Monthly Archives: Dezember 2011

Diese Journaille: Jetzt reicht’s aber!

(hp) Was für ein Journalismus ist das heutzutage?! – Die Nachrichten des „rbb“ – die Kleinbuchstaben sind kein Tipp-faux-pas – bringen am Silvestertag um 12.00 Uhr die sensationelle Meldung: In Sydney wurde das neue Jahr begrüßt. Danach die Hinweise auf die dem breiten Volk noch nicht angediente Rede der Bundeskanzlerin, wonach 2012 ein schwieriges Jahr, Rückschläge nicht ausgeschlossen, bringen werde. Sensationell. Wie auch die Nachricht um 18.00 Uhr, dass wegen der Mitternachtsparty – „sicher die größte der Welt“ – S- und U-Bahnen stärker frequentiert würden als in anderen Nächten. Wie wertvoll, derlei Informationen. Man glaubt es nicht. Halten die Damen und Herren Journalisten ihr Hörervolk für blöd? Fehlt nur noch der Hinweis darauf, dass die Erde keine Scheibe sei, sondern eine Kugel, die sich noch dazu dreht.

Erfreulicherweise keine Silvester-Häme gegen den Bundespräsidenten, der sich wie jeder Normalibürger um einen möglichst zinsarmen Kredit bemühte und darüber nicht gerne sprach. Im Gegensatz zu meinem Nachbarn, der damit prahlt, wie er Gläubiger und Finanzamt und üble Verwandte reinzulegen pflegt. Doch zurück zu den Journalisten. Das Folgende, liebe Damen und Herren Presse-Anwälte, gilt natürlich nicht für  alle Journalisten: Kennen Sie die anerkannte, juristisch einwandfreie Praxis vierle Journalisten im Verkehr mit Nicht-Journalisten?

1.) Journalistenrabatt

Wie Sie beim Googeln unter diesem Stichwort erfahren, gibt es diesen Rabatt nur zusammen mit dem Journalistenausweis, den der Journalistenverband auf Antrag ausstellt. Wer nun glaubt, Journalisten erhielten einen saftigen Preisnachlass nur für Sachwerte und Gegenstände, die mit den beruflichen Erfordernissen etwa von Schreibern und Redakteuren, Pressefotografen usw. – also z.B. Fotoapparat, PC oder Laptop, Bleistifte oder Handys oder Fahrräder oder Personenwagen – zu tun haben, täuscht sich. Es wulfft weitaus stärker.

2.) Reisen und Unterhaltung

Früher, als man zweifelhafte und zweischneidige Dinge noch nicht so scharf witterte als heute, als Begriffe wie „Begünstigung“ und „Korruption“ noch im Fremdwörterbuch nachzuschlagen waren, türmten sich in manchen Zeitungsredaktionsräumen, insbesondere in der Reise-, Motor- und Sportredaktion, die Geschenkpakete für die Verfasser – selbstverständlich objektiver – Berichte und Rezensionen. Der Sportclub N.N. wünscht „Frohes Fest und ein gesundes Neues Jahr“, das Reiseunternehmen O.O. freut sich auf weitere gute Zusammenarbeit („Gutschein anbei“) und die Autofirma P.P. ließ es bei TV-Kleingeräten „für unterwegs“ bewenden. Logischerweise lautete der Billett-Text „Gute Fahrt im neuen Jahr“ oder was immer.

Heute laufen solcherlei Sympathiekundgebungen viel subtiler. Gratisurlaubs-Schecks laufen selten in die Redaktion, denn ein sich gerecht fühlender Ressortchef könnte etwas Wertvolles unter seinen Getreuen verlosen, und es wäre durchaus möglich, dass einen Flussschifffahrt an einen Hochgebirgswanderer geht und ein Almhotel-Bon an einen Freund schöner Küstenstriche. Was bleibt also?

Lasst Herrn Wulff endlich in Ruhe!     

Der Bundestagspräsident, der es den „entlarvend“ tätigen Journalisten gestern ins Stammbuch schrieb, hat Recht. Da kann ich mir die Sprüche vom „Glashaus“ und vom „Banken im Auge“ und was es da sonst noch gibt, ersparen und wünsche korruptionsfrei ein gutes neues Jahr.

P.S.
Als Radio-Freak bin ich gespannt auf die Null-Uhr-Meldungen. Vom rbb erwarte ich die Meldung, dass es nun auch begonnen hat, das neue Jahr!

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War der NS-Verbrecher Dr. Renno ein Schering-Mitarbeiter?

