Monthly Archives: Februar 2012

Wes‘ sollt ich mich erfreuen?

(j) Die Rede ist von Erich. Mit einem Packen MOTZ, der Berliner Obdachlosen-Zeitung, stand Erich monatelang vor dem Postamt Gaisbergstraße. Als die „postalische Anstalt“ (Erich) geschlossen wurde, bot er seine Zeitung auf dem Nollendorfplatz an. Nicht vor Kaiser’s. Für diese aussichtsreichere location gab es es offenbar ein Abonnement. Erich zog sich auf das Gelände des U-Bahnhofs gegenüber zurück. Im Sommer kauerte er manchmal auf dem halbhohen Eisenzaun. Dort kamen wir einmal ins Plaudern, nachdem er mich nach einem Zeitungskauf gefragt hatte, ob auch ich das Große Latinum hätte.

Erich hatte es – ich nicht. Mir wurde nur das Kleine zuteil. Also kein Horaz, aber immerhin Ovid. Während wir uns gegenseitig hexametrische Zeilen aus den Metamorphosen vorsagten, erklärte mir Erich, weshalb er auf der „Piste“ gelandet sei. Nach der Scheidung von Renata, die er „wegen gehäufter Falschheit“ zunehmend öfter „übers Knie legen“ musste, habe er alles verloren. Seinen Job schon lange vor der Trennung. „Wegen der Sauferei“ sei ihm dann ein solistischer Raubzug am Paul-Linke-Ufer misslungen: Zwei Jahre JVA Tegel „haben mich geläutert“. Renata habe ihn  nie besucht, deshalb „ceterum censeo Renatam esse delendam“. Was „erwürgen“ auf lateinisch heißt, wusste Erich nicht. Ich vergaß auch, im Kleinen Stowasser „würgen, erwürgen“ aufzuschlagen, obwohl mich Erich darum gebeten hatte.

Als ich ihn zum letzten Mal traf,  hatte er ein blaues Auge. Sein braver Hund sei ihm weggenommen worden. Wir blödelten nicht mehr auf lateinisch. Es sei nichts mehr los mit ihm, habe ihm sein Kumpel aus dem Neuköllner Obdachlosenheim vorgeworfen. Den Fünfer für etwas Asiatisches vom Kiosk neben Kaiser`s nahm er wortlos, bis er sich mit der rhetorischen Frage „Wes‘ sollt‘ ich mich erfreu`n?“ abwandte und zur Rolltreppe stapfte.

Von seinem Kollegen an der automatischen Kaiser’s-Tür erfuhr ich gestern Abend, Erich habe sich am Wochenende lautlos für immer verabschiedet.

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Friedrich ist (k)ein böses Kind – nur ein braver Realist!

(hp) Verständlich, dass sich Altpolitiker, die auf dem Abstellgleis stehen oder sitzen, dank ihrer ungebrochenen scheinenden Autorität gelegentlich mahnend an die Öffentlichkeit begeben oder dorthin gerollt werden wie der Altkanzler Schmidt. Sein seinerzeitiger Nachfolger im Amt, Altkanzler Kohl,  dirigierte Deutschland zwar nach Schmidt, aber seine, Kohls, Denke, hat sich gegenüber den Veränderungen der Zeitläufte viel resistenter erhalten als jene des Vornamensvetters aus Hamburg. Dies vorausgeschickt. Wie Kohls in BILD wiedergegebene Äußerungen gegen einen Hinausschmiss Griechenlands aus der EURO-Zone zeigen, legt sich Herr Dr. Kohl derart massiv ins Zeug, um sein Image als Vater des heutigen Europa allen Zweiflern und Realisten ins Gedächtnis zu rufen. Auch Innenminister Friedrich gehört zu den schlimmen Buben, die es gewagt haben, Realismus zu zeigen.

Die Geschichtsschreibung wird das Kohl’sche Bild Europas im 21. Jahrhundert korrigieren: Die politische Aneinanderkittung zivilisierter Länder wird – nach den Kriegsschrecken des 20. Jahrhunderts als Großtat unbestritten bleiben. Der zweite Akt der Einigung per Geld-Union für jene, die Kohle haben, wird zwangsweise als Torso gültig bleiben. Denn die ungeprüfte Mitnahme europäischer Entwicklungsländer in die Währungsunion erfolgte ohne jeden Tauglichkeitstest.

