Monthly Archives: August 2011

Urlaub vorbei – wieder in Berlin

Vom Wohlgefühl, wieder in Berlin zu sein – Von echten Früchten und von Grausbirnen. Und dann noch Dieter Nuhr bei Guido Knopp! (von Evi B.) )

Das waren zwei wunderbare Wochen: Wenn du aus Berlin in Richtung Süden ziehst, wird so vieles anders. Schon bald nach der Stadtgrenze. Weniger sexy, weniger arm. Die Leute sind sauberer, gepflegter gekleidet und benehmen sich auch so. Grantler, Verbissene, Rüpel, Rüpelinen und Möchtegerne hab ich nicht vermisst. Und das Verhalten im Straßenverkehr: höfliche Fahrweise, kaum Raser oder verschmierte Hauswände und Denkmäler. Bis nach Südtirol hab ich’s geschafft und mich in den Dolomiten bei einem Bauern einquartiert, den Langkofel erklommen und viel mit einer Obstbäurin geplaudert. Über Gott und die Welt und über die behördliche Ausrottung alter Apfelsorten. Bekommen Sie noch den mürben Jonathan, der heute als Jonagold mit etwas härterer Schale noch hie und da zu finden ist und wegen seiner geringen Haltbarkeit als völlig unreifes Zweikilo-Paket beim Discounter auf dem Boden steht?

Und wie das Brot schmeckte! Was anderswo Routine ist – nämlich die Beimischung von feinem Fenchel-, Kümmel- oder Anismehl im Hefeteig -, fehlt beim Berliner Normalbäcker; von der Industriebrotfertigung möchte ich gar nicht reden. Da schmeckt Brot meistens auf faszinierende Weise nach nichts. Fast so wie seinerzeit in den USA. Martin Luther wird die Frage zugeschrieben: „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket?“ – Die reichhaltigen Blähgeräusche, die manche Rolltreppenbenutzung zum Klangfest werden lassen hier im glücklicherweise mauerlosen Moloch Berlin, dürften auf die mangelnde bis schäbige Backkunst zurückzuführen sein.

Als ich auf der innerstädtischen Bülowstraße in Schöneberg und der Kreuzberger Gneisenaustraße mit rasendem Gedonner à la Nürburgring überholt wurde, als ich Zeugin eines Hupkonzertes vor einem Zebrastreifen wurde, weil ein Rentner mit Krücke nicht schnell genug auf die andere Seite humpelte, wusste ich: Ich war wieder zu Hause. Dass mir eine Jungglatze heimischer Prägung mitten im Einparken den freien Platz stahl, indem sich der ungezogene Knabe schräg in die Lücke zwängte und mir das Zeichen gab, ich solle mich verziehen, war ich endgültig in meinem Berlin angekommen.

Zum Abendbrot erschien meine Nichte, die sich um die Balkonblumen gekümmert hatte und verwies mich auf die ZDF-Mediathek. Am Sonntag lief dort in der Serie „History“, eine nach der üblichen Knopp-Masche konzipierte Sendung über sieben politische Lügen der Weltgeschichte. Ein optisch sympathischer Dauerlächler der Kabarettszene namens Dieter Nuhr war neben zwei kompetenten Experten als Hobby-Kommentator eingeschleust, um dem werten Publikum seine solide Halbbildung vorzuführen. Bekannte Klischees und noch eins drauf: Nicht bedenkend, dass es in den 1930er Jahren noch kein Fernsehen für die Massen gab und dass die Hitler-Reden für das breite Volk via Radio und Zeitung bei den Leuten ankamen und inhaltlich raffiniert und einprägsam waren im damaligen Stil der Zeit, machte sich Herr Nuhr lustig über die Menschen von damals, die den Wahnsinnigen nicht durchschaut hätten.

Von solcherlei Kurzsicht verärgert, gönnte ich mir zur Genesung ein Gläschen selbstgebrannten Wacholderschnaps und dachte nostalgisch an meinen schönen, viel zu kurzen Urlaub zurück.

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Was erfrecht sich dieser Altkanzler?

Dem Ex-Übervater der CDU steht es nicht zu, seine politische Tochter, der er bisher glücklicherweise nicht sämtliche kohl-eigenen Untugenden vererben konnte, unfair zu rügen (von Evi Burger)

Es gibt Leute, große Leute, mächtige Leute, die sich schlecht benehmen. Je älter sie werden, desto grantiger, je kränker sie werden, desto unbeugsamer werden sie im Ertragen ihrer Leiden und unduldsam, wenn ihr Erbe nicht ganz in ihrem Sinne verwaltet wird. Das ist menschlich. Dafür habe ich Verständnis. Das Schicksal ist manchmal so unerbittlich, dass man weinen könnte vor Mitleid. An Ex-Kanzler Schmidts weltpolitisch relevante Aussagen haben wir uns seit Jahren gewöhnt. Er ist Instanz: gewesene und  bis heute gebliebene und dies in einer Art, die mich nur selten zu Einspruch oder Korrektur einlädt. Bei seinem Nachfolger als Bundeskanzler ist es ganz anders. Er war, als er nach einem Misstrauensvotum antrat, im Inland Profiteur eines keineswegs von der CDU verursachten Wirtschaftsaufschwungs und im Ausland Profiteur des Zusammenbruchs der Sowjetunion. Erst diese weltpolitischen Veränderungen ermöglichten es ihm, in den Geschichtsbüchern als Vater der Wiedervereinigung Deutschlands und damit als großer Politiker gefeiert zu werden. Gut und schön.

Die Hypothese, dass auch Schmidt alle Chancen während seiner Amtszeit ergriffen und pragmatisch genutzt hätte, lasse ich mir nicht ausreden. Nur: Seine Zeiten waren nicht so, sondern ganz anders, in der Hauptsache konfrontativ – vor allem im Inland und besonders in seiner eigenen Partei. Dies nüchtern festgestellt. Kohl hatte gegenüber Schmidt einen großen Vorteil: Er war unbestrittener Chef der CDU und zeit seiner Kanzlerjahre Sieger in jedem noch so unangenehmen Geplänkel mit dem widerspenstigen, eitlen und – logo – machtbesessenen Chef der bayerischen Schwesterpartei, dessen Namen ich hier vermeiden möchte, um meine Morgengallenproduktion nicht fahrlässig anzuregen.