(hp) Wieder eine Buchpräsentation Gert Wlasichs, in der eine „delikate“ Frage aufgeworfen wurde – vorwurfsvoll und aggressiv, weil der Autor in seinem Buch, das kürzlich in unserem Verlag erschienen ist, einen Nazi-Verbrecher angeblich unterschlagen habe. Meinte zumindest ein junger Zuhörer. Es ging um einen gewissen Dr. Georg Renno, der 1948 von der Schering AG angestellt worden sei. Dies stimmt; Folgendes ist aber zu ergänzen:

Die Person

Georg Renno, während der Nazizeit einer der brutalsten „Vergasungsärzte“ im Schloss Hartheim/Oberösterreich, hatte sich nach Kriegsende unerkannt nach Süddeutschland abgesetzt. Dort agierte er als unauffälliger Mann unter dem Namen Dr. Georg Reinig zeitweise als Assistenzarzt. 1948 las er in einer Anzeige, dass die kriegszerstörte Schering AG ihren pharmazeutischen Außendienst wieder aufbauen werde. So bewarb sich Renno mit perfekt gefälschten Dokumenten bei der Berliner Schering AG als Pharma-Außendienstmitarbeiter für Rheinland-Pfalz und wurde als solcher eingestellt. Allerdings nicht von der Zentralen Schering-Personalabteilung in Berlin, sondern von der zuständigen Geschäftsstelle in Westdeutschland.

Chronologie der Zusammenarbeit

  • 1. August 1948: Anstellung des Dr. Renno als Außendienstmitarbeiter der Schering AG in Rheinland-Pfalz mit gefälschter Approbations- und Promotionsurkunde auf den Decknamen Reinig. Die Fälschung der Promotions- und der Approbations-Urkunde wurde bei Schering offensichtlich nicht erkannt. Laut eigener Aussage hatte „Dr. Reinig“ die Aufgabe, den Wiederaufbau des ärztlichen Außendienstes im Bundesland Rheinland-Pfalz durchzuführen.
  • 1954 wird er als Dr. Renno erkannt. Im August erklärt er gegenüber Schering, dass er seinen Namen geändert habe, weil nach 1945 ehemalige NS-Angehörige verhaftet werden sollten und er einer Verhaftung entgehen wollte. Über inhaltliche Beschuldigungen findet sich nichts in der Personalakte.
  • August 1954: Schering wird darüber informiert, dass er die Änderung seines Decknamens Reinig auf Renno beantragt habe. Die Änderung auf den richtigen Namen Ronnos erfolgte 1955 ohne Hinweis auf die Biografie des Mannes.
  • 25. Oktober 1961: Renno wird in seiner Wohnung verhaftet, aber bald aus der Untersuchungshaft entlassen (angeblich wegen der Folgen einer unausgeheilten Tuberkulose aus der Kriegszeit).
  • 18. Dezember 1961: Wegen der Inhaftierung Rennos stellt die Schering-Geschäftsstelle den Arbeitsvertrag vorschriftsgemäß auf „ruhend“.
  • Januar 1963: Schering ist bereit, Renno wieder arbeiten zu lassen, falls durch die Ärztekammer Rheinland-Pfalz bescheinigt wird, dass keine „einschränkenden Maßnahmen“ verhängt worden sind.
  • 7. Januar 1963: Die Ärztekammer bescheinigt, dass keine „einschränkenden Maßnahmen gegen die Ausübung des ärztlichen Berufes“ vorliegen.
  • 1. Februar 1963: Renno nimmt seine Arbeit für Schering wieder auf.
  • 1. Februar 1965: Richterliche Einvernahme Rennos aufgrund regionaler Zeitungsartikel. Renno ist geständig, in der NS-Zeit schuldig geworden zu sein.
  • 7. November 1967: Die Anklageschrift liegt vor. Schering wird darüber nicht informiert.
  • 20. August 1969: Prozessbeginn. Beurlaubung Rennos durch Schering. Renno bemüht sich um die vorzeitige Pensionierung.
  • 1. Oktober 1969: Ab diesem Zeitpunkt ist Renno Rentner.
  • 11. März 1970: Am 52. Verhandlungstag erscheint Dr. Renno nicht vor Gericht (angebliche Erkrankung des Blinddarms).
  • 25. März 1970: Vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen Renno.
  • 19. Dezember 1975: Endgültige Einstellung des Verfahrens „aus gesundheitlichen Gründen“. Ärztliche Gutachten hatten von einer Verhandlungsunfähigkeit Rennos gesprochen.
  • 1989: Renno wird von einem österreichischen Reporterteam bei der Gartenarbeit vor seinem Hause in Rheinland-Pfalz fotografiert.
  • 4. Oktober 1997: Renno stirbt in Neustadt an der Weinstraße. Es wird keine Hinterbliebenenrente gezahlt.