Unschuldige Schüler mussten, falls sie ins Gymnasium wollten, zumindest zu Helmut Kohls Zeiten eine Aufnahmeprüfung bestehen. Man mag heute darüber denken wie man will. Wer ohne Tauglichkeit ins Gymnasium gepusht wurde, brauchte jedenfalls Nachhilfe und hatte in jedem Fall eine amputierte Kindheit. Wenn’s mehrere Nicht-Begabte in einer Klasse gab, jammerten die Lehrer über das gefährdete „Niveau“. Im größeren Maßstab findet das Thema in der Euro-Zone statt.  Musterknaben wie Deutschland werden den anderen immer unsympathischer. Was den Unsympathischen jedoch egal ist, da sie nur ihre eigene Prosperität im Auge haben. Der Europagedanke spielt für die Bosse keine Rolle, solange sie den wirtschaftlich Schwächeren ihre Produkte andrehen können – Panzer für ein mit der Türkei längst befriedetes Urlaubsland mit großer Geschichte und erbärmlicher Gegenwart. Und da spricht Herr Friedrich – man mag über seine Qualitäten denken wie man mag – die Wahrheit: finanzielle Nachhilfe ja, aber als Aufbauhilfe gedacht und nicht als Absicherung deutscher Investments.

Ob es Herrn Kohl belastet, dass in Griechenland bürgerkriegsähnliche Zustände möglich sind, wenn die Zubutterungen aus EU-Töpfen aufhören und für die nicht-korrupten Griechen, derer es viele gibt, die Lage unerträglich wird?

Herrn Kohl – und Herrn Friedrich – wünsche ich einen schönen Vorfrühling.

 

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Der RBB – bisher Sender der verschlafenen Chancen – will aufwachen!

(gw) Schon in den 1970er Jahren, als es noch Berlin (West) gab, zeichnete sich ab, dass der biedere Stadtsender SFB in seinem denkmalgeschützten Poelzigbau auf unverdienten Lorbeeren einschlafen würde. Damals kein Wunder. Denn der RIAS hatte kein Fernsehen, und was sich in den 80er Jahren an Privatrundfunk entwickelte, war von Anfang an vergessenswert und auf Hausmeisterniveau getrimmt wie die auflagenstarke Berliner Hausmeisterzeitung „BZ“. Da saßen sie in ihren SFB-Redaktionen und sahen, wie sie schliefen, meinten Kritiker, die man auf berlinisch „gar nicht ignorierte“. In der „Abendschau“ um halb acht Uhr regierten alte Herren vor und hinter den Kulissen mehr oder weniger brav und wacker. Erst als ein gewisser G. Ellinghaus  auf den Herrn Karas folgte, wurde Frischluft in die „Sterbezimmer“ (Redakteursräume)  geblasen. Doch die Hoffnung auf mehr Lebendigkeit währte nicht lange. Dieses Detail nur als Beispiel.

Ellinghaus sollte nicht gelingen, was er vorhatte. Bald war er weg vom Fenster. Gute Leute gingen ab, zumindest zur ARD. Dann die Maueröffnung. Angesichts der gesellschaftspolitischen Umbrüche musste man sich dank der Ereignisfülle „vor Ort“ nicht neu orientieren, noch dazu, wo mit der Gründung der Brandenburgischen Rundfunkanstalt (Potsdam) unter Herrn Rosenbauer genug andere Sorgen und Orientierungsprobleme entstanden waren. Dann die erzwungene Fusion der beiden Anstalten, in deren Folge nach dem Abklingen einiger Kämpfe wieder eine Art Sedierung eintrat. Es dauerte nicht lange, bis altbewährte Bravheit wieder zur Routine wurde. Das RBB-Fernsehen sorgte sich um sein sogenanntes Stammpublikum, das man mit unverfänglichen Programmen fütterte und zwangsweise in die Lethargie drängte. Die Ausrede, „arm“ zu sein im Vergleich mit anderen Sendern, verfing. Auch am anpasslerischen Umgang mit Politikern änderte sich nichts. Auch wenn von einem Studiogast nichts kam, was nicht schon davor durchgekauft wurde, wurde diese(r) vielmals, gelegentlich kumpelhaft bedankt. Alles blieb in Butter.