Sieger entwickeln Siegerstrategien und leiden meistens mit zunehmender Alterung unter der Krankheit des Machtsicherns und -erweiterns mit Mitteln, wie sie uns von den antiken Tyrannen bekannt sind, wenn auch meist in Dichtung und Legende. Kohl beseitigte bekanntlich beseitigbare Vasallen und Aftervasallen, keck gewordene Hofnarren und Kritiker oder ließ diese von anderen ausschalten oder verhindern. Wer was werden wollte, tat gut daran, einen Fuß in der Tür der braven Adenauer-Stiftung oder in der Privatwirtschaft zu haben. Selbstverständlich wurden auch einige Exoten gepflegt, so genannte Gutmenschen und solche, an denen man in der besseren Gesellschaft nicht vorbei kam.

Wenn der alte Herr nun die Politik seiner Nachfolgerin Merkel kritisiert, dann hat er wohl vergessen, wie fragil die – wenn auch zur richtigen Zeit – geformte EU trotz grundsätzlich stabil erscheinender  Fundamente war. Desgleichen die Währungsunion, die allerdings noch fragiler konzipiert wurde. Auch wieder zur rechten Zeit, die Kohl & Co. als solche erkannt hatten, weil sie für die Chancen ihrer Zeit ja nicht blind waren.

Die damaligen weltpolitischen Verhältnisse konnte man, ohne dass lästige Journalisten kritisch herumstocherten, weil die meisten von ihnen von der Europapolitik Kohls und seiner „Freunde“ in den Regierungssesseln der Nachbarn besoffen waren, ignorieren. Brüssel und Strasbourg standen im Focus der Interessen. Das waren gute Ablenkungsziele gegenüber den „blühenden Landschaften“ im Osten des neugeschaffenen Inlandes. Ablenkung durch aussenpolitische Erfolge war schon immer das Erfolgsrezept für Regenten, um sich im Inneren Ruhe und Beruhigung zu sichern. Als Aussenpolitiker schaut man hoch und über Grenzen, als Innenpolitiker hat man den Blick nach unten zu richten und hinter Stadt- und Bezirksgrenzen zu schauen. Während der Kohlschen Zeit wurden die immer wirksamen alten Schlagwörter gegen die Linken und die Aufrüher in den damals noch nicht korrumpierten Gewerkschaften ins Land getrommelt, vor allem wurden Adenauers und Erhards christlich-soziale Aussprüche und Slogans exhumiert. Und der politische Großwildjäger aus München, der – logo – die Reichen, nicht nur die Revierbesitzer im Lande, zu pflegen beliebte, von Jahr zu Jahr offensichtlicher – leitete die innenpolitische materielle Entsolidarisierung in Deutschland ein, die dann unter Kohls Nachfolger Schröder perfektioniert wurde.

An der Basis wirkte Norbert Blüm als zweibeinige, quicklebendige Beruhigungsinstanz und plakatierte Rentensicherheit und war mit anderen sozialen Themen oft auf den Titelseiten. Zur gleichen Zeit übten sich Kohl und Mitterand in mannhafter Traulichkeitsgestik, die ihrerseits beklascht und auf den Titelseiten zu bewundern war.

Weil im deutschen Inland gut Geld da war, konnten Rentenreserven unauffällig für den Aufbau der schon erwähnten „blühenden Landschaften“ abgezweigt werden, nachdem der westliche Kapitalismus und die herrschaftlich uneingeschränkte Treuhand den bestehenden ostdeutschen Rasen bis zur Unkenntlichkeit abrasiert hatten zwischen der Wartburg und dem Ostseestrand. Der immer wieder warnenden Opposition wurde in gewohnt deftiger Manier  mangelnde wirtschaftspolitische Kompetenz attestiert und alles blieb ruhig. Dass in der Nähe der Politiker die Lobbyisten immer einflussreicher wurden – Rezeptur à la USA -, nahm man als gegeben hin, falls man davon wusste. Deutschland sei ein reiches Land, Export-Weltmeister, jedes Kind wusste dies. Dass das reiche Deutschland ein Land reicher und immer reicherer  Deutscher wurde und diese Reichen zunehmend die Politik im In- und Ausland bestimmten, sofern sie sich nicht nach Art der reichen Amis wie in Beverly Hills und sonst wo in unsichtbaren Villen versteckten und von dort ihre Vasallen dirigierten, kriegten die einfachen Leute nicht mit. Die Zahl der Gewerkschafter, die sich zunehmend ohnmächtiger fühlten, wuchs. Und die Staatsverschuldung konnte ohne Störenfriede wachsen und wachsen.

Erst unter Schröder wurde man aufgeregt, aber die Reichen, insbesondere die, die Gläubiger Deutschlands waren und immer noch sind (Banken, Fonds, Versicherungen), wurden weiter gehätschelt und handwarm gehalten. Der Höchststeuersatz wurde weiter gesenkt, und damit das Volk ganz unten nicht aufmuckt und das Schicksal ihrer Kinder und Kindeskinder nicht von Zins- und sonstigen Schulden erstickt wird, begannen neue „Sozialmaßnahmen“ zur Bereinigung bestehender  Systeme. Man nahm den altgedienten Begriff „Agenda“ auf und nicht irgend jemand, sondern ein Spitzenmanager von VW, erarbeitete mit seinen Teams die Neuordnung für die da unten.

Die Reichen ignorierten, was da passierte, sie gratulierten sogar öffentlich dem mutigen SPD-Kanzler zum epochemachenden Reformwerk. Dass es Schröder kein zweites Mal schaffte, versteht sich. Also Neuauflage schwarz-gelb, mit der Frau Merkel an der Spitze. Anfangs unauffällig nach Kohlscher Art, seine Rezepturen aussitzend, anfänglichen Spott ignorierend wie seinerzeit Kohl – und dann die Finanz- und Wirtschaftskrise. Ganz andere Zeiten und Handlungszwänge. An der Seite ein  Aussenminister, der in diesem Amt zu leichtgewichtig und nur für Briefträgerdienste im Auftrag Deutschlands geeignet zu sein scheint.

