Monthly Archives: Januar 2012

Wieder mal die FPÖ – mit oder ohne Schmiss, und stets gestrig

(Jutta/Wien) Na, das war doch wieder mal ein Ereignis in Wien: Weil der traditionelle „Ball der Burschenschaften“ in der Hofburg just am Holocaust-Gedenktag stattfand, erregte das Ganze europaweit die Gemüter. Den ewig Gestrigen, denen ohnehin alles ziemlich egal ist, was andere – die „Alten Herren“ mit oder ohne Schmiss ausgenommen – von ihnen erwarten, ist jegliche Fremdbestimmung seit je egal.  Ein übermäßiges Selbstbewusstsein, das meist schon im (mehrheitlich begüterten)  Elternhaus Traditionsverpflichtung ist und später in einer der studentischen Verbindungen (auch der katholischen!) betoniert wird, macht den Reiz der Burschenschaftler aus, nicht nur bei den Weibern.

Kleine Länder wie Österreich haben in Sachen Verbindungen eine bunte Palette anzubieten und, weil dort alles noch ein bissl veraltet ist, in der breiten Bevölkerung Anspruch auf Hochachtung. Früher mal gab es aufrechte Sozis und Kommunisten, die Corpsstudenten gewalttätig ihrer Käppis entledigten. Heute, im Zeitalter der Wurschtigkeit, gibt’s das nicht mehr. Niemand interessiert sich heute wirklich dafür, aus welcher Studentenverbindung – schlagend oder nicht schlagend –   der eine oder andere Industriemanager oder Chefredakteur hervorgegangen ist. Besonders perfide gerät eine Nachforschung in  katholischen Kreisen. Denn in keiner katholischen Burschenschaft werden Mensuren ausgetragen, Fechtkämpfe Freund gegen Freund auf einem Paukboden. Katholische Burschenschaften brauchen auch keine Paukärzte, die den verletzten Kämpfern die Wangenwunde (Schmiss) säubern.

Früher gab es sogar Schmissträger, die nie verletzt wurden, sondern sich einen Schnitt in die Wange schneiden ließen und die Wundheilung durch allerlei Praktiken verzögerten. Je edler der Schmiss, desto edler der Mann.

Nicht nur solche „Herrschaften“ bevölkerten den gestrigen Ball der Burschenschaften in der Hofburg. Dank der Aktivitäten des vielkritisierten FPÖ-Chefs Heinz Christian Strache, der von seinem unangenehmen Image fast so gut lebt wie seinerzeit Jörg Haider, wurde die walzertanzende konservative Kaderschmiede auch politisch aufgepumpt. Wie viele bundesdeutsche NPD-ler und Sympathisanten in der Hofburg ihr Tanzbein zu schmissigen Klängen schwangen, ist nicht bekannt. Sollte Ihr Chef von der Wiener Ballkultur schwärmen, fragen Sie ihn am besten gleich, aus welcher Burschenschaft er stammt. Fragen Sie aber nur dann, wenn Sie sich unglücklich machen wollen!

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Am Holocaust-Gedenktag: Besuch einer Zeitzeugin in unserem Verlag

Während der heutigen Gedenkrede von Marcel Reich-Ranitzki (91) im Deutschen Bundestag klingelte nicht nur mein Fischhändler an der Haustür, der nicht nur Lachs brachte, sondern auch ein älteres Ehepaar. Rasch stellte sich heraus, dass die elegant gekleidete Dame eine Tochter „meiner“ Zeitzeugin Edith Engler ist, deren Hinweise ich in meinem Buch „Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus“ wie folgt zitierte:

Es gibt nur wenige authentische Darstellungen über die Situation in anderen Schering-Werken [außerhalb des Stammwerkes Berlin-Wedding]. Edith Engler, Lebensgefährtin eines Schering-Werksfahrers, berichtet über dramatische Versteckaktionen gefährdeter jüdischer Personen innerhalb der Werke Adlershof, Spindlersfeld, Wedding und Eberswalde. Da die Arbeitszeit mit der Ausrufung des „Totalen Krieges“ beträchtlich erhöht und der Leistungsdruck insgesamt stärker wurde, seien manche Arbeiter in den Betrieben aggres­siver geworden. Ihre Aggression ließen manche gegenüber weniger privilegierten Arbeitern, vermutlich sind jüdische und andere Zwangsarbeiter ge­meint, aus. Besonders dort, meint Edith Engler, wo ausländische Frauen oft den gleichen Lohn erhalten hätten wie deutsche Frauen.