Während sich in der Politik der Slogan „Berlin ist arm, aber sexy“ breit machte, kam vom RBB nichts Adäquates. Geldmangel als Ausrede. Knut wurde televisionär zu Tode gekuschelt. Das war bequem, speziell für Fußkranke, die sich nicht vor dem Eisbärengelände im Zoo zerquetschen lassen wollten. Mit den langsam zur Qual werdenden, meist völlig inhaltslosen Promotion-Berichten vom Roten Teppich bzw. vom Sofa des Vorabendprogramms ging’s unverändert weiter. Vor jeder Hollywood-Tussi verbeugte man sich langatmig und nervte das Publikum zwischen Reinicken- und Zehlendorf mit allerlei Trivialitäten. Von Großmärkten noch nicht verdrängte Althergebracht-Geschäfte mit mehr oder weniger langer Tradition wurden als Nachbarschaftspflege verkauft. Wenn es Massenveranstaltungen gab, war man dankbar im Sender. Biedersinn und Bravheit könnten übrigens durchaus sympathiefördernd und publikumsvermehrend eingesetzt werden, sofern gewünscht (denn die Mehrheit der Bewohner Berlins sind eigentlich brave Spießer), dies würde von den Programmachern allerdings Qualität und Engagement erfordern, besonders bei sozialen Themen. Die ist leider selten zu finden.

Es gibt hoffnungsvolle Ausnahmen (z.B. Marco Seiffert). Vielfach-Auftreter wie Dieter Moor oder Jörg Thadeusz reissen jedoch keinen mehr vom Hocker, und der nette „Abendschau“-Conferencier ersetzt dem Glotzennutzer schon seit langem die abendliche Tasse Baldriantee. Fazit: Bitte aufwachen, lieber RBB, bevor Dir auch die treuen Altseher ins Internet und weiter zu den Privatsendern abwandern!  Wenn das stimmt, was SPIEGEL online heute ankündigt, darf man gespannt sein und den Umkremplern im RBB alles Gute und starke Ellenbogen wünschen.

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Unser gutes altes Neudeutsch: Nonnenarsch-Lektion

(hp) Dem Volk aufs Maul zu schauen, hat Dr. Martin Luther empfohlen und selber so ausreichend praktiziert, dass er uns in einer Zeit, da der Duden noch nicht erfunden war, eine Urfassung unserer prächtigen deutschen Hochsprache bescherte. Der Reformator, war nicht der einzige, aber der bekannteste Sprachformer. Sein Deutsch wurde für alle Nachfahren zu einem veritablen Maßstab. Großartig an dieser lebendigen Hochsprache: Sie duldet regionale, zuweilen sogar auf Dörfer beschränkte Dialekte und Färbungen, die sich nie völlig von der Richtschnur entfernen. Das Plattdeutsche ausgenommen.

Unsere erste Lektion möge mit einer Zeichnung beginnen,

Arsch unterm Feuer

Gute Tat: Feuer unterm Arsch

die unsere Jutta aus der hübschen Kleinstadt Leoben (Steiermark) übertragen hat. Sie zeigt eine Nonne, die sich ihre nackten Hintern am Feuer wärmt. Das Originalbild entstammt einem Fresko, das bei der Restaurierung des längst aufgelösten Dominikanerklosters  der Stadt aufgefunden wurde und monatskalendarisch in zum Teil gut erhaltener Qualität Abbildungen aus dem Hochmittelalter zeigt. Der neuhochdeutsche Ausdruck „Ich hab ihr/ihm Feuern unter dem Arsch gemacht!“, den wir heute völlig anders deuten als seinerzeit – Stichworte Rösler : Merkel : Gauck – , hatte im Mittelalter etwas Höfliches an sich. Es sei denn, aus der Wärmung des Ärschleins wäre durch einen schlichten Stupser ein Feuertod geworden, etwa um ein lästig gewordenes Frauenzimmer elegant loszuwerden.