Den (bisher) glaubhaftesten Pragmatiker im Kabinett brauchte die Chefin für Aufräumarbeiten in der Landesverteidigung, die an Deutschlands Grenzen glücklicherweise nichts zu verteidigen hat. Bei aller berechtigten Kritik an der Politikerin Merkel ist zu bewundern, was die Frau schultert. Und sie schultert beharrlich, taktiert aussenpolitisch ehrenhaft. Wenn in manchem Ausland Deutschland als unsicherer Kombattant gilt, dann sind das meist nur Ablenkungsversuche, die sich z.B. in den US-Medien gut machen.

Der Ziehvater aus Ludwigshafen sollte nicht nach Art der Schwiegermütter, die alles besser wissen als ihre Schwiegertöchter, sticheln. Wer als Denkmal eingehen will in die Geschichte, tut gut daran, sich in höflicher Zurückhaltung zu üben und zu bedenken, dass wir nicht mehr in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts leben.

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Frühstücksverweigerer – auch Dein Kind?

Was disziplinlose Eltern bei ihren ABC-Schützen anrichten (von E. Burger)

Ist es nicht wunderbar, dass unsere Berliner Kids ab morgen, Montag, zu ABC-Schützen werden? – Das war ja ein Gewusel, als im Supermarkt um die Ecke Omas, Tanten und ein ungeschickter Opa im Schultüten-Sonderangebot  wühlten. Dahinter eine vor Stress schwitzende dicke Mutter mit drei migrationshintergründigen und äußerst lebendigen Kindern, von denen nur das süße Mädchen traurig dreinschaute. Und vor der Einkaufswagen-Rückgabe zwei plaudernde jüngere Frauen, aus deren Gespräch ich nur entnehmen konnte: „…aber der Junge isst nichts vor neun!“

Frühstücksverweigerer waren früher einmal eine seltene Rasse unter den Schülerinnen und Schülern. Denn die Kinder hatten einen gesunden Morgenhunger, speziell solche, die zum Beispiel auf dem elterlichen Bauernhof schon oder bei der Mama in der Küche mithelfen mussten. Stadtkinder, von denen immer nur diejenigen zu spät zum Unterricht erschienen, die den kürzesten Schulweg hatten, hatten in ihrem Ranzen meist kein Frühstücksbrötchen oder Obst, sondern kauften sich mit ihrem Brötchengeld in der Tabak-Trafik (österr. für Kiosk) irgend ein süßes Zeugs und verklebten sich damit den leeren Magen. Nach dem Zuckerabbau verfielen sie dann regelmäßig ab der dritten Schulstunde in eine bleierne Müdigkeit. Manche gähnten lässig, wofür sie  Hause vom strengen  Papi eine Dachtel (=Watsche =Ohrfeige) bekommen hätten. Nicht aber von der Lehrerin, denn die hat vielleicht erkannt, warum ein sonst fröhlich quirliges  Kind schon am Vormittag gähnt…

Die Folgen eines nahrungslosen Schultages würden hier ganze Seiten füllen. Und die Verwahrlosten, deren Mütter oder Väter oder beide noch schlafen, während sich das Kind selbständig und oft genug ungewaschen, zur Schule aufmacht, lasse ich hier aus dem Spiel. In den seltensten Fällen haben erwachsene, den Frühstücksmorgen verschlafende Eltern eine Nachtschicht hinter sich – nicht nur im Präkariat.

Kinder machen ist bekanntlich leicht und oft genug nur das Ergebnis einer geilen Viertelstunde. Kindern einen zufriedenstellenden Schulalltag zu ermöglichen – und das beginnt stets am Frühstückstisch! – ist eine der selbstverständlichsten Pflichten des Elternhauses. So, jetzt reicht’s. Man muß nicht Goethe, diesen Frauenfeind, zitieren. Mit seinem Spruch „Die Mütter würden erzogenere Kinder gebären, wenn sie selber erzogener wären!“ hat er allerdings in vielen Fällen Recht, der geniale Alles-besser-Wisser.

Bliebe mir nur ein Tipp, um aus Ihrem/r Frühstücksverweigerer/in ein für den Tag gut gestärktes Kind zu machen, das sich im Unterricht wohler fühlt als das magenleere Wesen auf dem Stuhl daneben:

Wecken Sie Ihre ABC-Schützen viel früher auf als es nötig wäre. Vermeiden Sie, dass Ihr Kind noch vor der Schule irgend welche Hausaufgaben, die am Vortag nicht erledigt wurden, fertig stellen muss. Sie glauben gar nicht, wie viel Stress Sie Ihrem Kind ersparen und wie viel Lebensqualität sie ihm schenken können. Also los!

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Ikarus weint – Kiel weint nicht

Die Tränen des Herrn von Boetticher waren echt. Trotzdem suhlt sich die Kieler CDU in Gier und Spott nach neuen Pfründen. Und der MP plaudert bei Springer & Co (von E. Burger)

Sommerloch oder doch etwas Echtes, Berührendes? – Der mehrfache Rücktritt des C. von Boetticher, der sich keiner Schuld bewusst sein muss, muss jüngere Menschen doch sehr verunsichert haben. Da steht einer, der weder vergewaltigt noch gelogen, weder ehebrecherisch noch diebisch, weder korrupt noch hinterfotzig war und löst einen Krokodilstränensee aus Druckerschwärze aus. Dem bekannt kleingeistig raffinierten Großformat mit dem roten Kopf reicht es in Ermangelung von unanständigen Nacktfotos der jugendlichen Freundin Boettichers nicht zu einem  Skandalthema. Bisher wenigstens. Dafür plaudert der Ministerpräsident, der übrigens schon alles kommen sah, in der heutigen Berliner Morgenpost auf Seite 2 frei von der Leber weg.

In der altgriechischen Sage von Daedalus und Ikarus, dem unvorsichtigen und dennoch wagemutigen Sohn des Alten, stürzt der Nichtschwimmer Ikarus von einem unverantwortlich fahrlässigen Höhenflug ins Meer und ersäuft. Dieses tragische Schicksal ist Herrn v. B. erspart geblieben. Er ist nicht ins Meer gestürzt, nur von einer politischen Leiter in den Sumpf. Nur: Auch im Sumpf – und gerade dort – unter parteigenossischen Freunden und Karrieristen ersäuft es sich ebenfalls sehr leicht, wie so manches Beispiel aus der Politik der letzten Zeit beweist.