Bleibt nur noch die Feststellung, dass laut Auskunft des Verbandes der Chemischen Industrie (Frankfurt/Main) eine Reihe ehemaliger „Nazis mit Geschichte“ auf ähnliche Weise in Firmen der Branchen Chemie und Pharma untertauchen konnten. Die Vermutung drängt sich auf, Dr. Renno habe in- und außerhalb der Ärztekammer Gesinnungsgenossen aus brauner Zeit gefunden, die ihm 1963 den „Persilschein“ ausstellten, der Schering zur Fortsetzung der Zusammenarbeit brachte.

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„Halensee“-Behauptungen bewiesen!

(gj) Danke, Jutta! Aus Kalwang kam deine Quelle zum Thema „Militärgerichtsprozesse in Graz“, vor denen der SS-Obere, den ich zum Schutz seiner Kinder und Enkel in meinem Buch nur Sepp nenne, nach Argentinien floh und Carl, „meiner Hauptperson“, damit auch dessen Emigration ermöglichte. Der gewissenhafte Historiker Dr. Heimo Halbrainer, der – quasi als Stipendiat der Elfriede-Jelinek-Stiftung (Uni Wien) – vor einigen Jahren mit der Aufarbeiten resp. Aufdeckung der lange Zeit vertuschten SS-Verbrechen anlässlich des Todesmarsches ungarischer Juden in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges, der quer durch die Obersteiermark vorbei an Hieflau an der Enns Richtung KZ Mauthausen führte, begonnen hatte, zitiert in einem seiner Aufsätze aus dem „Obersteirischen Tagblatt“ und nennt auch die Vorgehensweise der britischen (Besatzungs-)Militärgerichtsbarkeit, welcher der Sepp entfloh. Zitat:

Nachdem Anfang November 1945 das War Office in London und die Legal Division in Wien über die Entdeckung der Leichen des Massakers in Eisenerz informiert worden waren und dabei die vermutete Opferzahl mit 7.000 angegeben wurde, entschied Lord Schuster, der Direktor der Legal Divison in Österreich, diesen Fall trotz gegenteiliger Ansicht der führenden Beamten der Interna1 Affair Division und des Hochkornmissars einem Military Government Court zu übertragen. Damit waren die Briten die einzige Besatzungsmacht in Österreich, die in ihrer Zone die Verfahren wegen Verbrechen an ungarischen Juden – die ja keine Verbrechen gegen Angehörige der Alliierten waren und deshalb von den Briten als „Atrocities“ (Gräueltaten) bezeichnet wurden – vorerst vor ihren Gerichten führten und diese Verbrechen nicht, wie in den anderen Zonen, von österreichischen Volksgerichten führen ließen. Ein Grund dafür dürfte auch gewesen sein, dass die Briten wegen zum Teil organisatorischer Gründe bezweifelten, dass die österreichischen Gerichte in der Lage wären, derart große und schwierige Verfahren gut abzuwickeln. Außerdem fürchteten sie, die Verwicklung sehr vieler Einheimischer in diese Verbrechen, die mit schwersten Strafen zu rechnen hatten, könnte die österreichische Justiz beeinflussen.

Jutta, unsere freie Verlagskorrespondentin aus Kalwang im Liesingtal, koordiniert übrigens die derzeit vier Detektive, die sich zwecks Gewinnung der als Finderlohn ausgeschriebenen drei Ein-Kilo-Goldbarren auf die Suche nach vergleichsweise uralten Quellen, die das Leben und Wirken des „Nostradam‘ von Ranten“ aufdecken, gemacht haben. Nach unserem heutigen Wissensstand wurden insgesamt erst acht Pfarrämter in den politischen Bezirken Murau, Judenburg und Knittelfeld besucht. Den dortigen Pfarrern bzw. Pfarrgemeindeschwestern sei hiermit für Ihre Bereitschaft, Einblick nehmen zu lassen in Tauf- und Sterbebücher, herzlich gedankt!