Es steht hier nicht zur Debatte, was solch eine Darstellung  in einem Mönchskloster  zu suchen hat. Es geht um den Begriff. Er hat sich erhalten können, trotz all der Zensoren, die uns z. B. das sympathische Wort  „Beschiss“ durch  „Betrug“ ersetzten. Bei Albrecht Dürer, der für das „Narrenschiff“ des Sebastian Brant (1494, Basel) nicht nur Bilder, sondern auch Texte in Holz stach, kommt der „Beschiss“ mehrmals vor und macht uns Heutigen die Lektüre vergnüglich. Verwunderlich, dass die Bedeutung des Begriffs durchaus noch gesplittet verwendungsfähig geblieben ist. Oder haben Sie ein Kind, das sich beschissen fühlt, schon mal sagen hören, er/sie fühle sich betrogen?  – Nur in Liebes(un)dingen wie Untreue sind beide Begriffe eindeutig zuzuordnen. Bei Frau Dr. Merkel habe ich noch nicht angefragt, wie sie sich seit Herrn Röslers kecker Promotion des Herrn Gauck gefühlt hat: beschissen oder betrogen.

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Ich liebe Berlin: Neulich bei Kaiser’s am Nolli

(olaf) Das aus acht Städten und 31 Dörfern anno 1920 zusammengeklebte Berlin, das von einschlägig merkwürdigen Leuten heute zuweilen Metropole (!) genannt wird, hat ebenso viele liebwerte wie gruselige Ecken und eine wunderbare, wenn auch langweilige Umgebung. Der Reiz Berlins liegt für mich in der Freiheit, sich hier aufführen zu dürfen, wie man will. Vielleicht gerade deshalb geht einem Berlin dort, wo diese Freiheit beeinträchtigt wird, oft auf die Nerven. Wie heute am Nolli.

Der Nollendorfplatz in Schöneberg, benannt nach einem unbedeutenden (heute) tschechischen Kaff, in dem sich eine der vielen blutigen Schlachten der Neuzeit ereignet hat, ist eigentlich ein friedlicher Verkehrksnoten, an dem sich ein einziger Lebensmittelmarkt befindet, damit kritischen Käufern ja keine Alternative zur Verfügung steht – ausgenommen Lidl sieben Gehminuten gegenüber an der Rennbahn Kleist-Straße. Diese ist, berlintypisch, nicht nach dem Dichter benannt, sondern nach einem Militär. Wer am Stock geht, meidet den Weg und tritt bei Kaiser’s ein.

Wenn Korb oder Wagen gefüllt sind und man zu einer schlangenfreien Kasse will, erfährt er häufig „Hier nicht!“ und sieht, wie sich der Kassierer aus seinem Sitz befreit und abgeht. Vor den anderen Kassen stehen Schlangen. Ein Mensch motzt: „Preise wie im KaDeWe, Schlangen wie bei ALDI.“ Alles schaut grantig, niemand motzt. Erst als eine minderjährige Tussi für die Bezahlung einer 2,90 Euro teurenKlopapierrolle ihre fette rosa Geldbörse öffnet und mit einer Kreditkarte bezahlt, was dauert, scharrt ein Rentner mit den Füßen. Zur Beruhigung beginnt seine dickleibige Begleiterin ein kleines Geplauder: „Alle Wurst- und Käsepackungen haben sie über Nacht um 20 Cent verteuert.“ – Ein elegant gekleideter dunkelhäutiger Herr bittet, nach vor gelassen zu werden, in seiner Hand nur eine einzige Flasche Wein. Die dicke Person tut nichts dergleichen, sodass der Hohlweg vor der Kasse unpassierbar bleibt. Kommentar aus dem Dickicht: „Vordrängen gibt’s nicht.“ – Peinlich berührt geht der Herr mit Flasche zurück und stellt sich in die Nebenschlange. Erst als alle drei Schlangen beinahe schlagartig sehr viel länger werden und ein Mensch mit süddeutschem Dialekt lautstark um die Öffnung einer weiteren Kasse bittet, ruft eine Kassiererin nach halbminütiger Überlegungspause: „Jemand für Kasse vier!“

Erleichtert verlasse ich den Laden, liefere einen Euro an den Obdachlosen vor der Automatiktür ab und atme durch. Von der Kleist-Straße rast ein Hochzeits-Konvoi im Hupgewitter über den Nolli in die Bülowstraße, eine der beliebtesten Rennbahnen von Berlin-Schöneberg. Multi-kulti-gerecht murmelt eine Passantin, die in der nahe gelegenen Motzstraße 16 wohnt: „Schon wieder eine unglückliche Braut.“ Ich liebe Berlin.