Der moralisch schuldhafte v. B. und seine „Freunde“ sind nicht katholisch. In einem solchen Fall würde eine Beichte mit der Buße von drei Gegrüßest-seist-du-Maria und einem Schmerzensreichen Rosenkranz ausreichen, um das „Ego te absolvo!“ des Beichtvaters und damit wieder eine vollkommen reine Seele zu erreichen. Nicht so im protestantischen Norden, wo man seine „Sünden“ ganz eigenständig mit dem lieben Gott abzumachen pflegt.

Ich hab keinen Grund, den politischen Absturz des Herrn v. B. zu beweinen. Es ist mir lediglich ein übles Beispiel für die solide Doppelmoral und Scheinheiligkeit innerhalb der politischen Klasse: Wenn in Bayern ein „von“, konkret ein Herr von „zu“, auf betrügerische Weise einen karrierefördernden Doktortitel erschwindelt, wird er vom dort ansässigen Herrn Ministerpräsident mehrfach und öffentlich geschützt, weil ihm das Plagiieren halt einfach passiert sei. Eine Liebe jedoch, gemeinhin das Schönste, was zwei Menschen passieren kann, ist eine Todsünde oben im deutschen Norden, der den Mythos der Geradlinigkeit seiner Insassen so schätzt.

Bald britische Zustände?

Nicht nur die britische Zeitung SUN ist berüchtigt für ihre üble Enthüllungsmoral. Das Aufdecken von Affären, die sich Personen der Öffentlichkeit zuschulden kommen lassen, wobei es in den seltensten Fällen um Schuld geht, ist an der Tagesordnung. In Deutschland war man in dieser Hinsicht bisher dezenter. Aber wie lange wird es noch dauern, bis auch hierzulande Geschäft gemacht wird mit der Aufdeckung von privatesten Dingen?

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Ihr Heuchler des Nordens!

Was sagt die vom Herrn von Boetticher beglückte junge Frau? – Ein junger, fescher, prominenter „Von“ büßt – wofür denn?

Da lässt sich ein unverheirateter Mensch, blond und noch dazu aus aus Schläfrig-Holstein mit einem twitternden Girl ein und verliebt sich in die junge Frau und sie verliebt sich in ihn: den CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzenden Christian von Boetticher (heute 40 Jahre jung). Und was passiert dem Mann? – Von den übelsten Feinden, die sich ein Politiker antut, nämlich von den eigenen Parteifreunden wird er fertig gemacht ob seiner Liebschaft, quasi politisch niedergemetzelt und mit der Moralkeule geschlagen, sodass er unter Tränen seine geplante Ministerpräsidenten-Nachfolge aufgibt und den Parteichef zurücklegt. Welch eine Heuchelei im deutschen Nordland, das bisher eigentlich nur durch einen Badewannen-Toten („Ehrenwort“) und einem heimtückischen Stimmverweigerer anlässlich der geplanten Wiederwahl der SPD-Ministerpräsidentin Simonis vor Jahren aufgefallen ist, wenn man vom klugen, zuweilen bösartig scheinenden FDP-Spitzenkritiker K. absieht. Unvorstellbar, was da zwischen pächtigen Rapsfeldern und alten Segelschiffen im Kieler Hafen vor sich geht.

Sich in eine 16-jährige zu verlieben, muss was Schönes sein, noch dazu, wenn mehr daraus wird als eine Nacht. Aufs innigste zu wünschen wär‘ solch eine Liebelei mit Tiefgang. Aber anstatt sich darüber zu freuen, dass ein Parteikollege nicht still und heimlich Bordelle besucht, um seine Fleischeslust abzureagieren, sondern ziemlich offenherzig seine Beziehung zur jungen Frau pflegt, wird er niedergemacht. Anderswo, ihr Hinterwäldler zwischen Nord- und Ostsee, laufen in Politiker- und Managerkreisen ganz andere Liasonen, an denen niemand etwas findet, sobald BILD sich nach ersten schlagzeiligen Orgasmen abreagiert hat. Oder ist es nur der Neid weniger liebestüchtigerer Parteigenossen? – Eventuelle Playboy-Qualitäten des Herrn von Boetticher nicht kennend und deshalb auch nicht würdigend, plädiere ich für mehr Toleranz, nein: Akzeptanz in solcherlei Angelegenheiten. Es sei denn, ein Mann habe einem weiblichen Wesen Gewalt angetan. Solches scheint im vorliegenden „Fall“ aber nicht der Fall zu sein. Weshalb, außer um Leute kennen zu lernen, hätte sich die junge Frau in einem social network vorgestellt? Sicher nicht zum Rapspflücken auf der langen Spazierstrecke von Eckernförde nach Plön.

Lieber Herr v. Boetticher, grämen Sie sich nicht, auch wenn Ihnen bösartigerweise auch der Fraktionsvorsitz im langweiligen Landesparlament vermasselt werden sollte!

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Ihr Fälscher, schämt euch!

50 Jahre nach dem Bau der Mauer betonieren vor allem die staatlichen Medien die einseitige Sichtweise. Opfer-Betrauerung – ja, Mitschuld des Westens verschweigen – nein! (von A. Rosenblattl)

Vollstes Verständnis dafür, dass die medialen Erinnerungen an den Bau der Berliner Mauer, der 1961 die endgültige Schließung des Eisernen Vorhangs bedeutete, auf die Todesopfer und das Leid ihrer rat- und trostlos zurückgebliebenen Angehörigen und Freunde konzentriert(e). Vollstes Verständnis für die Berichte, Reportagen und Features in den Massenmedien, in denen vornehmlich politische Unpersonen wie Ulbricht, Honecker & Co. berechtigterweise als Unmenschen angeklagt werden wie auch schon in den vergangenen Jahren. Kein Verständnis jedoch für die Einseitigkeit für das Ignorieren der „westlichen“ Seite. Ein Sebastian Haffner dürfte im Grab rotieren angesichts derartiger Manipulationen der heutigen Meinungsmacher.

