ist (wie etwa in Österreich). Die Alliierten haben – siehe Grundgesetz – ein „Parlaments-Heer“ installiert, so dass z.B. Kriegseinsätze im Ausland nur nach parlamentarischer  Entscheidung stattfinden können. Dies zuvörderst angemerkt. „Chef“ und Verantwortlicher für das Funktionieren der Institution Bundesheer, aber nicht „Oberbefehlshaber“ (wie es seinerzeit Hitler war) ist der amtierende Verteidigungsminister. Ihm können traditionelle Zeremonien zum Abschied gewidmet werden (sofern er dies verdient hat. Aber ich will hier keine zu Guttenberg-Debatte exhumieren!).

Einem amtierenden oder pensionierten Bundespräsidenten steht es, wie bei der Eröffnung eines Krankhauses oder eines Kongresses mit beispielsweise sozialem Impetus, gut an, über gesellschaftliche Werte zu sprechen, mehr Gesinnung zu fordern und was sonst immer. Wie viel da aus der gewohnten Phrasendeschmaschine geholt wird, ist zweitrangig. Insgesamt geht es meines Erachtens um ein zu versänderndes Image der Bundeswehr, vor allem ihre Auslandseinsätze betreffend:

Nicht zuletzt deshalb, damit Leute wie der Professor Dr. Wolffssohn von der Bundesheer-Uni nicht mehr von „Unterschichtlern und Ostdeutschen“ reden können, sollte – wie bereits sehr erfolgreich mit der sogenannten polizeilichen GSG 9 – ein soldatisches Spitzenpersonal ausgebildet und für Kriegseinsätze bereit gehalten werden: hoch qualifizierte Männer, die in enger Zusammenarbeit mit den GSG 9-Verantwortlichen (auch in der inländischen Einsatzpraxis!) geschult werden im Scharfschießen, im Straßenkampf, bei Bombenentschärfungen etc. Also freiwillige, gut honorierte Fachkräfte, denen die Verbesserung der Welt durch militante Ausschaltung des Bösen trotz des hohen Risikos für Leib und Leben eine Teilnahme wert ist.

Dann hätte ein Ehrengast à la Gauck, wenn er die Aktivitäten der Bundeswehr würdigt, neue gute Möglichkeiten, ohne nachfolgende Kontroversen den gesellschaftlich anzuerkennenden Rang der Institution Bundeswehr und ihren Wert für die Gesellschaft zu würdigen.

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Geplant: öffentliches „Bethaus“ für Berlin

(hp) Während des Kartoffelschälens läuft der so genannte „Hörerstreit“ im Berliner Reginalfunk rbb. Frau Anne Winter, rbb-Kirchenfrau, und ein Moderator, dem man seine skeptische Haltung gegenüber dem Thema anmerkt, moderieren die Frage an die Hörer der Sendung, ob sie ein „Bethaus“ für Berlin befürworten oder nicht. Ein Architektenwettberwerb soll bereits angelaufen sein. Soweit die Fakten. Erwartungsgemäß äußern sich aus dem Stammpublikum des Kultursenders ältere bis sehr alte Damen und Herrn, die das Projekt begrüßen. Ökumenische Akzente stehen anfangs im Vordergrund. Immerhin sollen ja Christen, Juden und Moslems zum Beten geladen werden. Bevor ein Mann das Wort ergreift und über die Blutspur referiert, die sämtliche monotheistischen Religionen in der Menschheitsgeschichte hinterlassen haben, bleibt der „Hörerstreit“ friedlich und langweilig. Dem unsinnigen Projekt, berlintypisch noch stumpfsinniger als eine geplante Schlossfassaden-Kopie, widmete ein männlicher Hörer eine sinnvolle Ablehnung: Beten sei eine sehr persönliche, ja intime, Angelegenheit.