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Neue und alte Kuriosa über Preußen

(hp) Was ist „preußisch“ an Nordkorea? – Claude (19) und Charlotte (20), beide aus Chartres und miteinander (noch) nicht verwandt, sondern lediglich brav-katholisch verschmust, lachten sich in beider Fäustchen (gegenseitig), nachdem sie einen älteren Berlin-Steglitzer Pfarrer (in Zivil) fast in Rage gebracht hatten: Kim Jong-il, der oberste Chef aller nordkoreanischen Obrigkeiten, der jüngst auf einer Bahnfahrt dem Mann mit der Sense begegnete, habe doch nur das preußische Prinzip des absoluten Gehorsams auf ein Absolutum getrieben und sein gesamtes Volk „erfolgreich“ dazu erzogen. Und die ganze Welt schaut(e) zu. Ob es da nicht klare Parallelen gebe zu dem obersten „Führer“ Adolf Hitler, der seinem Volk „erfolgreich“ einredete, Juden und Zigeuner seien Ungeziefer und auszumerzen. Das preußische Gehorsamsprinzip funktionierte tadellos. Und so weiter.

Makaber, solcherlei Gedanken? Noch dazu von jungen Leuten aus einem Land, in dem dank der „deutsch-französischen Freundschaft“ andere, nämlich freundschaftliche Gedanken, en vogue sein sollten. Nun, die jungen Leute aus dem Land der Aufklärung klärten eilig die entstandenen Peinlichkeiten, um sich die Chance auf eine wohlduftende Gratis-Lasagne aus meinem Ofen nicht zu vermasseln: Charlotte, brünett und süß, sogar etwas schüchtern, studiert Soziologie und liest gerade über „die preußische Rasse“ (wörtlich). Ein Monsieur de Quatrefages, anerkannter Anthropologe des 19. Jahrhunderts, hatte sich tatsächlich nach dem für sein Vaterland entwürdigend beendeten „Deutsch-Französischem Krieg“ auf einem Ethnologie-Tribunal in einer „Naturgeschichte des Berliners“ übel geäußert über die race prussiene sowie im Besonderen über den type berlinois. Danach seien die „Deutschen“ friedsame, gelehrte und ungelehrte Menschen gewesen, bevor sie von den Preußen überfallen worden seien. Die Preußen seien eigentlich Finnen mit slawischer Beimischung, die sich raffinierterweise der deutschen Sprache bedienten und das gesamte Reich unter sich zwangen. Seit 1871 seien Kaiser Wilhelm (I.) und Bismarck Schreckensfiguren wie einst Dschingiskhan und dessen Großvezier. Und so weiter.

Bei Lasagne und mediterranem Salat samt „Steirischem Kürbiskernöl“ & Balsamico erteilte ich Redeverbot, nicht zuletzt deshalb, weil meinem Berliner Gast vor gepresster Wut bereits eine bedenkenswerte Gesichtsröte aufgelaufen war. Das Studienbüchlein mit den verstörenden Einträgen wollte ich mir als Nachtlektüre sichern. Einem Nicht-Preußen wie mir dürfte Weiteres aus dem Text nicht weiter schaden. Wenn auch die Forderungen des Monsieur de Q. nach Schädelmessungen an preußischen Köpfen und die Verwendung verdorbener hebräischer Worte in der preußischen Gaunersprache nichts dem Baldrian ähnliches Einschlafgefühl erwarten ließen. Weiteres mag in einem zweiten „Rückblick“ folgen, vermute ich, noch dazu angesichts des bevorstehenden kleinen Preußen-Jahres 2014. 

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ARD und ZDF: Immer mehr journalistische Unsitten

1.) Du siehst, vielleicht mit Kindern, einen schönen Film, an dessen Ende ein paar Sekunden Ausblenden oder Abschalten oder gemütvolles Nachatmen angebracht wären. Doch was passiert (zunehmend)? – Mitten in den Abspann dröhnt von der Glotze die Ankündigung einer anderen Sendung. Als ob es um bezahlte Zehntelsekunden ginge, die dem Sender entgehen würden, sollte z.B. eine Filmmelodie ungestört ausklingen. Ich finde das geschmacklos, nur in die Kategorie Privat-TV gehörig. Die Genießer guter Filme, und darauf haben die Regisseure Wert gelegt, haben ein Recht auf ein nicht amputiertes Ende. Auch wenn das Bild auf der Leinwand nur mehr die Produktionsdaten zeigt. Dass auch sogenannte Kultursender wie 3sat und arte mit derlei Unsitten eine Art Tempo vorschützen, finde ich doppelt ärgerlich.