Erinnerungskultur ist wichtig. Einseitigkeit ist – immer – schädlich. Und Theodor Fontanes Bemerkung, alles sei eine Frage der Beleuchtung, trifft es bei diesem Thema nicht: Es geht immerhin nicht nur um die DDR- und die Westberliner Geschichte, sondern um die Geschichte einer Ära der Weltpolitik. Obwohl ich, der Schreiber dieser Zeilen, weder Berliner noch deutscher Staatsbürger bin, interessierte es mich aufgrund meines Erstaunens über die historisierende bundesdeutsche Berichterstattung, was zum 50-jährigen „Jubiläum“ anno 2011 dem Publikum, dem älteren wie dem jüngeren, über das Zustandekommen des Schandbauwerks serviert werden würde. Doch siehe da: Trotz neuerer Erkenntnisse im letzten Jahrzehnt, in dem nicht nur sowjetische, sondern auch US-amerikanische Geheimakten geöffnet und für jeden Historiker zugänglich gemacht wurden, werden die alten Ansichten neu aufgekocht, wie bei Phönix mit Hinweisen auf das David-Bowie-Konzert 1987, das westseitig – was sonst – am Brandenburger Tor stattfand, um das Thema aufzulockern. Ab 13.15 Uhr fiel der Fernsehempfang (zumindest in Berlin-Schöneberg) total aus. Ich nehme an, dass auch ab dieser sendefreien Zeit keine wesentlichen „Details“, wie ich die folgenden Tatsachen nennen möchte, zur Sprache kamen:

Schon die Unperson Stalin weigerte sich, der Unperson Ulbricht zu gestatten, nach dem Arbeiteraufstand die DDR gegenüber dem Westen völlig abzusperren. Nach Stalins Tod, als die Unperson Ulbricht den Stalin-Nachfolger Chruschtschow mit denselben Wünschen und Forderungen nervte, gab es von Seiten des Kreml bis zum Juli 1961 keine Genehmigung für eine Absperrung der mittlerweile zum einzigen Fluchtpunkt gewordenen Teilstadt Berlin (West).

Erst als der junge Präsident John F. Kennedy nach der missglückten Kuba-Invasion der USA gefordert war, Profil in der Berlin-Frage zu zeigen und mit einem Kompromiss zur Erhaltung des Status quo (ohne Imageverlust für die westlichen Verbündeten) spekulierte, wobei ihm eine Reihe von Beratern, darunter kurzfristig auch der junge Henry Kissinger, zur Verfügung standen, kam Bewegung auf. Da laut damals gültigem Völkerrecht einer Absperrung der DDR inkl. Ostberlin nichts entgegenstand, ließ der genervte Kennedy bei Chruschtschow anrufen, um ihm dies mitzuteilen. Der damaligen Anrufer war Senator William S. Fulbright.

Für den Kreml-Chef, der seit dem Berlin-Ultimatum 1958 immer wieder spektakuläre Drohungen von sich gegeben hatte, um den Westen einzuschüchtern, war diese Erlaubnis direkt aus dem Weißen Haus der Zeitpunkt, den Forderungen des lästigen Spitzbarts nachzugeben. Danach setzte sich die Maschinerie in Gang – heimlich, still und leise, wie wir wissen.

Weshalb das Wissen über die wirklichen Fakten, die zum 13. August 1961 führten, hierzulande nicht an die Bevölkerung weiter vermittelt wird, mag man sich unwillkürlich fragen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Journalisten zu faul sind oder sogar absichtlich Geschichtsfälschung betreiben. Der bewährte Journalisten-Grundsatz „altera pars audiator“ („Auch die andere Seite muss gehört werden“) ist doch nicht abhanden gekommen, denke ich. Oder ist z.B. John F. Kennedy vielleicht doch heimlich heilig gesprochen worden, quäkt mir ein Mitleser im Gedenk-Café in den Laptop. Blöder Scherz, denke ich. Viel eher kommt mir ein Satz in Erinnerung, welcher da lautet: „De mortuis nil nisi bene!“ („Über Tote nichts außer Gutes!“). Mir fehlen nach diesem Jubiläumstag die Worte. Bin gespannt, ob nach dem heutigen Sonnabend in nachträglichen Kommentaren in der Presse endlich eine etwas erneuerte Sichtweise zum Tragen kommt.

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Blühende Landschaften – weltweit

Erinnern Sie sich an Helmut Kohls grandiosen Spruch über die „blühenden“ Landschaften der Ex-DDR? – Offenbar hatten er und sein Freund Mitterand ähnliche Euro(pa)-Träume… (von Aaron Rosenblattl)

Fallende Börsenkurse und Fußball sind die Themen der Saison. Kein Tag ohne Gejammer, Horrorvisionen und offene, hinterhältige bis gemeingefährliche Angstmeldungen. Die tägliche Bandbreite in sämtlichen Medien reicht von nüchternen Berichten bis zu Kommentaren selbst ernannter Propheten. Das Fernsehen tut so, als wären wir alle Aktionäre mit nennenswerten Aktienpaketen mit derzeit krank machenden Schlafstörungen und Wecker-Einstellungen zu den Öffnungszeiten asiatischer Börsen, die uns mit ihren „Eröffnungskursen“ mitten in der Nacht zum Betablocker greifen lassen, falls vorhanden. Tief bedrückt schleichen wir also ins Bad, zum Frühstück, zur Arbeit. Dort klicken wir uns diesmal nicht in irgend welche Pornoseiten, sondern auf die inländischen Kursangaben. Den Kollegen gegenüber hassen wir, denn er lacht hinterfotzig über uns, da er sich zur Jahrhundertwende rechtzeitig mit einigen Kilogramm Gold und einer Pilotentasche voller Kruger Rand- oder Wiener-Philharmoniker-Goldmünzen eingedeckt hat und nun happy sein kann inmitten zitternder Aktionärskollegen.

Auf hohem Niveau zu jammern, jede Talkshow mit Warnern wie Olaf Henkel auf dem Recorder zu speichern, sind wir hierzulande gewohnt. Auch wenn es darum geht, über andere, vornehmlich ausländische Regierungen und deren Volk zu lästern („Haben wir ja immer schon gewusst, wie es die Griechen, die Römer, die Spanier  und andere machen..!“), sind wir kompetente, wissende Wisser und Wisserinnen.