Ob sie sich an mein Interview mit ihrer Mutter, das ich im September 1989 mit der damals 74-jährigen Frau Engler führte, erinnere, frage ich. Frau Michalski, die verwitwete Tochter, nickt: Sie habe ja vor der Fassade des Spindler-Werkes in Spindlersfeld/Ostberlin kontrollieren müssen, ob ihre Mutter und ich von anderen Leuten beobachtet würden. Unser damaliges Gespräch auf offener Straße sei doch sehr außergewöhnlich verlaufen. Frau Engler saß bei mir in meinem Auto, einem alten Opel Senator; ich tippte Frau Englers Informationen direkt in meine Reiseschreibmaschine. Frau Engler unterschrieb ihre knappe „Aussage“, die ich tags darauf in der Schering-Rechtsabteilung beglaubigen ließ.

Es war ein relativ kurzer Text. Nun erfuhr ich von der Tochter, dass ihre Mama mir gegenüber damals durchaus misstrauisch und deshalb nicht redselig war. Weshalb sich ein österreichischer Journalist für Dinge aus der Nazizeit interessiere und ob es wirklich nur seine eigene Neugier war, die ihn angetrieben habe. Es hätte ja auch sein können, dass die Befragung „von oben“, also von DDR-Behörden, in Auftrag gegeben worden sei.

Frau Engler, die schon lange nicht mehr lebt, kann ich nicht mehr aufklären. Ihrer Tochter überreichte ich ein Exemplar meines Buches, und als sie den Passus mit der Erwähnung ihrer Mutter gelesen hatte, erzählte sie mir beim Tee noch ein Detail, das sich leider nicht mehr ins Buch einbringen kann:

Frau Englers Lebensgefährte, ein LKW-Fahrer der Schering-Firma Voigtländer, habe regelmäßig, gemeinsam mit einem Arbeitskameraden, Trizelluloseazetat aus dem Werk Eberswalde zur Filmgießerei nach Berlin-Spindlersfeld transportiert und von Berlin verschiedene Kartonagen nach Eberswalde. Auf mancher nächtlichen Fahrt nahm Ediths Mann versteckte Berliner Jüdinnen mit, weil die LKW-Ladungen versiegelt und deshalb unterwegs nicht kontrolliert wurden. Auf einer dieser Fahrten transportierte der Fahrer auch eine junge jüdische Frau samt ihrem Baby Richtung Uckermark in seinem Lastwagen mit – versteckt in einem großen Gebinde.Die junge Frau sei derart erregt gewesen, dass sie vor lauter Angst, ihr Baby könnte unterwegs aufwachen, schreien und alle auf diese Weise verraten, das Wickelkind so stark an sich drückte, dass es erstickte.

Diese nächtliche Tragödie, die Edith Engler vom damaligen Beifahrer ihres Mannes erfuhr, habe sie jahrelang nicht verwinden können. Weshalb ich, als Schubert-Liebhaber, nach dem heutigen Besuch eine CD mit dem „Erlkönig“ auflegte…?


Am Mittwoch, den 1. Februar 2012, stelle ich das Buch „Die Schering AG in der Zeit des Nationalsozialismus – Beiträge zur Unternehmenskultur in den Berliner Werken“ im Prime-Time-Theater (Berlin-Wedding) vor und werde nicht nur daraus lesen. Beginn: 19.00 Uhr.

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Kadavergehorsam gab’s schon vor Friedrich II.

(hp) Alles Schlechte kann man Friedrich dem Großen nicht zuschreiben. Das haben wir in der gestrigen Anne-Will-Runde  mit dem Altbundespräsidenten Dr. Richard von Weizäcker in Anwesenheit eines Professors Prof. Dr. Guido Knopp ( vergessenswert) und Dr.  Gregor Gysi (klug und unterhaltsam) erfahren. Während Dr. Jutta Dittfurth ausschließlich Negatives an dem Preußenkönig fand und Schauspieler Ulrich Matthes ausgewogen argumentierte und sehr wohl preußische Tugenden seit dem Großen Friedrich benannte, blieb die Talkshow, nachdem Herr von Weizsäcker die Moderatorin mehrmals rügen musste, weil sie verständlicherweise hartnäckig die Titelfrage ihrer Sendung beantwortet haben wollte, hatte der Fernsehkonsument die Gelegenheit, in wachsender Agressivität mitzudenken. Immerhin stellte sich heraus, dass sich Friedrich II nicht als Melkkuh für alles ge- bzw. missbrauchen lässt.