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Dummdreister Rezeptklau im ZDF

(hp) Angekündigt als Comedy-Show lief gestern abend nach „Frontal 21“ die Sendung „Leute, Leute!“ mit der „Moderatorin“ Monika Gruber. Wie eine Verlegenheitstochter eines niederbayerischen Strohmatratzenfabrikanten hatte diese vermutlich erstsemestrige Blondine im unerreichten Stil der Fitz ihre Show angekündigt, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als die Glotze laufen zu lassen. Denn ich hatte Besuch von einem wackeren Münchner Ehepaar und war scharf auf eine halbstündige Plauderpause. Also sah ich’s mir auch an, insbesondere Oliver Kalkofes lästerlichen Beitrag erwartend. Und was kam?

Die Sendung erwies sich als dumpfe Mischkulanz abgegriffener „heute show„-Rezepte und stumpfsinniger Gottschak-Conference, die zurzeit (noch) in der ARD läuft, um den volkstümelnden ZDF-Ländlichkeitsschoten wie „Rosenheim-Cops“ Konsumenten abzujagen. Saublöde Attacken gegen den Ex-Präsidenten Wulff, kamen, steif, bieder und primitiv präsentiert, saublöd an. Und Kalkofes Beitrag war noch platter als seine Plattfüße. Mangels Charme wurde ein anderer Schnellgast erstens schlecht befragt und, zeitens, schlecht abgewürgt. Ich glaube, die Unterhaltungsabteilung des ZDF sollte mal ordentlich durchlüftet werden. Denn wenn dem ohnehin insgesamt unnützen Sender das senile Stammpublikum weggestorben sein wird, könnte es zu spät sein für die Gewinnung zuseherischen Nachwuchses. Ein Welke und ein Priol reichen nicht aus. Vielleicht sollte jemand mit Qualität, am besten in der Person von Georg Schramm, die Intendanz übernehmen.

 

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Von Pfarrern und Pfaffen – ein kleiner Gedanke

(Jutta aus Wien). Geistliche, ob Pastoren, Pfarrer oder Prälaten, sollten in der Politik eigentlich das Letzte vom Letzten sein. In der Politik, wohlgemerkt. Als bei uns in der 1. Republik (nach 1918) das Parteiengezänk ihren Höhepunkt erreicht hatte, gab es einen Kirchenmann an der Spitze des nicht lebensfähigen Österreich. Diese Notnagel-Maßnahme wurde zur Ouverture des Austorfaschismus. Die damals Fehlgeleiteten in der Regierung entschieden sich, nachdem die Siegermächte mit ihrem Sprecher Wilson (USA) einen Anschluss von Deutschösterreich – so hieß die 1. Republik wirklich! – an das dank Versailles gedemütigte Deutsche Reich verboten hatte. Es folgte die Anlehnung an das ebenfalls katholische und darüber hionaus faschistische Italien, das sich militärisch ausgeklinkt hatte, als der Verlust des 1. Weltkrieges absehbar war. An diesen Staat lehnte sich das lebensunfähige Restösterreich an, bis 1938 ein Anschluss ans Deutsche Reich unabwendbar wurde. – Weshalb dieser Galopp durch die Zeitgeschichte?

Es war Karl Renner, der vor Geistlichen in der Politik warnte. Nach 1918 nicht unberechtigt, wie sich erwies. Mit dem „gemeinsamen“ Pastor der Deutschen, der demnächst gekürt werden soll, ist es was völlig anders. Erstens kommt er nicht in die Politik, sondern nur ins grundgesetzlich erforderliche demokratische Schaufenster für Gott und die Welt. An Macht besitzt er ebenso wenig wie sein österreichischer Kollege. Aber sicherlich mehr Charisma. Gaucks Worte über Freiheit und Verantwortung lassen einen Präsidenten erhoffen, mit dem alle, ausser einigen Alt-PDS-Landsleuten, glücklich werden wollen. Und sollen.