So, aber jetzt vergessen wir mal unsere eigenen Aktienpakete und die wahrscheinlich oder sicher sinkenden Dividenden auf den jeweiligen Hauptversammlungen und lassen mal die Hosen runter: Wer hat denn Aktien? – Wenn man den Extra-Kurzsendungen vor den Abendnachrichten glauben darf, dann muss es die Mehrheit der Bevölkerung sein. Ich denke, diejenigen, die Aktienpakete besitzen, haben ohnehin ihre eigenen Medien oder Stand-by-Berater und Finanzanalysten, aber doch nicht die Mehrheit etwa der Tagesschau-Seher. Zur Reizung meiner Gallenblase reichen mir – vor den Abendnachrichten – die meines Erachtens überflüssigen Wetterfrösche und -fröschinnen, die zuerst erzählen, wie der zu Ende gehende Tag wirklich oder angeblich war oder gewesen sein soll. Überflüssig. Und wenn diese sicherlich nicht schlecht honorierten TV-Meteorologen das Wetter des nächsten Tages voraussagen, dann werden locker-flockig Temperaturspannen eingeblendet, großzügigerweise zw. 18 und 30 Grad Celsius; aber wenn es schon den 28. Tag hintereinander schwül ist, ob warm-schwül oder kühl-schwül, dann fällt darüber kein Wort. Obwohl man – u.U. am eigenen Leib weiß, dass es nicht der Celsius ist, der uns plagt, sondern die Luftfeuchtigkeit. Hier sollte seitens der Sender, ob Radio oder TV, etwas präziser berichtet werden als bei den Aktienkursen, die sich ohnehin nicht so genau voraussagen lassen wie das Wetter. Meinen Sie nicht?

Doch zurück  zum Titel: Als die europäische Währungsunion mit dem Euro geschaffen wurde – das ist nun einige Jahre her – dürften dem damaligen Kanzler, seinen Freunden jenseits und seinen Untergebenen diesseits der deutsch-französischen Grenze ebenso „blühende Landschaften“ vorgeschwebt sein wie seinerzeit, als Kohl dieselben für die Ex-DDR prophezeit hat. Wie schön es in den Mittelmeerländern, in Portugal und im schon vor Jahren zurechtgefütterten Irland in den jeweiligen Staatskassen „blühte“, war offenbar drittrangig hinter dem – zweifellos ehrenhaften – Projekt eines ökonomisch und vielleicht bald auch politisch vereinigten Europa, von dem Kohls Vorgänger bisher nur zu träumen wagten. Kohl hat nicht geträumt, sondern realisiert. Wie seinerzeit nach dem Mauerfall: Wie viele Milliarden bzw. Billionen DM haben Abriss und Wiederaufbau der Ex-DDR gekostet? – Übertragen Sie das mal in die Euro(pa)-Dimension, bevor Sie sich wieder einmal eine italienische Opernaufführung gönnen!

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Semmelknödel niemals mit Ei!

Schon die Gottscheer Köchin Anna ärgerte sich über die überkandidelten Knödeldreherinnen „aus der Stadt“ – Tipps für unkompliziertes Klöße-Kochen: schnell & köstlich (von A. Rosenblattl)

Es gibt kaum eine Speise, bei deren Herstellung so viele Fehler gemacht werden wie bei Semmelklößen (süddeutsch: Semmelknödel). Das Makabre dabei: die meisten Fehler passieren aus Unsicherheit und aus dem Drang, ja nix falsch zu machen. Für Kochmuffel und -muffelinen: Semmelknödel sind sowohl eine Beilage zu jeglichem Fleischgericht mit Saft oder Sauce als auch ein leichtes, flott auf den Tisch zu bringendes Hauptgericht für LiebhaberInnen leichter und preiswerter Kost. Vorangestellt drei Verbote:

  1. Vergesst, was dazu in in den Kochbüchern steht, sobald ihr das Wort „Ei“ oder gar „Eier“ erblickt. Ei tötet den zarten Semmelgeschmack und lässt den Knödel zu einem dicken Pampf werden.
  2. Meidet fertiges Knödelbrot, wie es im Ladenregal steht. Das schmeckt meist nach nix!
  3. Lobt nie – auch nicht im Sterne-Restaurant – ein noch so feines Gericht mit Knödeln, wenn diese nicht wirklich mundeten.

Und nun der „Produktionsablauf“ für jene, die sich noch nicht empört oder verschreckt abgewandt haben:

  1. Überlege mit Augenmaß, wie viele Knödel auf dem Boden deines großen Kochtopfs Platz finden sollen, ohne dass einer auf dem anderen liegt. Danach kaufe – pro Knödel 1 Semmel – das Gebäck, das entweder frisch ist oder vom Vortag stammt. Sollte dieses Gebäck sehr blass gebacken sein, kannst du es im Backrohr ganz kurz aufbacken (Grill-Einstellung) und damit kross (österr. resch) machen. Danach würfelig schneiden; die Würfel nicht zu klein, damit danach kein Teig draus wird.
  2. Hack dir ein ziemlich großes Büschel glatter Petersilie klein; aber nicht so klein, dass man die Blättchenform nicht mehr erkennen kann. Lieber zu viel Petersil als zu wenig. Kleine Stengel machen nichts. Eine mittelkleine Zwiebel fein hacken und drüber streuen.
  3. In einer entsprechend sehr großen Schüssel liegen nun die Semmelwürfel, darauf die Petersilie. Darüber reibst du (nicht zu viel) Muskat direkt von der Nuss auf die noch milchfreie Masse. Kein Salz. Kein Ei. Das leichte Muskat-Aroma dient dazu, den „semmeligen“, unter Umständen etwas dumpfen Geschmack des weichen Inneren des Gebäcks zu unterdrücken.
  4. Nun gib, aus einem Tetrapak besonders vorsichtig geschüttet, Milch drüber. Deine absolut sauberen Hände sind nun gefragt: Überprüfe beim ersten „Ergreifen“ der leicht genässten Semmelmasse, ob Du noch Milch zugeben sollst oder nicht. Warte eine halbe Minute, bis die zugefügte Milch eingesogen worden ist und füge, leicht anknetend, das Ganze zu einem lockeren Laib. Sollte dir die Masse etwas zu weich geworden sein, bluffe mit Zugabe eines gut eingestreuten Esslöffels glatten Mehls, und wenn das noch nicht helfen sollte, füge ein, zwei Esslöffel Semmelbrösel dazu. Sonst nichts.
  5. Inzwischen sollte das Knödelwasser im Kochtopf, das mit je einem gehäuften Teelöffel Salz pro Liter „gewürzt“ wurde, summen. Siedeheiss, aber nicht kochend! – Die Knödel vorsichtig ins Wasser hineinrollen.  Die ersten etwas größer formen als die letzten, damit alle zur gleichen (11. oder 12.)  Minute fertig sind. Nie sprudelnd aufkochen lassen, so zerkocht dir kein Knödel. Erst wenn sie ganz oben im Heisswasser schwimmen, sind sie wirklich fertig.
  6. Probiere, indem du mit 2 Gabeln einen Knödel „zerreisst“, ob er auch innen drinnen flaumig ist und gut duftet.Beim Essen: Knödel niemals schneiden, immer nur mit Messer- und Gabelspitze aufreissen!
  7. Gut abgetropft dem Hauptgericht beilegen oder allein servieren. Zu einer ordentlichen (grünen) Salatportion, möglichst mit Steirischem Kürbiskernöl (ist das allerbeste Öl, das es für Blatt- und Tomatensalat gibt!) und feinem Essig abgemacht. Feines Detail: Warm zerlassene Butter auf die noch heissen Knödelhälften, und dem Genuss steht nichts mehr im Weg.