Dass der Zuschauer sich nicht mit fertigen Argumenten abspeisen lassen musste wie bei anderen Talkshows, ist ein anzuerkennendes Plus der Sendung. Mir fiel nur auf, dass der Begriff „Gehorsam“ als „preußische“ Tugend kein einziges Mal  fiel. Obwohl dieser preußische oder unpreußische Gehorsam, der seine Wurzeln im Militarismus hatte und hat, erst später zum Kadavergehorsam führte ( Stichworte: Hitlerismus und Nazizeit ganz allgemein) hätte eine Erörterung verdient. Die Darstellung des Gehorsams gegenüber Hitler, die dem Führer seitens des Adels in- und außerhalb von Preußen zuteil wurde, hat dankenswerter Weise die Frau Dittfurth erwähnt, nicht ohne richtiger Weise hinzuzufügen, dass die seinerzeitigen Freiherrrn, Grafen und Barone wie etwa der berühmte, weil tapfere Schenk von Stauffenberg und seine würdigen Mitstreiter erst dann zum aktiven Wiederstand übergingen, als die Hoffnung auf einen Sieg Deutschlands bereits seit Monaten zunichte war: ein würdiges, wenn auch ein – weltpolitisch betrachtet – fahrlässigerweise zu spätes Signal gegen den bei so gut wie allen damaligen Militärs ausgeprägten Kadavergehorsam. dessen preußische Wurzeln allerdings nicht erst seit dem zweiten Friedrich, sondern schon beim Großen Kurfürsten  schreckliche Urständ‘ feierten. Daran denke ich immer, wenn ich auf der Fahrt von Berlin nach Hamburg am Ort Fehrbellin (Schlacht gg. Schweden, 1675) vorbei rase.

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Hätte die Frau Kanzlerin…

…Kinder im schulpflichtigen Alter und in einer Berliner Schule „pflichtig“, würde sie nicht nur für eine zeitgerechte Ausstattung der Physik- und Chemiesäle sorgen, sondern vor allem für die Hebug der Qualität von Schulküchen und Speiseräumen für die Kleinen. Erzählte mir kürzlich meine Lieblingsnichte, in ihrer Schule sei sowohl die Verpflegung als auch die Ausspeisung derart miserabel, dass sie und ihre Freundninnen das Taschengeld  nicht für H&M-Unterwäsche, sondern für junk food (Pizza, Döner, Falafel) ausgeben müssen, um nicht Hunger zu leiden. Die Frau Minister Schröder besitzt meines Wissen noch kein Kind im schulpflichtigen Alter, sondern „nur“ ein Baby, sodass die zeitgemäße, appetitanregende Qualität der Schulspeisung noch nicht in ihrem direkten Interesse ist.

Hätte die Frau Kanzlerin in ihrem inländischen Kabinett einen outgeburnten Gesundheitsminister – sagen wir mal einen parteigetreuen 64-jährigen mit zunehmender Herzschwäche -, der gelegentlich auf Wahl- oder Dienstreisen  einen Schwächeanfall erleidet und in die nächstgelegene Notaufnahme eines Krankenhaus eingeliefert werden müsste, gäbe es in Deutschland (wie in den meisten Ländern Europas) eine Facharztausbildung in „Notfallmedizin“. Es bedurfte eines Beitrags von report Mainz in der ARD, um nicht nur die skandalöse Personalausstattung in deutschen Notaufnahmen, sondern auch das Fehlen der genannten Ärzteausbildung aufzudecken. Trotzdem gute Gesundheit, Frau Kanzlerin, damit Sie nicht so bald einer qualifizierten Nothilfe bedürfen!
P.S. Es muss ja kein Minister sein, auch ein unprominenter betagter Verwandter – und wir alle werden ja immer betagter dank der modernen Medizin – könnte in die Lage kommen, in einer personell unterbestückten Notaufnahme mangels rascher Hilfe usw. usw.