Die technischen Programm-Gestalter sollten öfter mal ein Konzert besuchen. Würden sie z.B. eine Sekunde nach dem Ende einer  romantischen Sinfonie in die Hände patschen, könnten sie – berechtigt – eine Kopfnuss fangen. Sagte doch der berühmte Dirigent Günter Wand, er lasse seine Arme nach dem Schlussakkord bewußt nicht sinken, damit die musikalisch ungeschulten Schnellklatscher glauben sollten, das Werk sei noch nicht zu Ende…

2.) Die Schwatzhaftigkeit mancher Moderatoren und Nachrichtensprecher (überwiegend Text-Ableser) wird zunehmend nerviger. Da steht extra ein Sport-Präsentator minutenlang geduldig neben dem Sprecher und wartet auf seinen Einsatz. Der erfolgt zunehmend erst, wenn der Nachrichtenverleser in seiner eigenen Abmoderation vor der Übergabe des Tons an den Sportmoderator die Sportmeldung gleich vorweg bringt: dass etwa die Borussen nach dem 0:2 gegen Nürnberg nicht gerade glücklich gewesen seien. Was bleibt da dem zuständigen, brav gewartet habenden Sportmoderator übrig als zu sagen: „Ja, da hast du Recht!“
Besonders lästig wird diese Unsitte, wenn der Wetterverkünderin, die ohnedies erst nach der Wetter-Sponsor-Werbung ihren Auftritt hat, ihre meist dürftigen Mitteilungen bereits vom Nachrichtensprecher gestohlen wurden. Das Anhören, wie das Wetter war und zwar noch dazu in Gegenden, die einem wurscht sind, ist peinlich genug. Dann möge wenigstens der Nachrichtler die Klappe halten und der Wetterfrau (oder dem Wettermann) nicht die Mini-Show stehlen.

3.) Den Damen und Herren Nachrichtenredakteuren – das gilt auch fürs Radio – möchte ich noch ans Herz legen,  inhaltslose Ankündigungen jeglicher Art so terminknapp wie möglich zu verfassen. Drei Tage lang zu vernehmen, dass am kommenden Wochenende diese und jene Konferenz (wahrscheinlich ohnehin) keinen Durchbruch bringen werde, ist einfach lächerlich. Auch Angst- und Befürchtungs-News – das auslaufende Kalenderjahr 2011 strotzte davon – haben keinen Nachrichtenwert, wenn sie fakten-nackt sind. Könnte, würde, dürfte usw. haben in einer Nachrichtensendung nichts verloren. Dafür sind Kommentare da. Den Begriff „Nachricht“ bitte im Lexikon nachschlagen!

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Doping-Wunder von Bern: Das „Testo“ von 1954

(hp) Der Film „Das Wunder von Bern“ war erfolgreich, zumindest in den deutschsprachigen Ländern. Das war gut so. Eine positive, ans Gemüt gehende Verfilmung der internationalen Wiedererstehung des Sports in Deutschland – damals war Fußball noch Sport! – tat gut. Die Tränen der Rührung waren echt. Da macht es nichts aus, wenn im Kinofilm die Szene fehlte, in der damals im Hotel Bellevue in Spiez bei Bern zumindest die Stürmer der deutschen Mannschaft außer einem Vitamin-Coctail auch eine Spritze in den Gluteus Maximus (Großer Gesäßmuskel) erhielten. Intramuskulär, wie der Arzt das nennt. Reines Testosteron in öliger Lösung. Heute nennt man das Doping.

Auch wenn sich unser Autor, der in  seiner Romanbiografie „Es liegt noch Gold im Halensee“ dieses Doping nur nebenbei erwähnt, scheint es uns an der Zeit zu sein, das Thema nicht zu ignorieren. Starben doch binnen weniger Jahre zwei der Spieler an schwerer Leberschädigung. Dafür war der Mannschaftsarzt des Sieger-Teams, Dr. Loogen, schuld. Er wußte davon, dass die heute nicht mehr existierende Hormonfirma Schering AG, gerade das Testosteron-Therapeutikum auf den Markt gebracht hatte – gedacht für Patienten mit schweren Hormonmangelerscheinungen.

Die legendär gewordenen Fußballer litten sicherlich nicht an Testosteronmangel. Bekanntlich dient dieses Hormon, das natürlicherweise im männlichen Körper stark und im weiblichen schwach vorhanden ist, nicht nur der Hebung der Sexualkraft, sondern auch der Steigerung der allgemeinen Lebenslust, zu der gesittete Aktivität gehört. Verständlich, dass Dr. Loogen bei Schering mehrere Fläschchen orderte bzw. von Kollegen ordern ließ und fern jeder Kamera hinter dem Hotelbuffet ans Applizieren ging.