Wir meinen, öffentliche Bet- und Meditationsmöglichkeit mitten im städtischen Betrieb gibt es in Berlin zu Hauf. Am edelsten finde ich die Kapelle der Versöhnungsgemeinde an der Weddinger Bernauer Straße, wo vor dem originellen Bau noch die Originalglocken jenes Gotteshauses im Freien stehen, das die DDR 1985 wegen ihres „ungünstigen“ Standortes im Mauerbereich gesprengt wurde. Daneben gibt es, etwa in den Armenausspeisungsstätten (Arche usw.) für fromme und frömmlerische Menschen sogar Orte, an denen man seiner Religion weit wirksamer huldigen und mit dem Herrgott ins Reine kommen kann, wenn man/frau das Bedürfnis verspürt. Da kann man dann praktisch beten, indem man hilft. Denn nur wer anderen hilft, betet wirklich. Nicht nur in der Bergpredigt der Christenheit, auch in der Thora und im Koran ist zu lesen, dass Gottgefälligkeit am besten dadurch bewiesen werden kann, wenn man aktiv ist. Wie sagte  der (gottgläubige) Erich Kästner so richtig: „Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es!“

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Univ.-Prof. Wolfssohns unverzeihlicher Fauxpas

(hp) Im jüngsten Jauch-Talk (ARD) geht es um Soldaten, um Angehörige der Bundeswehr, die an posttraumatischen Beschwerden und Krankheiten nach Kriegseinsätzen leiden, und um die Institution selbst. Ein sympathischer Afghanistan-Veteran mit künstlichen Trommelfellen ist Zeitzeuge, Verteidigungsminister Dr. Thomas de Maiziere und Luc Jochimsen (DIE LINKE) und ein alter Herr namens Fausten (91), der sein ganzes Leben lang schreckliche erste Eindrücke als junger Panzergrenadier an der Ostfront nicht vergessen kann. In einer Einblendung wird Prof. Michael Wolfssohn, der an der Bundeswehr-Universität Jüngere Geschichte lehrt, gezeigt und nach einigen grundsätzlichen Fragen zum Thema Akzeptanz der Bundeswehr in der deutschen Gesellschaft befragt. Dabei entgleitet ihm die Formulierung, die (heutige) Bundeswehr rekrutiere sich vorwiegend aus „Unterschichten, also Ostdeutsche(n)“,   die des Geldes wegen zum Heer gingen, weil sie in zivilen Berufen „weniger Chancen“ haben. Minister de Maiziere, dem spontane Protestausbrüche grundsätzlich fremd sind, reagiert empört, prompt, bevor der Begütigungsonkel Jauch eine wattierten Beruhigungsfloskel murmeln kann.

Unabhängig von der Frage, weshalb von der Redaktion der Jauch-Sendung gerade Prof. Wolfssohn, von dem bisher vornehmlich Äußerungen zur Politik des Staates Israel bekannt sind, für ein Statement ausgewählt wurde-, sein Fauxpas  ist unverzeihlich. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er dank seines privaten Wohlstands einen Abschied aus der Bundesheer-Uni durchaus verkraften könnte. Wesentlich für eine Analyse des eingespielten Wolfssohnschen Kommentars erscheint die Tatsache, dass das Gespräch mit ihm keineswegs unter Zeitdruck erfolgte. Interessant wird sein, wie die Medien reagieren werden und wie die Reaktion des Zentralrats auf eine Kritik an ihrem eleganten Professor ausfallen wird.

P.S. Der Herr Professor soll sich in der oben beschriebenen causa schon ein- oder  zweimal ähnlich geäußert haben, was Ostdeutsche und Unterschichtler betrifft. Sollte sich der Einspieler in der Jauch-Talkshow von der ARD aus nicht ganz jüngerer Geschichte in das aktuelle Programm eingeschlichen haben, wär’s gemein von der ARD. Last not least ein Tipp für den Professor: Wenn Sie sich anlässlich einer Ihrer nächsten Visiten von Ihrer Wolfssohn-Wohnsiedlung am Berliner Gesundbrunnen  einen Kilometer Richtung (Ex-) Ostdeutschland begeben, werden Sie entdecken, dass Sie beispielsweise an der Bornholmer Straße nicht mehr „Unterschichtler“ finden werden als in Ihrer heutigen Wohnumgebung. Schönen Tag noch!

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