Als nicht ganz Gesunder glaube ich, demnächst die zwei nächstgelegenen Notaufnahmen visitieren zu sollen. Danke jedenfalls für Eure Tipps, liebe Mainzer Reporter!

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Friedrich-Jubiläum: Schlag nach bei Sebastian Haffner – bedingt!

(hp) Was für eine Bücherflut zu diesem Preußen-Jubiläum! Der Große Friedrich, vor 300 Jahren geboren, lässt niemanden kalt. Manche glauben, Neues, bisher angeblich Unbeschriebenes, aus anderer Perspektive beschreiben zu müssen. Mancherlei Erfindung ist darunter, verständlich, da die Figur des Preußenkönigs so gut wie alles zulässt, was einigermaßen beschreib- oder interpretierbar ist. Auch in unserem Blog haben wir uns bereits mehrmals mit Friedrich II. beschäftigt. Auf wundersame Weise landet ein kluger Leser immer wieder bei Sebastian Haffner (z.B. „Preußen ohne Legende„). Knapp und klar, auf angenehme Weise „preußisch“ im besten Sinne, malt Haffner plastische Bilder und Panoramen und bleibt trotz des illustren Füllhorns seiner Schilderungen und Analysen nüchtern.

Man erspart sich viel Geld, wenn  man auf das meiste, was bisher über den Preußenkönig erschienen ist, verzichtet. Vermutlich werden gewisse „Kleinigkeiten“ in den biografischen Darstellungen nie so recht beurteilt werden können. Umso lästiger, wenn nicht erbärmlich, sind manche Zeitungskommentare, in denen sich „moderne“ Schreiber austoben und es sich allzu einfach machen. Gewisse Blätter, deren Redakteure irgendwann einmal zu den Gebildeten der Gesellschaft gehörten und zwar mehrheitlich, übertreiben es bis hin zur Unerträglichkeit. Als Blitzableiter für empörte Leser, die sich via Brief oder Mail äußern, dient das Internet. Gerechterweise schafft ein solches Kommunikationskonzept nicht mehr an gedruckter Auflage. Ende meiner aktuellen Gallenabsonderung. Nur zum Weiterdenken vermerkt:

Auch der hoch zu achtende Haffner hat in seiner Bewertung etwa des Friedrich II gelegentlich Unterlassungen begangen. Im genannten Führer durch die preußische Geschichte erwähnt er beispielsweise nicht, dass der Konprinz den für und in Österreich tätigen Eugen von Savoyen bewunderte – und wenn es nur für die militärischen Strategien dieses Prinzen in den Abwehrmaßnahmen gegen die Türken gewesen sein dürfte. Mag sein, dass der Ruhm des altgedienten Feldherrn, der wie der damals junge  Friedrich kleinwüchsig war und vom lieben Gott nicht mit äußerer Schönheit beschenkt, aber bereits zu Lebzeiten zum Helden geworden, dem Rheinsberger Thronanwärter als nachahmenswertes Vorbild galt.

Zum zweiten wird der Außenpolitiker Friedrich II, der nicht erst nach seiner Thronbesteigung viel Geschick als Diplomat bewies, meines Erachtens zu wenig gewürdigt. Weshalb liest man so gut wie nichts von den Vereinbarungen zwischen Friedrich, dem Anwärter, und dem kaiserkronengierigen Wittelsbacher Kurfürst Albrecht? Immerhin wollte auch dieser einiges vom habsburgischen Reich abknapsen, als die junge Maria Theresia als Königin „nur“ Ungarn und Böhmen ihr Eigen nennen konnte, nicht aber jene Kronländer, die in den Augen der Bayern Österreich darstellten.

Den Raub des zur damaligen Habsburger Monarchie gehörenden Schlesien beschreiben die deutschen Historiker seit je als zwar kriminelle Maßnahme zur Festigung des zuvor zersplitterten preußischen Staates. Davon, dass es wegen der sturen Haltung der eisern katholischen Habsburger für Friedrich ein Leichtes war, bei den schlesischen, mehrheitlich protestantischen Machthabern in Breslau und rundherum Sympathien zu erlangen, ist ebenso wenig die Rede wie von der Tatsache, dass sowohl die Wittelsbacher als auch der „Soldatenkönig“ in Hochachtung vor Kaiser Karl VI. die Pragmatische Sanktion unterschrieben hatten: Danach sollte bekanntlich nach dem Ableben des Kaisers mangels Sohn seine Tochter Maria Theresia unbestrittene Nachfolgerin in der österreichischen Monarchie werden. Nicht nur der junge Friedrich, sondern auch der Bayer aus Nymphenburg, der noch dazu mit einer österreichischen Prinzessin verheiratet war, brachen die Vereinbarung.
Es gibt einfach Dinge, die in einer Geschichtsdarstellung nicht fehlen sollten…

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Beamte und andere Südstaatler

(hp) 1.)