Agressiver durch Testo!

Agressiv wg. Testo?

Ob die Vereinbarung stimmt, wonach Fußballbund und andere Institutionen  mit der Öffnung aller Dokumenten über das „Wunder von Bern“ noch warten wollen oder müssen, ist unserem Verlag nicht bekannt. Für alle Fälle behalten wir jedenfalls den „Erst 10 Jahre nach meinem Tod zu öffnen“-Brief des ehemaligen Schering-Mitarbeiters Dr. Werner D. in unserem externen Bank-Tresor, in dem auch die im „Halensee“-Roman ausgelobten drei Kilgramm Gold bis 2015  auf Gewinner warten.

P.S. Das Schering-Präparat Proviron war mit einer langen Liste „Nebenwirkungen“ auf dem Markt. Was damals galt, ist auch heute uneingeschränkt gültig: Vor der Verschreibung und Anwendung von Hormon- und hormonhaltigen Präparaten sind ausführliche Untersuchungen erforderlich. Sämtliche Medikamente, die Hormone in nennenswerter Dosis enthalten, sind zumindest hierzulande verschreibungspflichtig. Dennoch sollen derlei Arzneimittel immer noch auf dem (Schwarz- bzw. Grau-) Markt verkauft werden, insbesondere in der Bodybuilding- und Fitness-Szene.

Titelseite "Es liegt noch Gold im Halensee"

Es liegt noch Gold im Halensee

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Friedrich II. schwul? Wär‘ nicht gut so…

(hp) Ich weiß zwar nicht, wie tief sich der Autor, den die taz für ihre jüngste Ausgabe interviewt hat, in die ungeheuer vielen Quellen und Materialien über das Leben Friedrich des Großen eingearbeitet hat. Doch wenn sich Jürgen Luh einer aufgeschlossenen Tageszeitung gegenüber windet wie ein Jesuit im zweiten Semester Theologie, dann ist zu befürchten, dass wir auch im „kleinen Preußen-Jahr 2012“ (300. Geburtstag des unkonventionellen Herrschers) die Privatperson F. II. nicht richtig kennenlernen werden.

Man muß nicht gleich mit der Thomas-Mann-Keule kommen. Der große Dichter hat sich zumindest in seinen Tagebüchern und – indirekt in Privatbriefen – als homosexuell geoutet. So etwas würde ein Alleinregierender nie tun. Weder in seinen zahlreichen Schriften, noch im ausführlichen Testament.Da wäre eher das Gespür eines unbefangenen Historikers vonnöten, ausserhalb der ausgelutschten Quellenlandschaft zu grasen und aus mancherlei Verhalten – auch seines Vaters, der gemeinhin immer noch als unsensibler Rüpel dargestellt wird -, Schlüsse zu ziehen. Schon Sebastian Haffner äußerte vor mehr als zwanzig Jahren in einem Gespräch die Vermutung, schon zu Lebzeiten des illustren Königs und erst nach seinem Tod sei so manches für immer verschwunden, was auf Friedrichs Hang zum Mannmännlichen geschlossen haben mag.

Unterdrückte Sexualität bleibt nie folgenfrei. Und Onanist war der große, abenteuerfreudige Friedrich II., der illusterste aller Hohenzollern, sicher nicht. Das wäre eines eitlen Alleinherrschers nicht würdig.

 

 

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Na, das war doch ein gutes Jahr bei uns!

Die Banktresore sind aufgefüllt. Die Obdachlosenheime auch. Im rbb kulturradio diskutieren sie über Luxus. Und im Caf’è loben zwei Pensionäre die Frau Merkel. Fazit: Es war ein gutes Jahr. Fragt sich: Für wen? – Natürlich für die Wirtschaft. Denn wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es allen gut. Stimmt. In Deutschland ist keiner verhungert im auslaufenden Jahr. Und die Selbstmordquote bei verweifelten Armutsrentnern ist nicht gestiegen. Den Griechen und Italienern hat sie es gezeigt, die Merkel. Und der Schäuble. Das Milliardengeschiebe für die notleidenden Banken und die Fiskalpolitik der Europäischen Zentralbank mit spottbilligen Zinsen übertüncht alles andere. Wulffs Neureichengehabe verkauft sich gut und dominiert die Nachrichtenflut. Die Opposition pflegt den Winterschlaf, die Gewerkschaften pflegen ihre Agonie. Nur ganz wenige Journalisten, die ihre politischen Magazine nicht verkommen lassen wollen, bringen Häppchen aus der bösen Welt ins Wohnzimmer. Es war ein gutes Jahr. Und sooo ruhig, bis auf die Castor-Episode. Deutschland geht es gut. Wunderbar. Unsere Arche Noah ist gebaut, die Sintflut, falls sie kommt, werden wir überstehen. Die andern auch. Und wenn sich die jungen Araber nicht schnell und harmonisch ihre Demokratie nach abendländischem Vorbild drechseln, sind sie selber schuld.