Die Deutschen erwarten Glaubwürdigkeit und klare Ansagen, die nicht von Parteipolitikern vorab zensuriert werden. Aus Wien schicke ich die besten Wünsche an Herrn Gauck. Keine Vorschusslorbeeren. Aber ein großes Kompliment für Herrn Gaucks erhofften Entschluss, sein erstes präsidiales Sommerfest  nicht auf dem teuren Rasen seines Dienstsitzes Bellevue, sondern auf einem der gut bewachten, stacheldrahtgesicherten Höfe der Berliner Abschiebegewahrsamsanstalt im Bezirk Köpenick abzuhalten. Hier kann er dann in kurzen Worten über die menschenunwürdige Inhaftierung behördlich abgelehnter Asylanten philosophieren, seine Epistel über Freiheit und Verantwortung wiederholen und dem Amts- und Juristenschimmel ein paar freundliche Tritte verpassen mit dem Ziel, auch im Inland Menschen wie  Menschen zu behandeln und nicht nur mit Appellen an ausländische Machthaber zu dienen…

Also, Herr Gauck: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es. Bald haben Sie die Chance, Erich Kästners Ratschlag in die Tat umzusetzen.

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Doping: Lasst Ullrich in Ruhe, ihr scheinheiligen Heuchler!

(hp) Der Anti-Wulff-Virus ist ansteckend, wie sich in den letzten Tagen zeigt. Vornehmlich in gewissen Redaktionen des inländischen Mediengewerbes ist er virulent. Jüngstes Beispiel ist der Schnellradler Ullrich, der Nette. Der Schweiger, der für die sensationsgeile yellow press seinen rennstrapazierten Hintern noch nie nackt in ein Kamera-Objektiv gehalten und noch nie in Unterhose von einer Litfasssäule geleuchtet hat. Mit Eufemiano Fuentes, dem spanischen Doping-Spezialisten, habe er Kontakt gehabt etc.etc. Mehr gibt er nicht zu, der Ullrich, und das wird heftig bekrittelt. Dabei ist der „Fall“ des seinerzeit gut honorierten Tour-de-France-Siegers  eine Nebensächlichkeit im Vergleich zum Doping der Stürmer des Teams der Deutschen Fußballmannschaft, die anno 1954 in Bern  den Siegerkranz erkämpfte. Der Spielfilm „Das Wunder von Bern“ rührte Tausende zu Tränen. Erinnern Sie sich?

Der Schweizer Chemiker Dr. Axel N., den unser Autor Gerd Joachim in seiner Romanbiografie „Es liegt noch Gold im Halensee“ sprechen lässt, deckt das Doping der 1954er Helden auf. Nach Erscheinen des Buches im Sommer 2011 lieferte Axel auch den schriftlichen Beweis: einen versiegelten Brief, zu öffnen zehn Jahre nach dem Tod des Briefschreibers. Da diese Frist im Oktober 2011 abgelaufen war, haben wir das Dokument in unser Bankschließfach gelegt. Über die sechs  500 Gramm schweren Goldbarren, die als Erfolgsprämie in der Romanbiografie (Seite 321) ausgelobt sind.

Um dem mittlerweile 80 Jahre alt gewordenen Fußballstar Horst Eckel (Bundesverdienstkreuz 2004), Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung und seit Jahren gegen Rassismus aktiv, seinen Geburtstag nicht durch lästige Schlagzeilen zu verderben, gaben wir den Brief nicht an externe Stellen weiter. Hauptgrund: Die vom Mannschaftsarzt der deutschen Nationalmannschaft, Dr. Loogen, mit dem damals neuen Hormonpräparat Proviron (Testosteron in öliger Lösung) gedopten Stürmer, die hinter dem Tresen der Bar des Spiezer Mannschaftshotels „Bellevue“ ihre Spritze empfingen, habe es nicht verdient, an den Pranger gestellt zu werden. Staatstragend also, unsere Gründe.