Was ist das für ein Staat: Ungeahnte Freiheiten für Verfassungsschutzbeamte, die unsere ungefährdete Verfassung schützen und sich erfrechen, der „Linke“ zu unterstellen, sie wolle..! – Ich habe selten derart aufrichtige Demokraten erlebt wie Gysi, Bartsch oder Wagenknecht-, von Lafontaine gar nicht zu reden. Nur weil in der „Linken“ die letzten Sozial-Demokraten (im Wortsinn) Veränderungen unseres kapitalistischen, angeblich sozialmarktwirtschaftlichen Staatssystems erstreben und ihre Forderungen in klarem Neudeutsch schärfer formulieren als es die Schwammigschreiber der SPD und der Gewerkschaften (gibt’s solche überhaupt noch?) je getan haben, spionieren Verfassungsschutzbeamte in Publikationen und Netzauftritten der Linken nach umstürzlerischen Äußerungen.

2.)

Nun hat die griechische Regierung eine Liste der größten Steuersünder veröffentlicht. Der Finanzminister nennt sie „Liste der Schande“ und die kleinen Leute dürfen sich daran begeilen. Als nicht-griechischer Realist stelle ich fest, dass die Adressaten dieser Liste die Politiker des Küstenlandes sind und nicht die steuerfaulen Reichsten der Reichen. Die Schande trifft sie selber. Denn nicht einmal ein einigermaßen funktionierendes Steuersystem – von anderen schandhaften Zuständen, etwa in der Verwaltung, gar nicht zu reden –  gibt es in Griechenland. Realistischerweise handelt es sich beim durch Schwindeleien zum EU-Mitglied gewordenen Staat um ein Entwicklungsland mit Inselbesitz.

Und was die Schande betrifft: Dass die sendungsbewussten Europa-Macher („blühende Landschaften“) rund um Kohl ihre Buchhalter und Bilanzprüfer nicht in die Staatskanzleien nach Athen usw. schickten,  bevor feierlich das Ja zum Beitritt erfolgte,  schlägt nun auf die EU-Staaten zurück. Berechtigt? Jawoll.

P.S. Zur Ehrenrettung der küstenreichen Südstaatler sei schlussendlich Homer erwähnt. War je eine Regentschaft so vertrottelt, dass sie wegen einer schönen Frau einen (Trojanischen) Krieg führte?

 

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Geht es noch ein bissl primitiver?

(hp) Die Entlaubung des Bundespräsidenten durch die Journaille hat einen Grad der Unappetitlichkeit erreicht, dass einem das Grausen kommen kann. Ganz in meinem Sinne hat nun auch Götz Aly, Kolumnist u.a. der Berliner Zeitung, dem es nicht nur um NS-Themen `a la verlorene, versteckte, vergammelte Hitler-Bilder geht, in diesem zweitintelligenten Berliner Tagesblatt den „Journalistenrabatt“ aufgenommen. Darüber habe ich im Sinne der reflektierten Doppelmoral von Journalisten vor einer Woche in einem der Blogs auf dieser Seite lamentiert. Wenn nun der Rabatt für die Frau des Herrn Wulff, den sie von einem Autohändler erhalten hat, in der Presse kritisiert wird, online und gedruckt, dann ist das wohl das Letzte vom Letzten.

Schon das Gelabere über die Einladung an die Wulffs, sich in einem Flugzeug von der Economy-Klasse in die Erste zu setzen, war primitiv. Mir wurde, obzwar ich damals weder Politiker noch Journalist war, sondern nur Brillenträger (aber sonst sehr reinlich) ein Platzwechsel im Flieger angeboten, falls die Business-Klasse nicht voll belegt war. Hab ich mir da eine Vorteilsnahme, noch dazu eine bekrittelbare, vorzuwerfen?