Wie korrupt wir alle sind, nicht nur die Medienleute, darf man an der eintagsfliegenhaften Kommentierung des Armutsberichtes 2011
Paritätischen Kommission ablesen: Dass bis zu 12 Millionen Menschen in unserem Land von Armut bedroht oder bereits „arm“ sind, war keine Aufregung wert. Die Zeit stellt fest, dass es doch seltsam sei: Die Wirtschaft boomt, aber bei denen da unten kommt nichts an. Außer den 10 Euro Kinderzuschuss, dessen Ergatterung derart entwürdigend ist, dass viele Eltern davon absehen, sich um dieses Gießkannen-Almosen zu bemühen. Lästerzungen wissen natürlich, dass es den Unterschichtseltern offenbar viel zu gut geht, als dass sie sich um die 120 Jahres-Euro bemühen. Der Hinweis der hochbegüterten Frau Sozialministerin, die Ausführungsbestimmungen würden entkompliziert, war zwar eine Meldung wert, aber auch nicht mehr. Ja, es geht uns gut. Ich glaube, man sollte das Wort „uns“ neu definieren…

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C. Wulff: Zuviel der Peinlichkeiten!

Die Deutschen machen alles nach. Die weniger Begüterten, die sich an linken Ideen bis hin zum Kommunismus orientierten, sind hoffnungslos gescheitert. Auch Hartz-vier-Knaben tragen Nike. Die Begüterten holten sich ihre Vorbilder überwiegend aus den USA. Aber sie kopierten für sich, wie der aktuelle Fall zwischen Schloss Bellevue und Herrn Maschmeyers Firmen beweist, nur einen Teil des amerikanischen Kapitalismus: Dort züchten sich die Millionäre auch ihre Politiker und pumpen Geld in ihre spätere Interessensvertretung, vergessen dabei aber nicht, parallel dazu Charity zu betreiben, des Image wegen. Roh gesagt: Gib dem Kandidaten X eine Million Dollar für seinen Wahlkampf und spende gleichzeitig dem Mister Y für dessen Wohltätigkeitsvereine mindestens eine halbe. Mir ist bisher nicht bekannt, ob Herr Maschmeyer parallel zu seinen Wahlkampf-Finanzierungen auch die Caritas oder ein Hilfswerk für Afrika unterstützt und darüber mindestens so viel PR gemacht hätte wie für seine Aufgeschlossenheit gegenüber wahlkämpfenden Politikern und späteren Garanten ihrer eigenen kapitalistischen Interessen.

Mag ja sein, dass Herr Maschmayer, dem ebenso wie den Herren Schröder und Wulff keine goldenen Löffel in die Wiege gelegt wurden, für Aufsteiger aus der unbegüterten Klasse ein besonders großes Herz hat. Nichts dagegen, wenn er ansonsten ein braver Bürger ist. Blöd nur, wenn einer der Maschmeyer-Schützlinge Bundespräsident wird und nichts davon weiß, dass ihm ein sattes Stück Geld für die Wahlkampfbuch-Werbung zuteil wurde.

Bis zu einem gewissen Grad hatte ich Respekt vor dem Bundespräsidenten und habe auch immer, wenn ich am Schloss Bellevue vorbei fuhr, den Blick auf den Fahnenmast auf dem Dach geworfen, um mich davon zu überzeugen, ob der Herr Präsident anwesend ist oder nicht. Schön langsam kommt mir der Gedanke, dass demnächst für längere Zeit kein Staatswappen auf dem Bellevue-Dach weht.