Auch seine bevorstehende Lesung aus dem „Halensee“-Buch im Berlin-Schöneberger Café Berio (Dienstag, 1. März 2012, 19.00 Uhr, Eintritt frei) wird unser Autor nicht zum Anlass nehmen, näher auf das Doping-Thema einzugehen. Wen’s interessiert, der kann das Buch ja kaufen (über jede Buchhandlung und auich bei amazon.de).

P.S. Reiner Zufall, dass das Berliner „Bellevue“, Sitz des Bundespräsidenten, nur 20 Gehminuten vom Café entfernt liegt – für gedopte Schnellradler sind das wohl nur 4 Minuten, falls die Ampeln auf Grün stehen.

 

Einladungskarte

Willkommen zur Lesung im Café Berio am 6. März 2012

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Statt Wulff bitte einen Leiharbeiter ins Bellevue!

Bevor sich, liebe Frau Kanzlerin, Ihr Wunschkandidat Dr. Wulff von seinem derzeitigen Amtssitz in eine gesponserte Advokatenkanzlei zurückzieht, sollten Sie mit Ihren Beratern zusammensetzen und einen zeitnahen Vorschlag für den Wulff-Nachfolger ausarbeiten lassen. Politikberater gibt’s ja zuhauf, die Sie sicherlich gern und hilfreich umschwänzeln. Vergessen Sie nicht den Provinzgelehrten Prof. Dr. Weinfieber  von der Universität Landshut-Ost, der zu den aufgeschlossesten unter Seinesgleichen gehört. Sein Vorschlag, im Zuge der Zeit keinen CDU-Parteivasallen für den Präsidentenstuhl im
Schloss mit der Staatsfahne vorzusehen, sondern einen optisch attraktiven Zeit- bzw. Leiharbeiter aus dem Süddeutschen, wobei dessen berufliche Qualifikation – beispielsweise Physiker, Klimakundler oder Kfz-Ingenieur  – zweitrangig sein darf.  Etatsparend wird das Projekt, wenn die CDU-Zentrale als Leiharbeitsvermittlungsfirma auftritt. Wie riet schon Otto Reutter, der berühmte Berliner Bänkelsänger anno 1920 (o.ä.), vorausschauend: „Sei modern!“

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Gottschalk und Arschloch und Anke

(hp) „Wenn Kuhdreck Butter wär‘, wär‘ ich längst ein Millionär!“ Ein altes Wirtshaus-Sprüchlein mit Nahbeziehung zur Landwirtschaft: direkt, klar und ein bisschen ordinär. Die ARD hat diesem Sprichwort den Konjunktiv genommen, und wie das praktisch aussieht, ist neuerdings in einer Harald-Schmidt-Vorabendversion für Grenzdebile zu sehen. Weil die erbärmliche Abendunterhaltung zur jugendfreien Stunde der unvermeidliche Thomas Gottschalk moderiert, sichert sich die ARD Quote und zeigt – alle Unappetitlichkeiten des Entertainments der Privatsender inklusive – just zu dieser Abendessensstunde überflüssiges Geplapper.

Offenbar ist der Berufsplapperer Gottschalk so fernsehgeil, dass ihm seine aufdringliche Gummibärchen-Werbepenetranz in der Glotze nicht ausreich. Die ARD braucht ihn offenbar deshalb, damit er nicht bei Privaten landet. Da sind offen bar alle Mittel recht. Wenn Kinder vor laufendem Programm gerade beim Abendessen sind und – wie kürzlich geschehen – von Gottschalk erfahren, dass im ordinären „Dschungel-Camp“ Arschlöcher verspeist werden mussten (von welchem Zweibeiner, weiß ich nicht), ist das nicht lustig, sondern abstoßend. Auch wenn es sich nur um den Anus eines Vogels Strauß gehandelt haben mag.- Dazu die Hochjubelung von Anne Engelke, die sich nicht zu schade war, als Gästin in dieser „Arschloch“-Sendung dümmliche Kommentare zu schwätzen. – Go home, Gottschalk!

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