Langsam aber sicher reicht’s mit den Imagevernichtungsversuchen, die das Staatsoberhaupt betreffen. Langsam aber sicher kommen mir Sprüche hoch wie „Es sind nicht die schlechtesten Früchte, an denen die Wespen nagen!“ Oder, in punkte Baumsorte nicht ganz zutreffend: „Was kümmert sich eine Eiche, wenn eine Wildsau an ihrem Stamm wetzt?“

Ich meine, es gibt verdammt wichtigere Themen, derer sich die Presse anzunehmen hat!

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Preußen ohne Prügel? Ein Gerücht!

(hp) Die Folter hat er zwar abgeschafft, der große Friedrich II, aber nicht die Prügelstrafe. Die Folter schien dem König unsinnig, da für ihn ein unter Folter erzwungenes Geständnis nichts wert war. Die Prügel blieben, obwohl der Kronprinz unter den Prügeln seines Herrn Papa derart gelitten hat, dass seine charakterlichen Anlagen an seiner Seele gewaltige Flurschäden genommen haben.

Der berühmte Grazer Gerichtspsychiater Dr. Zigeuner, ansonsten einer der zweitgrößten Schweiger zwischen Böhmen und Mazedonien, öffnete anno 1972 (oder war es 1973?) dem Leobener Senat samt Geschworenen in einer Philippika die Augen über einen des Mordes Beschuldigten, der als Kind und Jugendlicher von seinem Vater monatelang mit Prügeln zum Rechtshänder „umgedroschen“ wurde und sich als Erwachsener zu einem gefährlichen Gewalttäter mit 17 (!) einschlägigen Vorstrafen entwickelte.

Friedrich II. war in seiner Kindheit und Jugend kein Linkshänder und sicher auch kein linkshändiger Onanist, sondern in seinem Verhalten nur „weibisch“ (zumindest nach damaligem Empfinden).  Da ihm davon einiges durch Prügel ausgetrieben wurde, entwickelte sich – zumindest im Sinne Dr. Zigeuners – sein ungezügeltes Verhalten als Wüterich in militärisch-diplomatischen Angelegenheiten. Und da die Mutter des späteren Preußenkönigs offenbar nicht gegen die erzieherischen Auswüchse des Soldatenkönigs einschritt bzw. einschreiten wollte oder durfte, vergrößerte sich beim guten Fritz schon lange vor der Thronbesteigung die ihm eigene Abscheu gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Mit dem üblen Geruch ungewaschener Muschis kann das nicht erklärt werden, denn in den jeweiligen Schlössern gab es pro Stockwerk mindestens eine Waschmuschel mit kaltem Fließwasser und Asche zur Reinigung.

Was das Thema Homosexualität betrifft: Die Suche nach warmherzigen Freunden, die sich gern als heftige Bewunderer Friedrichs outeten, ist nur eine logische Konsequenz aus der kaltherzigen Erziehung. Die puzzleartige  rbb-Verfilmung  mit den beiden Thalbachs hat diese Thematik zwar kurz aufgezeigt, aber nicht erörtert. Über die im ZDF neben dem köstlichen Briten-Krimi ausgestrahlte Knopp-Sendung („Histery“ oder „History“)  zum Thema Friedrich II. mag ich kein Wort verlieren, außer: erbärmlich. Oder: Vielleicht braucht`s das Volk so primiv & unintellent!

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Prosit! Gratulation! Gesundheit, kostbarer Georg Schramm!

Auch wenn manche seiner Fans und Bewunderer mit Erich Fromm wenig auf dem Hut haben sollten -, über die Verleihung der prominenten Auszeichnung „Erich-Fromm-Preis“ dürften alle, auch seine „Dumpfbacken“ im jeweiligen Publikum,  freudige Erregung mit Georg Schramm  verspüren. Dieser wunderbarste politische Kabarettist, den wir in Deutschland haben, studierter Psychologe, im gesamten deutschen Sprachraum zu Recht geliebt, hat in seiner bisherigen Karriere derart Rückgrat, Qualität und Stil bewiesen, dass ihn auch seine politischen Gegner lieben.