Veredelungs- und Variantenvorschläge: Tiroler G’röstl oder Knödelblätter backen – dafür zahlen deutsche Touristen in österreichischen Restaurants gutes Geld; zu Hause ist es nichts anderes als delikate Resteverwertung.

Guten Appetit und Grüße aus der Gottschee!

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John F. Kennedy ein Heiliger?

Das Versagen des US-Präsidenten 1961 wird endlich entlarvt – Berliner sind entsetzt, dass sie ihm völlig egal waren.

Wer hätte das gedacht? – Der Jahrestag zum Jubiläum „50 Jahre Mauerbau“ steht vor der Tür und –  quasi in letzer Minute – räumen ausländische Historiker mit fehlerhaften Halbwahrheiten und Legenden über die Vaterschaft der Berliner Mauer auf. Der im westlichen Berlin wie ein Heiliger verehrte John F. Kennedy habe seinem Kontrahenten in der UdSSR grünes Licht für den Befehl an Ulbricht gegeben, „eine Mauer zu errichten“. Ob das stimmt?

Etablierte deutsche Historiker mit „West-Brille“ beschuldigten jahrzehntelang allein Ulbricht und Chruschtschow wegen der Errichtung des europäischen Schandwerkes. Die Ost-Historiker pflegten mangels Detailwissen die Hauptschuld bei Nikita zu platzieren, während ihre Kollegen aus dem alten West-Deutschland eher im „Spitzbart“ Ulbricht des Schandbuben sahen, womit sie durchaus richtig lagen, weil es doch dieser Ulbricht war, der schon seit dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 immer wieder eine definitive Schließung der DDR-Grenze forderte. Aber alle hiesigen Buchschreiber unterließen es, aus welchen Gründen auch immer, die Rolle Kennedys näher zu untersuchen. An Kennedy durfte oder sollte man wohl aus (westlicher) Staatsraison nichts Negatives suchen oder gar finden. Nun sind es – ehrenhafterweise – amerikanische Autoren selbst, die die Mitschuld der USA, repräsentiert durch ihren damaligen Präsidenten und auslandspolitischen „Amateur“ (F. Kempe), jüngst unter die Lupe nahmen.  Wie ausgerechnet der österreichische Autor Gerd Joachim in seiner zu Ostern 2011 erschienen Romanbiographie „Es liegt noch Gold im Halensee“ schrieb, hätte es mehrere Möglichkeiten gegeben und geeignete Anlässe, einen Mauerbau – und damit für 28 Jahre betonierte Trennung Deutschlands – zu verhindern.

Da es sich beim „Halensee-Buch“ vordergründig um Schilderungen aus dem Leben eines Berliner Homosexuellen handelt, ist es nicht unbedingt „kinderzimmertauglich“, aber immerhin so rücksichtsvoll verfasst, dass die 320 Seiten in katholisch-neutralem Umschlag durchaus neben dem Sofa liegen können, ohne auch nur einen Hauch von Anstoß zu erregen. Apropos „Anstoß“:

Wie sich jüngst bei einer Autoren-Lesung in Berlin zeigte, sind Berliner jeden Alters trotz besseren Wissens über Zahlen, Daten und Fakten nicht bereit (oder dazu nicht fähig) zu akzeptieren, dass es der Stadtheilige JFK war, der kurz vor dem 20. Juli 1961 durch seinen außenpolitischen Berater, Senator William S. Fulbright, Nikita Chruschtschow telefonisch anraten ließ, eine Mauer bauen zu lassen, damit in Berlin endlich Ruhe sei. Kennedy nahm in Kauf, dass er damit unter anderem den Berlin-Status verletzte, indem er auch auf Ostteil Berlins verzichtete (Statusverletzung). Die Nichtanerkennung der DDR durch die USA sollte völkerrechtlich Faustpfand genug sein. Dem Pragmatiker Kennedy – und damit gaben ihm alle westlichen Staatschefs Recht – reichte die Erhaltung des Status quo aus, also der freie Zugang der West-Alliierten zur solcherart entstehenden Insel „West-Berlin“, die noch dazu bewohnt (!) war.

Anzunehmen ist, dass ein Sebastian Haffner („Anmerkungen zu Hitler“), hätte er nicht just am 13. August 1961 seine Journalisten-Tätigkeit beim seriösen britischen Observer gekündigt, Klarheit und damit sachliche Aufklärung über die tatsächliche Vorgeschichte der Entscheidung zum Bau der Berliner Mauer hinterlassen hätte. Er hat es leider nicht. Somit sind wir heute aufgrund der Einseitigkeit der deutschen Mainstream-Autoren darauf angewiesen, uns bei Hope Harrisson, Frederick Kempe und Gerd Joachim über die Wahrheit zu informieren.

John F. Kennedy, der sich erst zwei Jahre nach dem Mauerbau publicityträchtig als „Berliner“ outete, darf bzw. muss wohl ein Berliner Heiliger bleiben, sind doch Straßen und Schulen und eine wunderbare Bibliothek nach ihm benannt…

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Korrumpiert sind wir – alle!