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„Von meinem Privatvermögen..!“

Fünfte Etage des Berliner Kaufhauses Wertheim, das unter seinem neuen Besitzer, dem Neu-Berliner Millinär, Karstadt-Käufer und Berlin-Retter Nicolas Berggruen (50) seinen Traditionsnamen Wertheim verlor und heute einfach Karstadt heißt. An der Etagenkasse bezahlt ein Knabe von knapp zehn Jahren eine Spiele-DVD „für meine Schwester“. Aus einem Tiefkühlsäckchen streut er zwei Handvoll Cent-Münzen auf den Kassentisch. Eine ältere Dame mit gütigem Blick scherzt: „Hast  wohl dein Sparschwein geschlachtet!?“ – Der Junge sehr ernst und gerade heraus: „Nee, das ist von meinem Privatvermögen!“ Anerkennendes Schunzeln dies- und jenseits der Kasse.

Der sympathische Knilch erklärt mir auf der Rolltreppe, die Mama warte auf ihn bei der Damenmode im zweiten Stock. Auf meine Frage, woher er den Begriff  „Privatvermögen“ habe: „Davon reden sie jetzt dauernd im Radio.“ Ich trete erst in der ersten Etage auf festes Gelände und nehme einen Kaschmir-Pulli prüfend zwischen die Finger. Eine ältere, sehr freundliche Verkäuferin, die meinen Hut bewundert – Südtiroler Wilderer-Modell 1942 mit Birkhahnfeder, im Berliner Straßenbild ziemlich rar! -, weist unaufdringlich darauf hin, dass es sich um 100 Prozent Kaschmir handele, trotz des vergleichsweise niedrigen Preises. Ich nehme dennoch Abstand von einem Kauf und denke über den Jungen und sein Privatvermögen nach. Kann mich leider nicht eigenhändig zensurieren.

Es geht – logo – um den Oldenburger Provinzpolitiker und späteren Hannoveraner Regierungschef , den wohlwollende Vermögende gefördert haben, bevor er zum Staatsoberhaupt und Schlossherrn gemacht wurde. Er wird seit Tagen von den bekanntermaßen unfrommen Grünen und anderen Berufsmisstrauern derart drangsaliert, dass einem die Mitleidstränen aufsteigen könnten. Sie steigen nicht. Gestiegen sind andere, was uns automatisch zu den Neureichen führt, den Erben, denen, denen Vorteile zuteil wurden, um aufzusteigen. Nix Besonderes. Wenn man hier zu denken aufhören würde. Aber man hört nicht auf. Weil das kleine Erlebnis mit dem ein Privatvermögen besitzenden Stöpsel immer wieder angenehm aufstößt.

Frohes Fest!

Meinen Lesern ein frohes Fest!

Ob der Herr Bundespräsident, wie nicht nur er es schon einmal, sich seiner christlichen Herkunft bewusst,  getan hat, in seiner bevorstehenden Weihnachtsansprache von der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich sprechen wird? Da Wulff nicht rot ist, sondern schwarz, wird er von der volkswirtschaftlich dringend erforderlichen Einführung einer Vermögens- und einer Erbschaftssteuer sicher nicht sprechen. Erstens ist er kein Volkswirt und zweitens haben unsere Soldaten am Hindukusch etc. pp. nichts zu tun mit Weihnachten und Volkswirtschaft. Vielleicht vermeidet Wulff das Sozialthema  auch deshalb nicht, weil man reiche Unternehmer, von denen man früher mal Karriere-Förderung erfahren hat, nicht verprellen will durch scheinheiliges Betrauern des Missstandes in unserem Staat, der Arme, durch eine teure Scheidung ins Abseits gerutschte Menschen zwar nicht leiblich, aber seelisch verhungern lässt.

Wie viele Obdachlose soll es in Berlin geben? – Ich warte darauf, bis die „taz“ als Reaktion auf die „Berliner des Jahres – Das sind die Top 50“ in der Sonntags-„Mottenpest“ am Heiligen Abend die „Top 50 Obdachlosen aus Berlin-Kreuzberg“ präsentiert.

Damit diese meine „Morgengalle“ kitischig – wenn auch tatsachengerecht – enden kann: Während ich nach dem Einkauf bei Karstadt auf dem Gehweg einen Kaffee „to go“ verputze, sehe ich, wie der privatvermögende Junge von der fünften Etage einem halb erfrorenen Akkordeonspieler aus Stettin ein paar Münzen in die Blechdose wirft…

P.S. Für Bildungsbürger und zu meinem Schutz vor Advokaten: Der Begriff „Mottenpest“, der für „Morgenpost“ steht, war in „linken“ Kreisen nach dem WK 1 gang und gäbe. (hpeis).

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