Im Gegensatz zu den vielen, die bereits in ihrem vergleichsweise jugendlichen Alter über ihre eigenen flachen Schmähs und Gags lachen, die den Berliner „Scheibenwischer“ zu komödiantischem Flachwasser verschandelt haben, ist Schramm in seinen Rollen (z.B. Rentner Dombrowski, Offizier Sanftleben) stets aktuell und ehrlich. Und ein strahlender Kontrast gegenüber den Primitivlingen des Bühnengeschäfts. Schramms Überspitzungen sind ebenso delikat maßgeschneidert wie der jeweilige Stärkegrad der Publikumsbeschimpfung und immer gescheit, auch wenn er sich gelegentlich der Gossensprache bedient, wenn er, scharf dosiert, gegen die Bäuche und Ärsche der Satten wütet.

Er spreche „Unaussprechliches“ aus, heißt es in der Begründung der Preisverleiher. Auch Erich Fromm sprach Unaussprechliches aus. Dass Georg Schramm für die Mehrheit der Deutschen ein idealer Bundespräsident wäre, wissen aufmerksame Zeitungsleser seit Wochen. Ich hätte ihn lieber als parteifreien Bildungsminister im Bundeskabinett: Da wär‘ was los. Da würde sich mehr tun als das bisherige Verwalten bestehender Missstände und Ziellosigkeiten – und neben der Füllung der Gehirne mit Bildung würde auch Herzensbildung auf der Agenda stehen!

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Wulff-Nachfolge: „Papa“ Heuss hätte heute keine Chance

Da hat sich doch der CDU-Abgeordnete Karl-Georg Wellmann gestern grantig über das Verhalten des CDU-nahen Bundespräsidenten geäußert – fern jeglicher Parteidisziplin. Wellmann sitzt offenbar so sicher in seinem Parteisattel, dass er keine Pofalla-Rüge in Sachen „Fresse“ fürchten muss. Wenn in Wellmanns politischer Nachbarschaft Kandidatennamen wie der des gegenwärtigen Verteidigungsministers zu hören und zu lesen sind, ist jedoch Einhalt geboten. Meint zumindest meine kundige Nachbarin, eine betagte Freidemokratin der alten Schule, die sich angesichts der heutigen FDP-Parteispitze neuerdings schon vor dem Frühstück 30 Tropfen Paspertin gönnt, um ihren eventuellen Brechreiz zu unterdrücken.

Ich finde die prophylaktische Medikamenteneinnahme zwar übertrieben, weil ja nicht täglich gruselige FDP-Äußerungen in ihrer  Zeitung stehen. Aber Sie wissen ja: Alte Damen können stur sein, sag ich Ihnen, lieber Leser. Was einen Nachfolger für Präsident Wulff angeht, so scheint mir vor dem Ablauf seiner Regentschaft ein solcher ohnehin keine Chance zu haben. So bleibt mein Plädoyer (siehe letzte Woche im Blog), einen schweigsamen Allgäuer Altbauern zu erwählen, der nur das spricht, was ihm brave Redenschreiber vorsetzen. Der amtierende Verteidigungsminster sollte hingegen bei seinen Soldaten und den aufzulösenden Bundeswehr-Standorten bleiben.

Wenn schon ein Nach-Wulff gesucht wird: Ein Theodor Heuss, für viele im Lande immer noch der Inbegriff des würdigsten deutschen Bundespräsidenten, hätte heute keine Chance mehr. Denn in seiner Biografie klafft eine heikle Stelle: Am 23. März 1933 stimmte der Abgeordnete Heuss zusammen mit den vier anderen Abgeordneten seiner Partei (Hermann Dietrich, Heinrich Landahl, Ernst Lemmer und Reinhold Maier)  dem „Ermächtigungsgesetz“ im Reichstag zu, obwohl er sich vorher in seiner Fraktion  gegen die Zustimmung ausgesprochen hatte. An sich nichts auszusetzen an diesem Stimmungs- oder Gesinnungswandel. Nur: Nach heutigen Maßstäben, wo ein politisch absolut keimfreier Bundespräsidentenkandidaten gefragt ist, bliebe jemand wie Heuss außen vor.

Frau Schultz, unsere Nachbarin, nippt noch an ihrem Teeglas und gibt zum Abschied einen tröstliches Rat: „Dann halt einen Siebenjährigen, der bislang noch unschuldig ist und garantiert keiner Partei angehört!“

Die Wulffs bald auf "Winterreise" back to Osna..?

(Alb)traum: Die Wulffs bald auf "Winterreise" back to Osna..?

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