„Der Aktionär ist das größte Säugetier!“ – Sind wir nicht alle irgendwo Aktionäre? – Was uns der Leihbischof Xaver Ignatius sagen wollte…

Als Herr Staeck noch nicht Präsident der Akademie der Künste war, prägte er den scharfen Spruch vom Aktionär als dem „größten Säugetier“. Er war nicht der Erste, der sich mit dieser Spezies beschäftigte, ihn, den Aktionär, unter die Lupe nahm, und er wird bei Weitem nicht der Letzte sein. Ein Aktionär, der Anteilsscheine, also Anteile am Grundkapital einer Aktiengesellschaft, besitzt,  ist es vornehmlich deshalb, weil er (sein) Geld gut, verantwortlich oder spekulierend, mitbesitzfreudig und mit dessen Vermehrung rechnend, anlegt. Weil er, wenn seine Anteile an einer AG groß genug sind, mitbestimmen kann und dergl. – Soweit einige schöne, ehrenhafte Seiten des Themas Aktionär. Nüchtern gesagt, ist der Aktionär ein Teilhaber eines Unternehmens, als Kleinaktionär eher einflussloser Teilnehmer.

Phrasendreschende Politiker haben sich in den Begriff „Teilhabe“ verliebt und nutzen ihn bei fast jeder passenden Gelegenheit. Leihbischof Xaver Ignatius verwendete dieses Wort schon im 18. Jahrhundert, um Barone, Grafen und andere Bevorzugte anzuprangern, denen „Teilhabe“ ihr besitzvergrößernder Lebenszweck war. Hier einige wenige Kostproben aus Traktaten des ungekrönten Nachfolgers von Abraham a Santa Clara, der im Wiener Barock seinen Schäflein auf Schwäbisch (denn von dort stammte er) die Leviten las. Das Folgende ist in heutiges Deutsch gebracht, um nicht vor sperriger Lektüre abzuschrecken:

„Was seid Ihr für Parasiten, Ihr Unnützen, Eure Kronen und Mützen sind aus Geiz geschmiedet und aus Neid genäht: Eure Weiber befördern Euer Prassen. Die Armen schmeisst Ihr aus dem Garten und hetzt die Bluthunde auf sie […]. Sogar die Jäger lasst Ihr hungern und nehmt ihnen weg, was den Jägern zusteht. Die Klosterbrüder macht Ihr fett, dass sie nicht mehr auf Eure Bäume steigen können für ein paar Früchte bei der Nacht.“ Soweit die Kritik an der Gier der Reichen. „Und wie der reiche Kaufmann sich seinen Kaiser modelt, womit er die Kurfürsten besticht und die reichen Bistümer, das kann ein jeder, der lesen kann, heimlich lesen, wenn er die Gnad‘ kriegt. Und wer’s nit kann, soll’s wissen: Der Fugger Jakob, derwo seine Goldschätz‘ mit falschem Kleinholz und alchemistischem Beschiss groß und fett hat werden lassen, Holzeln gegen alle mögliche Krankheit, die bei sündiger Fleischeslust entstanden ist [Syphilis. d. Verf.] bis ins Welsche und nach Burgund von Augsburg aus, der macht sich also den Kaiser und lasst sich Pfründ‘ schenken und viel Gut. Und die Majestät [Kaiser Maximilian, „der letzte Ritter“.Anm. d. Verf.] tanzt dann nach seiner Pfeifen und die Kurfürsten lachen und fetten ihre Schätz‘ auf, am meisten der von Coelln, der heimtückischste, reicher wie der Papst…“

Bestechung und Betrug, Gefügigmachung der Politik, Allmacht der Wirtschaft – ein traditionsreicher Themenkreis mit Zukunft, den wir alle kennen, dem wir – wie auch – nicht entkommen können.

„Einer, der Fleisch und Futter hat und sehr viel teurer verkauft als er sie eingekauft hat“, so geht’s weiter, dem „gebühret die Höllen und die ewige Finsternuss“, wenn er draus mehr G’winn holt als auf dem Marktplatz.Ob hier vorgreifend auch die heutigen Lebensmittelketten-Milliardäre gemeint sind?

Antisemitisches, das seinerzeit in engem Automatismus mit dem Geldverleihwesen gepflegt wurde, sei hier, selbstzensuriert, ausgeklammert – anders als beim Dr. Luther, der zeit seines Lebens keinerlei Abstand nahm von seiner eingefleischten Meinung über die „gierigen Juden“ (s. Luthers Tischreden, die wir heute entsprechend unserer political correctness  o h n e  die originalen Beschimpfungen und Verdächtigungen des Reformators in den Buchhandlungen und Pfarrbüchereien zwischen Flensburg und Garmisch finden). Nur in der „Frommen Helene“ des militanten Antisemiten, Poeten und Zeichners Wilhelm Busch, dem wir die ersten Comics verdanken, gibt es noch heute in manchem unschuldig daherkommenden Buch abstoßende Zeilen  („Und der Jud mit krummer Nas'“), die wir hier vergessen wollen.

Leihbischof Xaver wendet sich schließlich an jene „kleinen“ Konsumenten, die im Kleinen ebenso so geizig und gierig sind wie die Großen, die ihr vieles Geld nicht mehr unter der Matratze unterbringen und sich anstatt des Baren mit Aktien reich halten und immer reicher werden und es in ihrer blind machenden Gier unterlassen, an die anderen zu denken, denen es nicht so gut geht. Motto für den Anfang: Was sich die großen Ackermänner im Großen leisten, das leisten sich die kleinen  Ackermänner, im kleineren Maßstab eben. Vor dem Jüngsten Gericht werden beide nicht bestehen.

Bleibt nur noch der Hinweis auf den originellen Bankier Fürstenberg, Inhaber der Berliner Handels-Gesellschaft und Nachfolger des berühmten Bismarck-Bankiers Bleichröder: Herrn Fürstenbergs lockere Lippe pflegte sich angeblich nicht nur einmal über den heute so bezeichneten Kleinaktionär auszulassen, der die Frechheit besitze, mit seinem Anteil an „seinem“ Unternehmen  in demselben irgend etwas bewirken zu wollen. Sind Sie, frage ich, Mitglied einer der Kritischen-Aktionäre-Gruppen? – Präzisere Fortsetzung demnächst.

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